Montag, 30. November 2009

Kasualien als gute, fromme Sitte

In den WeiachBlog-Artikeln vom 26. und 27. November war bereits die Rede vom Visitationsbericht des Weiacher Pfarrers Kilchsperger an die vorgesetzte Behörde in Zürich.

Die vierte vom Kirchenrat zur Periode 1912 bis 1923 gestellte Frage betraf die sogenannten Kasualien, d.h. nach Bedarf angesetzte Amtshandlungen des Pfarrers. Gemeint sind besonders die kirchlichen Feiern zur Taufe, Konfirmation, Trauung (Hochzeit) und Beerdigung (Bestattung). Hier die Antworten aus Weiach:

Taufe als öffentliche Zeremonie

«Ad 4. Die Taufe wird hier nur in wenig Fällen unterlassen, u. gewöhnlich findet sie im Beisein der Gemeinde statt.»

Dass die Taufe einen Teil des normalen Sonntagsgottesdienstes darstellt ist in Weiach auch heute noch üblich. Dies im Gegensatz zu stark frequentierten Kasualien-Kirchen (wie z.B. Regensberg), für welche oft eine Trennung eingeführt worden ist, da sich kirchenungewohnte Tauf- und Hochzeitsgesellschaften häufig nicht an die ungeschriebenen Regeln halten (kein Schwatzen und Telefonieren bzw. exzessives Fotografieren im Gottesdienst).

Trinken aus gemeinsamem Kelch

«Die Abendmahlsfeiern werden gut besucht, auch von Seiten der Männer; nur einzelne Besucher der Festgottesdienste verlassen die Kirche vor dem Abendmahl, jedenfalls nicht aus Angst vor dem gemeinsamen Kelch, den wir nicht ohne dringende Notwendigkeit durch Einzelkelche ersetzen würden.»

Die damals gemeinsam genutzten Kelche aus Holz sind heute als Exponate im Weiacher Ortsmuseum zu finden.

Es ist halt Tradition...

«Krankenkommunion wurde schon begehrt u. gerne ausgeführt. Wohl werden Taufe und Abendmahl von Manchen nur als gute, fromme Sitte, gewohnheitsmässig mitgemacht, doch von der Mehrzahl wohl als sinnvolle Handlungen wert gehalten.»

Da besteht wohl kein Unterschied zur heutigen Zeit. Gläubig mögen die Leute ja durchaus sein - was sich aber nicht in fleissigem Kirchgang ausdrückt.

Mitbestimmung für Konfirmanden

«Die Konfirmation ist hier eine von der ganzen Gemeinde besuchte Feier, u. wird mit möglichst einfachen gehaltenem Versprechen gefeiert, wobei den Konfirmanden soweit Freiheit geboten wird, dass in einer der letzten Stunden des Unterrichts das Versprechen zur Prüfung vorgelegt wird, u. später jedes Einzelne befragt wird, ob es von sich aus dem Versprechen zustimme oder nicht.»

Heute eine Selbstverständlichkeit. Dass Kilchsperger dieses Verfahren ausdrücklich erwähnt lässt vermuten, dass es damals durchaus auch anders gehandhabt wurde.

Wenn der Priester die Ehe mitbestimmt

«Grundsätzliche Änderung wird von Seiten der Gemeinde nicht gewünscht.
Die kirchliche Trauung wird nur selten unterlassen, dagegen häufig Trauung am Samstag begehrt.
»

Früher wurde offensichtlich die Hochzeit eher am Sonntag gehalten. Hier zeichnet sich der Trend ab, diese Kasualie zu einem privaten Event zu machen, was heute die Regel ist.

«Mischehen kommen hie u. da vor, gewöhnlich aber behält die katholische Braut die Oberhand, u. wagt der protest. Bräutigam nicht zu protestieren. Allen kirchlich getrauten Ehepaaren wird eine Traubibel verabfolgt.»

Auch hier keine signifikante Änderung. Der religiöse Hoheitsanspruch auf die Kinder einer Mischehe wird von den katholischen Priestern auch heute noch erhoben - und durchgesetzt.

Letztes Geleit

«Die kirchlichen Bestattungen sind Regel - selbst die Angehörigen von Gemeinschaften begehren sie. Auch hier ist eine Ansprache des Pfarrers üblich, worin er die Personalien mit den Gedanken des Textes verbindet u. zu den vielen Anwesenden ein Wort christl. Glaubens u. Hoffens spricht.»

Mit den angesprochenen Gemeinschaften sind v.a. evangelikale Freikirchen wie die Pfingstgemeinden oder die Chrischona-Mission gemeint.

Bereits erschienene Artikel

Sonntag, 29. November 2009

Ländliche Angst vor Überfremdung

An diesem Abstimmungswochenende dominierten zwei emotionsgeladene eidgenössische Vorlagen das Feld: die Minarett-Verbotsinitiative und die Initiative für ein Kriegsmaterial-Exportverbot.

Dass die Minarett-Initiative in Weiach angenommen wurde, überrascht im Vergleich mit den Resultaten ähnlich gelagerter, migrationskritischer Vorlagen der letzten Jahrzehnte wenig. Die Wuchtigkeit des Ja-Anteils von 71.92% kam für mich allerdings schon etwas unerwartet. Sogar die Nachbargemeinden Bachs, Stadel und Glattfelden meldeten tiefere Werte.

Insgesamt haben die Weiacherinnen und Weiacher aber nicht viel anders reagiert als die Bewohner des evangelikalen Bible Belt im Zürcher Oberland oder im ländlichen Weinland - alles traditionell konservative Gebiete, die einer Masseneinwanderung (wie sie im letzten Jahrzehnt stattgefunden hat) überhaupt nichts abgewinnen können.

Den Ja-Stimmenden nun reflexartig Kleinkariertheit oder gar Islamophobie vorzuwerfen, wie dies verschiedene Kommentatoren (ohne Kenntnis der genauen Beweggründe) tun, greift viel zu kurz. Viele fassten ihr Votum an der Urne wohl vor allem als Zeichen auf. Als ein Zeichen des Widerstands gegen die militanten Formen des Islam und den Islamismus.

