Sonntag, 25. Februar 2007

Siedlungsstatistik - amtlich zürcherisch

Schon im vorletzten, d.h. im 19. Jahrhundert, gab es etliche Werke, die nicht nur Gemeinden als Ganzes beschrieben, sondern auch sämtliche Siedlungen innerhalb einer Gemeinde namentlich aufführten und ihnen teilweise gar eigene Einträge gewährten (u.a. die Ortslexika von Friedrich Vogel; vgl. Literaturangabe unten).

Weitere Ortschaften als Weiach selber gibt es auf unserem Gemeindegebiet zwar nicht - ganz im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden, wie Glattfelden mit Aarüti, Zweidlen, Schachen und Rheinsfelden, die je eigene Orte oder Weiler bilden.

Selbst Einzelhöfe werden statistisch separat erfasst

Dank der Angaben über Siedlungen, die bis zu kleinsten Einheiten heruntergebrochen sind (sofern diese eine für sich abgeschiedene Lage aufweisen), können wir sogar die Entwicklung von Einzelhöfen über die Jahrzehnte hinweg verfolgen.

Die untenstehende Aufstellung ist die jüngste mir bekannte. Sie stammt direkt von der Website des Statistischen Amtes des Kantons Zürich (zum Vergrössern anklicken):


Interessant ist vor allem die statistische Abgrenzung von Häusern, die in Luftlinie nur wenige Dutzend Meter auseinanderliegen: «Schärerskreuz» und «Felsenhof» beispielsweise. Da wirkt wohl die Tradition von Vogel nach. Wohnhäuser mit besonderen Namen werden auch in modernen Statistiken eher separat aufgeführt.

Spannend ist auch, dass der «Rheinhof» zwar noch genannt ist, ihm jedoch kein Gebäude zugestanden wird, obwohl der alte Hof am Rheinufer nach wie vor steht. Unbewohntheit macht ein Gebäude offenbar statistisch partiell unsichtbar.

Und noch eine Frage taucht auf: Wo stehen wohl die 40 Gebäude bzw. wohnen die Personen, die keiner Siedlung zugeordnet sind? Wunderliche Mysterien statistischer Zuordnungstätigkeit.

Literaturangabe

  • Vogel, F.: Neues Ortslexikon des Kantons Zürich oder alphabetisches Verzeichniß aller Ortschaften, Höfe und einzelnen Wohnhäuser, die besondere Namen führen, mit Angabe der Gemeinde, zu welcher sie gehören, ihrer Lage u.s.f. und verschiedenen statistischen Notizen. Zweite, verbesserte und vermehrte Ausgabe. Zürich, 1841.

[Veröffentlicht am 3.3.2007]

Samstag, 24. Februar 2007

Schützengesellschaft Weiach mit eigenem Webauftritt

Website = Fehlanzeige. Dies galt für die hiesige Schützengesellschaft noch bis vor wenigen Tagen. Der kleine Schiessverein Raat hingegen hatte schon länger einen eigenen Internet-Auftritt.

Magerer Auftritt auf der Gemeinde-Website...

Wenigstens gab es seit dem Spätherbst 2005 die Seite der Schützengesellschaft auf der Gemeinde-Website. Da findet man zwar eine Kontaktadresse. Aber sonst gewinnt man den Eindruck, dass nicht allzu viel laufe:

«Zur Ausübung unserer Schiesstätigkeit steht uns im Hasli ein modern ausgebauter Schiesstand zur Verfügung. Acht der zehn Scheiben sind mit elektronischer Trefferanzeige ausgestattet.

Unsere Aktivitäten:
Besuch von ca. 10 Schiessanlässen in der näheren und weiteren Umgebung.
Seit 1969 alle 2 Jahre das bekannte Albert Meierhofer-Schiessen in Weiach mit ca. 800 Teilnehmern.
»

Schön und gut. Vom Wyberschiessen und den Jungschützenkursen steht da kein Wort. Vom neu lancierten Produkt (vgl. WeiachBlog vom 8. Februar) der Jugendschiesskurse für 10- bis 16-Jährige erfährt man hier ebenfalls nichts. Aber vielleicht ist das ja Absicht. Denn nun hat auch die SG Weiach den Anschluss ans elektronische Zeitalter vollzogen.

... hoffnungsvoller Beginn mit einer eigenen Webpräsenz
    Julius Lauber, der frischgebackene Präsident der Schützengesellschaft, hat sich offensichtlich einiges vorgenommen. Neue Produkte, neue Formen der Mitgliederwerbung. Kampf dem langsamen Absinken in den Untergang auf Raten. In den Mitteilungen für die Gemeinde Weiach vom Februar und März 2007 sind Aufrufe erschienen.

    Auch die Schiene Internet wird beackert: Die Vereins-Website http://www.sgweiach.ch/ ist das jüngste Mitglied im WeiachWeb, der kleinen Schar von Websites mit Bezug zur Gemeinde Weiach oder einem auf dem Gemeindegebiet ansässigen Unternehmen oder Verein.

    Der Webauftritt macht umso mehr Sinn, als ja vor allem die Zielgruppe der Jugendlichen anvisiert wird (vgl. WeiachBlog vom 8. Februar). Die suchen heute - wenn überhaupt - am Computer nach Informationen. Wenn sie daran interessiert sind auch über die Möglichkeiten, die sich beim lokalen Schützenverein bieten.

    Auch die schiesspflichtigen Angehörigen der Armee werden sich über online verfügbare Angaben zum Obligatorischen, wie Schiessdaten und weitere Details zur Erfüllung dieser ausserdienstlichen Verpflichtung freuen.

    Im Moment ist die Website zwar noch eine Baustelle. Aber das zur Zeit Wichtigste (z.B. über die 20. Auflage des Albert Meierhofer-Erinnerungsschiessens) ist bereits drin.

    [Veröffentlicht am 3.3.2007]

    Freitag, 23. Februar 2007

    Kirchgenossenschaft definitiv von Weiach geschieden

    Über die Trennung von Tisch und Bett in der langjährigen Beziehung zwischen der reformierten Kirchgemeinde Weiach und der evangelisch-reformierten Kirchgenossenschaft aus dem benachbarten Aargau hat WeiachBlog schon letztes Jahr berichtet (vgl. Kirchliches Zerwürfnis an der Kantonsgrenze, Nr. 33 vom 5. Dezember 2005 und Kirchlicher Alleingang definitiv, Nr. 45 vom 19. Dezember 2005).

    Nun wird aus der Trennung die endgültige Scheidung, wie die Unterländer-Redaktorin Sandra Zrinski berichtet:

    «An der ordentlichen Generalversammlung der evangelisch-reformierten Kirchgenossenschaft Kaiserstuhl-Fisibach haben sich ihre Mitglieder definitiv für die Selbständigkeit und die Rückkehr zur reformierten Landeskirche des Kantons Aargau entschieden. Dies schreibt der Präsident der Genossenschaft, Christoph Studer, in einer Pressemitteilung. Zuvor hatte man mit der Kirchgemeinde Weiach zusammengearbeitet. Ein sogenannter Pastorationsvertrag regelte die pfarramtlichen Beziehungen zwischen der Kirchgemeinde und der -genossenschaft.

    Der Entschluss zur Selbständigkeit wurde auf Antrag des Genossenschaftsvorstandes nach einer einjährigen Versuchsphase gefasst. Definitiv gewählt und angestellt wurde an der Generalversammlung die bisherige Verweserin, Pfarrerin Therese Wagner. Sie wird in einem Teilzeitpensum von 40 Prozent angestellt.
    »

    Es ändert sich also nichts mehr. Die Scheidung bleibt eine Scheidung. Und auch bei den Stellenprozenten oder der Person der Pfarrerin wird nichts verändert.

