Mittwoch, 31. März 2010

VW Golf crasht in Birke bei Dorfeingang

Heute morgen starb gemäss Mitteilung der Kantonspolizei Zürich und diverser Online-Medien auf Weiacher Gemeindegebiet ein junger Automobilist.

Er kam mit seinem schwarzen VW Golf auf der Strasse von Raat nach Weiach in der Rechtskurve bei der Müliwis von der Strasse ab und rammte eine der Birken, welche die Stadlerstrasse alleeartig säumen.

Das Foto der Kantonspolizei Zürich zeigt das total demolierte Fahrzeug:


Die Scheune rechts im Hintergrund gehört zur Liegenschaft von Ackerbaustellenleiter Manfred Baumgartner.

Tödliche Verletzungen

Trotz Reanimationsversuchen von Rettungssanitätern und einem Notarzt starb der 23-jährige Lenker noch auf der Unfallstelle. Im Blick war von einem Deutschen die Rede, was aufgrund des EU-Nummernschildes (vgl. Bild im Blick am Abend, Ausgabe Zürich) in unserer Gegend wahrscheinlich ist.

Die Feuerwehr Glattfelden-Stadel-Weiach war mit 20 AdF im Einsatz. Sie musste die Strasse sperren und übernahm neben der Verkehrsregelung auch die Ölwehr am Kollisionsort.

Zeugenaufruf der Kantonspolizei

Werner Benz vom Mediendienst der Kantonspolizei Zürich verfasste eine Medienmitteilung mit dem Titel «Weiach: Ein Toter bei Selbstunfall - Zeugenaufruf» und dem folgenden Text:

«Bei einem Selbstunfall ist am frühen Mittwochmorgen (31.03.2010) in Weiach ein 23-jähriger Autolenker ums Leben gekommen.

Der Mann fuhr kurz nach 06.30 Uhr mit seinem Personwagen auf der Stadlerstrasse von Stadel Richtung Weiach. In einer leichten Rechtskurve verlor aus noch ungeklärter Ursache die Herrschaft über sein Fahrzeug und prallte frontal gegen einen Baum an der linken Strassenseite. Bei der heftigen Kollision zog er sich derart schwere Verletzung zu, dass er, trotz Reanimationsversuchen der ausgerückten Rettungssanitäter und dem Notarzt, noch auf der Unfallstelle verstarb.

Die Stadlerstrasse musste für die Dauer der Unfallaufnahme gesperrt werden. Im Einsatz standen nebst der Kantonspolizei Zürich, rund 20 Mann der Feuer Glattfelden-Stadel-Weiach.

Zeugenaufruf: Personen, die Angaben zum Unfall machen können, werden gebeten, sich mit der Kantonspolizei Zürich, Verkehrszug Bülach, Telefon 044 863 41 00, in Verbindung zu setzen.
»

Anschwellende Online-News-Flut

Am bemerkenswerten ist die regelrechte Proliferation von Artikeln zum Unfall, die in den Online-Medien im Raum Ostschweiz/Südbaden zu beobachten war. Um 13:30 Uhr zählte Google News allein in den letzten 24 Stunden «ungefähr 440» Treffer für den Begriff «Weiach». Um 18:45 Uhr lag dieser Wert bereits auf «ungefähr 791».

Ebenfalls erstaunlich: die Vielzahl verschiedener Bilder. Etliche Medien verfügten über Aufnahmen aus allen möglichen Blickwinkeln, die bei anderen nicht zu finden sind.

Der «Blick am Abend» titelte reisserisch: «Ein Toter bei Horror-Unfall» und lässt der Aufnahme mit Blickrichtung Dorf (Bildlegende: «Golf-Wrack. Der Fahrer konnte nur noch tot geborgen werden») diesen Text folgen: «CRASH -> Ein 23-jähriger Deutscher verlor heute Morgen bei Weiach ZH erst die Kontrolle über seinen Wagen und knallte dann in einer leichten Rechtskurve frontal gegen einen Baum an der linken Strassenseite. Bei der heftigen Kollision zog er sich derart schwere Verletzung zu, dass er, trotz Reanimationsversuchen der ausgerückten Sanitäter, noch auf der Unfallstelle verstarb. SDA/re». (Blick am Abend, Zürich Nr. 63, 31. März 2010, S. 7)

Weitere ausgewählte Online-Medien

Nachtrag vom 3.6.2010

Auf der Website der Feuerwehr Glattfelden-Stadel-Weiach findet sich eine kurze Beschreibung des Einsatzes unserer Feuerwehr:

«Strasseneinsatz vom 31.03.2010

Alarmmeldung: Verkehrsunfall Stadlerstrasse in Weiach, ca. 1 Km Richtung Stadel

Situation:
-Polizei vor Ort
-Unfallstelle gesichert

Tätigkeiten:
-Erstellen dreifacher Brandschutz
-Erstellen und Betreiben einer Umleitung
-Einweisen Stützpunktfeuerwehr Bülach (Strassenrettungskonzept)
-Aufnehmen von ausgelaufener Flüssigkeiten
-Unterstützung bei der Bergung des Fahrers
-Unterstützen der Fahrzeugbergung und Reinigen der Unfallstelle

Eingesetzte Mittel: Kdo Gr, DG 2 (20 AdF) / TLF, Vrk Gr Fz, OC, Pers Trsp
»

Dienstag, 30. März 2010

Bahnhof Raat

Auch wenn es diesen Bahnhof als solchen nie gegeben hat: die Existenz des Begriffs ist dennoch belegt.