Kriegsmaterial-Exportverbot wäre Landesverrat

In die Kategorie Selbstbehauptung fällt auch das Verdikt des Stimmbürgers zur Initiative über ein Verbot von Kriegsmaterial-Exporten. Die Weiacher stimmten nicht anders als die Mehrheit der Stimmberechtigten des Kantons und lehnten ein Verbot wuchtig ab. Gerade einmal 18.4% waren dafür. Die übrigen sahen wohl nicht nur die Gefahr für die Arbeitsplätze. Sondern auch die Tatsache, dass die Schweiz im Falle einer kriegerischen Entwicklung in Europa nur mit einer eigenen Rüstungsindustrie eine Chance hat, sich das nötige Material zur Selbstverteidigung zu beschaffen.

Skepsis gegen Flugverkehr

Die Spezialfinanzierung für den Luftverkehr wurde in Weiach um ein Haar abgelehnt. Bei 51.2% Stimmbeteiligung legten 50.56% der Stimmenden ein Ja ein. Nur in den am Ostrand des Kantons gelegenen Gemeinden Schlatt und Sternenberg werden ähnliche Resultate verzeichnet.

Dieses knappe Votum in einer ansonsten schweizweit unbestrittenen Angelegenheit spiegelt das generelle Misstrauen gegen alles, was mit Flugverkehr zu tun hat. Zurückzuführen ist es auf die wiederholten schlechten Erfahrungen mit den Flughafenbehörden in Kloten und dem Zürcher Regierungsrat, welche den Weiachern wie selbstverständlich seit 33 Jahren Tag für Tag eine schwer erträgliche Intervallbelärmung zumuten. Seit 1976 benutzen jedes Jahr Zehntausende von Flugzeugen die über Weiach hinwegführende Anflugschneise 14.

Samstag, 28. November 2009

Kirche Weiach auf Flickr

Seit heute gibt es auch auf Flickr einen Tag «Weiach». Ein Benutzer, der sich «Swissrunner» nennt und wohl tatsächlich Laufsport als Hobby betreibt, hat ihn eingerichtet und auch gleich ein Bild hochgeladen:

Die evangelisch-reformierte Kirche Weiach vor stahlblauem Himmel - aufgenommen an einem sonnigen Herbstnachmittag (wenn man der Kirchenuhr glaubt um 13:50 Uhr - also ein paar Minuten früher)

Neben dem Laufsport gehört offenbar auch das Fotografieren von Kirchen zu den Leidenschaften von Swissrunner. Und lustigerweise hat er unter den bisher 15 Fotos von christlichen Gotteshäusern ausgerechnet die Kirche aufs Netz gestellt, welche derjenigen von Weiach innen wie aussen am ähnlichsten sieht: die Kirche Affoltern.

Sie ist die alte Pfarrkirche der ehemaligen Gemeinde Affoltern bei Zürich, die bis 1934 zum Bezirk Dielsdorf gehörte und im Zuge der 2. Stadterweiterung in die Stadt Zürich eingemeindet wurde.

Weiterführende Literatur zum Vergleich der beiden Kirchen
  • Brandenberger, U.: «ein nöüer Kirchenbauw allhier zu Weyach». 300 Jahre Kirche Weiach, 1706 – 2006.

Freitag, 27. November 2009

Bibeln wie Hochzeitskleider gebraucht

Der vom Weiacher Pfarrer Albert Kilchsperger (1883-1947) verfasste Visitationsbericht über die Jahre 1912 bis 1923 enthält manch kulturhistorisch interessante Anmerkung (vgl. Einführung im WeiachBlog-Artikel von gestern).

Was man bezüglich Quellenkritik dabei immer im Auge haben muss, ist der Blickwinkel des Verfassers. Hier scheint die besondere Stellung des Pfarrers in der kleinen Landgemeinde durch. Zwar hat er einiges an Befugnissen und Aufgaben verloren, trotzdem wird er als Mitglied der Armenpflege vom Kirchenrat immer noch mit Aufgaben betraut, wie sie seit Jahrhunderten üblich waren.

Die Zeitungen sind schuld

Zum Buch der Bücher stellte der Kirchenrat auch eine Frage (leider liegt uns diese nicht vor), hier die Antwort Kilchspergers:

«Ad 3. Die Bibel wird im Allgemeinen in Ehren gehalten, aber vielfach nur wie ein Hochzeitskleid das man nur selten braucht. Wohl wird jährlich in jede Familie ein Bibellesekalender gebracht, aber es ist Grund zu der unerfreulichen Annahme vorhanden, dass er nur Wenigen Anleitung zu regelmassigem Bibellesen gibt. Die Lektüre der vielen Zeitungen hat auch hier die Bibellektüre stark verdrängt.

Erbauungsbücher, alte Gebetbücher in grossem Druck werden in etlichen Häusern von alten u. kranken Leuten gelesen, u. nicht ungern dem Pfarrer vorgewiesen, wohl als Beweis noch vorhandener Frömmigkeit.

Von den religiösen Blättern sind am meisten verbreitet: Das Appenzeller Sonntagsblatt, der Feierabend u. der Kirchenbote. Ein kirchliches Gemeindeblatt für Weiach-Kaiserstuhl wird nicht herausgegeben.

Eigentliche Hausandachten werden wohl selten gehalten, dafür werden von den Frauen in manchen Familien die täglichen Betrachtungen der christl. Abreisskalender gelesen u. hie u. da ein besonders "träfes Zeddeli" dem Manne vorgelesen.
»

Woraus man unschwer ersehen kann: die religiöse Alltagsversorgung wurde von den Männern an ihre Frauen delegiert. Auch und gerade wenn es dabei ums Lesen ging. Was (ihr) wichtig war, das las sie ihm ja dann vor. Er konnte sich dafür den handfesten, weltlichen Dingen widmen - und die Berichte über Vieh- und Getreidemärkte gründlich studieren.

Quelle

  • Kirchenpflegeprotokoll Weiach, 1924 - S. 405-406.

