Freitag, 31. März 2006

Heizöl in der Kläranlage

Ausserordentliche Ereignisse – ausserordentlicher Beitrag im Mitteilungsblatt. Normalerweise meldet sich der Kommandant der Feuerwehr Glattfelden-Stadel-Weiach nur auf der Website seiner Organisation zu Wort.

In der aktuellen Ausgabe der Mitteilungen für die Gemeinde Weiach schreibt Major Balmer über die Folgen der grossen Schneeschmelze. Text und Bild sind aus dem Webeintrag bekannt. Neu ist hingegen die letzte Passage:

«Keine Folge des Unwetters war allerdings der Einsatz vom 12. März 2006. Um 19:24 wurden wir zu einem Ölwehreinsatz nach Weiach aufgeboten. Durch eine unsachgemässe Handhabung an einer Heizanlage gelang Heizöl in die Kläranlage. Zusammen mit dem Amt für Wasser, Energie und Luft (AWEL), der KAPO und den Klärwärtern wurde das Heizöl abgesaugt und die Kläranlage gereinigt.»

Wäääk... Gut haben wir unsere Feuerwehr, die solche Dummheiten wieder geradebiegt.

Quelle
  • Balmer, W.: Unwetter im Unterland, auch die Feuerwehr Glattfelden-Stadel-Weiach wurde gefordert. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, April 2006 - S. 14.

Donnerstag, 30. März 2006

Raiffeisenloses Gebiet zugeteilt

Weiach ist zu klein. Für Grossbanken sowieso. Für kleine Banken eher auch. Es gibt zwar eine Agentur der Zürcher Kantonalbank. Doch die ist wohl auch nur präsent, weil die ZKB so etwas wie einen Versorgungsauftrag hat.

Gleich ennet der Kantonsgrenze aber, vor den Toren des Städtchens Kaiserstuhl, findet man nicht nur eine richtige kleine Bank. Sie hat sogar einen Bankomaten. Schier unglaublich. ;)

Aussenposten Kaiserstuhl

Die Rede ist von der Geschäftsstelle Kaiserstuhl der Raiffeisenbank Surbtal-Wehntal an der Badenerstrasse 122 (das ist immer noch die Gebäudeversicherungsnummerierung - so viele Häuser gibt es an dieser Strasse nicht).

Die Öffnungszeiten? Die sind primär auf lokal Ansässige ausgerichtet. Montag ist Ruhetag. Von Dienstag bis Freitag ist der Schalter von 08:30 - 11:30 und 14:00 - 17:00 offen. Am Donnerstag bis 18 Uhr. Dafür erwartet man auch am Samstagvormittag Kunden. Von 08:30 - 11:00 Uhr.

Kunden sind Mitglieder

Es hat schon eine besondere Bewandtnis mit diesen Raiffeisenkassen. 420 gibt es davon in der Schweiz. Und die Raiffeisenbank Surbtal-Wehntal ist die zwölftgrösste von ihnen; sie zählt 6000 Mitglieder. Eigentlich erstaunlich für diese aargauisch-zürcherische Randregion.

An der kürzlich abgehaltenen Generalversammlung 2005 musste für über 900 Mitglieder ein Platz gefunden werden. Die Tennishalle in Lengnau war da wohl grad gross genug. Die Generalversammlung solle «neben statutarischer Pflicht Ausdruck der Zusammengehörigkeit und der gemeinsamen Stärke sein», wurde der Präsident Ruedi Löschhorn von der Aargauer Zeitung zitiert. Quod erat demonstrandum.

Hilfe zur Selbsthilfe - in der Schweiz seit 1899

Geboren wurde das Konzept der Raiffeisenbanken, ein genossenschaftliches Modell par excellence, im Rheinland. Der Bürgermeister von Heddesdorf, Friedrich Wilhelm Raiffeisen, wollte «das Kapital da nutzbar [machen], wo es erarbeitet wurde». Und griff 1862 zur Selbsthilfe. Das war damals auch bitter nötig. Denn die damaligen Grossbanken kümmerten sich schon damals kaum um die wenig lukrativen Bereiche dessen was man heute neumodisch "Microfinance" nennt.

Er sammelte das Geld der Dorfgemeinschaft in Form von Spareinlagen und lieh es gegen Sicherheiten zu günstigen Bedingungen wieder aus - und zwar in Heddesdorf und Umgebung selber. Raiffeisens Ideen waren etwa zur gleichen Zeit noch an ganz anderen Orten ausprobiert worden. Als eines der wenigen Konzepte hat aber dieses Modell überlebt. 1899 entstand in Bichelsee im Kanton Thurgau die erste Raiffeisenbank der Schweiz.

Die Gründe sind wohl darin zu suchen, dass Friedrich Wilhelm Raiffeisen die Kreditinstitute auf genossenschaftliche Grundsätze verpflichtete. Alle Mitglieder sollten die Dienste ihrer Bank beanspruchen können und ein Recht auf Mitbestimmung haben. Im Gegenzug sollten aber auch alle mitverantwortlich für das Wirken und Gedeihen der Genossenschaft sein.

Dieser basisdemokratischen Struktur ist es zu verdanken, dass das Raiffeisen-System heute in über 100 Ländern mit rund 350 Millionen Genossenschafts-Mitgliedern verankert ist (siehe auch den Wikipedia-Artikel: http://de.wikipedia.org/wiki/Genossenschaftsbank)

Da die Mitglieder sich für die Geschäfte ihrer Bank mit verantwortlich fühlen, ist nicht nur die Sicherheit und Stabilität höher. Das führt offensichtlich auch eher zu einer Abstimmung des Angebots auf die Bedürfnisse der örtlichen Bevölkerung. Und dadurch, dass die Kundengelder im Geschäftskreis verbleiben, tragen sie direkt zur Entwicklung der Region bei. Nachhaltige Banktätigkeit ist also zumindest nicht unmöglich.

Weiach war raiffeisenlos

Die Raiffeisenbank Surbtal-Wehntal unterhält Geschäftsstellen in Kaiserstuhl, Schneisingen, Lengnau, Endingen, Tegerfelden sowie in Niederweningen. Man sieht ganz deutlich die aargau-lastige Ausrichtung. Das wundert auch nicht, denn im östlichen Wehntal ist ja die Bezirkssparkasse Dielsdorf tätig.

Wirklich gewundert habe ich mich aber über diesen Satz im Artikel der Aargauer Zeitung: «Mitte 2005 hat der Schweizer Verband der Raiffeisenbanken einer Zuteilung des raiffeisenlosen Gebietes Weiach zum Geschäftskreis Surbtal-Wehntal zugestimmt. Die Statutenänderung wurde mit dem erforderlichen Zweidrittelmehr angenommen. Somit gehören 14 Gemeinden im Kanton Aargau und 6 Gemeinden im Kanton Zürich zum Geschäftskreis der Bank

Besonders interessant ist das, wenn man den Geschäftsbericht der benachbarten Raiffeisenbank scannt. Die Raiffeisenbank Züri-Unterland mit Sitz in Bülach und Geschäftsstellen in Höri, Neerach, Regensdorf und dem schaffhausischen Buchberg erwähnt in einer Fussnote ihres Berichts 2005:

«Erläuterungen zu wesentlichen Verlusten, ausserordentliche Erträgen und Aufwänden sowie zu wesentlichen Auflösungen von stillen Reserven, Reserven für allgemeine Bankrisiken und von frei gewordenen Wertberichtigungen und Rückstellungen: Ausserordentliche Zahlung für Grundstückgewinnsteuern, betriebseigene Liegenschaft in Weiach

Mit anderen Worten: so raiffeisenlos war die Gemeinde Weiach also doch nicht. Musste die Raiffeisenbank Züri-Unterland zugunsten ihrer Schwesterbank den Fuss aus der Türe nehmen und deshalb ihre Weiacher Liegenschaft verkaufen?

Wie dem auch sei. Es ist jedenfalls spannend, dass im Bankbereich ein Anschluss an die aargauische Nachbarschaft erfolgt, wo vor kurzem eine langjährige kirchliche Zusammenarbeit über die Kantonsgrenze hinweg kläglich gescheitert ist.

Quellen

  • Geschäftsbericht 2005 der Raiffeisenbank Züri-Unterland, S. 29
  • Geschäftsergebnis gibt Grund zur Freude. In: Aargauer Zeitung, 29. März 2006

Mittwoch, 29. März 2006

Für den Regierungsrat eine Randregion

«Fluglärmkurve gekratzt?» fragte WeiachBlog am 8. März 2006. Heute bringt der Zürcher Unterländer einen grösseren Artikel zur selben Problematik. Nämlich zur Frage, wie es mit den Quartierplänen Bedmen und See-Winkel weitergeht.

Der Lead des Beitrags von Sandra Zrinski gibt die Hauptstossrichtung des Gemeinderats wieder und bringt gleichzeitig sein aktuell grösstes Ärgernis auf den Punkt:

«Die Gemeinde Weiach soll wachsen. Um dies zu ermöglichen, muss der Regierunsrat jedoch den Quartierplan See-Winkel gutheissen. Wann dies geschehen wird, ist noch völlig offen.»

Sie haben richtig gelesen. Nur noch den QP See-Winkel muss er bewilligen. Zum anderen Plangebiet liegt jetzt nämlich ein Bescheid aus Zürich vor: «Der Quartierplan Bedmen ist nach einer Verzögerung wegen der Fluglärmgrenzwerte von der Regierung bewilligt worden. Das 2,28 Hektaren grosse Gebiet grenzt an die Fläche See-Winkel. Die Kaiserstuhlerstrasse befindet sich jedoch dazwischen», schreibt Zrinski. Darüber informiert der Gemeinderat in der neuesten Ausgabe der Mitteilungen für die Gemeinde Weiach (Ausgabe April 2006) auch offiziell.

Das Problem heisst: parzellenscharfe Abgrenzung

Der Bedmen liegt näher beim alten Dorfkern als das Gebiet See-Winkel und damit auch näher am Aufsetzpunkt der Piste 14 des Flughafens Zürich. Wenn der Quartierplan Bedmen bewilligt wurde, dann müsste eigentlich auch für die weiter von der Pistenschwelle entfernten Gebiete alles klar und der Plan See-Winkel ebenfalls bewilligungsreif sein.

Ist er aber nicht. Warum? Wohl weil der Quartierplan dort auch neue Wohnbauten vorsieht. Und zwar Mehrfamilienhäuser wie den schon längst bestehenden Wohnblock im Dörndlihag, der einst für die Grenzwachtbeamten erstellt wurde. Die Grenzlinie zwischen Gebieten mit und ohne Planungswertüberschreitung verläuft genau durch das Quartierplangebiet. Deshalb muss der Kanton nun eine parzellenscharfe Abgrenzung vorlegen. Und das dauert.

Der Gemeindepräsident hofft, dass die lange Zeit der Unsicherheit auch für den Quartierplan See-Winkel zu Ende geht. Denn: «Die Bewilligung eines Quatierplanes [sic!] hat immer auch Signalwirkung für die Bauentwicklung.» [sic! = Orthographiefehler im Original des Unterländers]

Jahrelang auf Eis gelegen

Ob es nun noch einige Monate mehr oder weniger lang geht, fällt eigentlich schon fast nicht mehr ins Gewicht. Das Verfahren zieht sich mittlerweile ohnehin über mehrere Jahre hin. Zuerst war da die Einsprache eines Betroffenen:

«Am 14. März 2000 erging der Entscheid des Bundesgerichts: Der Rekurs eines Grundeigentümers gegen den Quartierplan See-Winkel in Weiach ist abgewiesen.»

Den Namen des Rekurrenten findet man auf der Website des Bundesgerichtes, dort kann man nämlich Volltext-Suchen durchführen, z.B. nach „Weiach“ oder nach dem Aktenzeichen: 1P.721/1999.

Aber Namen tun hier nichts zur Sache. Letztlich sind die Argumente interessant, die in diesem sogenannt unpublizierten Bundesgerichtsentscheid ins Feld geführt werden (unpubliziert, weil er nicht in der offiziellen Sammlung gedruckt wurde, sondern nur per Internet abrufbar ist) :

«Der Beschwerdeführer bestreitet ein öffentliches Interesse am Quartierplan, da weder die tatsächliche Bevölkerungsentwicklung noch die kommunale Richtplanung einen Bedarf an der Überbauung "See-Winkel" ausweise. Zudem lege auch die Fluglärmbelastung eine Redimensionierung der übergrossen Bauzonen nahe.» (E.2e in: BGer 1P.721/1999)

Das sind in der Tat interessante Punkte. Denn sie berühren die Grundsatzfrage: Soll die Gemeinde einwohnermässig überhaupt wachsen? Und wenn ja, warum? Ausserdem: braucht es dieses Baugebiet überhaupt, wo doch auch sonst noch viele Bauzonen gar nicht so begehrt sind, wie man sich dies erhofft hätte – man denke nur an die Parzellen an der Obstgartenstrasse zwischen Schulhaus, Leiacherweg und Bergstrasse. Die Erschliessung ist längst erfolgt und doch finden sich keine Bauwilligen.