Wer in den letzten paar Jahren mit dem Bus von Stadel herkommend über Windlach und Raat nach Weiach gefahren ist, der kam unweigerlich an einem unscheinbaren Holzunterstand vorbei. Er stand an der Abzweigung nach Windlach kurz vor Raat und zeichnete sich durch eine Tafel aus, die ihn ebenso scherzhaft wie stolz als «Bahnhof Raat» bezeichnete.

Die Postautos hielten zwar nur an, wenn zufälligerweise jemand dort stand oder der Bus an diesem Punkt wendete und über Schüpfheim zurück ins Depot beim Neuwies-Huus fuhr. Die reguläre Haltestelle von Raat befand sich dort, wo sie noch heute ist, nämlich mitten im Weiler an der Hauptstrasse zwischen Ober- und Unterraat.

Wallisellen-Weiach-Waldshut

Was das nun mit Weiach zu tun hat, mögen Sie sich fragen. Nun, es gab vor vielen Jahren tatsächlich einmal den Plan für eine Eisenbahnlinie von Wallisellen über Weiach nach Waldshut. Sie «war bereits 1857 projektiert worden, kam aber leider nicht zustande», wie Walter Zollinger in seiner Monographie über Weiach schrieb (erste Auflage publiziert 1972, nach dem Rückentitel «Chronik» genannt).

Als der Verfasser des WeiachBlog erst den eben zitierten Hinweis von Zollinger kannte, da nahm er noch an, es sei eine Streckenführung über den «Chistenpass» geplant gewesen, also über die Anhöhe zwischen Stadel und Weiach, auf der das Dörfchen Raat liegt. Und er machte sich Gedanken, wo denn dann die Kunstbauten in die Landschaft südlich des Dorfes Weiach hineingelegt worden wären. Die Steigung nach Raat kann man auf der Schiene nämlich kaum in gerader Strecke bewältigen.

Den Weg der geringsten Kosten nehmen

Bei einem konsequent ingenieurmässigen Denkansatz und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Bahnunternehmen immer knapp bei Kasse sind (das war auch vor über 150 Jahren nicht anders), hätte er sich aber denken können, dass diese Streckenführung schlicht illusorisch sein muss:


Wie man obigem Kartenausschnitt aus einer Variantenstudie entnehmen kann, favorisierten die Promotoren der «Glattthaleisenbahn» eine Streckenführung über Neerach und an Stadel und Windlach vorbei Richtung Rhein. Bei Zweidlen hätte man einen Bahnhof Glattfelden gebaut. Anschliessend sollte die Linie eine scharfe Linkskurve nehmen und dann durch das Weiacher Hard nach Kaiserstuhl führen. Weiach, Stadel, Windlach und Raat wären also punkto Bahnstation völlig leer ausgegangen.

Auch eine Linie über Dielsdorf und das Wehntal nach Niederweningen und von dort durch das Surbtal nach Koblenz stand zur Debatte.

Die Nordostbahn lässt Stadel links liegen

Wegen dem österreichisch-sardinischen Krieg in Norditalien (u.a. mit der Schlacht bei Solferino) kam 1859 alles anders und beide Projektvarianten mussten schliesslich beerdigt werden.

Dank dem etwa 15 Jahre später begonnenen Bau der Nordostbahn-Linie von Koblenz nach Winterthur hat Weiach 1876 dann doch noch einen Bahnhof erhalten - wenn auch nur zusammen mit Kaiserstuhl. Aber immerhin. Denn Neerach, Stadel, Windlach und Raat guckten auch diesmal in die Röhre.

Lassen wir den Raatern also ihren «Bahnhof». Selbst wenn es nur eine ehemalige Bushaltestelle ist.

Quelle

Montag, 29. März 2010

Der Paternität angeklagt. Vaterschaftsprozess Anno 1868

«Paternität (lat.), Vaterschaft, namentlich außereheliche; daher Paternitätsklage (Alimentenklage), die gegen den außerehelichen Vater auf Anerkennung der Vaterschaft und auf Zahlung von Alimenten für das uneheliche Kind gerichtete Klage.» (Meyers Konversations-Lexikon, 1888, Vierte Auflage, 12. Band 12, S. 774)

Das Amtsblatt des Kantons Zürich ist eine Fundgrube. Vor allem den Publikationen längst vergangener Tage kann man entnehmen, dass einige der damaligen Probleme den heutigen doch zumindest sehr ähneln. Zum Beispiel beim Streit um die Frage, wer den im Falle eines unehelich geborenen Kindes den sogenannten «Versorgerschaden» zu tragen hat.