    Kommentar: Ob die Landeskirche des Kantons Aargau so viel grosszügiger ist als die Schwesterkirche im Kanton Zürich? Eine 40%-Stelle ist sehr grosszügig bemessen und wird den Verein wohl ziemlich teuer zu stehen kommen. Zum Vergleich: die rund 650 Weiacher Protestantinnen und Protestanten werden gerade einmal mit einem 70%-Pensum betreut.

    Quelle
    • Zrinski, S.: Genossenschaft wird definitiv selbständig. In: Zürcher Unterländer, 22. Februar 2007 - S. 9.

    [Veröffentlicht am 3.3.07]

    Donnerstag, 22. Februar 2007

    Den Stammbaum über drei Generationen im Namen

    Bekanntlich sind etliche Familiennamen aus sogenannten Patronymen entstanden, Vatersnamen also, welche die Abstammung mit einer Verwandtschaftsbeziehung verknüpfen: Andersson zum Beispiel, oder Finnbogadottir.

    Eine ganz spezielle Form des Abstammungsnamens habe ich heute von Ruth Schulthess, geborene Bersinger aus Weiach, gehört. Sie erzählte, was sie erlebt hatte, als sie als Schulkind von Tür zu Tür im Dorf herum gegangen sei und Bauernkalender verkauft habe.

    WöibelRuedisHeirisAnnelisErnstlisSofies Chind

    Einer habe auf die Frage seiner Frau, wer an der Türe sei, in die Wohnung hineingerufen: «'s WöibelRuedisHeirisAnnelisErnstlisSofies Chind isch da!»

    «So ist das also», habe sie verwundert gedacht. Dass der das alles so genau wusste! Und dann auch noch die ganze Abstammung väterlicherseits in einem einzigen Namen verpackte - nach dem Schema Urgrossvater-Grosseltern-Eltern.

    Praktisch war dieser Bandwurmname aber durchaus. Denn Familien mit dem Namen Bersinger gab es in Weiach mehrere. Zu welcher gehörte die vor der Türe stehende Ruth?

    «WöibelRuedis» war der Familienclan beginnend mit ihrem Urgrossvater, der ein obrigkeitliches Vertrauensamt, das des Weibels, ausübte. Dann folgen die Grosseltern väterlicherseits Heinrich («Heiri») und Anna («Anneli»), schliesslich die Eltern Ernst («Ernstli») und Sophie.

    Quelle

    • Persönliches Gespräch mit Ruth Schulthess-Bersinger am 21.2.2007

    [Veröffentlicht am 3.3.07]

    Mittwoch, 21. Februar 2007

    Wikipedia: Weiach auf holländisch

    Nach dem gestrigen Artikel über Gemeindekarten in der Wikipedia hier gleich noch ein Hinweis auf den Wikipedia-Artikel Weiach.

    Neben dem deutschsprachigen Artikel gibt es weitere Sprachversionen: Alemannisch, English, Français, Italiano und «Română» (d.h. Rumänisch).

    In Rumänisch liest sich der erste Satz des Artikels so: «Weiach este un oraş în Elveţia.»

    Neu ist nun der Stummel aus dem Tulpenland

    Ganz neu ist nun eine Version in «Nederlands» hinzugekommen, also in holländisch. Da steht schon ein ganz klein wenig mehr als in der rumänischen Fassung:

    «Weiach is een gemeente en plaats in het Zwitserse kanton Zürich, en maakt deel uit van het district Dielsdorf. Weiach telt 964 inwoners.»

    Leider handelt es sich bei allen diesen Artikeln um sogenannte Stubs (rumänische Erklärung: «Acest articol legat de geografia Elveţiei este un ciot. Puteţi ajuta Wikipedia prin completarea sa !»). Unter einem Stub versteht man im Wikipedia-Jargon Artikelanfänge, die keine vollständigen Beiträge darstellen, sondern noch erweitert werden müssen - in diesem Fall massiv.

    Wer übersetzt den deutschsprachigen Text und baut den "beginnetje Weiach" in einer der obgenannten Sprachen zu einem vollständigen Artikel aus?

    [Veröffentlicht am 3.3.07]

    Dienstag, 20. Februar 2007

    Neue Wikipedia-Karte Weiach

    Der Wikipedia-Mitarbeiter Tschubby, der nach eigenen Angaben am Osthang des Züribergs lebt und deshalb den See nicht sieht, hat in monate-, ja jahrelanger, bienenfleissiger Kleinarbeit zu sämtlichen über 2800 Gemeinden der Schweiz Übersichtskarten erstellt. Und nicht nur das. Auch die von allen grösseren Seen der Schweiz, zumal der Stauseen, stammen von Tschubby.

    Nun setzt er nach einer ausführlichen Diskussion mit anderen Wikipedianern noch eins drauf. Und zwar mit dieser neuen Karte.


    Sie zeigt nicht nur (wie bisher; vgl. grosse Karte) die Lage der Gemeinde innerhalb des Bezirks. Neu wird nun in einem kleinen Zusatzkärtchen auch die Lage des Bezirks innerhalb des Kantons und der Schweiz mitsamt der Verortung der Gemeinde als roten Punkt angezeigt.

    Eine ganz tolle Sache. So kann man - ohne sich auf den Bezirksartikel und von dort auf den Kantonsartikel klicken zu müssen - erfahren, wo sich eine bestimmte Gemeinde in der Schweiz genau befindet.

    [Veröffentlicht am 3.3.07]

    Montag, 19. Februar 2007

    Wigach - Schreibweise im Kanzleistil

    Ortsnamenschreibungen sind ja manchmal eine ganz seltsame Sache. Wussten Sie, dass die Einheimischen den Ortsnamen Weiach anders aussprechen als Auswärtige? Und auch, warum das so ist? Die Lösung findet man in einem Artikel vom Januar 2000, der Nr. 2 aus der Reihe Weiacher Geschichte(n).

    Eine Differenz zwischen Schreibung und Aussprache gab es vor 500 Jahren, d.h. in der Frühen Neuzeit, bereits einmal. Das kann man am Beispiel des sogenannten Glückshafenrodels zeigen. Dieser Rodel stellt ein Verzeichnis aller Teilnehmer einer grossen Lotterie (Ziehung aus dem Glückshafen) im Jahre 1504 dar.

    Unser Dorf wurde von den Schreiberlingen der Glückshafen-Einnehmerei in der Stadt Zürich in den Formen «Wigach bi Keiserstůl», «Wygach bi Keysserstůl» oder «Wiyach by Keiserstůl» notiert.

    Insgesamt kauften Angehörige von vier Familien Lose. Interessant ist, dass in diesen Einträgen beide Formen vorkommen, also mit und ohne -g-. Die Schreibweise mit -g- war der damals übliche Kanzleistil. Gesprochen wurde aber ein -j-. Das tönte also in etwa so: «Wijach» (ohne phonetische Schrift, weil ich schlicht nicht weiss, wie man die in diesen Blog hineinzaubert).

    Quellen
    • Lotterie-Fieber vor 500 Jahren. Weiacher im Glückshafenrodel des Freischiessens zu Zürich von 1504. Weiacher Geschichte(n) 58. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, September 2004 – S. 13-18.
    • Der Glückshafenrodel des Freischiessens zu Zürich 1504, mit Anhang und Beilagen. Mit Unterstützung der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich bearb. und hrsg. von Friedrich Hegi unter Mithilfe von E. Usteri und S. Zuber. Bd. 1 (Text); Bd. 2 (Register). Zürich 1942.
    [Veröffentlicht am 3.3.2007]

    Sonntag, 18. Februar 2007

    Februarwetter 1957

    Auch über den Februar vor 50 Jahren hat Dorfchronist Walter Zollinger einige Zeilen geschrieben. Richtiges Statistikerfutter. Aber lesen Sie selber:

    «Februar, Horner! Er scheint seinem Namen Ehre machen zu wollen: Mit zwei Ausnahmen (Sonntag, 17. & Mittwoch, 28.2.) waren die Februartage immer trübe, bedeckt, neblig, regnerisch; mehrmals sogar kam richtiges Hudelwetter, nämlich am 13./14./15. und am 24. Februar. Schnee fiel dreimal, aber nur in geringer Menge; Regen dagegen hatten wir zehnmal, am 14.2. nachm. sogar Rieselschauer; auch war’s oftmals windig oder gar stürmisch. Die Morgentemperaturen schwankten zwischen -4° und +7°, nachmittags dann immer merklich über 0°, mehrmals um +9 bis +11° herum, einmal +13°, am 26.2. Im grossen und ganzen war’s richtiges „Grippewetter“, vornehmlich ab Mitte des Monats.»