Im Moment verdient die Obstgartenstrasse ihren Namen immer noch. Aber die Gemeindeoberen sind nun einmal fest entschlossen, endlich zu weiteren neuen Baugebieten zu kommen und so haben sie für den Ärger des Rekurrenten nicht viel Verständnis aufgebracht.

Dieser ist aber meines Erachtens durchaus begreiflich. Denn nach den Ausführungen des Bundesgerichts befürchtete er zu Recht, für sein bereits mehrheitlich überbautes Gelände in einem Quartierplan zur Kasse gebeten werden, von dem er nur wenige Vorteile, aber grosse Kosten haben dürfte.

Der Flughafen bremst

Dass das Bundesgericht bereits vor genau sechs Jahren zu Gunsten der Gemeinde entschied nützte ihr aber gar nichts. Denn seither klemmt es nun woanders. Der «Unterländer» nennt die dafür Verantwortlichen:

«Dies [der Bundesgerichtsentscheid] war jedoch alles andere als der Startschuss für die bauwilligen Grundbesitzer der rund 9 Hektaren grossen Fläche. Der Quartierplan musste noch vom Regierungsrat gutgeheissen werden. Weil die Fluglärmgrenzwerte nur wenige Monate vor dem Bundesgerichtsurteil verschärft worden waren, wurde der Quartierplan für die Wohn- und Gewerbezone sistiert.»

Ironie der Geschichte. Noch im März 2000 schrieben die Bundesrichter im oben erwähnten Urteil (siehe E. 2e): «Es bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, dass im Quartierplanperimeter die Planungswerte für die Lärmbelastung überschritten werden.»

Der «Unterländer» weiter: «An eine bauliche Entwicklung war in Weiach damit nicht mehr zu denken.» Es kommt natürlich darauf an, was man unter baulicher Entwicklung verstehen will. Neubauten oder sanfte Umnutzung bestehender Bausubstanz.

«Wir haben noch einige wenige Baumöglichkeiten im Dorfkern», wird der Gemeindepräsident Gregor Trachsel vom «Unterländer» zitiert. Und im Ortskern wird denn auch tatsächlich an einigen Stellen gebaut, man denke nur an die Baugespanne um das Haus Bianchi oder die verschwundene Scheune zwischen der Alten Post und Amtsrichters Edi. Am Platz der letzteren wurde ein riesiges Mehrfamilienhaus hochgezogen.

Platz für 500 zusätzliche Einwohner

Das ist offenbar nicht genug der Bautätigkeit. Dazu Trachsel im «Unterländer»:

«Damit sich die Gemeinde tatsächlich weiterentwickeln könne, sei man auf die Gebiete See und Winkel angewiesen. Diese sind bisher weitgehend unbebaut. «Deshalb wäre es denkbar, dort Mehrfamilienhäuser zu bauen», so Trachsel. Wann dies möglich sein wird, kann Trachsel nicht sagen. Die Gemeinde dränge schon seit längerer Zeit auf ein Gespräch mit der Regierung. Man sei aber immer wieder vertröstet worden. «Offenbar sind wir für den Regierungsrat wirklich eine Randregion», so Trachsel.»

Könnte es sein, dass die Kantonsregierung die ausufernde Agglomerisierung kritisch sieht und deshalb kein Interesse hat? Angesichts der planlosen Zupflasterung der Region um Zürich ist das leider nicht sehr wahrscheinlich. Dafür umso mehr, dass sich die Regierung tatsächlich nicht allzu grosse Gedanken um unsere Gegend macht. Ausser Achselzucken. Randzone halt. Kies - and that's it.

Stagnierende Bevölkerungszahl oder Vorstadt von Zürich?

Schliesslich kommt dann noch zum Ausdruck, was offenbar einen Teil der Beweggründe für den Wunsch nach vielen Neubauten ausmacht:

«Weiachs Bevölkerungszahl stagniert seit Jahren bei rund 1000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Die Schülerzahlen sinken kontinuierlich. Geschieht in den nächsten Jahren nichts, wird Weiach im Schuljahr 2011/2012 voraussichtlich noch 35 Schüler haben. «Und beim Gewerbe hat sich in den letzten Jahren auch nicht viel getan», sagt Trachsel. «Da hätten wir gerne ein wenig Entwicklung.»

Was für eine Zukunft wollen wir eigentlich?

Man kann sich fragen, ob die Bewilligung des Quartierplans Bedmen eine gute Nachricht ist. Immerhin handelt es sich sowohl beim Bedmen wie beim See-Winkel um weiteres wertvolles Landwirtschaftsland, das von unseren Altvordern mit Sorgfalt bewirtschaftet und gepflegt wurde und nun innert weniger Jahre überbaut und damit unwiederbringlich zerstört werden soll.

Da kann man den Kaiserstuhlern dankbar sein, dass sie einen Sicherheitsabstand ihres Städtchens auch auf zürcherischer Seite der Grenze haben wollten und dies heute auf Betreiben des Kantons Aargau im kantonalen Richtplan festgelegt ist. Sonst wäre man womöglich noch auf die Idee gekommen, das Quartierplangebiet bis zur Aargauer Kantonsgrenze auszudehnen.

Nur weil ein Gebiet als Bauzone ausgewiesen ist, bedeutet dies zwar vielleicht nach Planungsrecht, dass es überbaut werden soll. Wenn man aber gesunden Menschenverstand und Weitsicht walten liesse, dann müsste man sich wirklich ernsthaft fragen, warum nun auch noch dieses Gebiet auf Teufel komm raus überbaut werden muss.

In was für einer Welt wollen wir denn unsere Grosskinder leben lassen? In einer aus Quartiersträsschen, Vorgärten und Einfamilien-Mehrfamilienhaus-Mischkubatur bestehenden Hüsli-Schweiz?

Wovon sollen all diese neuen Weiacher leben, wenn sie dereinst wieder auf die Scholle angewiesen sein sollten?

Sich um die Schülerzahlen Sorgen zu machen, ist ja durchaus lobenswert. Für diese Kinder und deren Nachkommen eine nachhaltige Entwicklung zu sichern, die auch ausreichende Agraroptionen offenhält, wäre aber noch viel lobenswerter.

Dem stehen dem mächtige Profitinteressen entgegen. Bauland ist leider mehr (Geld) wert als Agrarland. Nur: Geld allein bringt keine Lebensmittel hervor. Ein fruchtbarer Boden hingegen schon.

Quellen
  • Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts vom 14. März 2000. Aktenzeichen: 1P.721/1999/hzg (I. Öffentlichrechtliche Abteilung; Raumplanung und öffentliches Baurecht).
  • Zrinski, S.: Für die Entwicklung der Gemeinde ist Bauland nötig. Weiach / Die Fluglärmgrenzwerte zeigen ihre Wirkung auf die Genehmigung von Quartierplänen. In: Zürcher Unterländer, 29. März 2006

Dienstag, 28. März 2006

La ampliación del cementerio de Weiach

Vergrösserung des Zementwerks? Das kommt einem spanisch vor, denn ein solches gibt es nicht. Dafür aber einen Friedhof (französisch: cimetière). Und um den geht es hier.

Er wurde allmählich zu klein und daher 2004 mit einem Projekt namens «Fuori le mure» ausserhalb der Wehrmauern des alten Friedhofs erweitert. Was dann etwa so aussieht: Urnenfelder, abgegrenzt durch Betonplatten mit eingelegten Metallstreifen, ein von der Weiacher Kies AG gesponserter Brunnen, das Ganze eingefasst durch einen von unten beleuchtbaren Bretterzaun, ein Geräteschopf, ein paar exotische Bäumchen. Damit solle der ländliche Charakter der Anlage unterstützt werden, sagten die Schöpfer dieses Konzepts.

Über das Resultat sind die Weiacher geteilter Meinung. Viele finden, für den Preis eines Reiheneinfamilienhauses (mehr als CHF 600'000) sei die ganze Übung ziemlich mickrig geraten. Da habe sich wieder so ein unnützer Landschaftsarchitekt auf Kosten der Gemeinde saniert und ein Schreinermeister sich eine goldene Nase dazuverdient. Wie schnell der Bretterzaun wohl vergammeln werde und ersetzt werden müsse? Und so weiter.

Nomination für einen europäischen Preis

Die Fachwelt indes scheint des Lobes voll zu sein. So wurde «Fuori le mure» von Hochparterre unter dem Titel «Feierlicher Landfriedhof» zum Bau der Woche 46/2004 erklärt. Die Denkmalpfleger haben der Erweiterung anlässlich des Europäischen Tages des Denkmals 2005 mit einer Führung Anerkennung gezollt.

Und jetzt wird sogar schon in Spanien darüber berichtet, genauer gesagt in Katalonien. Deshalb ist der Text auch gleich zweisprachig. Je eine Kurzmeldung in katalanisch und spanisch.

Die Tageszeitung El Periódico de Catalunya schreibt in der Ausgabe vom 25. März 2006:

«PARCS I CEMENTIRIS
Vuit projectes finalistes més del Premi Europeu de Paisatgisme van ser exposats dijous passat: el parc Landschaft de Munic (Alemanya); el nou cementiri Ooster (Alemanya); l'ampliació del cementiri de Weiach (Alemanya); els terrenys per a una escola a Ob Rinzi (Eslovènia); la plaça Katharina Sulzer, a Sulter Areal (Suïssa); el Scharnhauser Park (Alemanya); el descobriment de tres forns industrials romans (Vilassar de Dalt), i el passeig de García Faria (entre els carrers de Bilbao i Josep Pla, a Barcelona).

PARQUES Y CEMENTERIOS
Otros ocho proyectos finalistas del Premio Europeo de Paisajismo fueron expuestos el jueves pasado: el parque Landschaft de Múnich (Alemania); el nuevo cementerio Ooster (Alemania); la ampliación del cementerio de Weiach (Alemania); los terrenos para una escuela en Ob Rinzi (Eslovenia); la plaza Katharina Sulzer, en Sulter Areal (Suiza); el Scharnhauser Park (Alemania); el descubrimiento de tres hornos industriales romanos (Vilassar de Dalt) y el paseo de García Faria (entre las calles de Bilbao y Josep Pla, en Barcelona).
»

Wer hätte gedacht, dass «Fuori le mure» es zu einer Nomination für den Europäischen Preis für Landschaftsarchitektur bringen würde. Das schafft man nicht mit einem 600’000-fränkigen Hüsli.

Nur eines irritiert: seit wann gehört Weiach zu Deutschland? Wer hat dem katalanischen Blatt denn diesen Unsinn untergejubelt? Haben sie etwas falsch verstanden, oder steht das so in den Medienmitteilungen?

Aber das sind wohl die Risiken und Nebenwirkungen einer grenznahen Lage.

Quellen

  • Hochparterre [Autor: RM]: Feierlicher Landfriedhof. Erweiterung Friedhof Weiach 2004. In: swiss-architects, Bau der Woche Nr. 46/2004.
  • Brandenberger, U.: Eine Führung durch die Kirche Weiach – vorher / nachher. Europäischer Tag des Denkmals, 10./11. September 2005. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, September 2005 – S. 14.

Montag, 27. März 2006

Handelsregisteramt korrigiert Postleitzahl

Das Handelsregisteramt des Kantons Zürich gibt nur gegen Gebühr Auskunft. Über eine 0900er-Nummer «(CHF 0.90/Min., inkl. MWST)». Es sei denn es gehe den Anrufenden um ein «pendentes Geschäft», dann darf man auch die herkömmliche Nummer anrufen. Da ich kein solches habe, verlegte ich mich von der mündlichen auf die schriftliche Kontaktnahme:

«To: mailbox.hra@ji.zh.ch
Date: Mar 14, 2006 12:42 PM
Subject: Alte Postleitzahl für Weiach


Sehr geehrte Damen und Herren,

mir fällt auf, dass in sämtlichen HRA-Einträgen von Firmen etc., die vor mehr als 10 Jahren gegründet wurden, die alte Postleitzahl von Weiach (8433) drinsteht, obwohl die Schweizerische Post die PLZ bereits vor über 10 Jahren auf 8187 geändert hat.

Erfolgt keine Änderung des Registereintrags, da er - einmal erstellt - nicht mehr verändert werden darf/kann?
»

Gefolgt war diese Frage von freundlichen Grüssen meinerseits und einer Funkstille seitens der Angeschriebenen.