Mutmasslicher Vater abwesend

Wo der Vater nicht greifbar war, da griff man zum Mittel der «Ediktalladung»:

«Heinrich Weidmann von Lufingen, zuletzt wohnhaft gewesen in Rorbas, gegenwärtig unbekannt abwesend, wird anmit aufgefordert, Dienstag den 29. dieß, Vormittags 9 Uhr, auf hiesigem Rathhause vor Bezirksgericht zur Schlußverhandlung in dem von Katharina Meierhofer von Weiach gegen ihn angehobenen Vaterschaftsprozesse zu erscheinen, unter der Androhung, daß sonst dennoch die Eidesleistung vorgenommen und das Urtheil ausgefällt würde.

Bülach, den 22. Christmonat 1868.

Im Namen des Bezirksgerichtes:
Der Gerichtsschreiber,
H. Schurter.
»

In diesem Rechtsstreit standen sich nicht nur Weidmann und Meierhofer, Vater und Mutter des nicht genannten Kindes gegenüber. Die Kontrahenten im Hintergrund waren die Sozialbehörden von Lufingen bzw. Weiach. Genannt wurde sie damals Armengemeinde und deren Vorsitzende waren in der Regel die Pfarrer der jeweiligen Gemeinde.

Weitere Archivarbeit nötig

Auch in diesem Fall dürfte mit Haken und Ösen um die Schuldfrage gestritten worden sein. Denn davon hing im Wesentlichen ab, welches Gemeindegut für den Versorgerschaden (sprich: die durch das Kind in den nächsten Jahren auflaufenden Kosten) geradezustehen habe.

Wie der Fall ausging müsste man den Protokollen des Bezirksgerichts Bülach entnehmen können. Sollte der Lufinger Weidmann aber nicht erschienen sein - was wahrscheinlich ist - dann dürfte die Gemeinde Weiach in diesem Fall keine schlechten Karten gehabt haben. Zumindest Teile der Kosten werden Lufingen aufgebürdet worden sein. Es sei denn, dass Katharina Meierhofer nicht genügend glaubhaft darlegen konnte, warum Weidmann der Vater ihres Kindes sein müsse.

Quelle
  • Ediktalladungen. Nr. 29. In: Amtsblatt des Kantons Zürich, 1868, S. 2406

Sonntag, 28. März 2010

Börsenfieber - auch in Weiach

Boom und Crash gehören untrennbar zusammen. Da ist es nur natürlich, wenn die Börsen Hochkonjunktur haben. Momentan sind es im Unterland passend zur Finanzkrise die Märkte für mittelfristige Konsumgüter im Segment der jungen Familien.

Am 26. März berichtete der Tages-Anzeiger Unterland über das Phänomen:

«Dieses Wochenende ist das ganze Unterland im Börsenfieber. Heute und morgen finden in der Region verschiedene Velo- und Kinderkleiderbörsen statt. Heute Abend startet das Börsenwochenende mit der Kinderkleiderbörse in Kloten. Von 18.30 bis 20h können die Tische im katholischen Kirchenzentrum geplündert werden. Auch in Opfikon stehen heute Kinderkleider zum Verkauf bereit. Beide Börsen sind auch morgen noch geöffnet. Am Samstag locken dann zusätzlich die Kinderkleider- und Spielzeugbörsen in Bassersdorf, Embrach, Höri, Glattfelden und Weiach zum Kauf. Velofans finden an den Velobörsen in Bassersdorf, Glattfelden, Bülach und Weiach einen neuen fahrbaren Untersatz. Den ganzen Tag können Schnäppchen gemacht werden. So findet sicher jede und jeder das Passende für den Frühlingsanfang.»

40% abzüglich Saalmiete für den Veranstalter

Wie das Geschäftsmodell wohl nicht nur in Weiach funktioniert - nämlich als Fundraising-Event - kann man den Gemeinde-Mitteilungen vom März entnehmen. Für den Samstag, 27. März 2010 wurde von 10.00-15.00 zur «Velobörse mit Kinderbörse» Uhr in den Gemeindesaal eingeladen:

«Wir verkaufen Ihre gut erhaltene Velos (alle Sorten), Kinderkleider für den Frühling / Sommer in den Grössen 50-176, Kinderspielsachen und weiterer Kinderzubehör. Sie erhalten 60% von Ihren verkauften Artikeln. Bitte versehen Sie Ihre Artikel mit Kleber, worauf Preis, Grösse und Ihre persönliche Nummer vermerkt ist. Ihre persönliche Nummer bekommen Sie vorher von Frau Anne Marie Bärtsch zugeteilt, erreichbar unter [Telefonnummer aus Datenschutzgründen gelöscht]. Sie bringen Ihre angeschriebenen Artikel am 27. März zwischen 07.30 und 09.00 in den Gemeindesaal Weiach. Abrechnen und Übergabe der nicht verkauften Artikel findet zwischen 15.15-16.00 Uhr statt.»