    Dass er diese Witterung als Grippewetter einstufte ist nachvollziehbar - war er doch damals selber ein Opfer des Influenza-Virus!

    Bereits im WeiachBlog erschienene Wetterartikel

    Quelle

    • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 3-4 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)

    [Veröffentlicht am 3.3.07]

    Samstag, 17. Februar 2007

    Weiacher Geschichte(n) im NEBIS erfasst

    NEBIS, das Netzwerk von Bibliotheken und Informationsstellen in der Schweiz, war schon einmal Thema in einem WeiachBlog-Artikel (NEBIS revisited, Nr. 81 vom 24. Januar 2006).

    Damals habe ich mich über die Aufnahme eines einzelnen Zeitungsartikels gewundert. Und heute? Heute wundere ich mich über die plötzliche massive Präsenz der Weiacher Geschichte(n).

    Von den Zuständigen bei der Zentralbibliothek Zürich wurden nämlich sämtliche Artikel des Jahrgangs 2005 aufgenommen - mit einer Ausnahme: der Oktober-Artikel (Nr. 71) über die Erst-Aufschaltung der Website www.weiach.ch fehlt. Der war wohl historisch nicht genügend relevant. Es ist der einzige, der auf ein aktuelles Ereignis im Titel Bezug nimmt.

    Hier die Liste der aufgenommenen Artikel - samt Direkt-Link auf die pdf-Datei:

    [Veröffentlicht am 3.3.07]

    Freitag, 16. Februar 2007

    Bürgernutzen light

    Im Artikel Brennholz nur für Einheimische (WeiachBlog Nr. 182 vom 5. Mai 2006) haben wir schon davon berichtet: Holz aus dem Wald der politischen Gemeinde gab's nur für die Hiesigen.

    Die Ausschüttung des ''Bürgernutzens'' war zwar mit dem Inkrafttreten des Gemeindegesetzes von 1926 nicht mehr zulässig. In abgeschwächter Form lebte die Tradition aber weiter, indem die Brennholzersteigerung nur für Einheimische und nur für ihren Eigenbedarf zulässig war - auch 1957 galt das unverändert:

    «Am 16. Februar fand die alljährlich nur für die einheimische Bevölkerung bestimmte Brennholzsteigerung statt. Es wurden angeboten: 270 Ster Brennholzspälten und 21 Nummern Stauden.»

    Am selben Tag stand abends auf dem Programm: «16. Febr.: Beide Chöre versammeln sich zur Durchführung der Jahresversammlungen.» Mit den beiden Chören sind der Männerchor und der Kirchenchor gemeint. Beide sind mittlerweile eingegangen.

    Quelle

    • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 8 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)

    [Veröffentlicht am 2.3.2007]

    Donnerstag, 15. Februar 2007

    Grippe haut Lehrer ins Bett

    «Am 15. und 16. Februar und nochmals vom 28. bis 30. März erkrankte der Unterzeichnete an Grippe, wodurch den Schülern ein paar willkommene schulfreie Tage geschenkt wurden.»

    Der Verfasser dieser Zeilen, Walter Zollinger, war während Jahrzehnten Lehrer der oberen Klassen an der Weiacher Primarschule.

    Wenn man von heute älteren Semestern, die ihn noch selber erlebt haben, hört wie streng Zollinger sein konnte, dann herrschte wohl wirklich Freude über die unverhofften fünf freien Tage. Aber natürlich nur, wenn man nicht gerade selbst grippebedingt das Bett hüten musste.

    Quelle

    • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 12 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)

    [Veröffentlicht am 2.3.2007]

    Mittwoch, 14. Februar 2007

    Glorreich ist das Weidmannsheil!

    Im November 1941 hielt die damals 15-jährige Ruth Schulthess-Bersinger an der Bezirksschule Kaiserstuhl einen Vortrag über ihr Heimatdorf Weiach. Einer der Abschnitte betrifft eine Jagdhütte:

    «Auf dem Sanzenberg, an der westlichen Strasse, die auf den Bachserbuck führt, wurde vor 5 Jahren ein Blockhaus erstellt. Das Holz zu dessen Bau stifteten die Gemeinden Weiach, Stadel & Bachs. Die Wände sind aus geschälten tannenen Rundhölzern. Solche auf einem Betonsockel aneinandergefügt, bilden den Boden. Ein Dach aus Dachbappen schützt das schöne Innere, welches aus Aufenthaltsraum, Schlafraum, Keller & Cheminée besteht. Neben dem Kochherd erhebt sich ein Geschirrschrank. Die Wände sind mit Rehbockgeweihen behängt. Nicht durch eine Türe gelangt man in den Schlafraum; sondern, indem man einen Vorhang zurückschiebt. Als Ruhelager dienen 2 übereinander befestigte, breite Matratzen. Über der Eingangstür kann man folgende Inschrift lesen:

    S Sanzenberg heisst unsere Hütte,
    A Aufgebaut in Waldesmitte.
    N Nicht so leicht kann’s Schön’res geben
    Z Zieht man aus zum Nimrodleben. –
    E Einträchtig mit ihrer Beute
    N Nahen sich die Jägersleute,
    B Bleiben froh zusammen sitzen.
    E Es ermangelt nicht an Witzen.
    R Ruhm und Heldentat sind feil;
    G Glorreich ist das Weidmannsheil!

    Gewiss jeder Spaziergänger, der an dieser Jägerhütte vorbeizieht, wird sie bewundern.
    »

    Jagdhütte steht nicht mehr - zumindest nicht auf Weiacher Gebiet

    Eins der bekannteren Mitglieder der Jagdgesellschaft Sanzenberg, alt Gemeindepräsident Mauro Lenisa, ist der Ansicht, dass diese Jagdhütte nicht identisch mit der heutigen sei.

    Diese Aussage wird durch das Inventar der Gebäudenummern-Konkordanz gestützt. Dort findet man lediglich zwei Waldhütten auf dem Müliboden mit den Baujahren 1955 und 1968.

    Die von Ruth Bersinger erwähnte Jagdhütte mit Baujahr 1936 ist also entweder durch eine neue ersetzt, an einen anderen Platz versetzt oder ersatzlos abgebrochen worden.

    Quelle
    • Bersinger, R.: "Weiach!" 20Min-Vortrag in der Bezirksschule Kaiserstuhl. Handschrift, 10 Seiten. Zusammengestellt im November 1941. Xero-Kopie im Archiv des Ortsmuseums Weiach.

    [Veröffentlicht am 25.2.2007]

    Dienstag, 13. Februar 2007

    Helvetische Republik - exzellent erklärt

    «Sidonius» nennt er sich innerhalb der Wikipedia, im sonstigen Leben heisst er Marco Zanoli. Und er ist ein Fachmann. Studiumfächer: Allgemeine Geschichte, Politikwissenschaft und Mittellatein. Momentane Tätigkeit: Geschichtslehrer am Gymnasium.

    Ein Glücksfall für die freie Enzyklopädie im Netz. Denn Sidonius schreibt viel und gern. Vor allem Artikel zur Geschichte der Schweiz. Er zeichnet aber auch historische Karten, was man u.a. auf seiner Benutzerseite sehen kann.