Ich hatte die Anfrage schon fast vergessen und war daher heute schon ziemlich überrascht, die Folgen dieser simplen Anfrage im Schweizerischen Handelsamtsblatt auftauchen zu sehen. «So viele Einträge zu Weiacher Firmen und Genossenschaften am selben Tag?», wunderte ich mich.

Des Rätsels Lösung: Bei vielen fand sich der Satz: «Domizil neu: 8187 Weiach (Eintrag von Amtes wegen auf Grund Änderung der Postleitzahl durch die Schweizerische Post)», allenfalls noch ergänzt durch Adressangaben.

Ob ich jetzt noch monieren sollte, dass nicht nur die Postleitzahl geändert hat, sondern drei Jahre davor (also 1992) auch die Assekuranznummern von Polizeinummern abgelöst wurden?

Aber lassen wir den alteingesessenen Firmen die alten Hausnummern. Etwas Nostalgie darf sein - auch im Handelsregister.

Sonntag, 26. März 2006

«Weiacher Kies» in Schieflage

Nein, nicht die Firma - nur ein Betonmischer mit dem Firmenlogo der «Weiacher Kies AG». Sinnigerweise in Wei-ningen etwas zu rasant in die Kurve gelegt worden. Und das alles weil die Strassenmarkierungen fehlen? Spezies erfahrener Chauffeur quo vadis? Es ist wirklich zum Wei-nen.

Quelle

  • hoh: Lastwagen kippte auf Unfallstrecke im Limmattal. In: Tages-Anzeiger, 25. März 2006 - S. 18. [Bund Zürich und Region]

Samstag, 25. März 2006

klassenfreunde.ch

Gestern bin ich dank der e-mail eines Bürokollegen auf eine der Websites gestossen, auf der ich Weiachbezogenes nicht primär gesucht hätte. Sie heisst: klassenfreunde.ch

Das Motto: Finde deine ehemaligen Klassenkameraden! Mit Hilfe des Internets geht das vielleicht bald leichter als über Inserate im Migros-Magazin, wo mittels vergilbter Fotos und dem Slogan Eine(r) weiss es sicher, nach alten Kameradinnen und Kameraden gesucht wird.

In den USA sind solche Websites nichts Neues. Für die Schweiz aber schon. Machen wir also die Probe aufs Exempel.

Punktlandung Primarschule Hofwies

Dass man auf dieser site sogar die Primarschule Weiach findet, hat mich schon etwas überrascht. Auf der Übersichtsseite zu Weiach (http://klassenfreunde.ch/ortschaften-ZH-2581.html) hätte es sogar noch Platz für andere als die Primarschule Hofwies (so ihr offizieller Name seit 1976).

In Weiach wird sie aber wohl für immer die einzige bleiben oder gar ganz eingehen. Bei knapp unter 1000 Einwohnern und dem gegenwärtigen demographischen Profil hält sich der Kindersegen nämlich in Grenzen (vgl. WeiachBlog vom 22. Februar 2006: Altersbäumchen mit zwei Jugendtaillen).

Schauen wir uns die Einträge an: Ortschaft: 8187 Weiach (ZH) Strasse: Schulweg 6 Telefon: 044 858 27 23 Fax: 044 858 20 41 Email: hausvorstand@psweiach.ch

Alles korrekt erfasst. Die Telefon- und Faxnummern gehören der Gemeindeverwaltung, die das Schulsekretariat im Auftrag führt. Sogar der Wechsel auf 044 ist bereits vollzogen. Eine Homepage hat die Schulgemeinde bisher nicht. Auch das stimmt meines Wissens.

Nach einem weiteren Klick auf die Primarschule Hofwies findet man eine Suche nach Abschlussjahr. Dabei werden lediglich «Abschlussjahre angezeigt, wo sich bereits Mitschüler eingetragen haben». Das sind für das kleine Weiach erstaunlich viele: 1951, 1966, 1973, 1978, 1981, 1982, 1983, 1985, 1987, 1989, 1990, 1991, 1993, 1996, 1997, 1998, 1999, 2000.

Es wundert nicht, dass die jüngeren, im Umgang mit dem Internet geübten Jahrgänge weitaus zahlreicher vertreten sind als die älteren Semester. Aber immerhin: für 1951 figuriert da Werner Griesser (Werni) Primarschule, der, wenn er mit 12 Jahren die Primarschule verliess, nun im AHV-Alter von mindestens 67 Jahren steht.

Wer dahinter steckt

Und wer steckt hinter dieser gross aufgezogenen Website? Eine profitgeile multinationale Firma? Sieht nicht danach aus. Die Initianten heissen Timo Lars und Jasmin Fuhlbrügge, wenn man nach dem About us geht. Von dieser Seite habe ich auch den folgenden Text hierher kopiert:

«Die Idee eines Klassentreffen-Portals ist nicht ganz neu: In anderen Ländern existieren bereits seit längerem ähnliche Seiten, die sich dem Zusammenführen ehemaliger Schulfreunde verschrieben haben. Verständlicherweise, denn welcher Schulabgänger kann von sich behaupten, sich noch nie nach den früheren Mitschülern erkundigt oder sie gar gesucht zu haben?

Aus Überzeugung, dass auch in der Schweiz ein breites Interesse an einer solchen Plattform besteht, haben wir uns im März 2005 entschlossen, klassenfreunde.ch ins Leben zu rufen. Seither haben wir unzählige Stunden in das Projekt investiert und über 6000 Schuladressen aufgetrieben. Im Laufe der Zeit stiessen Christof Moser (Programmierer bei Actra AG) und Sascha Scholz (Webdesigner bei Actra AG) zum Team und unterstützten uns mit ihrem ausgeprägten Fachwissen. Dank ihrem unermüdlichen Einsatz konnten wir am 6. Februar 2006 mit klassenfreunde.ch in die Testphase gehen.

Der Erfolg ähnlicher Webseiten in anderen Ländern hat uns ambitionierte Ziele stecken lassen. In drei Jahren möchten wir die Community auf klassenfreunde.ch auf 700'000 Mitglieder ausbauen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind wir einerseits auf euch angewiesen: Wir freuen uns, wenn ihr die Homepage in eurem Umfeld bekannt macht und damit zum Gelingen beitragt. Andererseits haben wir uns einiges einfallen lassen - diese Ideen werden wir fortlaufend auf unserer Homepage integrieren und so immer wieder für Abwechslung sorgen. Ihr dürft gespannt sein!»

Tönt jedenfalls interessant. Für die langfristige Finanzierung haben die Fuhlbrügges Sponsoren gesucht und gefunden. Irgendwie muss man das Ganze ja finanzieren. Nun hoffen wir, dass ihre Idee nicht plötzlich verkommerzialisiert oder von Datenkraken instrumentalisiert wird.

Freitag, 24. März 2006

In memoriam «Tante Ruth»

Ein Dorforiginal ist nicht mehr. Heute Freitag begleitete die Gemeinde Weiach die sterbliche Hülle von Ruth Baumgartner-Jucker (1913-2006) zu ihrer letzten Ruhestätte im alten Friedhofsteil.

Ein nach ihrem eigenen Bekunden reiches und erfülltes Leben wurde nach dem Abschied auf dem Friedhof in einer länger als üblich dauernden Abdankungsfeier gewürdigt. Nach Hedi Markwalder-Jucker, einer Nichte der Verstorbenen, die den Lebenslauf aus ihrem eigenen Erleben erzählte und dabei auch manches Anekdötchen einflocht, sprach der Missionsleiter von Christus für alle, Daniel Blaser.

Unter vielen älteren Weiacherinnen und Weiachern und Bekannten von weitherum, war auch Johann Jucker V., der Neffe der Verstorbenen, SVP-Kantonsrat und Inhaber der Landmaschinen-Unternehmung aus Neerach, anzutreffen.

Ein Leben für die Gemeinschaft

Wer in den Jahren von 1959 bis 1994 in Weiach lebte, ist schlicht nicht um diese resolut-liebenswürdige, alleinstehende ältere Frau herumgekommen. Sie wohnte zwischen Gemeindehaus, Schulhaus, Kirche und Pfarrhaus an zentralster Lage und war männiglich im Dorf vor allem als «Tante Ruth» bekannt. Ihr früheres Haus, genannt Baumgartner-Jucker-Haus, gehört heute der politischen Gemeinde und ist eines der Schmuckstücke im Ortskern.

«Tante Ruths» Methoden, Schoggibranchli und Selbstgestricktes zwecks Finanzierung von Missionswerken und dem «Croix bleu» unter die Leute zu bringen, waren berühmt-berüchtigt. Sie war von geradezu missionarischem Eifer beseelt und selbst an ihrer Abdankung fehlten Ausgaben des Neuen Testaments und christliche Literatur zum Sinn des Lebens nicht. Sie lagen auf dem Bänklein am Kircheneingang bereit und seien, verriet ein weisses Kärtchen, das dabeistand, ein letzter Gruss der Verstorbenen. Auch ihr selbstverfasster Lebenslauf lag dort auf (vgl. Literatur unten).

Dass «Tante Ruth» im kollektiven Gedächtnis der Weiacher etliche Spuren hinterlassen hat, stellte auch der gegenwärtige Pfarrer Markus Saxer fest. In seiner Predigt gestand er, sie zwar nie persönlich getroffen zu haben, jedoch sei in seiner Arbeit als Pfarrer von Weiach die Rede mindestens einmal pro Monat auf sie gekommen.

Strenge Nähkursleiterin

Von Beruf war «Tante Ruth» ursprünglich Schneiderin und später lehrte sie dieses Handwerk in unzähligen Kursen. So kam die gebürtige Neeracherin auch zu einem Engagement in Weiach und lernte auf vielen Zugfahrten von Zürich nach Weiach-Kaiserstuhl 1946 ihren Mann Ernst Baumgartner kennen, der als Notar in Zürich arbeitete und jeweils am Wochenende in seine alte Heimat fuhr.

1949 heirateten die beiden, doch schon 15 Monate später erlag Ernst den Folgen einer Leukämie-Erkrankung. Diese harte Prüfung bestärkte «Tante Ruth» in ihrem seit dem 16. Lebensjahr mit evangelikalem Gedankengut durchwirkten christlichen Leben. Sie blieb von da an zeitlebens Witwe.

Eigene Kinder blieben ihr versagt, dafür nahm sie sich umso mehr ihrer Gottenkinder und der Dorfjugend an. Ihr Talent als Lehrerin setzte sie auch in jahrelangem Einsatz für die Sonntagsschule um. Und Geschichten erzählen konnte sie wie kaum eine zweite.

Reisen um den ganzen Erdball

Manch einer mochte sie für etwas verschroben oder hilflos gehalten haben, aber das täuschte. «Tante Ruth» war sprachgewandt, wusste sich zu helfen und ihre Reisen führten sie um den ganzen Erdball, bis nach Japan und Australien. Hedi Markwalder erwähnte in ihrer Abdankungsrede, die Todesanzeigen seien an Adressen in 20 Ländern gegangen.

Besonders enge Kontakte hatte sie zu den Baumgardner (auch Bombgardner) in den USA, einer weitverzweigten Gruppe von Amerikanern, die von ausgewanderten Weiacher Baumgartnern abstammen und sich seit 1966 regelmässig treffen. Meist finden diese Treffen in den USA selber statt, am 2. Juli 1998 aber konnte «Tante Ruth» 35 Nachfahren von ennet dem grossen Teich im Dorf ihrer Ahnen begrüssen (US-Webpage mit Bild von «Tante Ruth»).

Möge ihr Wunsch in Erfüllung gehen und sie diejenigen Gnaden erleben, von denen sie uns jahrzehntelang erzählte.

Literatur

  • International Baumgardner Reunion & Switzerland Trip, June-July 1998
  • Ruth Baumgartner-Jucker: Mein Lebenslauf. [Umschlagtitel: Erinnerungen und Bilder aus dem reichen und erfüllten Leben von Ruth Baumgartner-Jucker]. Oberglatt, Herbst 1999. [Selbstverlag, 40 Seiten]

Donnerstag, 23. März 2006

Am 2. April: der Wahlen zweiter Teil

Bei den Gemeindewahlen geht es nun bereits um den zweiten Teil (vgl. unten die früheren Beiträge im WeiachBlog).

Das Neue Bülacher Tagblatt bringt in seiner Wahlvorschau kurz und knapp die Fakten:

«Weiach: Gewählt wird die Primarschulpflege, die Oberstufenschulpflege Stadel (siehe Stadel), das Wahlbüro sowie zwei RPK-Ersatzmitglieder für Angelegenheiten der reformierten Kirche.»