Gratis-Sirup für die Kinder

Das Geschäftsmodell gehört das übliche Zusatzprogramm, das auch an keinem Basar, Chränzli o.ä. fehlen darf: die Festwirtschaft. Der erwarteten weiblichen Kundschaft entsprechend natürlich ohne Bier im Angebot:

«Nebst Velos und Kinderartikel verkaufen wir feine selbstgemachte Kuchen in unserer Kaffeebar von 10.00-15.00. Sirup gibt es für die Kleinen Gratis.»

Bleibt nur noch die Frage, wer in Weiach der Veranstalter war. Die Antwort findet man auf der Einladung ganz unten: «Powered by: F.O.R.U.M.»

Quellen
  • Verschiedene Börsen. Tipp Unterland. In: Tages-Anzeiger Unterland, 26. März 2010 - S. 29.
  • Velobörse mit Kinderbörse. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, März 2010 - S. 27.

Samstag, 27. März 2010

Wegweiser durchs Idiotikon

«Das Schweizerische Idiotikon dokumentiert die deutsche Sprache in der Schweiz vom Spätmittelalter bis ins 21. Jahrhundert. Mit bisher 15 abgeschlossenen Bänden und dem zu zwei Dritteln gedruckten 16. Band, die zusammen rund 150 000 Stichwörter enthalten, ist es das grösste Regionalwörterbuch des Deutschen», lautet die Selbstbeschreibung auf der Website http://www.idiotikon.ch. Dort wird auch erklärt, woher der für heutige Ohren etwas lächerlich tönende Name stammt.

Das Idiotikon hat jetzt ein Register, wie man im Tages-Anzeiger lesen konnte. Das neue Hilfsmittel erleichtert das Auffinden eines gesuchten Wortes.

Bislang war das Schweizerdeutsche Wörterbuch schwerer zugänglich. Grund: es ist nicht rein nach Alphabet, sondern primär nach Wortfamilien geordnet.

Für Laien sind die bisher erschienenen 15 Bände deshalb kaum vernünftig handhabbar. Langfristig gesehen wolle man daher den gesamten Text ins Internet stellen, berichtete der Tagi vor bald zwei Jahren.

Allein mit Scannen und automatischer Texterfassung ist es nicht getan. Wenn dieses Digitalisat Hand und Fuss haben soll, dann müssen Experten Hand anlegen. Das dürfte dauern, denn allein für die Fertigstellung der Printausgabe werden bei der derzeitigen finanziellen und personellen Ausstattung noch mindestens 10 Jahre vergehen. Und dann sind immer noch über eine Million Nachträge zu verarbeiten.

Bis dahin bleibt einem einstweilen nur die Notlösung Google Books. Dort kann man nach dem Begriff Weyach suchen. Und da ist die Ausbeute halt leider mager. Denn Google indexiert (anders als mancher glaubt) bei weitem nicht den gesamten Text - jedenfalls nicht in der kostenlosen Version.

Quelle
  • Hosp, J.: Der «Hudigääggeler» schaffte es noch nicht ins Internet. In: Tages-Anzeiger, 26. April 2008 - S. 36.

Freitag, 26. März 2010

Schadhaftes Brennholz gekauft

Womit sich der Gemeinderat beschäftigen muss, das kann man den Sitzungsprotokollen entnehmen.

Für den Juli 1958, also vor etwas mehr als 50 Jahren ist der folgende, etwas skurril anmutende Fall aktenkundig:

«Ernst Bersinger teilt der Behörde mit, dass er schadhaftes Holz aus dem Sanzenberg gekauft habe.

Beschluss: Die Forstverwaltung wird beauftragt, an Ernst Bersinger zufolge Schadhaftigkeit des gekauften Brennholzes aus dem Schlag 1957/58 Fr. 3.-- zurückzuvergüten.
»

War es schon halb verrottet? Leider wird nicht erläutert, worin die Schadhaftigkeit genau bestand. Aber offenbar fühlte sich die Gemeinde schadenersatzpflichtig.

Quelle
  • Gemeinderatsprotokoll Weiach. Protokoll 15. Sitzung des Gemeinderates am 12. Juli 1958: Forstwesen. Holzwertminderlöse und Abschreibungen 10.10 - Nr. 188 Schadhaftes Holz

Donnerstag, 25. März 2010

Am Arsch der Welt?