    Irrungen und Wirrungen unseres Landes

    Besonders positiv aufgefallen ist mir der Artikel zur Helvetischen Republik, den andere Wikipedianer mittlerweile in den Status «Exzellent» gewählt haben.

    Beeindruckend ist nur schon das Inhaltsverzeichnis zum Abschnitt Geschichte. Es zeigt, was in diesen gut 60 Monaten Helvetik alles Platz gehabt hat. Kaum zu glauben:

    1. Situation vor der Revolution
    2. Die «Helvetische» Revolution 1798
    3. Der Kampf um die neue Staatsordnung 1798
    4. Die Unterwerfung Nidwaldens und der Zweite Koalitionskrieg 1799
    5. Der erste Staatsstreich vom 8. Januar 1800
    6. Der zweite Staatsstreich vom 7. August 1800
    7. Die Verfassung von Malmaison 1801
    8. Der dritte Staatsstreich vom 27./28. Oktober 1801
    9. Der vierte Staatsstreich vom 17. April 1802
    10. Die Zweite Helvetische Verfassung 1802
    11. Der Zerfall der Helvetischen Republik im «Stecklikrieg»
    12. Die Intervention Napoléons im Herbst 1802
    13. Die Auflösung der Helvetischen Republik

    Auswirkungen bis heute spürbar

    Die Ideen und Konzepte, welche in diesen fünf Jahren, vom Frühjahr 1798 bis Frühling 1803, in unserem Land diskutiert wurden, um die gestritten, ja gekämpft wurde, sind noch heute wichtig. Denn vieles davon bildet letztlich die Grundlage der modernen Schweiz:

    • Herstellung der persönlichen Freiheit der Bürger
    • Säkularisierung der Klöster
    • Wirtschafts-, Gewerbe- und Handelsfreiheit
    • Aufbau staatlicher Dienstleistungen (Helvetische Staatspost, Schweizerfranken als Einheitswährung)
    • Ablösung des Zehnten
    • Einrichtung eines staatlichen Schulwesens
    • Reform des Rechtswesens (Rechtsungleichheit abgeschafft, Leibeigenschaft aufgehoben, einheitliches Staatsbürgerrecht)

    Etliches wurde mangels Geld und als Folge der häufigen Umstürze (Vier Staatsstreiche!, s. oben) zwar nicht oder nur rudimentär in die Realität umgesetzt.

    Die Helvetische Republik ging zwar bald unter - ging auch an ihrem eigenen Anspruch zugrunde. Aber trotzdem leben erstmals verwirklichte Ideen bis heute weiter.

    Dieser Artikel (und der entsprechende im Historischen Lexikon der Schweiz, der von der Wikipedia aus verlinkt ist) sollte Pflichtlektüre für alle sein. Besonders für jene, die in der Helvetik nach wie vor nur die böse Franzosenzeit und die Tatsache sehen wollen, dass die Schweiz zum Spielball und Operationsgebiet fremder Armeen wurde (vgl. Die Alten Chroniken 1857: WeiachBlog vom 10. Februar 2007).

    [Veröffentlicht am 24.2.2007]

    Montag, 12. Februar 2007

    Bärtiger «Zältli»-Unhold revisited

    Ein «Zältli» ist kein kleines Zelt, sondern ein Bonbon. Das nur zur Erklärung der nachfolgenden Zeilen aus dem Zürcher Unterländer. Erschienen vor fast genau fünf Jahren, am Donnerstag, 7. Februar 2002.

    «Nach Bülach und Bachenbülach sind letzte Woche weitere Kinder von einem Unbekannten angesprochen worden. Ganz sicher in Weiach, möglicherweise auch in Winkel», umreisst der Lead des Artikels das Thema.

    Grusel, Schauder und ein Hauch von Es geschah am hellichten Tag, mit dem Film-Bösewicht Gert Fröbe (gedreht 1958 auf der Basis einer Dürrenmatt-Erzählung - und damit auch schon bald 50 Jahre alt):

    «Weiach, Samstag, 2. Februar, 16 Uhr: Zwei Mädchen spielen auf dem Areal des Primarschulhauses in Weiach. Plötzlich bietet ihnen ein dunkel gekleideter Mann mit grauem Bart «Zältli» an. Die Primarschülerinnen sind skeptisch, denn der Unbekannte bietet an, sie auch nach Hause zu fahren. Die Primarschülerinnen rennen davon. Mit dieser Masche versuchte seit Anfang Jahr ein «Zältli»-Unhold Kinder ins Auto zu locken. Der vierte Vorfall ereignete sich in Weiach.»

    Schulpflegen schlugen Alarm

    Das Verhalten entspricht dem, was Kindern für solche Fälle heutzutage gemeinhin gelehrt wird. Man hätte nun zur Tagesordnung übergehen können. Da aber das Schulareal betroffen war, sah sich die Schulpflege zum Handeln veranlasst:

    «Nach dem Vorfall in Weiach reagierte Primarschulpflegepräsident Rainer Hüssy: Bereits am Montag wurden die Eltern in einem Schreiben informiert.»

    Auch die Schulbehörden von Stadel, Bülach und Bachenbülach hätten umgehend die Eltern ihrer Schüler informiert. Reagiert habe auch die Stadtpolizei Bülach, die vermehrt bei den Schulhäusern patrouilliere, schreibt der Unterländer-Redaktor Jaggi weiter.

    Ob der Graubärtige je wieder aufgetaucht ist, weiss der WeiachBlogger auch nicht.

    Empfehlung: Kinder weiter instruieren und ansonsten: RIP für diesen Fall.

    Quelle

    [Veröffentlicht am 24.2.2007]

    Sonntag, 11. Februar 2007

    Busse für missglückte Selbstjustiz

    Vor bald einem Jahr, am 19./20. März 2006 haben wir in zwei Beiträgen mit den Titeln «Hohe Busse für Beischlaf vor der Ehe» und «Auf offener Strasse angegriffen und übel traktiert» schon einen Blick in die Bussenverzeichnisse der Obervögte des Neuamts aus den letzten Jahren des 17. Jahrhunderts getan.

    Bussen sind ein Mittel zur Disziplinierung und darüber hinaus eine gute Einnahmequelle. Und so erstaunt es nicht, dass in allen Rechnungen des zürcherischen Obervogts so manches Vergehen mit samt der dafür ausgesprochenen Busse verzeichnet ist. Blättern wir in der Rechnung auf das Jahr 1684/85:

    6 lib. zahlte «Jogelj Meyerhoffer, müller von Weyach, das er einen frömbden mann, der jhme, als er bey jhme übernachtet, jnn seinem hauss etwas gellts rev[erenter] sollte gestollen haben, die händ auff den ruggen gebunden, examinirt, aber alles gelaugnet und also gebunden entloffen, da er jhne hette dem undervogt zu oberkeitlichen handen liefferen sollen.»

    Amtsanmassung wird bestraft

    Dumm gegangen. Anmassung von Amtsgewalt, die nur der Obrigkeit zustand war schon damals nicht gern gesehen.

    Verglichen mit Drohungen gegen Autoritätspersonen wie den Pfarrer, worauf 45 lib. (!) Busse standen, wurde dieser misslungene Versuch von Selbstjustiz aber noch relativ mild bestraft.

    Um einen Eindruck von den Geldwerten zu geben: Futter für ein Pferd kostete 1679 pro Tag einen halben Gulden (fl). Die Jahre 1689 bis 1695 waren in der Ostschweiz ausgesprochene Hungerjahre mit vielen Missernten. Der Futterpreis verdoppelte sich nahezu. Ein Hase kostete im November 1690 1 fl. Sechzig Pfund Rindfleisch 5 fl. 10 ß. Eine solche Busse schmerzte den kleinen Landmann also durchaus. [1 Gulden (fl) = 2 Pfund (lib.) = 40 Schilling (ß).]