Für Namen war da - ganz am Schluss des Artikels - offenbar kein Platz mehr. Die Namensvorschläge der Wählerversammlung von Anfang Januar sind auf einem Beilageblatt abgedruckt, das den Wahlzetteln im offiziellen Couvert beiliegt und auch in der März-Nummer der Mitteilungen für die Gemeinde Weiach zu finden.

Primarschulpflege: Schwierige Suche nach einem Präsidenten

Für die Primarschulpflege wurden am 9. Januar als Kandidaten portiert: Maya Bütler Meier (bisher), Thomas Steinmann (bisher), Marianne Kunz (neu) und Patrick Zbinden (neu). Ein Sitz war damals noch vakant. Auf dem Beilageblatt ist dazu folgende Anmerkung zu finden:

«Im Anschluss an die Wählerversammlung hat sich der bisherige Präsident der Primarschulpflege, Rainer Hüssy, zur Wiederwahl als Präsident der Primarschulpflege zur Verfügung gestellt. Die Mitglieder des Gemeinderates Gregor Trachsel, Ernst Eberle, Max Griesser, Kurt Leutwiler und Boris Macullo unterstützen die Kandidatur vorbehaltlos und bitten die Stimmberechtigten um entsprechende Stimmabgabe

Da legt sich also der Gemeinderat in corpore ins Zeug. Offenbar ist es doch relativ schwierig, valable und gewillte Kandidaten für die Führung der Schulgemeinde zu gewinnen. Denn eigentlich wollte der bisherige Präsident ja offensichtlich zurücktreten - aus welchen Gründen auch immer (vgl. WeiachBlog vom 18. Dezember 2005 für die letzte Gemeindeversammlung). Die Bewältigung schlagzeilenträchtigen Ärgers der Sorte «Lehrer flösst Angst mit Satan ein», den im Frühling 2003 sogar der Sektenjäger Hugo Stamm thematisierte, ist schliesslich nicht jedermanns Sache.

Oberstufenschulpflege: bekannte Crew will wieder anheuern

Weniger Probleme scheint es bei der Oberstufe zu geben. Kontinuität ist auch ein Pluspunkt, bei all den Vorhaben die dort laufen. «Die ganze Oberstufenschulpflege Stadel stellt sich zur Wiederwahl: Hans-Ulrich Utzinger als Präsident sowie Daniela Huber, Elsbeth Meierhofer, Hannelore Prinz und Marianne Sharifabadi-Albrecht», schreibt das Neue Bülacher Tagblatt unter der Rubrik «Stadel». Die Weiacher Kandidatin heisst übrigens Elsbeth Meierhofer.

Wahlbüro: keine Änderung zu erwarten

Beim Wahlbüro bleibt mit grösster Wahrscheinlichkeit alles beim Alten. Mit Felix Junker, Volker Klose, Paul Odermatt, Evelyn Schär, Daniela Schnelli, Andreas Willi und Elsbeth Ziörjen treten alle Bisherigen wieder an.

RPK der Reformierten: immer noch eine Vakanz

Interessant dürfte es am 2. April dagegen bei der Rechnungsprüfungskommission für Angelegenheiten der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde werden. Neben der Kandidatin Heidi Meier (bisher) fand sich am 9. Januar kein zweiter Kandidat. Und auch auf dem Wahlzettel fehlt jeglicher Namensvorschlag. Das riecht verdächtig nach zweitem Wahlgang wegen Verfehlen des absoluten Mehrs. Denn es ist kaum anzunehmen, dass genügend Wahlberechtigte den gleichen Namen auf den Zettel schreiben werden.


Frühere Beiträge zu den Wahlen im WeiachBlog

Quellen

  • «Gemeinde Weiach - Wahlen 2006. Vorschläge der Wählerversammlung vom 9. Januar 2006». Beilageblatt zu den Wahlzetteln.
  • Fluck, V.: Neue «Häuptlinge» für Steinmaur und Oberweningen. Vorschau auf die Kommunalwahlen vom 2. April im Bezirk Dielsdorf (2. Teil der NBT-Wahlvorschau; der 1. Teil behandelte den Bezirk Bülach). In: Neues Bülacher Tagblatt, 23. März 2006.

Mittwoch, 22. März 2006

Schiessprogramm frei Briefkasten

Vor ein paar Tagen hatte ich einen kleinen, weissen Umschlag im Briefkasten. Offensichtlich vom Absender eigenhändig verteilt - denn der Poststempel fehlt. Dafür macht ein anderer Stempel sofort klar, worum es geht und was der Inhalt ist: die Schützengesellschaft Weiach stellt mir das Jahresprogramm 2006 zu.

Vom Zwangsmitglied ...

Ein passionierter Schütze bin ich ja nun wirklich nicht. Ich war auch nur so lange Mitglied der Schützengesellschaft, als dies durch die «Mitgliedschaft» bei der Schweizer Armee zwingend vorgeschrieben war. Schiessen ist für mich Soldatenpflicht – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

... zum freiwilligen Teilnehmer

Zu zwei Anlässen, dem Obligatorischen und dem Eidgenössischen Feldschiessen, nehme ich trotzdem mein Sturmgewehr 90 zur Hand und begebe mich damit in den Schiessstand. Das hat Tradition und daran ändert sich auch nichts, obwohl mich die Schiesspflicht schon seit sechs Jahren nicht mehr trifft. Und obwohl ich nach wie vor meinem «Donner-Susi» (aka «Sturmgewehr 57») nachtrauere.

Dieser «Charscht» war zwar um einiges schwerer als das moderne Plastikgewehr, aber dafür konnte man ihn nach der RS fast im Schlaf auseinandernehmen und wieder zusammensetzen. Selbst die Nummer kann ich heute noch auswendig: A 340571. Beim neuen Gewehr fehlt schlicht die Übung. Und für die Nummer müsste ich erst Nachschau halten.

Wann es dieses Jahr knallt

Aber zurück zu den beiden Anlässen, für die nun flugs die Daten notiert werden:

  • Obligatorische Schiessübungen (Bundesprogramm) finden statt am Samstag, 13. Mai, von 16-17:30 Uhr und am Mittwoch, 23. August, von 18:30-19:30 Uhr. Wer an diesen beiden Terminen verhindert ist, dem bleibt nur noch das Ausweichen zu einem anderen Verein in einem anderen Schiessstand. Aber Schiesspflicht besteht ja heutzutage sowieso nur noch für die Jahrgänge 1972-1986.
  • Eidg. Feldschiessen am 19.-21. Mai in Windlach (organisiert durch den SV Raat).

Speziell erwähnenswert sind noch die folgenden Anlässe im Weiacher Schiessstand im Hasli:

  • das Veteranen-Frühlingsschiessen am 22. April
  • der Vancouver-Stich am 21./28. Juni (ein Fernmatch mit dem Schweizer Schützenclub in Vancouver, Kanada)
  • der Weiacher Cup am 1. Juli. Die Qualifikation, 2.-4. Runde und der Final werden am selben Tag zwischen 15 und 18 Uhr geschossen
  • das Veteranen-Herbstschiessen am 16. September und natürlich
  • das Endschiessen auf 10er-Scheibe am 30. September/1. Oktober.

Das Schwarzwasserstelzschiessen Kaiserstuhl findet im August einige hundert Meter weiter westlich im Aargau statt.

Quelle

  • Schützengesellschaft Weiach (Hrsg.): Jahresprogramm 2006 (datiert 11. März 2006)

Dienstag, 21. März 2006

Tages-Anzeiger mischt regionale Presselandschaft auf

Der «Tages-Anzeiger» geht in die Offensive. Auf der heutigen Frontseite und auf den Plakataushängen wird die neue Regionalisierungsstrategie gross angekündigt. Das Ziel: die regionale Berichterstattung soll formal und inhaltlich einen hohen Stellenwert erhalten.

Die Pilotphase mit der Regionalausgabe für das linke Zürichseeufer (seit Anfang 2005 auf dem Markt) hat offensichtlich Appetit auf mehr gemacht. «Im Verbreitungsgebiet dieser Ausgabe konnten wir Abonnenten gewinnen», wird TAmedia-Verlagsleiter Rolf Bollmann zitiert.

Mehr Abonnenten gleich mehr Einnahmen. Das ist für das Überleben einer Zeitung immer wichtiger, bricht doch das Anzeigengeschäft zusehends ein (Stichwort: Internet und die Folgen).

Der NZZ-Gruppe Paroli bieten

Deshalb richtet der Tagi jetzt mit der grossen Kelle an. Er will das Erfolgskonzept auf vier weitere Regionen ausdehnen: Ausgaben für das rechte Zürichseeufer, das Zürcher Oberland, das Unterland und die Stadt Zürich sind geplant.

Interessanterweise sind das genau diejenigen Regionen, in denen die NZZ-Gruppe über ihre Beteiligungen an Regionalzeitungen stark ist. Bisher ist z.B. in Winterthur oder im Weinland keine Regionalausgabe geplant. Dort lässt man dem «Landboten» den Status als Platzhirsch.

Weitere Konzentration im Zeitungsbusiness

Ob die Konkurrenz wirklich so gelassen reagiert, wie der Tagi schreibt? Beim «Zürcher Unterländer» (ZU; mit der NZZ-Gruppe im Rücken) und beim «Neuen Bülacher Tagblatt» (NBT; der einzigen noch wirklich unabhängigen Zeitung im Unterland) dürfte man die neue Konkurrenz jedenfalls mit Argusaugen beobachten.

Und nicht nur das. Die Regionalzeitungen auf der Landschaft werden ihre Strategie wohl überdenken. Dass dem so ist, kann man ebenfalls dem heutigen «Tages-Anzeiger» entnehmen. Christine Fivian, Chefredaktorin des «Zürcher Unterländers», wird dort wie folgt zitiert: «Das Engagement des "Tages-Anzeigers" bringt Bewegung in den Markt und wird dazu führen, dass wir die bestehende Kooperation unter den Landzeitungen und mit der NZZ verstärken werden.» Gemeint sind die Zürichsee-Zeitung (vgl. das Design der Website der ZSZ mit dem des ZU) und der Zürcher Oberländer (ZO).

Es wird spannend. Wie wird sich der «Unterländer» gegen die dritte Regionalzeitung behaupten und wird er Abonnenten verlieren? Die mehrheitlich rechtskonservative Leserschaft des NBT wird sich von der neuen Tagi-Regionalausgabe wohl eher weniger angesprochen fühlen. Beim ZU könnte das anders sein.

20 Minuten als Verlautbarungsorgan

Die Ankündigung war übrigens gut vorbereitet. Auch die heutige Regional-Ausgabe Zürich von 20 minuten, die zum Rennstall der Tamedia gehört, berichtet über die Pläne ihres Mutterhauses: «Zürich - Im Herbst lanciert der «Tages-Anzeiger» vier weitere Regionalausgaben. Nach dem ersten Split am linken Zürichseeufer folgen nun die Regionalausgaben für das rechte Zürichseeufer, das Zürcher Oberland, das Zürcher Unterland und die Stadt Zürich. Durch den Ausbau werden rund 65 neue Stellen geschaffen. Die Regionalisierung soll mit zusätzlichen Mitteln im einstelligen Millionenbereich und Einsparungen finanziert werden. Ebenfalls im Herbst soll der «Tages-Anzeiger» nach zehn Jahren in einem neuen Layout erscheinen.»

Quellen
  • Der «Tages-Anzeiger» verstärkt die Regional-Berichterstattung. In: Tages-Anzeiger, 21. März 2006 - S. 1
  • «Tages-Anzeiger»: 5 Regionalausgaben. In: 20 minuten Zürich, #56, 21. März 2006 - S. 3

Montag, 20. März 2006

Auf offener Strasse angegriffen und übel traktiert

Am vergangenen Wochenende waren auf WeiachBlog Bussgelder früherer Zeiten das Thema (vgl. Artikel vom Samstag und Sonntag).

In den Abrechnungen der Obervogtei Neuamt (zur Obervogtei vgl. WeiachBlog vom 8. November) ist natürlich auch von «Handgreiflichkeiten» anderer Art die Rede als dem gestern erwähnten «frühzeitigen Beischlaf».

Schlägereien und Raufhändel wurden mit happigen Strafen belegt. Ganz besonders dann, wenn die Attacke einem Amtsträger galt und damit als Angriff auf die von Gott ermächtigte Obrigkeit gewertet wurde.

Im Rechnungsjahr 1694/95 wurden 16 Pfund an die Staatskasse fällig. Bezahlen musste sie «Hanss Meyerhoffer, Regina Hanss, von Weyach, umb dz er voller wyss den vogt Bersinger alda auff offner straass angegriffen und übel tractiert

Davon, dass dem Schuldigen auch noch eine Gefängnisstrafe aufgebrummt wurde, steht in der Rechnung nichts. Möglich wäre dies aber schon, denn das Verprügeln eines Untervogtes der hohen Obrigkeit der Stadt Zürich - und damit von deren höchstem lokalen Repräsentanten - war keine Kleinigkeit.