Blogkritik.ch, eine Website die sich als «Blog-Watchblog» bezeichnete, ist nun schon seit vielen Monaten eingeschlafen. Fast alle Beiträge sind gelöscht worden. Darunter auch der von «dr. b. blog-blogicki» alias «dorftrottel» zum Thema Weiach und WeiachBlog, der mit einer halb rhetorischen Frage übertitelt war:

«Kennen Sie Weiach?»

«Im Zürcher Unterland gelegen. Fast am Rhein an der deutschen Grenze. Tiefster Punkt des Kantons Zürich sei’s. Frau Liesl Valentin sagt: “Am Arsch der Welt”, und vielleicht hat sie ja recht, denn sogar der Weiacher Bahnhof ist stillgelegt, kein Zug hält mehr dort, und man muss zuerst ins aargauische Kaiserstuhl, will man eine Eisenbahnfahrt machen.

Und doch, Weiach hat einen Blog. Und nicht mal einen schlechten, Sie! Schön geschrieben! Gut dokumentiert, dieses Dorf, auch auf den neuen Medien. Wikipedia enthält einen schönen langen Eintrag. Da scheint jemand Weiach wirklich zu lieben… Seit Oktober des letzten Jahres publiziert er -oder ist’s eine sie?- Geschichten und Geschichtchen des Ortes, Historie und Wetter, und Presselandschaft, Portraits von Dorfbewohnern und Honorationen. Mit Links auf das offizielle Weiach und mehr. Gute Idee, so ein Dorfblog. Danke schön Weiacher!

Und gestern nachmittag sprach Dr. Blog-Blogicki mit dem zuständigen SBB-Immobilienverwalter. Der Bahnhof Weiach wäre zu haben, noch nicht gelistet, noch unter der Hand, zur Miete. JESSES! Inklusive Schalterhalle und allem. Für nicht sehr viel Geld. Dr. Blog-Blogicki geht ihn schauen Ende Monat, diesen Bahnhof wo kein Zug mehr hält. Träumt von einer Galerie, einer anderen Art Blogfabrik vielleicht…

Ob ich wohl noch mal Weiacher (wei’cher, sagt man schein’s) werde?

Dr. Bernhardt Blog-Bogicki
»

Nach bald dreieinhalb Jahren darf man nun wohl behaupten, dass es nichts geworden ist, mit dieser Galerie. Bleibt die Frage:

Who the f... is Dr. Blog-Blogicki?

Der Verfasser von blogkritik.ch ist ein Lebenskünstler, der in der Blogwelt als Alias-Jongleur bekannt wurde. Dr. Blog-Blogicki war und ist in Personalunion auch P.A.Ziermann, Flegel van der Zocht, Paul Anton Zorn, Liesl Karlstadt, Sophie Teuber-Erb, etc. etc.

Das kann man u.a. auf dem Bernetblog nachlesen: «Eine interessante, bereichernde Begegnung mit einem Menschen, den ich erst virtuell kannte, über seine Blogs. Paul Ziermann lebt multiple online-Persönlichkeiten, er schreibt unter anderem als Paul Anton Zorn oder paz, Dorftrottel oder Bernhard Blog-Blogicki.»

Das obige Selbstgespräch (Blogkritik Nr. 137) wurde kurz vor dem 23.8.2006 (Veröffentlichungsdatum von Nr. 138) gepostet.

Quelle

Mittwoch, 24. März 2010

Ein Walliser Erdbeben lässt das Geschirr klirren

Die Jahreschronik 1960 von Walter Zollinger enthält unter der Rubrik Witterung einen zu diesem Thema sehr ungewöhnlichen Eintrag:

«Besonders zu erwähnen bleibt noch die Nacht vom 24./25. März. Um 10 Minuten nach Mitternacht waren da nämlich bei uns zwei hart aufeinanderfolgende leichte Erdbebenstösse zu verspüren. Das Geschirr im Buffet klirrte und das Holz des Getäfers knisterte, gut hörbar. Ich stand zu dieser Zeit grad zufällig in der Stube. Das Radio meldete am andern Morgen den vermutlichen Erdbebenherd beim Aletschhorn. Im französischen Jura und in der Lombardei seien die Beben stärker verspürbar gewesen.»

In der fraglichen Zeit ereignete sich tatsächlich ein Erdbeben mit Epizentrum Brig/VS und zwar in einer Tiefe von 12 Kilometern, wie der «Swiss Macroseismic Earthquake Catalogue» vermerkt. Nur das Datum ist ein anderes: «23. März 1960, 23h 10'».

Diese Angabe dürfte in der Weltzeit UTC notiert sein, also Londoner Zeit. Zu diesem Zeitpunkt zählte man in Weiach bereits den 24. März, 00:10. Da hat sich Zollinger also wohl bei der Interpretation seiner Aufzeichnung um einen Tag geirrt. Korrekt wäre demnach die Angabe: «Nacht vom 23./24. März».