    Quelle
    [Veröffentlicht am 24.2.2007]

    Samstag, 10. Februar 2007

    80'000 Gulden um 1799 - wieviel Geld wäre das heute?

    «In dem Kriegsjahr 1799 litt Weyach vorzüglich großen Schaden durch theilweise Verheerung und Abnutzung des herrlichen Eichwaldes, wo französische Truppen lange Zeit kampirten. Ein Viertheil desselben soll geschlagen worden sein; der Schaden ward auf circa 80,000 fl. berechnet. Ferneren großen Verlust erlitt die Gemeinde durch Einäscherung des Schul-, Gemeind- und Spritzenhauses, Plünderung in Haus und Feld, und besonders noch durch Einquartierung und Requisitionslasten.» (Chroniken 1857)

    Es ist sehr schwierig, die Kaufkraft von 80'000 Gulden (fl.) damaliger Währung in heutige Geldwerte umzurechnen. Man kann aber folgende Faustregeln zu Hilfe nehmen:
    1. Bei der Umstellung auf die Frankenwährung im Jahre 1851 galt 1 Gulden neu Fr. 2.33 (Zollinger 1972).
    2. Die vom Bundesamt für Statistik (Ritzmann-Blickenstorfer 1996; Gross 1998) ermittelten Indexwerte für das 2. Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts liegen in etwa auf dem Indexstand von 1914=100.
    3. Im Zweiten Weltkrieg stiegen die Preise massiv an. Landesindex der Konsumentenpreise Indexstand 1939: 138.0; 1940: 150.8; 1941: 173.9.

    Unter der Annahme, dass ein Gulden relativ zum späteren Franken im Jahre 1799 gleich zu bewerten war wie 1851, kann man 1.73 x 2.33 = 4.03 rechnen.

    Da der heutige Indexstand basierend auf 1914 ungefähr bei 1000 liegt, muss man gegenwärtig von Faktor 10 ausgehen.

    Auf aktuelle Verhältnisse umgerechnet entstand der Gemeinde also ein Schaden in Millionenhöhe. Zum Vergleich: 1 Steuerprozent entspricht heute ca. 22'500 Franken.

    Quellen

    • Die alten Chroniken oder Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich von den ältesten Zeiten bis 1820 neu bearbeitet von Friedrich Vogel, Sekretär des Baudepartements. Zürich, 1857 – S. 818f.
    • Zollinger, W.: Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach. (Chronik Weiach. 1271-1971). 1. Aufl. 1972 (erschienen an Ostern), [Staatsarchiv des Kantons Zürich: Dc W 28, Zentralbibliothek Zürich: FU 3003] ; 2. ergänzte Aufl. 1984. - Anhang.
    • Ritzmann-Blickenstorfer, H. (Hrsg.): Historische Statistik der Schweiz. Zürich 1996 – S. 502.
    • Gross, Th.: Preisbewegungen in der Schweiz des 19. und 20. Jahrhunderts: Hinweise zur Datenlage, zur Methode und zu den Ergebnissen. In: Geschichte und Informatik, Vol. 9, Bern 1998 – S. 85-102.

    [Veröffentlicht am 24.2.2007]

    Freitag, 9. Februar 2007

    «Allenwinden» steht zum Verkauf

    Für 1.1 Millionen ist man bei den Leuten. Bei denen, die als Käufer für eine Liegenschaft im Bereich des Quartierplans See-Winkel in Frage kommen.

    Das Haus Allenwinden, in diesem Blog im Zusammenhang mit dem Bau der Kanalisation schon zweimal genannt (vgl. Quellen unten), wurde nach Angaben der Kantonalen Gebäudeversicherung um 1924 erbaut. Und steht nun zum Kauf:

    Freistehendes älteres Einfamilienhaus oder doch Villa?

    Die Liegenschaft an der Kaiserstuhlerstrasse 45 in Weiach («Grundstückfläche (m2): 1'528») ist ein schmaler Schlauch, direkt an der Hauptstrasse Nr. 7 Basel-Winterthur und der Bahnlinie Winterthur-Koblenz gelegen.

    Es gilt als Einfamilienhaus. «Anzahl Zimmer: 6.0; Wohnfläche (m2): 300.» Als Baujahr wird im Inserat interessanterweise 1930 genannt. Verfügbar ist es nach Vereinbarung und der Verkaufspreis wird auf Anfrage bekanntgegeben.

    Auf anderen Portalen als Homegate (z.B. hier bei Immostreet als Villa bezeichnet) ist sogar ein Preis genannt. Von da stammt meine Angabe zu Beginn des Beitrags. Bei Comparis findet man beide Inserate.

    Zahlenangaben sind Glücksache

    Aussicht hat man, z.B. nach Hohentengen. Ein Cheminée, Parkplatz, Sitzplatz, Garage und ISDN-Anschluss hat das Haus natürlich auch.

    Die weiteren Angaben sind allerdings etwas freihändig:

    • Öffentl. Verkehr: 2'000 m
    • Einkauf: 2'500 m
    • Kindergarten: 1'000 m
    • Primarschule: 1'000 m
    • Autobahnanschluss: 3'000 m


    Die Postauto-Haltestelle Alter Bahnhof ist weniger als einen halben Kilometer entfernt. Bei den Einkaufsgelegenheiten fragt man sich, was der Referenzpunkt sei. Der VOLG im Dorfzentrum kann es nicht sein, zumal die praktisch am selben Ort gelegene Primarschule und der Kindergarten nur 1000 m entfernt sein sollen. Einkaufsmöglichkeiten aber nicht?

    Bei der Angabe zum Autobahnanschluss (die Umfahrung Glattfelden) muss ich regelmässig schmunzeln. Als ob es darauf ankäme. Wahrscheinlich verlangt die Eingabemaske ultimativ nach so einer Angabe. Die man dann halt gibt.

    Aber wenigstens sind die Eckdaten bei Immostreet und Homegate fast dieselben:

    «6 zi.EFH, mit ausgebautem Dachstock, grosser Keller, Garten. Ausgebauter (2,5zi)Anbauteil mit Chemineé, kleine Garage, 6 PP. Landanteil 1528 m2. BAULAND WG3» (Homegate)

    «Freistehendes älteres EF, 6 zi.3 stöckig, ausgebauter Dachstock, grosser Keller, ausgebauter (2,5 zim) Anbauteil mit Chemineé. Kleine Garage, ca 6 Parkpl. Renoviert 1983 Landant. 1528m2 Bauland WG3» (Immostreet)

    Weiterführende Artikel

    [Veröffentlicht am 24.2.2007]

    Donnerstag, 8. Februar 2007

    Die Schützengesellschaft rührt die Werbetrommel

    Eigentlich hätte der Aufruf der Schützengesellschaft Weiach ja schon in der Januar-Ausgabe der Mitteilungen erscheinen sollen. Dass es erst für die Februar-Nummer geklappt hat ist auch kein Beinbruch. Schliesslich geht es um Grundsätzliches. Nämlich ums Überleben. Langfristig gesehen zumindest.

    Mitgliederschwund - auf der Suche nach den Gründen

    Nach 102 Jahren unter dem Namen SG Weiach (es gab auch Vorgängervereine) lahmt die Gesellschaft etwas. Die Zahl ihrer Aktivmitglieder habe in den letzten Jahren stetig abgenommen, schreibt der Vorstand der Schützengesellschaft. Und selbstkritisch stellt man sich in aller Öffentlichkeit der Frage nach dem Warum:

    • Liegt es daran, dass nur noch wenige Jahrgänge die militärische Schiesspflicht
      zu erfüllen haben?
    • Liegt es am Interesse der Einwohner?
    • Ist eine Vereinszugehörigkeit noch gefragt?
    • Haben wir die Jugendarbeit vernachlässigt?
    • Gehen wir zu wenig auf neue Einwohner zu, um diese auf unseren Verein aufmerksam zu machen?