Dies umsomehr, als der Weiacher Untervogt auch noch für alle anderen Dorfgenossen sichtbar (auf offener Strasse) verprügelt worden war. Die hohe Busse, welche den Regina Hans wohl ziemlich schmerzte, hatte also durchaus auch generalpräventiven Charakter - als klare Warnung an alle anderen Weiacher.

Quellen
  • Bussgelder (Teil 2) . Teure Flüche, Schlägereien und Wirtshausbesuche. Weiacher Geschichte(n) 26. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Januar 2002 - S. 19-20
  • Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen, I. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons Zürich. Neue Folge. Zweiter Teil. Rechte der Landschaft. Erster Band. Das Neuamt. Aarau 1996, p. 99ff & 96

Sonntag, 19. März 2006

Hohe Busse für Beischlaf vor der Ehe

Bussen wurden (und werden auch heute noch) oft als Mittel zur Disziplinierung eingesetzt. Darüber hinaus sind sie eine Einnahmequelle, die der Staat bereits im Budget einkalkuliert - wie man am Beispiel der Ordnungsbussen für Falschparkieren, Geschwindigkeitsübertretungen und Rotlichtüberfahren sieht. Kurz: mit den Lastern und Fehlern der Untertanen lässt sich Geld machen. Ob die Massnahme dann auch zur Besserung der solcherart Bestraften beiträgt, steht auf einem anderen Blatt.

Das war auch früher nicht anders. In den gestern bereits erwähnten Abrechnungen der Obervogtei Neuamt (zur Obervogtei vgl. auch WeiachBlog vom 8. November und 6. Dezember) ist daher manches Vergehen mitsamt der dafür ausgesprochenen Busse verzeichnet.

In der Rechnung 1694/95 sind dies z.B. Strafen wegen vorzeitigen Beischlafs, das heisst: vor der Eheschliessung. Darauf standen in der Regel Bussen zwischen 5 und 8 lib. (Pfund; vgl. unten für die Geldwerte). Einige traf es aber auch härter:

16 lib. zahlte «Heinrich Meyerhoffer, lismers, von Weyach wegen frühezeitigen beyschlaffs und üblen betheürungen». Hier wurde offenbar ein Exempel statuiert, wohl wegen dem Leugnen des Tatbestands.

Ebenfalls sehr teuer wurde es für einen Hausvater, der seine Aufsichts- und Sorgfaltspflicht verletzte und möglicher Unzucht Vorschub leistete, so in Neerach (Rechnung 1692/93):

15 lib. zahlte «Rudli Meyer von Nerach, umb dz er 3 töchteren, 1 sohn und 1 knecht in einer Kammer ligen und schlaffen lassen». Ebenfalls 15 lib. «Zahlt Hanss Kuentz, obermüller ze Nerach, umb dass er lasst söhn und töchteren in einer kammer ligen».

Unbekannt ist, ob bei weniger Wohlhabenden, die sich keine separaten Kammern leisten konnten, auch derart rabiat durchgegriffen wurde.

Wieviel war 1 lib. (d.h. Pfund)? Futter für ein Pferd kostete 1679 pro Tag einen halben Gulden (fl). [1 Gulden (fl) = 2 Pfund (lib.) = 40 Schilling (ß).] Die Jahre 1689 bis 1695 waren in der Ostschweiz ausgesprochene Hungerjahre mit vielen Missernten. Der Futterpreis verdoppelte sich nahezu. Ein Hase kostete im November 1690 1 fl. Sechzig Pfund Rindfleisch 5 fl. 10 ß.

Fleisch war teuer, die Ärmeren - und das war in Weyach die überwiegende Mehrheit - konnten sich Fleisch schlicht nicht leisten. Eine solche Busse von über 15 Pfund schmerzte den kleinen Landmann also empfindlich. Besonders wenn er nur Lismer war.

Quellen

  • Bussgelder (Teil 2) . Teure Flüche, Schlägereien und Wirtshausbesuche. Weiacher Geschichte(n) 26. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Januar 2002 – S. 19-20.
  • Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen, I. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons Zürich. Neue Folge. Zweiter Teil. Rechte der Landschaft. Erster Band. Das Neuamt. Aarau 1996, p. 99ff & 96.

Samstag, 18. März 2006

Heiratsstrafe anno dazumal

In den letzten Monaten hat man beobachten können, dass das vollmundig angekündigte Abschaffen der sogenannten Heiratsstrafe doch nicht so einfach zu bewerkstelligen ist, wie sich das einige Politiker vorstellten. Und so bleibt die als verfassungswidrig eingestufte steuerliche Diskriminierung von Ehepaaren gegenüber den Konkubinatspartnern noch etwas bestehen.

Nun hat sich der Bundesrat Mitte Februar für eine Kombi-Lösung entschieden, welche beim steuerbaren Einkommen eine massvolle Erhöhung des Zweiverdienerabzugs und einen Abzug für alle Verheirateten vorsieht.

Sich über die falschen Grenzen verlieben - ein teurer Spass

In früheren Jahrhunderten gab es auch eine Art Heiratsstrafe und zwar dann, wenn dabei Vermögen den eigenen Herrschaftsbereich verliess. Das galt selbst innerhalb des Stadtstaates Zürich, wenn jemand beispielsweise von der Obervogtei Neuamt in eine andere Vogtei zog!

Die Steuern für Vermögen, das mit einem Wegzug das Neuamt oder gar das Zürcher Herrschaftsgebiet verliess, wurden «abzüge» (von abziehen, wegziehen) genannt und schenkten ziemlich ein:

24 lib. «zalt Verena Meyerhoferin von Weyach, so dissmalen zur ehe hat Hanssen Käller zu Glatfelden in der herrschafft Eglisauw, wegen dahin gezogener ungefahr 700 lib. verfangen gut, zu zahlungen ohne zinss gestelt

Dieser Eintrag steht in der ältesten erhaltenen Abrechnung der Obervogtei Neuamt (zu der Weiach damals gehörte) für den Zeitraum 1683/84. Abgeliefert werden mussten also etwa 5% des Vermögens. lib. ist die Abkürzung für Pfund. Das Futter für ein Pferd kostete 1679 pro Tag etwa 1 Pfund.

Wer sich über die falschen Grenzen hinweg verliebte, der hatte aber nicht nur beim Wegzug zu bezahlen. Noch teurer wurde der Einkauf in die neue Gemeinde. Mit dem Erwerb des Bürgerrechts waren dann wenigstens auch handfeste materielle Vorteile verbunden, beispielsweise die Mitbenutzung von Allmenden und Gemeindewäldern.

Die Kassenverwalter wirds gefreut haben. Die oben erwähnte Abrechnung schliesst mit den Worten: «Es habend mgh, die verordneten rechenherren, an disser abgelegten rechnung ein gutes vergnüegen gehebt und getragen. Actum zinstags, den 4ten augst anno 1685. Presentibus herr burgermeister Escher und geordnete rechenherren. Rechenschrybers cantzley.» Die zur Zahlung Verknurrten werden allerdings für die gute Stimmung, die der Schreiber hier den mgh (meinen gnädigen Herren) attestierte, wohl wenig Verständnis aufgebracht haben.

Quellen
  • Bussgelder, Wegzugssteuern und andere Ärgernisse (Teil 1). Wofür einige Wey­acher ihr sauer verdientes Geld ausgeben mussten. Weiacher Geschichte(n) 25. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Dezem­ber 2001 – S. 16.
  • Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen, I. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons Zürich. Neue Folge. Zweiter Teil. Rechte der Landschaft. Erster Band. Das Neuamt. Aarau 1996 – Nr. 26 Rächnung wegen der vogtey in dem Neüwen Amt von Johanni anno 1683 bis anno 1684, Original: StAZH F III 21 c, Papierheft von 4 Bogen.

Freitag, 17. März 2006

Zürcher Kantonalbank: Gewinnverteilung statt Steuerpflicht

Die exorbitanten Gewinne der Grossbanken waren ja letztes Jahr geradezu unanständig. Da ist es nur in Ordnung, wenn ein kleiner Teil der völlig überhöhten Gebühren via Umverteilung wenigstens im Staatssäckel landet.

Man lernt aber nie aus. Bis anhin dachte ich, dass auch die Zürcher Kantonalbank (ZKB) wie jede andere Firma Steuern zahle. Dem ist aber offenbar nicht so, wie man dem Zürcher Unterländer vom letzten Freitag entnehmen kann. Als Staatsbank liefert die ZKB keine Steuern ab, sie zahlt Gewinnanteile wie an Aktionäre:

«Das Zürcher Unterland profitiert mit knapp 10 Mio. Franken», schreibt Roger Tellenbach und verweist auf eine Tabelle aus der hervorgeht, dass die ZKB für das Geschäftsjahr 2005 pro Kopf der Bevölkerung CHF 51.4183 an die Gemeinden ausschüttet. Nach zivilrechtlichem Wohnsitz bemessen wohnten in Weiach per Ende Jahr 959 Personen. Also gibt das einen Zustupf in die Gemeindekasse von rund 49'310 Franken. Die Gemeinde hat's zwar nicht wirklich nötig. Aber freuen wird der Betrag den Säckelmeister sicher.

Dividenden gegen Staatshaftung

Dieses Füllhorn ist im ZKB-Gesetz vorgesehen. Im Achten Abschnitt steht zum Thema Gewinnverteilung: «§ 26. Aus dem Reingewinn wird zunächst das Dotationskapital verzinst und anschliessend auf dem Partizipationskapital eine der Ertragslage der Bank angemessene, von Ausgabepreis und Marktwert abhängige Dividende entrichtet. Soweit der Rest nicht zur Reservebildung verwendet wird, sind davon zwei Drittel dem Kanton Zürich und ein Drittel den politischen Gemeinden des Kantons im Verhältnis zur Einwohnerzahl zuzuweisen

Nach Strüby's Rechnungsbüchlein kann man jetzt überprüfen, was der Zürcher Unterländer schreibt: «Zum dritten Mal in Folge hat die Zürcher Staatsbank 2005 ein Rekordergebnis erzielt. Insgesamt 195 Mio. Franken des Gewinns kann sie an die öffentliche Hand ausschütten. Zwei Drittel davon gehen an den Kanton Zürich, ein Drittel – rund 65 Mio. Franken – erhalten die 171 Gemeinden des Kantons, proportional zur Einwohnerzahl

Das Korrelat dazu ist allerdings auch im ZKB-Gesetz vorgesehen, die sogenannte Staatshaftung: «§ 6. Der Staat haftet für alle Verbindlichkeiten der Bank, soweit ihre eigenen Mittel nicht ausreichen. Die Haftung erfasst nachrangige Verbindlichkeiten und das Partizipationskapital nicht

Und was das bedeutet wissen z.B. die Solothurner nur allzu gut. Deren frühere Staatsbank ist nämlich vor einigen Jahren gecrasht und das hat sich in der Staatsrechnung und damit bei den Steuern niedergeschlagen. Ähnliches haben die Berner und Waadtländer erlebt.

Quellen

Donnerstag, 16. März 2006

Google Books zu den Grabhügeln im Hard

Das Projekt Google Book Search hat wieder einmal zwei Funde zum Thema Weiach zutage gefördert. Bibliotheksarchäologie sozusagen. An Orten, wo man nicht ohne weiteres auf die Idee käme etwas zur Ortsgeschichte zu suchen.

Beide Funde betreffen interessanterweise die bronzezeitlichen Grabhügel im Hard.

Die Revue anthropologique, herausgegeben von einem É. Nourry, aber bei Google Books leider ohne Jahresangabe, nennt auf Seite 299 den Flurnamen Hard (im französischen Original schon zu Haad verschrieben; keine Fehlinterpretation der OCR-Software) und erwähnt die Brandbestattung samt Grabbeigaben:

[...] «L'aspect de ces objets révèle déjà l'incinération des cadavres. Des agrafes de bronze, des épingles et un poignard en bronze ont été trouvés dans les tumulus du Haad, près de Weiach, non loin de Kaiserstuhl. Ils accompagnaient des ossements brûlés et étaient protégés par un amas de» [...]