Donnerstag, 26. November 2009

«Auflösung der Autorität» wegen 1. Weltkrieg

Ganz so akribisch und gnadenlos in die Intimsphäre vordringend wie der französische Bischof Jacques Fournier, der spätere Papst Benedikt XII., dies im Jahre 1325 im Pyrenäen-Bergdorf Montaillou durchgezogen hat, ging es in Weiach glücklicherweise nicht zu und her.

Trotzdem erlaubt auch ein von den Zürcher Kirchenoberen bestellter Visitationsbericht Einblicke in Alltag und Mentalität einer Dorfgemeinschaft - wenn auch nicht derart radikale wie der Ketzerprozess von Montaillou (von dem Akten mit 578 protokollierten Vernehmungen und 160 Zeugenaussagen überliefert sind).

Im Protokoll der evangelisch-reformierten Kirchenpflege Weiach ist der Kirchenvisitationsbericht 1912-1923 unter dem Titel «Sitzung den 28. Januar 1924» zu finden: Sozusagen ein von ihrem Pfarrer gemaltes religiöses Sittenbild der Gemeinde.

Sich der Kürze befleissen

WeiachBlog macht den Volltext in Etappen zugänglich. Leider liegt die ursprüngliche Liste der Fragen des Zürcher Kirchenrats dem Visitationsbericht nicht bei.

«Der Kirchenvisitation-Bericht 1912 bis und mit 1923 verfasst von Herrn Pfarrer Kilchsperger wurde vorgelesen wie folgt:

Die umfangreiche Anweisung des h. Kirchenrates gab uns willkommenen Anlass wieder einmal uns in zwei Extrasitzungen über das religiös-sittliche Leben unserer Gemeinde Rechenschaft zu geben. Wir sind uns freilich der Schwierigkeit der Aufgabe wohl bewusst, da wir mit unseren Menschenaugen nicht das verborgene Seelenleben u. die tieferen sittlichen Regungen der Gemeindegenossen betrachten können, sondern nur die Früchte des verborgen waltenden Geistes schauen können. Manche Früchte am Baum unserer Bauerngemeinde erweckten unsere Freude, manche aber zeigten uns die deutlichen Spuren der Stürme, die auch über unser Volk hingegangen waren u. da u. dort verheerend gewirkt hatten. So mussten auch wir uns fragen, was können wir, Kirchenpflege u. Pfarrer zur Förderung des religiös-sittlichen Lebens der Gemeinde tun?

Nach der Anweisung der Behörde soll sich der Schreiber des Berichtes der Kürze befleissen u. damit auch der tit. Bezirkskirchenpflege u. dem Kirchenrat die Aufgabe erleichtern.

I. Das religiöse Leben der Gemeinde.

Ad 1. Im Allgemeinen ist wohl während der Kriegszeit eine Klärung der relig. Lage eingetreten, auf der einen Seite bestimmtere Ablehnung der Religion u. der Kirche, auf der andern Seite bewusste Hinneigung u. mehr Verlangen nach Halt u. Ankergrund für die bangende, zagende Seele im wogenden Meer der stürmischen Gegenwart. Dabei wollen wir nicht allzuviel Gewicht auf den anfänglich starken Besuch der Gottesdienste u. der Bibelstunden im ersten Kriegsjahr legen, war dies doch eine rasch vorübergehende Welle. Wertvoller war in Bezug auf Weckung religiösen Lebens eine Evangelisationswoche im Nov. 1921, wo sich ein Verlangen nach Gottes Wort in gewissen Kreisen, vor Allem auch bei Männern zeigte, welche sonst die Kirche selten betreten. Eine Frucht dieser Evangelisation, war dann auch die Wiederaufnahme der Bibelstunden welche in den vergangenen 2 Wintern ordentlich besucht wurden, zwar ausschliesslich von aufmerksamen Zuhörerinnen, während die Männer sich nicht in die Schulbänke hineinwagten. Dennoch erhoffen wir da u. dort bleibende Früchte für das persönliche u. Familienleben u. haben deshalb auch für den kommenden Winter 1923 eine Evangelisation beschlossen. Es ist auch nötig, denn der Weltkriege hat auch bei uns eine Auflösung der Autorität der Eltern u. der Religion zur Folge gehabt, besonders bei der jungen Generation, die eigene Wege gewöhnlich nicht mit Gottes Wege geht.
»

Das erinnert doch sehr an die fast identischen Klagen über männlichen Absentismus aus dem Jahr 1959 (vgl. den Artikel Gott: Nur in dringenden Fällen in WeiachBlog, 22. November 2009). Da das Bedürfnis nach Spiritualität aber augenscheinlich nicht nur ein weibliches ist (wie die Evangelisationswoche zeigte), hätte man sich selber an der Nase nehmen und die Ursache in mangelhafter Zielgruppenorientierung suchen müssen.

Quelle

  • Kirchenpflegeprotokoll Weiach, 1924 - S. 404ff

Mittwoch, 25. November 2009

Verwandtenunterstützungspflicht keine Selbstverständlichkeit

In den Jahren der Hochkonjunktur war die Verwandtenunterstützungspflicht kein Thema. Jetzt wird sie wieder ausgegraben, weil die Gemeinden zunehmend knapp bei Kasse sind.

Worum geht es? Nach Schweizer Recht (ZGB 328 und 329) hat eine Person, die für ihren Lebensunterhalt nicht mehr selbst aufkommen kann, einen gesetzlichen Anspruch auf Unterstützung durch ihre direkten Verwandten. Diese haben sich gegenseitig unter die Arme zu greifen, sobald sie ohne diese Massnahme in Not geraten würden. Diese Bestimmungen im Schweizerischen Zivilgesetzbuch werden zuweilen als alter Zopf bezeichnet und die Forderung nach Abschaffung erhoben.

Keine Unterstützungspflicht in Weyach

Alter Zopf? Zumindest was die Gemeinde Weiach anbelangt, scheint es früher nicht selbstverständlich gewesen zu sein, bei der Armenunterstützung auf die nächsten Verwandten zurückzugreifen. Im Gegenteil.