    Offensichtlich ist man zum Schluss gekommen, dass zumindest der letzte Punkt zutreffe. Deshalb fährt man jetzt eine Informationsoffensive und beantwortet die Fragen gleich selber:

    «Fest steht, dass die Reduktion der Armee einen Mitgliederschwund bewirkte. Dass das Interesse an einer Vereinzugehörigkeit nachgelassen hat. Die Jugendarbeit – sprich Jungschützenkurse und Schiesskurse für Jugendliche -, zum Teil mangels Interesse möglicher Teilnehmer vernachlässigt wurden. Wir zu wenig aktiv auf unseren Verein aufmerksam machten. Muss noch ein weiterer Verein der Gemeinde Weiach "sterben"? Wir sind der Meinung: Nein!!!!»

    Damit es nicht so weit kommt, muss man mit den Pfunden wuchern die man hat. Und das wären?

    Jugendschiessen und Wyberschiessen ist beliebt

    «Das von uns alljährlich durchgeführte Jugendschiessen zeigt, dass sich Jugendliche für diesen Anlass interessieren und begeistern. Das am gleichen Tag stattfindende "Wyberschiessen" erfreut sich grosser Beliebtheit. Die Schiessenden werden an diesem Anlass durch erfahrene Schützenmeister betreut. Gute Resultate machen Freude. Das gemütliche Absenden und die Preisverteilung werden gerne besucht. Also packen wir es an: Sie kommen, wenn man sie ruft.»

    Flugs wird für die erkannte Zielgruppe ein neues Produkt lanciert. Auf dem Land geht das ja noch. Da wird nicht diskutiert, ob die Waffe des Wehrmannes in den heimischen Kasten gehört. Das IST so. Und liest sich dann so:

    Neu: Schiesskurs für Jugendliche von 10-16

    «Wir rufen die Jugend und deren Eltern zum Mitmachen auf. Im Frühjahr bietet die Schützengesellschaft Weiach einen Schiesskurs für Jugendliche (10 bis 16 Jahre) unter Leitung erfahrener Jungschützenleiter an. Wir werden darauf achten, dass die Kursdaten so gelegt werden, dass andere Aktivitäten (sprich Jugendriege/Mädchenriege) nicht tangiert werden.»

    Da ist aber noch nicht alles. Auch der Jungschützenkurs für 17-18-Jährige soll weitergeführt werden. Und: Frauen und Männer seien nicht nur als Aktivschützen sondern auch als Helfer im Verein willkommen. Man muss also nicht einmal Mitglied werden. Das war zu Zeiten der militärbehördlich verordneten Zwangsmitgliedschaften auch schon anders.

    Dass auch Nichtmitglieder willkommen sind, zeigt sich am wohl traditionsreichsten Anlass der Schützengesellschaft:

    20. Albert Meierhofer-Erinnerungsschiessen

    Seit 1969 wird in allen ungeraden Jahren das Albert Meierhofer-Erinnerungsschiessen durchgeführt. Am 13./14. und 20./21. April 2007 wird zum 20. Mal die Schiessfahne für diesen Anlass gehisst. Auch das Weiacher Vereins-, Behörden- und Familiengruppenschiessen werde wieder in diesen Anlass integriert, lässt die Schützengesellschaft verlauten:

    «Stellen sie eine Gruppe (vier Teilnehmer) zusammen. Zeigen Sie durch eine Teilnahme an diesem Anlass, dass Sie zum Dorf gehören. Falls Sie keine eigene Waffe haben, stellt sie der Verein zur Verfügung.»

    Da muss wohl auch der WeiachBlogger selber in die Hosen und sich hinter die Flinte klemmen. Das ausführliche Programm ist für das nächste Mitteilungsblatt der Gemeinde Weiach (MGW) (d.h. die Märznummer) zur Veröffentlichung vorgesehen. Schauen wir mal.

    Quelle

    • Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Februar 2007 - S. 31-32.

    [Veröffentlicht am 24.2.2007]

    Mittwoch, 7. Februar 2007

    Der Schulzahnarzt untersucht und bohrt

    Auch vor 50 Jahren war der Zahnarzt kaum beliebt. Das galt wohl auch für die Weiacher Schülerinnen und Schüler.

    Im Abschnitt über das Schulwesen findet man in Zollingers Jahreschronik 1957 den folgenden Eintrag:

    «7. Februar: Der Schulzahnarzt erscheint mit seiner Assistentin, um die Gebisse der Kinder zu untersuchen, und v. 8.-18.2. also gleich anschliessend, unterziehen sich 37 Schüler der zahnärztlichen Behandlung.»

    Aua... Interessant daran ist, dass es damals offenbar noch keine Schulzahnklinik in Bülach gab (wie zu Schulzeiten des Schreibenden), sondern der Zahnarzt quasi auf Stör ging und seine wichtigsten Utensilien samt Sprechstundenhilfe mitnahm.

    Quelle

    • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 11 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)

    [Veröffentlicht am 19.2.2007]

    Dienstag, 6. Februar 2007

    Politisches Gemeindegut: 0% Steuer

    In den Zollingerschen Jahreschroniken dürfen die rein monetären Belange der verschiedenen Gemeinwesen in Weiach natürlich nicht fehlen. Auch nicht in der auf das Jahr 1957:

    «Unterm 6. Februar wurden wiederum die zu erhebenden Steuern auf Antrag der betr. Behörden von der Stimmbürgerschaft beschlossen, nämlich:
    • Politisches Gemeindegut: 0%
    • Armengut: 10%
    • Primarschulgut: 50%
    • Kirchengut: 60%
    • Sekundarschulgut Stadel: 55%
    Somit sind für 1957 gesamthaft 175% des einfachen Staatssteuerertrages (mutmasslich Fr. 18'000.- = 100%) vorgesehen. Finanzausgleich gabs diesmal Fr. 14'205.-, der voll dem Primarschulgut zugeteilt werden konnte.
    » (G-Ch 1957)

    Bei einem Indexstand von ca. 250 für das Jahr 1957 und einem von ca. 1000 (auf Basis 1914=100) pro 2007 für die Konsumentenpreise, würde sich der damalige Steuerertrag samt Finanzausgleich auf heutige Verhältnisse umgerechnet bei unter 185'000 Franken bewegen. Heute kostet der Gemeindehaushalt (inkl. Oberstufe) selbst teuerungsbereinigt ein Mehrfaches!

    Das sollte uns wieder einmal passieren, dass die politische Gemeinde keine Steuern beziehen will. Vor 50 Jahren war das offensichtlich noch möglich.

    Dass all diese Steuerfüsse am selben Tag beschlossen wurden ist übrigens ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Tradition, alle Budgetgemeindeversammlungen am selben Abend durchzuführen schon ziemlich alt sein dürfte.

    Quelle
    • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 8 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)

    [Veröffentlicht am 19.2.2007]

    Montag, 5. Februar 2007

    So en Chaibe Grabe!

    Die Worte «Chaib» und «chaibe» können in alemannischen Dialekten alles Mögliche bedeuten. Ich habe für diesen Beitrag nun keine Mundart-Lexika gewälzt und mich auch nicht ins Idiotikon vertieft. Was folgt ist deshalb meine ganz eigene Interpretation - z.T. gestützt auf lokale und im Internet per Google-Abfrage verfügbare Quellen.

    Das Verb «chaibe» bedeutet meines Wissens vor allem «rennen» oder «laufen» (letzteres im Sinne der deutschen Standardsprache).

    Als Substantiv verwendet ist «Chaib» (oder «Cheib» geschrieben) so etwas wie ein Universalausdruck für eine bestimmten Typ Mensch: «er isch en liebe Chaib» oder «sonen Luuschaib!» wird noch eher wohlwollend verwendet. Anders sieht es mit dem «dumme Chaib» oder gar dem «Sauchaib» aus. Analog ist die Verwendung als adjektiv möglich: «die chaibe Tüütsche». Das sind klar pejorativ verwendete Worte, die je nach Kontext als Beleidigung aufgefasst werden können.