Die Mittheilungen der Prähistorischen Commission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften aus dem Jahre 1888 erwähnen auf Seite 148 im Hard gefundene Artefakte (leider gibt der Ausriss nichts über deren Art preis):

[...] «ein Stück ist aus den Pfahlbauten im Würmsee bekannt, 7) hier aber mit drei Nieten. Auch in den Bronzezeitgrabhügeln im Hard bei Weiach in der Schweiz ist ein ähnliches Stück gefunden worden. 8) Pfeilspitzen aus Bronze, wie unsere in Fig. 17, 21 und 22 abgebildeten, fanden sich nach Dr. Naue in der Oberpfalz und in Mittelfranken. Zu den Schmucksachen übergehend, interessiren uns zuerst die langen Gewandnadeln (Fig. 2 und» [...]

Bei letzterer Publikation besteht immerhin eine reelle Chance, über eine Bibliothek in vernünftiger Zeit an ein Original heranzukommen und dort den Titel des Artikels samt Autor zu eruieren.

Mittwoch, 15. März 2006

Weniger Teilnehmer, zwei Feldmeisterschaftsmedaillen nach Weiach

An der Delegiertenversammlung des Bezirksschützenverbandes Dielsdorf (BSVD) in Schöfflisdorf musste am letzten Freitag über Rückgänge bei den Teilnehmerzahlen berichtet werden, schreibt das Neue Bülacher Tagblatt von gestern Dienstag.

Die Beteiligung an den vom BSVD durchgeführten traditionellen Schiessen nahm letztes Jahr ab. So sank die Teilnehmerzahl am Winterschiessen vom 26. Februar und 12./13. März 2005 in Weiach um 37 Schützen auf 316. Dem Bezirksschiessen in Oberhasli sei es nicht besser ergangen. Der Vorstand rief daher die Delegierten auf, «künftig in ihren Sektionen der Motivation zur Teilnahme noch grössere Beachtung zu schenken».

Das gilt wohl auch für das Eidgenössische Feldschiessen, das 2006 für die Weiacher Gewehrschützen im Stand Windlach stattfinden dürfte (Organisation: SV Raat).

Zwei Weiacher erhalten die 3. Feldmeisterschaftsmedaille

Im Laufe der Versammlung wurden auch diverse Anerkennungen in Medaillenform übergeben.

Die Stapfermedaille erhalten nur herausragende Schützen, die z.B. am Feldschiessen ohne Verlustpunkt, d.h. mit dem Maximum, abschneiden.

Die Feldmeisterschaftsmedaillen sind eher etwas für die altgedienten, guten Schützen. Überragend muss man nicht sein, aber Konstanz ist schon gefragt. Wer beim Obligatorischen (Bundesprogramm) oder beim Feldschiessen eine bestimmte Punktzahl erreicht, der erhält von seinem Verein eine Anerkennungskarte.

Für je 8 Anerkennungskarten von Bundesprogramm und Feldschiessen wird die 1. Feldmeisterschaftsmedaille abgegeben. Für jeweils je 8 weitere Karten gibt es die 2., 3. und 4. Medaille. Manchmal ist sogar von einer 5. und 6. Medaille die Rede. Je 40- bzw. 48-mal an beiden Anlässen ein Kranzresultat erzielt zu haben, wird aber wohl nur wenigen Ausnahmetalenten vergönnt sein, die schon in jungen Jahren gut geschossen haben und auch im hohen Alter noch treffen.

Die beiden 3. Feldmeisterschaftsmedaillen (für je 24 Anerkennungskarten Feldschiessen und Bundesprogramm) gingen an die beiden Weiacher Gewehrschützen Paul Meierhofer und Andreas Willi. Weitere Medaillengewinner und andere Details im NBT-Artikel.

Quellen

Dienstag, 14. März 2006

Nachtschwärmer müssen umlernen

Seit Montag kann der Fahrplanentwurf 2007/2008 auf der Gemeinderatskanzlei oder auf der ZVV-Website eingesehen werden. Das liest man heute im Neuen Bülacher Tagblatt.

Bei der Gemeinde vorbeigehen könnte man zwar auch, aber ein schneller virtueller Besuch beim ZVV ist doch entschieden bequemer. Zu kalt draussen - da geht man nur vor die Türe wenn man muss. Der Einstieg zu den neuen Fahrpläne ist auf der Startseite zwar leicht zu finden (Link: Öffentliche Auflage geplanter Angebotsänderungen). Eines fehlt aber: die Suche nach Haltestellen oder Gemeinden.

Keine Änderung tagsüber

An den Tagesverbindungen der Buslinien 510 und 515 ändert sich offenbar überhaupt nichts. Ausser vielleicht die Abfahrtszeiten um ein oder zwei Minuten (vgl. WeiachBlog vom 11. Dezember 2005). Auch die S 41 von Koblenz nach Bülach soll weiter wie gehabt durchs Studenland flitzen. Schön. Da muss man wenigstens bis Ende 2008 nicht um die öV-Anbindung bangen.

Nacht-S5, neue Linienführung der N53

Umgewöhnen müssen sich nur die Nachtschwärmer. Die Wochenende der nächtlichen Busarmada am Bellevue sind gezählt. Neu soll es auch auf der Linie S5 ein Nachtnetz geben, mit stündlichen Verbindungen bis nach Bülach.

Deshalb fahren die Nachtbusse ins Unterland künftig auch nicht mehr ins Stadtzentrum. Wer ins Rafzerfeld will, steigt in Bülach um. Für die Richtungen Wehntal und Weiach muss man die SN5 bereits in Oberglatt verlassen und auf den Bus umsteigen.

Auch die Nummer der Buslinie ändert: Neu fährt die N51 nach Weiach, nicht mehr die N53 wie seit Mitte Dezember 2002:


Vielleicht verschwindet bis dahin ja Weiach auch aus der Kopfzeile des neuen N53-Fahrplans:

Quelle

Montag, 13. März 2006

Mit Vorsicht zu geniessen: Der «Kunstführer durch die Schweiz»

Wer sich den neuen «Kunstführer durch die Schweiz» kauft (der Band 1 erschien 2005 und umfasst die Nordostschweiz), der erwartet kompakte, verlässliche Informationen zu Kunstdenkmälern aller Art in den Kantonen AG, AI, AR, LU, SG, SH, TG, ZG und ZH.

Kompakt ist der im vertrauten Rot daherkommende Band wie eh und je. Aber verlässlich? WeiachBlog hat da so seine Zweifel.


Denn der Eintrag über Weiach enthält einen ziemlich kurligen Fehler, der Ortskundige stutzen lässt: Eine Römerwarte an der Strasse nach Zweidlen? Da kratzt man sich am Kopf und fragt sich, was der oder die Schreibende da wohl gemeint haben mag.

Den Bahnhof Zweidlen? Der steht bei Rheinsfelden. Und welche Strasse? Eine solche führt an der 1969 konservierten Römerwarte im Hard nun wirklich nicht vorbei. Das ist nur ein Fussweg. Entlang der Hauptstrasse Nr. 7 aber - und auch entlang der Waldstrassen hinüber ins Dorf Zweidlen - müsste uns die Redaktion des Kunstführers den römischen Wachtturm schon noch zeigen. Selbst die Kantonsarchäologie würde da etwas ganz Neues lernen.

Wie Fehler sich vererben - von Auflage zu Auflage

Immerhin: die heutige Redaktion hat diesen Bock nicht geschossen. Sie hat ihn lediglich ungeprüft von ihren Vorgängern übernommen. Was bei den sehr beschränkten Ressourcen zwar verständlich, aber dennoch sehr bedauerlich ist. Denn damit perpetuiert sich der Fehler für weitere Jahre oder gar Jahrzehnte. Schliesslich kann man so ein gedrucktes Werk nicht so einfach korrigieren wie einen Wikipedia-Artikel. Und was zwischen zwei Buchdeckel schwarz auf weiss geschrieben steht, das wird in aller Regel als lautere Wahrheit angesehen.

Ein Vergleich des Eintrags über Weiach aus der längst vergriffenen letzten Auflage des Kunstführers durch die Schweiz von Mitte der 1970er-Jahre zeigt: es wurde zwar ausgemistet, aber ausgerechnet obige Falschinformation blieb drin:

«WEIACH. Ref. Pfarrkirche. Die Vorgängerkirche wurde bis zur Reformation von der heute badischen Pfarrei Hohentengen aus versehen und wurde 1591 Pfarrkirche. Als militärischer Stützpunkt gegen die Grafschaft Baden und gegen Kaiserstuhl unter Einbeziehung des Pfarrhauses von 1591 und des Friedhofes vollständig neuerb. 1705-06 von Hans Casp. Werdmüller; Rest. 1966-1968. Saalbau mit Polygonalschluss unter Satteldach; gezimmerter Dachreiter mit Spitzhelm. Reichverzierte Kanzel, Pfarrstuhl, Kirchenstühle und Taufstein aus der Bauzeit. - Römerwarte, an der Strasse nach Zweidlen.
Museum. Ortsmuseum, im Liebert-Haus aus dem 16. Jh

Aufmerksam vergleichende Leser werden entdeckt haben, dass das Liebert-Haus sich in den drei Jahrzehnten seit 1975 scheinbar um 2 Jahrhunderte verjüngt hat. Der Grund liegt in den Recherchen zu einem Artikel über die Baugeschichte des Ortsmuseums Weiach. Leider hat es der Autor dabei verpasst, die Redaktion des Kunstführers auch gleich noch auf die ominöse «Römerwarte, an der Strasse nach Zweidlen» aufmerksam zu machen.

Ein weiterer Fehler (in der Ausgabe 1975, die Neuauflage übernimmt ihn nicht) ist in der Datierung des Pfarrhauses auf das Jahr 1591 zu suchen. Es ist entweder älter (Baujahr 1564), oder wesentlich jünger (Baujahr 1706/07).

Aber das ist eine Geschichte für sich.

Quellen

  • Kunstführer durch die Schweiz / Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, 2005 Vollst. neubearb. Ausg., 1. Aufl., Bern 2005 - Bd. 1, S. 925. (ISBN 3-906131-95-5; mit CD-ROM)
  • Kunstführer durch die Schweiz / Begr. von Hans Jenny ; Hrsg.: Gesellschaft für schweizerische Kunstgeschichte. 6., durchges. Aufl., 1975 - Bd. 1, S. 845.

Sonntag, 12. März 2006

Zecken können töten - besonders im Unterland

Gegenwärtig regiert zwar noch der Winter, aber bald werden die milden Temperaturen auch die Zecken wieder begünstigen. Darauf macht die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich am Freitag, 10. März 2006, mit einer Medienmitteilung aufmerksam.

Der Zürcher Unterländer hat dieses Thema aufgenommen: «Zeckenstiche können tödlich sein» titelt er gestern Samstag, 11. März 2006. Gerade im Unterland herrsche grosse Gefahr, was mit einer Karte eindrücklich illustriert wird.

Fazit: Schon die Hälfte des Unterlandes ist verseucht. Verseucht mit Zecken (Ixodes ricinus oder Holzbock genannt), die Träger von gefährlichen Krankheiten wie der Frühsommer-Meningo-Encephalitis (FSME) oder der Lyme-Borreliose sind.

Schon etliche Opfer in Weiach - nicht nur Waldarbeiter

Weiach wird zwar nicht direkt genannt. Aber die Wälder rund um das Dorf (und damit Gebiet der politischen Gemeinde) sind schon seit Jahren betroffen.

Auch etliche Weiacher haben die genannten Krankheiten am eigenen Leib erleben müssen. So ein früherer Mitarbeiter des kantonalen Strassenunterhaltsdienstes, der wegen Lyme-Borreliose heute IV-Rentner ist (vgl. Quellen unten)

Oder die Mutter des Schreibenden, eine Lehrerin, die schon vor vielen Jahren an von einer Zecke übertragener Frühsommer-Meningo-Encephalitis schwer erkrankte, knapp am Rollstuhl vorbeikam und heute noch Einschränkungen hinnehmen muss (keine Kraft mehr in der linken Hand, Fahrradfahren unmöglich).

Ein Prozent Todesrate

«Ein Prozent aller Menschen, oft ältere Personen, die sich durch Zeckenstiche mit Hirn- und Hirnhautentzündung infizieren, überleben die Krankheit nicht», zitiert der Unterländer eine Mitarbeiterin des Kantonsärztlichen Dienstes. Wurden im Kanton im Jahre 2000 noch 28 Fälle registriert, haben sich die registrierten Fälle bis Ende letzten Jahres mehr als verdoppelt - auf 61 Erkrankte pro Jahr.

Generelle Impfempfehlung für alle Personen ab 6 Jahren

Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich fordert nun nicht mehr bloss Personen, die oft im Freien sind, auf, sich gegen FSME impfen zu lassen, sondern generell die gesamte Bevölkerung.

Diese Empfehlung gilt insbesondere für die Unterländer. In unserer Gegend sind die Zecken, die die Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME) übertragen können nämlich endemisch, es gibt also sesshaft gewordene Naturherde.