Also jetzt vor genau 50 Jahren.

Quellen

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1960 - S. 4. (vgl. für die vollständige Sammlung: Jahreschroniken Weiach 1952-1967. Einsehbar in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich unter der Signatur "G-Ch Weiach [Jahrgang]".)
  • Erdbeben-Katalog des Schweizerischen Erdbebendienstes, Beben Nr. 30042.

Dienstag, 23. März 2010

Protestantenabende für das Zusammengehörigkeitsgefühl

Der Weiacher Pfarrer Kilchsperger versuchte in den weniger arbeitsintensiven Wintermonaten, mit Bibelstunden das religiöse Leben seiner Schäfchen zu fördern:

«Im Winter werden Bibelstunden gehalten, denen aber die Männer leider ferne bleiben. Auch ein Arbeitsverein für die Armen u. die Mission versammelt sich im Winter allwochentlich im Pfarrhaus, wobei auch manch wertvolles Buch gelesen wird. Hie u. da werden an Sonntagabenden im Schulhaus oder in der Kirche Vorträge veranstaltet. Mehr gemütlichen Charakter tragen die Protestanten-Abende am Reformationssonntag in der "Krone" Kaiserstuhl u. der Gemeindeabend im "Sternen" Weiach, wo das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt u. gepflegt wird.»

Was genau die zu diesem Punkt 30 des Kirchenvisitationsberichts 1912-1923 zugehörige Frage des Kirchenrat des Kantons Zürich war, wissen wir leider nicht. Erhalten dafür aber Hinweise auf die vielfältigen anderen Aktivitäten die den Zusammenhalt stärken halfen.

Und letztendlich ging es ja vor allem um diesen Zusammenhalt. Nicht primär darum, ob die Männer in Scharen die Bibelstunden besuchen. Im damaligen Weiach galt nämlich: Männer brauchen Gott nur in Notfällen. Sonst ist für Religion die Ehefrau zuständig.

Weitere Artikel zum Thema Visitationsbericht

vgl. die Übersichtsseite auf dem Portal der Weiacher Geschichte(n)

Montag, 22. März 2010

Vor 220 Jahren zu Fuss quer durch die Schweiz

Zu den Zeiten Goethes war man in der Schweiz noch mehrheitlich im Tempo des Fussgängers unterwegs. Was das in punkto Zeitaufwand bedeutet kann man dem «Manuel de l'étranger qui voyage en Suisse» entnehmen. Der Autor dieses Reiseführers, Heinrich Heidegger, publizierte sein Werk im Jahr 1790 im Verlag Orell Füssli.

Sportliche Schweizer-Stunden

Im ersten Teil des Handbuchs sind Entfernungsangaben in Stunden gegeben. Gemeint sind wohl Schweizer Stunden, von denen eine 4.8 km misst. Um so viel Weg in einer Stunde bewältigen zu können, muss man schon ein recht sportliches Marschtempo anschlagen.

Die Stundenangaben liefern aber auch ein menschliches Mass dafür, wie gross und weit die Schweiz wirklich ist. Zu Fuss. Ohne SBB und Auto.

Auf S. 18/19 wird die Strecke von Zürich nach Kaiserstuhl angegeben:

«Zurich
Kayserstuhl 5 5/8

Seebach .. 1
Rümlang .. 7/8
Niederglatt .. 1
Stadel .. 1
Weyach .. 1 1/2
Kayserstuhl .. 1/4
»

Die Gesamtstrecke wird zuerst erwähnt: etwas mehr als fünfeinhalb Stunden zu Fuss. Darunter stehen die Teilstrecken bis Seebach, von dort bis Rümlang, weiter nach Niederglatt, dann Stadel, Weiach und schliesslich von dort nach Kaiserstuhl.

Wer von Weiach nach Kaiserstuhl marschiert, muss noch schneller laufen wenn er die Viertelstunde wirklich als solche nimmt. Und nicht von einer «guten Viertelstunde» - also etwas mehr - ausgeht.

Zu Fuss wird die Schweiz zum grossen Land

Von Baden nach Kaiserstuhl werden 3 Stunden veranschlagt, von Zürich nach Baden 4.25. Die Strecke Zürich-Eglisau misst nach Heidegger 5 Stunden, Zürich-Schaffhausen 9.5 Stunden, Zürich-Winterthur 4 Stunden.

Wer von Limmat-Athen in die Metropole des damals grössten Stadtstaates Europas reisen wollte, also die Strecke Zürich-Bern, musste mit 24.75 Stunden rechnen. Weiter nach Thun zum Tor des Berner Oberlandes waren es noch einmal 6 Stunden Weg: Zürich-Thun also in 30.75 Stunden - mit den SBB geht das heute in 1.5 Stunden.