    Chaibegrabe?

    Nun gibt es in Weiach und anderswo Flurnamen für Geländeinschnitte, die mit «Chaib-» beginnen. Worum geht es da? Es kann wohl nicht die oben grad erwähnte Bedeutung damit verbunden sein. Oder doch? Jedenfalls bezeichnet der Begriff nichts Erfreuliches.

    Erklärt wird der Name «Chaibegrabe» von lokalen Quellen folgendermassen: «Dieser Graben trägt den Namen, weil in ganz früheren Zeiten dort die toten Pferde begraben wurden.» (Bersinger, 1941)

    Das Wörterbuch Schriftdeutsch - Alemannisch der Grund- und Hauptschule Hausen im Wiesental (einer nördlich der Stadt Basel gelegenen süddeutschen Gemeinde) nennt das Verb «verchaibe» und erklärt es mit «verderben, mutwillig stören, zerstören».

    Zuschanden gebrachte und eingegangene Tiere würde man im Alemannischen also wohl «verchaibete» nennen.

    Wo es überall Chaibegräben gab

    Hier noch die (nicht repräsentative) Aufzählung der von mir gefundenen Orts- und Flurnamen mit mutmasslich gleicher Bedeutung:

    • «Chaibegrabe»: Weiach ZH, Leuggern AG, Mettau AG
    • «Chaibengraben»: Obersiggenthal AG
    • «Galerei Cheibengraben»: Lostorf SO
    • «Cheibengraben» Urdorf/Dietikon ZH (Massnahmenplan Wasser des AWEL zum Einzugsgebiet Limmat und Reppisch vom 30. April 2005)

    Quellen

    • Bersinger, R.: "Weiach!" 20Min-Vortrag in der Bezirksschule Kaiserstuhl. Handschrift, 10 Seiten. Zusammengestellt im November 1941. Xero-Kopie im Archiv des Ortsmuseums Weiach.

    [Veröffentlicht am 19.2.2007]

    Sonntag, 4. Februar 2007

    Die erste Taufe in der neuen Kirche, 1706

    Letztes Jahr standen viele Beiträge auf WeiachBlog und eine Artikel-Serie der Weiacher Geschichte(n) ganz im Zeichen des Jubiläums unserer Pfarrkirche im Bühl. Eine Aufstellung findet sich auf der Sonderseite «300 Jahre Kirche Weiach».

    Nun hat mir Edouard G. Meier, Mitglied der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Zürich, welcher gegenwärtig nach seinen aus Weiach stammenden Ahnen forscht, den folgenden Ausschnitt aus dem Weiacher Taufbuch zukommen lassen:

    [Bild E. G. Meier: die erste Taufe in der neuen Kirche. Zum Vergrössern anklicken]

    Abgebildet ist ein Screenshot ab dem Displaygerät: der erste Eintrag nach der Einweihung der Kirche im Bühl.

    Überschrieben ist er mit: «Hier sind verzeichnet die Kinder welche in der neuen Kirchen getauft wurden - 1706»

    Am 9. August war die Kirche mit der Befestigung von «Knopf und Fahnen» auf der Kirchturmspitze fertiggestellt. Am Sonntag, 17. Oktober erfolgte die Einweihung mit einem ersten Gottesdienst.

    Die erste Taufe am neuen Platz fand am 7. November statt: ein Hans Heinrich Baumgartner.

    Für die Abdruckerlaubnis geht ein herzliches Dankeschön an E. G. Meier in die Romandie.

    Weiterführende Literatur

    • Brandenberger, U.: «ein nöüer Kirchenbauw allhier zu Weyach». 300 Jahre Kirche Weiach, 1706 – 2006. Herausgegeben von der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Weiach und der Ortsmuseumskommission Weiach. Weiach, September 2006 – S. 47.

    [Veröffentlicht am 19.2.2007]

    Samstag, 3. Februar 2007

    Unser Feuerwehrkommandant tritt ab

    Wo Rauch ist, da ist auch Feuer. Sollte man meinen. Manchmal stecken aber auch die Kollegen dahinter. So beim Abschied auf die feurige Art, den die Feuerwehr Glattfelden-Stadel-Weiach ihrem Vize-Kdt Otto Meier aus Weiach bereitete:

    «Am frühen Morgen des 12. Dezember musste Otti einen besonderen Einsatz bestehen: In einer Weiacher Liegenschaft dringt Rauch aus dem Gebäude - hinter dem Fenster ist Feuer erkennbar.

    Kurz nach sechs Uhr wird Otti vom Pager geweckt - was er aber nicht weiss: Der Rauch stammt von einer Rauchmaschine, der Feuerschimmer von einigen Kerzen, die eine Delegation der Feuerwehr Glattfelden - Stadel - Weiach bereit gestellt haben. Zudem wird nur er aufgeboten! Otti wundert sich zwar, dass noch kein Licht ist im Weiacher Feuerwehrlokal - eilt aber trotzdem zum Einsatzort. Der Hausbesitzer ruft ihm zu, dass im Stall Rauch und Feuer zu sehen sei. Eilig erkundet er das Gebäude. Wie komme ich hinein? Wo kann ich halten?

    Erst jetzt bemerkt er, dass sich im als Partyraum eingerichteten Stall einige seiner Kollegen befinden... Noch etwas verschlafen kann der abtretende Chef Einsatzzug Weiach und Kdt Stv die ersten Glückwünsche zu seinem 50. Geburtstag mit einem 'Happy birthday...' entgegennehmen. Danach gings auch für Otti am von Moni vorbereiteten 'Zmorgebuffet' gemütlicher weiter!
    »

    Soweit der Text auf der Website der Feuerwehr Glattfelden-Stadel-Weiach, der mit vielen Bildern der Verabschiedungsübung illustriert ist.


    Im Bild: Eine der letzten Übungen unter der Leitung von Hptm Otto Meier, vor dem mittlerweile abgebrochenen Bauernhaus von Oskar Meierhofer an der Winkelstrasse 2. Aufnahme vom 8. Juni 2006. Otto ganz rechts. Zum Vergrössern klicken.

    Einer aus der alten Garde

    Zu gönnen ist ihm das, denn Otto Meier ist in den letzten Jahrzehnten schon zu so etwas wie einer Institution geworden. Die Inkarnation des Weiacher Feuerwehrwesens sozusagen. Er liest es zwar nicht gerne, wenn man ihn als Kommandanten bezeichnet - schliesslich gibt es die eigenständige Ortsfeuerwehr seit Jahren nicht mehr. Aber das ficht auch die Exekutive unseres Gemeinwesens nicht an:

    «Der Gemeinderat verabschiedet anlässlich eines gemeinsamen Nachtessens Otto Meier, Feuerwehrkommandant, Bergstr. 1, mit dem herzlichen Dank für die während 30 Jahren geleisteten Dienste in der Feuerwehr rückwirkend auf den 31. Dezember 2006. Der Kredit von CHF 950.- für das an den Zurückgetretenen überreichte Geschenk, einen Aufenthalt in Beckenried für 2 Personen, wird bewilligt.»

    So wird auch der Ehefrau endlich einmal für Ihr Verständnis gedankt. Denn so ein Amt erledigt sich nicht ohne Nebenwirkungen auf das Privatleben. Auch von WeiachBlog kommt so ein herzliches: Merci, Otto!

    Frühere WeiachBlog-Artikel zum Thema Feuerwehr

    Quellen

    • Feuerwehr Glattfelden-Stadel-Weiach (Hrsg.): Einsatz Otti. Veröffentlicht am Freitag, 22. Dezember 2006 20:39:52.
    • Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Februar 2007, S. 5.