Dies kann man dem ältesten erhalten gebliebenen Stillstandsaktenbuch der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Weiach entnehmen. Die Kirchenpflege (damals Stillstand genannt) hatte bis zur Revision des Gemeindegesetzes in den 1920er-Jahren die Aufsicht über das Armenwesen.

Umfrage für neues Armengesetz

1834 plante die Regierung des Kantons Zürich die Armengesetzgebung zu überarbeiten und machte daher eine Umfrage. Sie schickte im Januar 1834 eine handschriftlich verfasste Liste von «Fragen an die ehr. Kirchenstillstände, behufs Abfassung eines Gesetzesvorschlags über das Armenwesen», welche als Beilage im Original erhalten geblieben ist. Die Stillstände sollten bis Ende Februar Antwort geben.

Eine der Fragen lautete: «5. Wie wurde es mit der Verpflichtung der Verwandten zur Unterstützung Armer, bisher in der Gemeinde gehalten?».

Was taten die Weyacher? «23. Febr. 1834 versammelte sich der E. Stillst. um zu berathen, wie die in Beylage enthaltenen Fragen des Raths des Innern zu beantworten seyen: man beschlosz dieselben auf folgende Weise zu beantwortnen:»

«ad frag 5. Die Verwandten wurden noch nie zur Unterstützung Armer verpflichtet.»

Interessant. Aus welchen Gründen dies in unserem Dorf so gehandhabt wurde, wird leider nicht erläutert. Ob es die Hiesigen auch so sahen wie heute der Beobachter?

Zitat: «Gegen eine freiwillige Unterstützung unter Familienmitgliedern ist sicher nichts einzuwenden. Problematisch wird es aber dort, wo sie erzwungen wird. Besonders dann, wenn die Pflichtigen selbst nicht sehr begütert sind und Konflikte das Familiensystem ohnehin belasten.»

Weiterführende Infos
  • Verwandtenunterstützungspflicht. Gesetzliche Grundlagen und Anwendungspraxis nach den Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS). Beobachter-Merkblatt, Oktober 2008.

Dienstag, 24. November 2009

Die Weiacher Post und ihre Stempel

Auf der Website des Schweizerischen Vereins der Poststempelsammler (SVPS - ASCEP) findet man u.a. eine 187 Seiten starke, von Karl Gebert in Ebnat-Kappel geführte «Poststellenchronik Schweiz 1849-2009».

Aufgeführt sind «sämtliche Ortsnamen der Schweiz, von denen je ein Aufgabestempel für die Briefpost existierte». Die in tabellarischer Form geführte Chronik wurde zum Anlass des 150-Jahr-Jubiläums der Eidgenössischen Post im Jahre 1999 erstellt und seither immer wieder aufdatiert. Verwendet wurde zur Klassierung der Text der Poststempel und nicht die «Schreibweise in den Ortsverzeichnissen, die sehr oft mit den Stempeln nicht übereinstimmte».

Rechnungspflicht entschied über die Art des Stempels

Aus der Einleitung kann man viele interessante Details entnehmen, so z.B. dass bis 1925 die Regelung galt, «dass nichtrechnungspflichtige Ablagen nur einen Stabstempel (Balkenstempel) erhielten. Wurde die Ablage rechnungspflichtig, bekam sie erstmals einen runden Datumstempel. Der Stabstempel blieb weiterhin bei der Ablage und wurde als Formularstempel, aushilfsweise oder gefälligkeitshalber auch als Entwertungsstempel benützt».

Nichtrechnungspflichtige Postablagen besassen lediglich einen Stabstempel mit dem Namen der Ablage. Rechnungspflichtige Postablagen, Postbureaux oder Postämter verfügten dagegen über runde Datumstempel, vorerst ohne Stundenangabe, später auch mit.

Weiter erläutert Gebert in der Einleitung zur Liste: «Aufhebung = Poststelle aufgehoben (Datum = 1. Tag der Aufhebung; die Schalter waren letztmals am vorhergehenden Tag offen)».

Neue Eckdaten 1871, 1904 und 2009

Für die Postgeschichte von Weiach muss man sich neu auch diese drei Jahrzahlen merken.

Mit der Schreibweise «Weyach» wurde 1842 eine Nrp. Ablage eröffnet. Diese nichtrechnungspflichtige Ablage verfügte über einen Stabstempel, wie er z.B. 1864 verwendet wurde (vgl. WeiachBlog vom 13. August 2008).

Seit 1849 gehörte die Ablage Weyach zur «Kreispostdirektion Zürich VIII». Ab dem 1. Januar 1868 hatte die Poststelle Weyach den Status einer rechnungspflichtigen Ablage. Gemäss Gebert wurde aber erst am 1. Juli 1871 ein Rundstempel ohne Stundenangabe mit der Bezeichnung «Weyach» eingeführt. Der Stempel trug noch die Kantonsbezeichnung in Klammern.

Aus Spargründen erst nach Jahren korrekte Stempel eingeführt

Dass die Weiacher Postablage am 1. Juli 1890 zum Postbureau befördert wurde, schlug sich in den Stempeln nicht nieder. Wohl aber die Entscheidung zur Neuschreibung des Namens. Gemäss der Poststellenchronik des SVPS wurde am 1. November 1904 erstmals ein Rundstempel mit der Bezeichnung «Weiach» verwendet.

Reichlich spät, hatte man doch offiziell schon Jahre früher entschieden, dass «Weyach» nicht mehr die amtliche Schreibweise des Gemeindenamens sei. Spätestens das «Gesetz betreffend die Eintheilung des Kantons in Bezirke, Wahlkreise und politische Gemeinden vom 14. April 1872» führt nämlich im Wahlkreis Stadel (3 Kantonsratssitze) klar und deutlich die Schreibweise «Weiach» (vgl. Weiacher Geschchichte(n) Nr. 2).

Aufhebung und die Stempelfolgen

Auch der Tod unserer Poststelle ist von Gebert registriert worden. Die Aufhebung erfolgte am 8.3.2009, d.h. unsere Post war am alten Standort letztmals offen am Samstag, 7. März 2009. Seither erfolgt die Postzustellung von Stadel bei Niederglatt aus.