Kurzbeschreibung des Dorfes fehlt nicht

Weyach wird nicht nur als Durchgangsort auf dem Weg nach Kaiserstuhl erwähnt. In der «Seconde partie» wird es auf S. 175 kurz beschrieben:

«WEYACH. Village paroissial dans le grand bailliage du Neu-Amt. Le grand bailli de l'Evêque de Constance, de Kayserstuhl, a part à la basse-justice.»

Ein Pfarrdorf in der Obervogtei Neuamt. Dieser Obervogt des Bischofs von Konstanz war «résidant à Röteln», also auf dem Schloss Rötteln (am nördlichen Kopf der Rheinbrücke), wie der Artikel «Kayserstuhl» (S. 77) verrät.

Sonntag, 21. März 2010

Woher kommt der Stern im Weiacher Wappen?

Bezüglich der Herkunft des Dorfzeichens, unseres Wappensterns, stellt sich die berühmte Frage nach dem Huhn und dem Ei.

Was war zuerst?

Das Wirtshausschild des «Sternen», der einzigen sogenannt ehaften Taverne im Dorf (also dem staatlich konzessionierten Wirtshaus), woraus sich dann das Wappen der Gemeinde entwickelte?

Oder: Der Stern als Symbol der Dorfgemeinschaft, das der Wirt des einzigen obrigkeitlich genehmigten Gasthofes im Ort stolz auf sein Aushängeschild übernahm?

Heinrich Hedinger liess dies 1936 in einem Artikel im «Wehnthaler» noch offen. Die Weiacher hätten «als Abzeichen» den Stern gewählt, «sei es als bloße Verzierung oder im Zusammenhang mit der alten Taverne zum "Sternen"», schreibt er.

1971 entschied Hedinger sich in seinem Buch «Das Zürcher Unterland» aber dann für ein Abstammungsverhältnis: «Seit 1719 ist ein Gemeindewappen bekannt, dessen Stern schon im Schild des alten Dorfwirtshauses stand». Belege für diese These, d.h. für ein Wirtshausschild oder den Namen «zum Sternen» aus der Zeit vor 1719, bleibt er jedoch schuldig.

Die Hedinger'sche These von 1971 ist allerdings abzulehnen, wenn man - wie ich - annimmt, dass der Wirt der ehaften Taverne mit höherer Wahrscheinlichkeit das Dorfzeichen als sein Schild übernommen hat als dass das Umgekehrte eingetreten wäre.

Quellen

Samstag, 20. März 2010

3-Punkt-Helm obligatorisch: Weiacher Patrouillenritt Nummer 12


Traditionell am 1. Mai führt die Voltigegruppe Neuwies heuer zum 12. Mal ihren Patrouillenritt durch.

Teilnehmen können maximal 60 Zweier-Patrouillen. Mehr liegt wegen der beschränkten Parkmöglichkeiten für Zugfahrzeuge und Pferdeanhänger nicht drin.

Reine Reitzeit: 2-3 Stunden

Der Ausschreibung auf dem Internet kann man die Details samt Meldeadresse entnehmen:

«Beschreibung: Der Patrouillenritt wird wie immer von der Voltigegruppe Neuwies organisiert. Es wird in 2er Patrouillen beim Sternen-Parkplatz in Weiach (ZH) gestartet. In der Reitzeit von 2 bis 3 Stunden ist das Lösen von verschiedenen Aufgaben verteilt auf ca. 7 Posten eingerechnet.»

Als Preise werden «Stallplakette, Flots und Naturalpreise für jeden Teilnehmer» ausgeschrieben. Ein «Flot» (ausgesprochen: «floh») ist eine Preisschleife in Form einer Rosette aus Stoff, die man zuhause an die Wand hängen kann.

Das Startgeld beträgt «Fr. 100.-- pro Patrouille, einzuzahlen bis Nennschluss auf "PC 87-349327-5 Voltigegruppe Neuwies" (bitte Reiter und Pferd vermerken)»

Natürlich fehlt auch eine juristische Klausel nicht: «Haftung - Der Veranstalter übernimmt keine Haftung weder für Pferde, noch für Teilnehmer und Zuschauer. Das Tragen eines 3-Punkt-Helmes ist obligatorisch».

Nennschluss ist der 24. März (Anmeldeformular), weitere Informationen gibt es bei Felix Böni in Bülach (Telefon: 044 867 50 24)

Und übrigens: Hungrig und durstig wird wohl niemand vom Platz gehen, wird doch beim Schützenhaus Weiach eine Festwirtschaft betrieben.

Etwas Geschichte: Wieso Neuwies?

Ja, warum eigentlich? In Weiach gibt es diesen Flurnamen nicht. Hat der Name etwas mit dem Neuwies-Huus bei Stadel zu tun?