Um die Zahl neu Infizierter gering zu halten, sollen sich alle Personen ab sechs Jahren von ihrem Hausarzt impfen lassen. Die Kosten tragen die Krankenkassen in der Grundversicherung. Eine geimpfte Person ist etwa zehn Jahre lang vor einer FSME-Ansteckung sicher.

Wegen Lyme-Borreliose lange Kleider und Repellents trotz Impfung erforderlich

Weil die Blutsauger neben der FSME aber noch weitere Krankheiten, wie die Lyme-Borreliose übertragen, ist es empfehlenswert, sich in der Zeit von März bis Oktober im Freien vor Zecken zu schützen. Durch geeignete Kleidung und Insektenschutzmittel.

Quellen und weiterführende Literatur

Samstag, 11. März 2006

Ein Verkehrsunfall pro Monat auf Gemeindegebiet

Am letzten Mittwoch publizierte das Neue Bülacher Tagblatt die Verkehrsunfallstatistik 2005 für den Kanton Zürich. Erfreulich ist, dass sich im Vergleich zum Vorjahr über alles gesehen weniger Unfälle mit weniger Verletzten und Toten ereignet haben.

Ausgehend von einem Höchststand mit 260 Toten im Jahre 1971, war letztes Jahr mit 47 Toten ein neuer Tiefststand erreicht. Zurückzuführen sei das auf «die enormen Fortschritte, die bei der Verkehrssicherheit erzielt wurden, obwohl der Verkehr in den letzten 35 Jahren massiv zugenommen hat».

In einem Kasten betitelt «Verkehrsunfälle 2005 in den Gemeinden» schreibt Klaus W. Bodenmüller (kwb) über das Zürcher Unterland: «In der Region mussten 2005 insgesamt 2558 Verkehrsunfälle rapportiert werden. Diese hatten 7 Tote und 606 Verletzte zur Folge. Wasterkingen war im Unterland die einzige Gemeinde ohne Verkehrsunfall

Auf Gemeindegebiet von Weiach ereigneten sich 12 Unfälle mit 5 Verletzten. Auf dem Gebiet von Bachs 1 Unfall mit 2 Verletzten, auf Stadler Gebiet 2 Unfälle mit 1 Verletzten. In Neerach wiederum 13 Unfälle mit 1 Verletzten. Zum Vergleich: In Bülach kam es zu 208 (!) Unfällen mit 46 Verletzten und 1 Toten.

Natürlich wird nicht jeder kleine Unfall ohne Verletzungsfolge der Polizei gemeldet (und erscheint daher auch nicht in der Statistik) aber der Trend scheint klar zu sein: In Regionalzentren, wo sich der Verkehr verzahnt und wo es viele Kreuzungen und Autobahnen gibt, da sind auch viele Unfälle zu verzeichnen.

Wo eine Hauptverkehrsachse durchführt, wie durch Weiach die Hauptstrasse Nr. 7 Basel-Winterthur, oder an Neerach vorbei die Kiesumfahrungsstrasse, da gibt es auch mehr Unfälle. Wenn es dagegen in den abgelegenen Landgemeinden zu einem Unfall kommt, dann offenbar oft mit schwereren Folgen.

Quelle
  • sda/kwb: Weniger Tote und weniger Verletzte. Rückgang der Verkehrsunfälle im Kanton Zürich. In: Neues Bülacher Tagblatt, 8. März 2006.

Freitag, 10. März 2006

Land unter im Unterland

Dieser Titel im Zürcher Unterländer von heute 10. März ist ein so schöner Kalauer, dass ich nicht widerstehen konnte, ihn für den WeiachBlog abzukupfern. Er übertreibt zwar etwas, könnte aber dennoch nicht besser gewählt sein. Denn nach dem grossen Schnee kam ebenso plötzlich das grosse Tauwetter. Und damit die Überschwemmung:

«Vollgelaufene Keller, ersoffene Setzlinge in Gärtnereien, geflutete Felder, Wiesen und Strassen: Der Regen und die milden Temperaturen raffen den Schnee dahin und sorgen für Probleme im Unterland», schrieb Steffen Riedel im «Zürcher Unterländer».

«Die Nachtruhe vieler Feuerwehrleute in der Region endete gestern schon gegen 4 Uhr früh. Hausbesitzer zahlreicher Gemeinden im Unterland schlugen Alarm. Der Regen und das Schmelzwasser hatten ihre Keller geflutet. Fast während des ganzen Tages pumpten die verschiedenen Feuerwehren in Weiach, Glattfelden, Steinmaur, Schöfflisdorf und in Neerach das Wasser wieder aus den Häusern

Etwas weiter unten erwähnt Riedel auch die blockierten Strassen: «Für Behinderungen sorgte das ungebetene Nass auf den Strassen im Unterland. Besonders in Senken oder Talmulden liefen die Wassermassen zusammen und überfluteten die Verkehrswege. So geschehen auf der Hauptstrasse zwischen Weiach und Glattfelden, auf jener durchs Neeracherried zwischen Höri und Dielsdorf und auf der Wehntalerstrasse bei Adlikon

Über die Überschwemmung der Hauptstrasse Basel-Winterthur auf Weiacher Gemeindegebiet, Höhe Winkelwiesen, berichtete sogar der Blick. Sie ist wohl darauf zurückzuführen, dass an den nordexponierten Hängen von Ebnet und Wörndel (Leuenchopf) vielerorts der Boden noch gefroren war. Statt zu versickern lief das Wasser dort zusammen, wo es bis zur Bachkorrektur natürlicherweise durchgeflossen war. Nämlich durch die Winkelwiesen gleich nordöstlich des Dorfeingangs.

«Am späteren Nachmittag beruhigte sich die Situation wieder. Die Gefahr von Überflutungen bleibt aber akut. Das regnerische Tauwetter soll noch einige Tage anhalten», schliesst Riedels Beitrag.

Die Bilder zum Text finden Sie im Originalartikel auf der Website des «Zürcher Unterländers».

Quellen

Donnerstag, 9. März 2006

Ein Kriterium in der Berner Zeitung

Der Median ist der perfekte Durchschnitt. Wenn man Zahlenwerte der Grösse nach sortiert und genau in der Mitte eine Linie zieht, dann hat man den Median. Macht man das bei den Gemeinden der Schweiz, so liegt die Linie (Stand: 31.12.2004) bei 960 Einwohnern. Weiach lag Ende 2005 bei - 959 Einwohnern!

Weiach in der Berner Zeitung? Wie schafft es eine Gemeinde, die durchschnittlicher nicht sein könnte, in die Tageszeitung eines anderen Kantons? Das geht in der Regel nur in drei Fällen - spektakuläre Unglücksfälle, erschreckende Verbrechen, herausragende sportliche Leistungen. Oder in letzterem Fall wenigstens die Gelegenheit dazu.

Es muss nicht immer ein Flugzeugabsturz sein, oder gar ein Mord. In der Berner Zeitung, die sich als «die grösste schweizerische Tageszeitung in der Region Bern, Freiburg und Solothurn» verkauft, war es vorgestern Dienstag die Sportseite. Dort wurde das Frauen-Profi-Team Bigla Cycling im Telegramstil samt Erfolgen vorgestellt und auf Wichtige Termine verwiesen.

«Rennen in der Schweiz. 12. März: Brissago. – 30. April: Magali Pache. – 1. Mai: Mauren. – 14. Mai: Uzwil. – 20. Mai: Cham. – 25. Mai: Diessenhofen. – 27. Mai: Thun. – 28. Mai: Rigi. – 23. Juni: SM Zeitfahren in Boningen. – 25. Juni: SM Strasse in Aarau. – 1. Juli: Unterägeri. – 2. Juli: Weiach. – 30. Juli: Schaffhausen. – 1. August: SM Berg in Sion. – 5. August: Diessenhofen. – 13. August: Zunzgen. – 19. August: Bern-West. – 9. September: Horgen. – Weltcup. 2. April: Flandern-Rundfahrt (Be). – 19. April: Flèche Wallone (Be). – 23. April: Berner Rundfahrt in Lyss. – 7. Mai: GP Castilla–Leon (Sp). – 27. Mai: Montreal (Ka). – 28. Juli: Vargarda (Sd). – 30. Juli: Aarhus (Dä). – 26. August: GP Ouest France in Plouay (Fr). – 3. September: Rotterdam (Ho). – 10. September: Nürnberg (De). – WM. 19.–24. September in Salzburg (Ö).»

Das 4. Kriterium von Weiach, organisiert durch den Veloclub Steinmaur auf einem ca. 1 km langen Rundkurs durch die Strassen von Oberdorf und Bühl, findet dieses Jahr also am Sonntag, 2. Juli statt. Hoffentlich bei schönem Wetter. Und hoffentlich auch mit der zweifachen Weiacher Strassenschweizermeisterin Sereina Trachsel.

Quelle

  • Bigla Cycling. Die Fahrerinnen und alle Rennen. In: Berner Zeitung, 7. März 2006

Mittwoch, 8. März 2006

Fluglärmkurve gekratzt?

«Die Zürcher Baudirektion hat ihre Praxis bezüglich Baubewilligungen in Gemeinden mit übermässigem Fluglärm angepasst. Der Norden wird entlastet», meldet der Lead des Artikels von Dani Schurter im Neuen Bülacher Tagblatt vom 1. März 2006. «Ab sofort werden Baugesuche und Gesuche betreffend Bau- und Zonenordnungen sowie Quartierpläne anhand der Lärmkurven des vorläufigen Flughafen-Betriebsreglementes und aufgrund der Lärmkurven des Jahres 2000 beurteilt. «Dadurch werden Gebiete insbesondere im Zürcher Unterland und Weinland entlastet», teilten die Volkswirtschaftsdirektion und die Baudirektion gestern mit.»

Hat die Gemeinde Weiach am Rande der neuen Fluglärmkurven grad noch einmal die Kurve gekratzt? Oder werden wir vom Kanton erneut präventiv zum Lärmkübel degradiert und entschädigungslos mit einem Bauverbot belegt?

Hochobrigkeitliche Verlautbarung

Das fragt man sich nach der Lektüre der am 28. Februar veröffentlichten Neuregelung der Planungs- und Baubewilligungsverfahren im Einflussbereich des Flughafens Zürich.

Die Verlautbarungen des Amtes für Raumordnung und Vermessung, eine Medienmitteilung und das dazugehörende sind in bestem Planungschinesisch verfasst und deuten in diese Richtung.

Da heisst es zum Beispiel: «Im Rahmen der Ortsplanung dürfen neue Bauzonen nur ausgeschieden werden, wenn die Planungswerte (PW) eingehalten sind. Dasselbe gilt für die Erschliessung von Bauzonen im Quartierplanverfahren.»

Schauen wir uns die von der Medienmitteilung aus verlinkte BZO-Karte genauer an:


Was bedeutet das jetzt für Weiach? Immerhin muss offenbar nicht jedes Baugesuch zwecks obrigkeitlicher Beurteilung nach Zürich geschickt werden.

Quartierpläne See/Winkel und Bedmen gefährdet

Ein Grenzfall sind wir trotzdem: ausgerechnet im Gebiet am nordwestlichen Rande der blauen Fläche sind derzeit gleich mehrere Quartierplanverfahren am Laufen. Die Perimeter liegen unglücklicherweise exakt im Grenzbereich der hier in Anflugrichtung etwas ausfransenden Kurve.

Gemeindepräsident Gregor Trachsel teilte auf Anfrage von WeiachBlog mit, dass der Gemeinde vorläufig nichts anderes übrig bleibe, als weiter zu warten, bis man vom Kanton endlich die parzellenscharfen Pläne erhalte. Man sei an der Arbeit, habe es dort geheissen.

Na toll! Die endlose Geschichte der vom Bund, den Kanton und den Flughafen-Bossen verschuldeten Verzögerungen der Quartierpläne See/Winkel und Bedmen geht also weiter. (Die Quartierpläne Lee und Berg sind nicht mehr betroffen, da bereits abgeschlossen.) Und etliche Gemeinden im Osten des Flughafens erfahren jetzt auch, was es heisst, unter raumplanerische Vormundschaft gestellt zu werden.

Quellen

Dienstag, 7. März 2006

Flughafendirektion Zürich forever!

Lärm-Beschwerden sind an laerm@unique.ch bzw. Tel. 043 816 21 31 zu richten. Ganz Freche rufen sogar direkt im Tower an. Das weiss bei den Südschneisern jedes Kind. Bei den Gelbkäppchen auf dem Pfannenstil wird die Unique-Aversion allerdings erst seit 2003 mit der Muttermilch aufgesogen.