Seit dem Montag, 9.3.2009, ist die Post in Weiach nur noch mit einer «Ag», einer Agentur vertreten, einem Auftritt den Gebert so charakterisiert: «Ag: Ymago = Agenturen in Läden, ohne eigenen, runden Datumstempel».

Wobei das irgendwie nicht stimmen kann. Ich habe nämlich kürzlich bei ebendieser VOLG-Post eine Einzahlung gemacht. Und einen Rundstempel auf den Einzahlungsschein gedrückt bekommen, der klar und deutlich «Weiach» aufführt.

Weiterführende Links

Montag, 23. November 2009

Weiacher Kies AG verliert eigene Website

Manchmal hat es auch seine Nachteile, von einem lokalen Kleinkonzern aufgekauft zu werden. Nämlich dann, wenn dieser sein Produktportfolio auf einem einheitlichen Webauftritt vermarkten will.

Unter den (bezüglich der Lage des Hauptsitzes) weit von Weiach entfernten Grosskonzernen Franz Haniel GmbH und Lafarge SA wurde der Weiacher Kies AG der eigene Webauftritt belassen. Man dachte wohl zu Recht, dass deren Produkte sonst in den grossen Konzernangeboten untergehen und von den Kunden nicht mehr gefunden würden.

Nicht so bei den Eberhard Unternehmungen. Sie sehen die Weiacher Kies AG als Komplettierung ihres Porfolios. Entsprechend linkt die URL http://www.weiacherkies.ch/ seit neustem nur noch auf http://www.eberhard.ch/?dir=weiacher und von da wird der Besucher auf http://www.eberhard.ch/content.php?pnav_id=4&snav_id=1&nav_id=73 umgeleitet.

Dass dieser Website-Redirect auch seinen Niederschlag in der Führungspraxis hat zeigt sich am Organigramm. Das Aufbaudiagramm «Juristische Einheiten» führt die «Weiacher Kies AG» auf. Rein formal bleibt sie bestehen. Alles andere würde auch ziemlich wundern.

Wie man dem Organigramm, gültig ab 1.7.2009, entnehmen kann (Abschnitt «Organisatorische Einheiten»), wird sie in der internen Hierarchie jedoch nur noch als «Werk Weiach» des Bereichs Baustoffe geführt.

Sonntag, 22. November 2009

Gott: Nur in dringenden Fällen

Heutzutage wird ja oft beklagt, dass es mit dem Glauben nicht allzu weit her sei, dass viele lediglich «Papier-Christen» seien und in der Regel Gott einen guten Mann sein liessen.

Das ist allerdings nicht wirklich etwas Neues, wie man den Titeln einer Veranstaltungsreihe entnehmen kann, die vor genau 50 Jahren in Weiach organisiert wurde:

«22. Nov.: Männerabend im "Bahnhof" mit Vortrag von Pfr. Gutknecht, Zurzach über "Gott - nur in dringenden Fällen".
Anschliessend an diesen Männerabend fanden dann in der Kirche Evangelisationsvorträge statt, nämlich:
23. Nov.: "Die Zeichen der Zeit" (Pfr. Meng, Glattfelden)
24. Nov.: "Was kann ich tun, um ewiges Leben zu haben?" (Pfr. Tanner, Buchberg/SH)
25. Nov.: "Bist Du bereit, wenn Jesus kommt?" (Pfr. Brassel, Eglisau)
26. Nov.: "Was ist Glaube?" (Pfr. Hoch, Rafz)
27. Nov.: "Was will Gott von uns?" (Pfr. Walder, Wil/ZH)
»

Ob Männerabend und Evangelisationsvorträge gut besucht wurden? Davon erwähnt der Chronist Walter Zollinger leider kein Wort.

Mehr aus dieser Zeit
  • Weiacher Geschichte(n) Nr. 113: Skepsis gegenüber Südländern und der Motorisierung. Weiach vor 50 Jahren – Notizen aus der Jahreschronik 1959. – Nr. 113 (eSnips)Nr. 113 (Scribd)

Samstag, 21. November 2009

Vier von fünf Gemeinderäten haben genug

Die auf separatem, in violett gehaltenem A4-Blatt in die Briefkästen verteilte Mitteilung schlug Ende Oktober wie eine Bombe ein.

Mit Datum vom 29. Oktober 2009 teilte die Wahlvorsteherschaft für die Gemeindewahlen 2010 (d.h. der Gemeinderat) mit, dass von den 27 Mitgliedern der fünf Gemeindebehörden (Gemeinderat, Primarschulpflege, Evang. ref. Kirchenpflege, Rechnungsprüfungskommission und Wahlbüro) nicht weniger als 12 genug haben.

Gemeinderat: 5-4; Kirchenpflege: 5-3; Primarschulpflege: 5-2

Der Gemeinderat Weiach tritt auf Ende der laufenden Amtsperiode fast geschlossen zurück. Einzig Ernst Eberle stellt sich einer Wiederwahl. Die anderen vier Gemeinderäte, Präsident Gregor Trachsel, Max Griesser, Boris Macullo und Paul Willi wollen nicht mehr antreten.

Beim Präsidium steht also ein Stabwechsel bevor, eine Zäsur, die hier (zum Glück) nicht so häufig vorkommt. In den letzten 25 Jahren zählt man gerade einmal drei Präsidenten, Mauro Lenisa, Werner Ebnöther und Gregor Trachsel. Im Schnitt stellte isch also jeder zwei Amtsperioden zur Verfügung.

Nur wenig besser sieht es bei der Evangelisch-reformierten Kirchenpflege aus. Dort treten drei von fünf Mitgliedern zurück. Nur Hans-Ulrich Amacker und Heidi Schenkel haben eine Wiederwahl ins Auge gefasst. Die Präsidentin, Karin Klose, sowie Monika Baltisser und Silvia Rusterholz treten zurück.

Auch die Primarschulpflege verliert ihren Präsidenten. Rainer Hüssy will nun definitiv nicht mehr und auch Thomas Steinmann hat genug. Immerhin drei von fünf, nämlich Maya Bütler, Marianne Kunz und Ronald Meier bleiben.