    [Veröffentlicht am 19.2.2007]

    Freitag, 2. Februar 2007

    Weiacher Kantonsratkandidaten 2007/2011

    Bald stehen wieder Kantonsratswahlen an. Das spürt man an den landauf, landab häufigeren Podiumsdiskussionen (vgl. den WeiachBlog zum Thema Einheitskrankenkasse), neuerdings merkt man es auch an den Gesichtern im Grossformat, die einem bald in jeder Ecke des Unterlandes von regulären und wilden Plakatwänden entgegensmilen.

    Für den Bezirk Dielsdorf sind im Kantonsrat 10 Sitze reserviert. Für die Weiacher also rein theoretisch etwas mehr als ein Zehntelssitz (959 Weiacher auf 72768 Einwohner im Bezirk, Zahlen: Dez. 2005). So kommt es, dass nur alle paar Jubeljahrzehnte einmal ein Weiacher in den Kantonsrat gewählt wird.

    Die Eingabefrist für die Erneuerungswahlen vom 15. April läuft am 6. Februar ab. In Weiach wohnhafte Kandidaten wurden vom Tagi wie folgt genannt (Stand Ende Januar; Kommentar von WeiachBlog):

    • SVP: keine (eigentlich erstaunlich, gilt doch Weiach nach wie vor als Hochburg der früheren Bürger-, Gewerbe- und Bauern-Partei).
    • SP: keine (nicht erstaunlich; die Sozis haben bei den Hiesigen traditionell einen schweren Stand).
    • CVP: keine (ebenfalls nicht verwunderlich; der Katholiken-Anteil ist nach wie vor klein).
    • Grüne: keine (Sympathien gab's zwar für die Grünen durchaus. Nachdem jetzt die grünliberale Alternative zur Wahl steht werden sie wohl massiv Federn lassen müssen).
    • FDP: Obwohl die Freisinnigen vor allem am unteren Zürichsee stark sind, so haben sie doch auch einen Kandidaten in Weiach: Peter Wild.
    • EVP: Die Evangelische Volkspartei mit traditionellen Hochburgen im östlichen Kantonsteil, besonders im Oberland, hat bisher noch nie einen Kantonsrat aus dem Bezirk Dielsdorf gestellt. Ihr Weiacher Kandidat ist dennoch eines der profilierteren animaux politiques aus und in Weiach: Daniel Elsener.
    • Grünliberale: Rund drei Monate nach ihrer Gründung steigt die Grünliberale Partei des Bezirks Dielsdorf in den Wahlkampf ein. Ihr Weiacher Kandidat heisst Kurt Hüppi.

    Es ist klar, dass bei nicht einmal 1000 Einwohnern kaum ein statistisch repräsentatives Abbild der Präferenzen der Bevölkerung in Form von Kandidaten und deren Profilen zu erwarten ist. Der Vergleich ist trotzdem spannend - zumal es in Weiach keine Ortsparteien gibt. Sondern nur Köpfe. In diesem Wahljahr die von Wild, Elsener und Hüppi.

    Quelle

    • Eppenberger, S.: Kantonsratskandidaten aus dem Bezirk Dielsdorf. In: Tages-Anzeiger, 31. Januar 2007, S. 61 Unterland.

    [Veröffentlicht am 15.2.2007]

    Donnerstag, 1. Februar 2007

    Drei Weiacher mit dem Inf Bat 70 im Einsatz

    Die Schweizer Armee zeigt sich im Unterland seltener als auch schon. In der Zivilschutzanlage der Gemeinde Weiach unter dem Schulhausplatz (Eingang beim Gemeindesaal) sind zwar immer noch ab und zu Soldaten einquartiert. Aber nicht mehr für die Dauer ganzer Wiederholungskurse, sondern meist nur noch für mehrtägige Übungen.

    Die Armeeangehörigen stammen aus der halben Schweiz und kaum aus dem Unterland. Deshalb ist es etwas Besonderes, wenn das zu zwei Dritteln aus Zürchern bestehende Infanteriebataillon 70 sich diese Woche im Rahmen der Übung ADRASTEA für ein paar Tage im Unterland zeigt.

    Zum Bestand des Bataillons von ca. 1200 Mann, darunter 220 Unterländer, gehören dieses Jahr auch drei Weiacher, deren Namen hier aber aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht genannt werden.

    Raumsicherung: Umstrittener Operationstyp

    Die Übung ADRASTEA (nach einem der Jupitermonde benannt) wird im Raum Unterland und Weinland bis nach Diessenhofen durchgeführt. Trainiert wird die sogenannte Raumsicherung, eine Einsatzform unterhalb der Kriegsschwelle.

    Das Reglement Taktische Führung der Schweizer Armee erklärt Raumsicherung wie folgt:

    «Raumsicherungsoperationen erzeugen eine stabilisierende Wirkung und stellen die Sicherung des Staatsgebietes, seiner Grenzen und der strategisch wichtigen Infrastruktur primär im Falle einer asymmetrischen und nichtmilitärischen Bedrohung sicher. Sie sind als Fortsetzung der Existenzsicherung zu verstehen, wenn die Bedrohung ein so grosses Ausmass annimmt, dass das normale Funktionieren des Staates ohne militärische Gegenmassnahmen in Frage gestellt ist. Es geht um die Gewährleistung der Sicherheit der Bevölkerung, die Wahrung der Funktionsfähigkeit von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft sowie die Sicherstellung der politischen Handlungsfähigkeit. Mit Blick ins Ausland gilt es zu signalisieren, dass in der Schweiz kein Machtvakuum besteht und dass unser Land willens und fähig ist, auf seinem eigenen Territorium Stabilität zu bewahren.» (Taktische Führung XXI, Ziff. 45, nach Medienmitteilung Inf Bat 70)

    Dieser Operationstyp ist umstritten. Das kann man der jüngsten Ausgabe der Weltwoche entnehmen. Bundeshausredaktor Beni Gafner stellt mit Verweis auf ein VBS-internes juristisches Gutachten fest, die gesetzlichen und verfassungsmässigen Grundlagen fehlten.

    Mein Kommentar: Die (rechtliche) Unsicherheit in Lagen zwischen Krieg und Frieden wird man auch mit juristisch halbwegs wasserdichten Definitionen nicht in den Griff bekommen. Da helfen nur gesunder Menschenverstand und Fingerspitzengefühl. Und zwar auf allen Seiten: beim Bürger in Uniform (Militär, Polizei, etc.) genauso wie bei dem ohne Uniform.

    Quellen

    • Kdo Inf Bat 70: ADRASTEA – Manöver in heimatlichen Gefilden. Medienmitteilung. 30. Januar 2007, 02:45 Uhr
    • Schurter, D.: Die Armee probt den Ernstfall im bewohnten Gebiet. In: Tages-Anzeiger Regionalteil Zürcher Unterland, 31. Januar 2007, S. 57 Unterland.
    • Blansjaar, K.: Lebenswichtiges schützen. Unterland - Manöver noch bis morgen. In: Zürcher Unterländer, 31. Januar 2007, S. 1.
    • Blansjaar, K.: Die Angreifer kommen nachts. Eglisau - Bataillon noch bis Donnerstag im Einsatz. In: Zürcher Unterländer, 31. Januar 2007, S. 2.
    • Blansjaar, K.: Lebenswichtiges schützen. Unterland - Manöver noch bis morgen. In: Neues Bülacher Tagblatt, 31. Januar 2007, S. 1.
    • Blansjaar, K.: Die Angreifer kommen nachts. Eglisau - Bataillon noch bis Donnerstag im Einsatz. In: Neues Bülacher Tagblatt, 31. Januar 2007, S. 2.
    • Gafner, B.: Übungen im rechtsfreien Raum. In: Weltwoche Nr. 04/2007.

    [Veröffentlicht am 15.2.2007]