In Weiach hingegen weiss man nicht erst seit 3, sondern schon seit 30 Jahren, dass den Plänen der von jedem Realitätsbezug abgehobenen Flughafen-Bosse zu misstrauen ist. Mit der Privatisierung ist alles nur noch schlimmer geworden.

«Die Flughafen Zürich AG (FZAG) mit Sitz in Kloten ist seit dem 1. April 2000 Halterin und Betreiberin des Flughafens Zürich. Sie tritt unter der Marke «Unique» auf und entstand Ende März 2000 aus dem Zusammenschluss der damaligen Kantonalzürcher Flughafendirektion und der Flughafen-Immobilien-Gesellschaft (FIG). Sie ist an der Schweizer Börse kotiert und an weiteren Flughäfen beteiligt, unter anderem am Bangalore International Airport.» (Quelle: ZRHWiki)

Genau von solchen Konstruktionen wollten die Weiacher Stimmbürgerinnen und Stimmbürger schon anlässlich der kantonalen Volksabstimmung vom 28. November 1999 über das Flughafengesetz nichts wissen. In der Nordwestecke des Kantons wurde die Privatisierung des Flughafen damals deutlich abgelehnt (Weiach: 74.7 % Nein-Anteil). Auch der Kredit für die Fünfte Ausbauetappe des Flughafens wurde in Weiach 1995 abgelehnt.

Auf dem Pfannenstil hingegen wurden beide Vorlagen enthusiastisch angenommen. Aber da war ja auch noch keine Rede von Südanflügen.

Letztlich hat sich für Weiach nicht viel geändert. Seit 30 Jahren wird mit uns dasselbe Spiel gespielt: eine Mehrheit am See gegen die Minderheit im Unterland, die «ad majorem gloriam Turegi» (zur höheren Ehre Zürichs und seiner wirtschaftlichen Prosperität) gefälligst den ganzen Lärm des Flugbetriebs schlucken soll.

Alter Wein in neuen Schläuchen. Wohl deshalb ist auch nach bald sechs Jahren «Unique Zurich Airport» in der März-Nummer der Mitteilungen für die Gemeinde Weiach unter den wichtigen Telefonnummern eine längst Totgeglaubte aufgeführt: die Flughafendirektion mit der «Reklamationstelefonnummer 043 816 21 31 oder 043 816 22 11.» Was soll's. Die Nummern stimmen ja.

Quelle
  • Haas, E.: Klares Ja zum Flughafen. In: Tages-Anzeiger, 29. November 1999.
  • Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, März 2006 – S. 2

Montag, 6. März 2006

Märzwetter 1956

Am 12. Februar hat WeiachBlog über das Wetter im Februar 1956 berichtet. Hier nun die Schilderung des Märzwetters vor 50 Jahren:

«Der März war ein „schwankender Geselle“: bald ists am Morgen noch einige Grad unter Null (Tiefsttemperatur -9°), bald aber steigt das Quecksilber darüber hinauf. Die Nachmittagstemperaturen betragen durchschnittlich so +10 bis +12° (Höchsttemperatur am 30.3., am Karfreitag +20°). Ausnahmsweise schenkt dieser sonst sich durch rauhes Wetter auszeichnende Feiertag dies Jahr einmal einen prächtigen, sonnigen Nachmittag mit klarblauem Himmel. Am Morgen früh allerdings war es noch kalt, etwas unter Null sogar. Der 31. bringt am Morgen -5°, am Nachmittag wiederum +20° und gegen 16 Uhr richtig das erste Gewitter des Jahres – „ins leere Holz“, wie der Volksmund sagt – ein ganz ergiebiger Regen fällt dabei bis gegen 18 Uhr.»

Nach einem kalten Februar konnten die Weiacher nach Angaben von Walter Zollinger (1896-1986) vor einem halben Jahrhundert also einen angenehmen März erleben.

Jedenfalls keinen mit stundenlangen Schneefällen, stundenlangem Schneeschaufeln und präventivem Dachlastberechnen wie in diesem verrückten Frühling 2006.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1956 – S. 2-3 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1956).

Sonntag, 5. März 2006

Die MGW sind online

Pünktlich auf den grossen Schnee *gg* ist es so weit. Die Mitteilungen für die Gemeinde Weiach (vgl. WeiachBlog vom 4. November 2005) sind online.

Und zwar unter den Rubriken Aktuelles - Neuigkeiten auf der Mitte September 2005 eröffneten offiziellen Website der politischen Gemeinde: www.weiach.ch.

Dort ist seit 2. März die März-Nummer 2006 der Mitteilungen abgelegt. Auffallend an dieser Ausgabe ist zweierlei:
  • erstens sind die Seiten entgegen der sonstigen Gepflogenheit nicht nummeriert. Das soll uns aber nicht stören. Im pdf-Reader gibt es ja eine Seitenangabe;
  • und zweitens kommen einige Artikel ganz unerwartet in Farbe daher. In der gedruckten Papierausgabe kann man die Farben bloss erahnen - anhand der Graustufen.
Das Inhaltsverzeichnis ist hingegen in gewohnter und bewährter Reihenfolge aufgestellt:
  • Mitteilungen der Gemeinde, S. 3 - 19 [mit Weiacher Geschichte(n)]
  • Mitteilungen der Schulen, S. 20 - 23
  • Mitteilungen der Kirche, S. 23 - 30
  • Vereine und Sonstiges, S. 31 - 42
  • Vereinigung Gewerbe Weiach, S. 43 - 45 [die einzigen kommerziellen Seiten]
  • Abfallkalender S. 46

Samstag, 4. März 2006

Schneeuntaugliche CITARO-Gelenkbusse

Die tüchtigen Schneefälle von gestern Freitagmorgen haben für einmal auch Weiach nicht ausgelassen. Um halb acht Uhr lagen auf meinem Vorplatz mehr als 10 cm Schnee. Entsprechend musste man dann auch ein paar Minuten länger auf das Postauto warten. Alles halb so wild. Ich habe in Bülach sogar noch die S-Bahn erwischt.

Das wirkliche Chaos fand an diesem Morgen etwas früher statt. Und es betraf ausschliesslich die neuen Gelenkbusse des Autobetriebs Stadel-Neerach, der für die Postauto Zürich fährt. Das wurde mir nach einigen Minuten Fahrt klar.

Wenn man am Antriebsystem spart...

Vor einer Scheune beim Windlacher Kreuz stand der erste Gelenker, der zweite wurde bei der Busgarage Neuwishuus gerade von einem Traktor aus seiner misslichen Lage befreit und ein dritter Gelenkbus stand auf der Haltebucht Richtung Kaiserstuhl beim Stadler Musterplatz. Drei liegengebliebene neue Busse auf weniger als einem Kilometer. Und das alles wegen ein bisschen Schnee.

Einer der Chauffeure erklärte mir heute, das Problem liege darin, dass der Hersteller auf den Einbau eines Antrieb der im vorderen Teil gelegenen Mittelachse verzichtet habe. Nur die hinterste Achse treibe den Bus an. Wenn die Strasse derart glitschig sei wie gestern morgen, dann knicke das Gelenk ein und der Knickschutz werde aktiviert. Resultat: der Motor wird automatisch gedrosselt und nichts geht mehr. Kurz gesagt: Die Manövrierfähigkeit der Busse ist unter Schneebedingungen unter jeder Kanone. Es ist schlicht zu gefährlich mit ihnen zu fahren, wenn die Räumdienste nicht mehr nachkommen.

...und warum das so ist.

Da fällt einem unweigerlich das US-Motto "Just good enough" ein. Dem lebt jetzt offenbar auch Mercedes-Benz mit seiner CITARO-Reihe eifrig nach. Kein Wunder nach der Fusion mit Chrysler. Und deshalb verkauft man den Kunden nun offensichtlich Fahrzeuge, die mit einem nicht mehr abschaltbaren ABS und mit völlig unzureichender Software ausgerüstet sind.

Man nimmt bei diesen Firmen also in Kauf, dass das Leben von Fahrgästen in Situationen wie der oben geschilderten fahrlässig gefährdet wird. Oder mutet den Betreibern zu, dass sie unter den genannten Bedingungen den Betrieb schlicht einstellen müssen.

Allwettertaugliche, robuste Busse müssen her

Denjenigen die jetzt glauben, einmal pro Jahr sei ein solcher Zustand doch für ein, zwei Stündchen zumutbar, sei gesagt, dass wir derartige Extremereignisse als Folge der Klimaerwärmung in Zukunft immer häufiger haben werden.

Schon allein deshalb ist es eine Zumutung, für solche Schrottbusse auch noch teuer zu bezahlen. Billig sind die Niederflurbusse nämlich beileibe nicht. Und trotzdem unbequemer, da überhaupt nicht gefedert und deshalb weitaus schneller am Ende ihrer Lebensdauer als ihre Vorgänger. Im Stadtverkehr mögen sie genügen, im Überlanddienst überzeugen sie aber überhaupt nicht.

Solchen Herstellern sollten die Einkäufer von Fahrzeugen des öffentlichen Verkehrs konsequent die rote Karte zeigen. Wir brauchen kein zweites Combino-Tram-Desaster.

Freitag, 3. März 2006

Weit verbreitetes Zurzacher Pfund (Mass und Gewicht 6)

Zum Abschluss seines Artikels über Mass und Gewicht im alten Kaiserstuhl behandelt M.L. Frischknecht eine "pfundige" Angelegenheit: die Gewichte. Auch da gab es natürlich Unterschiede zwischen verschiedenen Produkten und Marktplätzen, welche für die Weiacher von grosser Bedeutung waren:

«In unserer Gegend bildete das Pfund die Masseinheit. 1 Pfund = 18 Unzen = 36 Lot. Das Pfund beruht mehrheitlich auf dem alten römischen Pfund mit 327 Gramm. Silber, Salz und Fleisch hatten oft eigene Pfunde. Im ganzen Aargau galt für Salz das poids de marc Frankreichs (mit 32 Lot, 490 Gramm). Dies sicher im Zusammenhang mit der hervorragenden Bedeutung des Salzes und der dominanten Stellung Frankreichs im Salzhandel. Solche Spezialgewichte für ganz besondere Sachen kennt auch heute noch jeder: z.B. das Karat als Gewichtseinheit für Edelsteine. Kaiserstuhl hatte in Anlehnung an Konstanz ein Pfund, das aus 40 Lot bestand, es wog 574 Gramm. Zurzach hatte ein Pfund von 528 Gramm, bestehend aus 36 Lot. Lenzburg und Kulm hatten auch das Zurzacher Pfund. Brugg, Mellingen und Muri verwendeten ebenfalls das Zurzacher Pfund mit 40 Lot, doch wog es dort ein Gramm mehr, nämlich 529 Gramm. Das Zurzacher Pfund war in der Schweiz weit verbreitet. Es galt in Uri, Nidwalden, Obwalden und Luzern mit 529 Gramm. In Zug wiederum wog es 528 Gramm. Ausser Kaiserstuhl und Zurzach hatten alle Märkte im Aargau Pfunde mit 32 Lot und Gewichten zwischen 477 (Aarau) und 526 Gramm (Klingnau).»

Interessant ist die Schlussfolgerung des Autors:

«Das war nur ein kleiner Auszug aus dem erwähnten Büchlein [Anne-Marie Dubler, Masse und Gewichte im Staat Luzern und in der alten Eidgenossenschaft; Festschrift, 125 Jahre Luzerner Kantonalbank, 1975]. Eindrücklich ist, wie differenziert und vielfältig früher jedes Ding sein Mass hatte. Eindrücklich ist auch wie gleichmacherisch und stumpf wir heute mit Franken und Rappen rechnen. Sicher, es ginge heute nicht mehr so wie früher. Doch stimmt es sicher den einen oder anderen nachdenklich, wenn er sich bewusst wird, wie früher jedes Ding ein Mass hatte, je nachdem wo es gemessen wurde und je nachdem was es für ein Ding war. Irgendwie leuchtet es doch ein, dass Schnaps, Milch, Wein, Oel und Honig verschiedene Masse haben müssen, dass Wolle, Leinen oder Seide nach verschiedenen Längen gemessen wurden.»

Eine bedenkenswerte Aussage. Der innere Wert der Dinge ist mit gleichmacherischen Massstäben tatsächlich nicht einmal annähernd bemessbar.

Für die Teile 1-5 vgl. die WeiachBlog-Beiträge vom 26. Februar bis 2. März:

Quelle

Frischknecht, M. L.: Masse und Gewichte im alten Kaiserstuhl. Erstmals erschienen in: Echo – Zeitung für Kaiserstuhl, August 1984, S. 4-6. Abgedruckt im Sammelband: Keiserstul. Geschichte und Geschichten – aus dem Nachlass von Bruno Müller. Kaiserstuhl 1989 – S. 178-180.