Wenige Rücktritte bei RPK und Wahlbüro

Mehr Konstanz ist bei der Rechnungsprüfungskommission zu erwarten. Ausser Manuela Kläui treten sämtliche Mitglieder zur Wiederwahl an: Präsident Bruno Baumgartner, Daniel Elsener, Brigitte Griesser und Elsbeth Ziörjen.

Prozentual am wenigsten Rücktritte hat das Wahlbüro zu verzeichnen: Volker Klose und Paul Odermatt verzichten auf die erneute Kandidatur. Felix Junker, Evelyn Schär, Daniela Schnelli, Andreas Willi und Elsbeth Ziörjen sind für eine Wiederwahl bereit.

Wählerversammlung am kommenden Montag

Am 23. November gilt es um 20 Uhr zum ersten Mal ernst. Dann findet die Wählerversammlung im Gemeindesaal Weiach statt. Wird man genügend valable Kandidaten finden? Wahlvorschläge sollten gemäss dem Flugblatt der Wahlvorsteherschaft vom 29. Oktober «mit den vorgeschlagenen Kandidaten vorgängig abgesprochen» sein. Und: die Kandidaten sollen an der Versammlung teilnehmen um «sich persönlich vorzustellen».

Anscheinend ist es nicht einfach, Kandidatinnen und Kandidaten zu finden. Anders ist ein auf gelbes A5-Papier gedruckten «Erinnerung» mit Datum 19. November kaum zu deuten, wo es heisst:

«Es sind verschiedene frei werdende Behördenämter zur Zeit noch vakant». Sprich: keine Kandidierenden dafür in Sicht. Und weiter: «Der Gemeinderat als Wahlvorsteherschaft lädt alle stimmberechtigten Einwohner und Einwohnerinnen der Gemeinde für die Vorbereitung der Wahlen ein, zur öffentlichen parteineutralen Wahlversammlung am nächsten Montag, 23. November 2009, 20.00 Uhr im Gemeindesaal.»

Das Adjektiv «parteineutral» ist eine Neuerung zum Flugblatt von Ende Oktober. Dort war von Parteien keine Rede. Aber offenbar muss man das besonders erwähnen. Interessantes Detail am Rande: wo es sonst üblich ist die Frauen vor den Männern zu nennen steht auf diesem offiziellen Schreiben der Gemeinde Weiach wie selbstverständlich: «Einwohner und Einwohnerinnen».

Also: am Montagabend auf zur Wählerversammlung. Denn: «An der Wählerversammlung werden Wahlvorschläge aus der Bevölkerung entgegengenommen»!

Freitag, 20. November 2009

Burgus auf verlorenem Posten

Ein burgus war in spätrömischer Zeit ein Wachtturm, der an einer Verteidigungslinie stand. Das waren bereits ziemlich stark befestigte Stützpunkte - solid aus Steinen errichtet. Und die Ähnlichkeit des Namens zu späteren mittelalterlichen Burgen ist durchaus nicht zufällig.

Zwei dieser burgi gab es auch auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Weiach, einen im Hard, einen in Leeberen. Beide standen auf der Kante des Plateaus am südlichen Rheinufer und waren Teil des im 4. Jahrhundert angelegten Donau-Iller-Rhein-Limes.

Diese Türme, von denen heute nur noch Fundamentreste übrig sind, wurden nach Meinung der massgebenden Historiker um 370 im Rahmen eines grossangelegten Befestigungsprogramms von Kaiser Valentinian I. errichtet. Im Jahre 374 organisierte dieser Kaiser noch einen Feldzug gegen die Alamannen, starb aber bereits 375 im heutigen Ungarn.

Einer seiner Nachfolger, Kaiser Valens, hatte noch weniger Kriegsglück. Die Schlacht von Adrianopel im Jahre 378 n. Chr markierte einen Wendepunkt der Militärgeschichte - und kann als Anfang vom endgültigen Ende des Imperium Romanum in seiner alten Grösse gesehen werden.

Das gotische Reiterheer unter Fritigern besiegte die römische Infanterie, tötete deren Oberbefehlshaber und 40'000 Fusssoldaten. Nach Ammianus Marcellinus wurden die Römer durch die Wucht des berittenen Angriffs so zusammengepfercht, dass sie kaum noch ein Schwert ziehen oder eine Hand rühren konnten. Auch Kaiser Valens kam ums Leben. Die totale Niederlage.

Nach der Schlacht bei Adrianopel beherrschten Reitertruppen für die nächsten tausend Jahre die Kampfplätze und verdrängten die Infanterieheere, die seit den Zeiten der Sumerer das Bild des Krieges beherrscht hatten.

Das römische Reich war an allen Ecken und Enden unter Druck und musste im Jahre 400 die Grenztruppen vom Rhein abziehen. Von da an war der Weg über den Rhein nach Süden für die Alamannen frei. Die verbliebene galloromanische Bevölkerung schützte sich in befestigten Kastellen (wie Tasgetium bei Stein am Rhein) vor den Übergriffen.

So kam es, dass die Wachttürme auf unserem Gebiet wohl nur wenige Jahre tatsächlich ihrem ursprünglichen Zweck dienten. Danach verfielen sie langsam und wurden als Steinlieferant für andere Bauten benutzt.

Weiterführende Lektüre

Dienstag, 17. November 2009

Wir Schweizer im heutigen Weltgeschehen

Unter diesem Titel fand im Januar vor 50 Jahren in Stadel bei Niederglatt ein Vortragsreihe der Volkshochschule Stadel mit hochkarätigen Referenten statt.

Ein Blick auf das Kursprogramm :

«Dienstag, 13. Jan. 59.
Herr Nationalrat Dr. W. Bringolf, Stadtpräsident, Schaffhausen: "Die Schweiz und die politische Auseinandersetzung zwischen Ost und West."

Dienstag, 20. Jan. 59.
Herr Oberstdivisionär E. Uhlmann, Kdt. der 6. Division, Neuhausen: "Unsere Landesverteidigung im Atomzeitalter."

Dienstag, 27. Jan. 59.
Herr Dr. Adolf Guggenbühl, Redaktor des Schweizer Spiegels, Zürich: "Wie können wir im Zeichen des europäischen Zusammenschlusses unsere bodenständige schweizerische Eigenart bewahren?"

Dienstag, 3. Feb. 59.
Herr Dr. Urs Schwarz, Redaktor an der Neuen Zürcher Zeitung, Präsident des Internationalen Presseinstitutes, Zürich: "Die Schweiz und die internationalen Organisationen. Unsere nationale Aufgabe."

Dienstag, 17. Feb. 59.
Herr Dr. W. Sommerauer, dipl. ing. agr., Neuhausen: "Ein Schweizer Experte erzählt über seine Erlebnisse in Afghanistan im Dienste einer nationalen Hilfsorganisation." (mit Lichtbildern)

Zeit und Ort:
Die Vorträge finden im Naturkundezimmer des Zentralschulhauses Stadel statt und beginnen jeweils pünktlich um 20.15 Uhr.

Kursgeld:
Kurskarte für alle 5 Abende: Fr. 7.-
Karten für Einzelvorträge: Fr. 2.-
Wir ersuchen Sie, die Karten vor Kursbeginn zu beziehen, um ein unnötiges Gedränge und langes Warte am ersten Kursabend zu vermeiden.

Zubringerdienst:
Autokurs ab Neerach (Wildenmann) Abfahrt 19.50 Uhr, Fahrpreis -.60 (retour)
Autokurs ab Weiach (Schulhaus) Abfahrt 19.50 Uhr, Fahrpreis 1.- (retour)

Anmeldungen:
Anmeldungen werden nur mit gleichzeitiger Einzahlung des Kursgeldes entgegengenommen. Das Kursgeld kann der Anmeldung beigelegt oder per Post an die Volkshochschule Stadel einbezahlt werden. Anmeldungen und Kursgeld nehmen die Sekundarschüler entgegen, welche Ihnen auch die Kurskarten wieder bringen werden. Anmeldungen per Post sind zu adressieren an die Volkshochschule Stadel.

Stadel, im Dezember 1958
Für den Ortsausschuss: sig. H. Wachter
»

Afghanistan und die Frage nach der eigenen Identität in einem neuen Europa. Zeitlose Themen, wie es scheint.

Zu den Personen: Oberstdivisionär Ernst Uhlmann war von 1957- 1961 Kommandant der Zürcher Division (Felddivision 6). Spannend ist vor allem die Verpflichtung von Walther Bringolf als Referenten des ersten Vortrags: denn Bringolf war ein Linker. Und Sozialdemokratie war eine Partei, die man im bäuerlich geprägten, konservativen Unterland mit ziemlicher Skepsis betrachtete.

Montag, 16. November 2009

Medialer Angriff nach 3 Jahren gescheitert?

Dagmar Appelt, damals Chefredaktorin des Neuen Bülacher Tagblatts (NBT), griff im Sommer 2006 zum verbalen Zweihänder. Die Tamedia AG sei ein «Medien-Schlachtschiff, das — koste es, was es wolle — noch so gerne in die Gewässer des Zürcher Unterlandes vordringen möchte» (vgl. Weiach-Blog vom 6. August 2006: Unterländer Bastion gegen das Tagi-Schlachtschiff).

Anlass für ihre markigen Worte war eine Medienmitteilung, in welcher den beiden Unterländer Lokalblättern Konkurrenz angesagt wurde: «Ab dem 4. Quartal 2006 verlegt der Tages-Anzeiger zusätzlich zum linken Zürichseeufer am rechten Zürichseeufer, in der Stadt Zürich, im Zürcher Oberland und im Zürcher Unterland Regionalausgaben», hiess es da. Total sollten für die vier zusätzlichen Ausgaben 65 neue Stellen entstehen, drei Viertel davon bei den neuen Redaktionen.

Vom ausgewachsenen Regionalbund...

Konkret sah das für den Leser so aus, dass die in die Briefkästen verteilten Tagi-Exemplare je nach Region einen zusätzlichen Bund erhielten. Bei uns war das derjenige der Redaktion Zürcher Unterland.

Die Drohung des damals noch finanzstarken Konzerns an der Zürcher Werdstrasse liess die früheren Konkurrenten NBT und Zürcher Unterländer (ZU) sämtliche historischen Differenzen vergessen und schweisste sie zu einer neuen Allianz namens Zürcher Landzeitung zusammen. Auf dem Papier blieben beide selbstständig, die Redaktion des NBT ist aber heute genauso für den ZU tätig wie umgekehrt.

Erstaunlich rasch gelang es den Neuen (die den früheren Platzhirschen auch Personal abgeworben hatten), das Lokalnachrichten-Segment mit eigenen Stories zu besetzen. Nicht immer zur Freude der Lokalpolitik. Der Tages-Anzeiger wurde von den Weiacher Gemeindevätern in der Tendenz stets als Eindringling empfunden - und auch so behandelt.

...zurück zu ein paar dürren Blättern

Heute sieht es nun so aus, dass die grosse Finanzkrise den Tages-Anzeiger Unterland schwer getroffen hat. Bei dessen Redaktion wurde schon vor einigen Monaten massiv der Rotstift angesetzt, es kam zu etlichen Entlassungen.

Und ab dem 29. September wurde dann auch ein neues Konzept umgesetzt, das den Regionalbünden den Garaus machte. In der Medienmitteilung war nun kleinlaut die Rede von «regionalen Wechselseiten in den vier Splittgebieten». Aus die Maus für die grossflächige Terrainbesetzung.

Auf den wenigen verbliebenen Regional-Seiten kann man natürlich nicht mehr annähernd so breit berichten wie zuvor - und auch die kleinere Personaldecke und das geschrumpfte Budget erlauben weniger Recherche-Aufwand.

So scheint es nun nach nur drei Jahren Tages-Anzeiger Unterland, dass die Allianz Zürcher Landzeitung unverhofft mit einer wesentlich besseren Abdeckung des Regionalnachrichten-Segments dasteht als der Tages-Anzeiger.

Sonntag, 15. November 2009

Weiacher Geschichte(n) - Inhaltsverzeichnis online

Anfang November 2009 ist mit den Weiacher Geschichte(n) Nr. 120 der letzte Artikel dieser Reihe in den Mitteilungen für die Gemeinde Weiach erschienen (Zur Einstellung der Weiacher Geschichte(n), vgl. WeiachBlog vom 17. Oktober 2009).

Das Verzeichnis zur Gesamtausgabe

Nun ist auch das auf den letzten Stand aufdatierte, definitive Inhaltsverzeichnis erschienen [aktuelle Fassung auf dem neuen Webauftritt]. Es enthält zusätzlich ein Vorwort, einen Publikationsnachweis (wann welcher Artikel in den MGW abgedruckt worden ist) und einen Pressespiegel. Letzterer umfasst Artikel von Dritten, die auf der Basis von Stoff aus den Weiacher Geschichte(n) entstanden sind, sowie eigene Artikel in der ebenfalls eingestellten Reihe Geschichte und Geschichten aus dem Unterland des Tages-Anzeigers Zürcher Unterland, soweit die Beiträge einen direkten Bezug zu Weiach haben).

Hinweis an Bibliotheken: Dieses Verzeichnis ist als Einleitung zu der in 120 Teillieferungen öffentlich zugänglich gemachten Gesamtausgabe gedacht und soll ihr vorangestellt werden.

Durchgehende Seitennummerierung

Den Online-Lesern der «Weiacher Geschichte(n)» ist wahrscheinlich schon früher aufgefallen, dass die einzelnen ins Internet gestellten Artikel fortlaufend paginiert sind. Bis zur Nr. 120 sind insgesamt 516 Seiten zusammengekommen.

Weiter ist in der Fusszeile auch der Revisionsstand des jeweiligen Artikels angegeben. Ein Beispiel: die Angabe «Separatdruck Oktober 2004» steht in der Regel für den Zeitpunkt der erstmaligen Publikation in den Mitteilungen für die Gemeinde Weiach.

In einigen Fällen bedeutet sie aber auch, dass der betreffende Artikel bereits früher publiziert, zum angegebenen Zeitpunkt jedoch inhaltlich überarbeitet worden ist. Wo es sich nicht nur um stilistische Verbesserungen oder die Korrektur von Schreibfehlern handelt, werden diese Änderungen auch via WeiachBlog bekannt gemacht.

Link

Samstag, 14. November 2009

In memoriam Alitalia AZ-404. Zum 19. Jahrestag

Auch 19 Jahre nach dem schrecklichen Ereignis interessieren sich noch fast täglich einige Menschen dafür. Anders ist nicht zu erklären, weshalb der Artikel vom 14. November 2005 seit vier Jahren zu den absoluten Spitzenreitern der WeiachBlog-Zugriffsstatistik gehört.

In Erinnerung an die Toten von damals sei auf neue Bilder der «Alitalia Crash Site» hingewiesen. Am 18. März 2009 hat sie ein User, der sich B-59 nennt, auf die Website Panoramio gestellt und über Google georeferenziert. Seine Bildbeschreibung: «Memorial of the airplane crash in november 14, 1990. Weiach / Stadlerberg. 46 persons died.» Ja, das ist die traurige Bilanz dieses Tages vor 19 Jahren.

Und hier die Links:
Weitere Artikel zum Thema

Freitag, 13. November 2009

Nein zur Gleichberechtigung von Mann und Frau

Was heute als selbstverständlich erscheinen mag, war es keineswegs. Und nicht nur in Appenzell. Vor 28 Jahren sagten die Weiacher nämlich NEIN zur Gleichberechtigung. Dies kann man einer vom Statistischen Amt des Kantons Zürich zur Verfügung gestellten Webseite entnehmen:

Die Abstimmungsresultate vom 14. Juni 1981 melden für Weiach lediglich 45.86 % Ja-Stimmen-Anteil zum Bundesbeschluss über die Volksinitiative «Gleiche Rechte für Mann und Frau». Die Vorlage über die Volksinitiative «zur Absicherung der Rechte der Konsumenten» hingegen nahmen die Weiacherinnen und Weiacher immerhin mit 52.25 % Ja-Stimmen an.

Einmal mehr wurden die konservativen Weiach vom Schweizervolk überstimmt. Die Abstimmung über den Gegenvorschlag zur Initiative «Gleiche Rechte für Mann und Frau» endete gesamtschweizerisch mit 60.3% Ja-Stimmen und dem Ständemehr. Die Stimmbeteiligung lag bei 33.9%.

Die Klausel des Anstosses

Worum ging es am 14.6.1981? Als Reaktion auf die Volksinitiative «Gleiche Rechte für Mann und Frau» aus dem Jahre 1976 liess der Bundesrat einen Gegenvorschlag ausarbeiten, der 1981 als Artikel 4 Abs. 2a aBV (Art. 8 der Bundesverfassung von 1999) in die Verfassung Eingang fand. Sein Wortlaut:

«Mann und Frau sind gleichberechtigt. Das Gesetz sorgt für ihre Gleichstellung, vor allem in Familie, Ausbildung und Arbeit. Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit.»

Eidgenössisches Stimmrecht erst seit 10 Jahren

Nicht zu vergessen ist dabei, dass die Frauen 1981 erst seit 10 Jahren stimmberechtigt waren. Am 7. Februar 1971 schaffte nämlich die zweite eidgenössische Abstimmung zum Frauenstimmrecht den Durchbruch. Mit 65.7% männlichen Ja-Stimmen.

Auch hier gab es Widerstand und Nein-Mehrheiten in den Kantonen AI, AR, GL, OW, SG, SZ, TG und UR. Auf das kantonale Stimmrecht müssen die Solothurnerinnen noch bis 1980, die Bündnerinnen bis 1983 warten. Letzte Bastion des frauenfreien Stimmrechts waren die beiden Appenzell. In Ausserrhoden sind die Frauen nach viermaliger Ablehnen durch die Männerlandsgemeinde nach 1989 zugelassen. Die Innerrhoder werden 1990 durch das Bundesgericht zur Annahme des Frauenstimmrechts verknurrt.

Weiterführende Links