«Nein, erklärt Heidi Meier, welche die Voltigegruppe Neuwies seit ihrer Gründung leitet, «der Name geht auf unseren ersten Stall in Herdern zurück». Dieses Herdern liegt nicht etwa bei Zürich oder im Thurgau, sondern im Ausland, nordöstlich von Weiach, gleich ennet dem Rhein auf Gemeindegebiet von Hohentengen.

Und wie kam es zum Patrouillenritt? Voltigieren ist kein billiger Sport. Damit sich die Eltern der pferdebegeisterten Knaben und Mädchen das Vergnügen überhaupt leisten können, ist die Voltigegruppe auf Zusatzeinnahmen angewiesen. Die kommen mit den Startgeldern von max. 6000 Franken herein. Im besten Fall bleibt etwa die Hälfte davon am Schluss in der Kasse des Organisators. Mit weniger als 30 Patrouillen würde sich der Anlass also nicht mehr lohnen.

Weiterführender Link

Freitag, 19. März 2010

Absturzakten bis 2077 unter Verschluss

Das Interesse am Flugzeugabsturz vom 14. November 1990 ist immer noch unglaublich gross. Es vergeht kaum ein Tag, an dem der beliebteste Artikel des WeiachBlog nicht mindestens einmal angeklickt wird.

Doch die breite Öffentlichkeit wird noch lange warten müssen, bis die letzten Details aus den Akten der Flughafenpolizei frei zugänglich werden. Mit Ausnahme der jüngeren Generationen werden die heute Lebenden sie kaum zu Gesicht bekommen. Die Schutzfrist endet nämlich 2073 bzw. 2077, wie man dem Archiv-Katalog entnehmen kann:

«Signatur: Z 374.10
Titel: Flugzeugabsturz eines Linienflugzeugs DC-9-32 der Alitalia am Stadlerberg in Weiach vom 14.11.1990
Inhalt und Form: Enthält Journal und Rapport der Spezialabteilung sowie einen Schlussbericht der Eidgenössischen Flugunfall-Untersuchungskommission. Für Details zum Unfallhergang, den Räumungsarbeiten und zu den 46 Opfern siehe den Polizeirapport. Enthält auch Fotos der Absturzstelle.
Entstehungszeitraum: 1994 - 1997
Provenienz: KAPO Flughafenpolizei; Akzession 2008/120 vom 07.11.2008
Schutzfristende: 31.12.2077
»
URL: http://suche.staatsarchiv.djiktzh.ch/detail.aspx?ID=301216

«Signatur: Z 44.2092 - Z 44.2094
Titel: Flugzeugabsturz bei Stadel ZH, 14.11.1990: italienisches Passagierflugzeug ALITALIA "DC 9"
Inhalt und Form: Rapport der Polizeistation Niederweningen (Z 44.2092); Schlussbericht der eidg. Flugunfall-Untersuchungskommission (Z 44.2093); Polizeijournale, Presseberichte etc. (Z 44.2094).
Entstehungszeitraum: 1990 - 1993
Provenienz: Flughafenpolizei : Kriminaldienst/Polizeiposten; Akzession 42/2001 vom 21.6.2001
Schutzfristende: 31.12.2073
»
URL: http://suche.staatsarchiv.djiktzh.ch/detail.aspx?ID=152076

Warum die Polizeistation Niederweningen dazu rapportierte, kann man im Artikel Der letzte stationierte Kantonspolizist (WeiachBlog vom 6. März 2010) nachlesen: Der Posten Weiach wurde 1985 aufgehoben.

Nachtrag vom 22. März 2010, 09:30 Uhr

Ein Mitarbeiter der Kantonspolizei hat per e-mail soeben folgendes mitgeteilt: «Die Rapporterstattung durch die Polizeistation Niederwenigen hat nichts mit der Schliessung der Polizeistation Weiach zu tun, sondern einzig und alleine mit der Bezirksorganisation. D.h. es hat einen der Stationierten getroffen, die im Bezirk Dielsdorf an diesem Tag Nachtdienst hatte.»

Weiterführende Artikel

Donnerstag, 18. März 2010

Klassentreffen Primarschule Weiach, Jahrgänge 66-70

Brigitte Baumgartner-Klose, frisch gewähltes Mitglied der Schulpflege Weiach und Geschäftsführerin des Reisebüros Flugladen in Bülach und Ursi Hänni-Hauser, Seklehrerin und EVP-Politikerin, wohnhaft in Uetikon am See, kümmern sich wieder einmal um ein Klassentreffen:

«hallo zusammen

das letzte klassentreffen ist schon eine zeitlang her. 2001 war's, oder?

wir - ursi hauser und ich - haben lust, euch wieder zu sehen und ein neues treffen zu organisieren.

geplant ist eine reservation in einem restaurant in der nähe von weiach und auch genügend zeit für einen spaziergang durchs dorf für alle, die lust haben.

zeit und ort sind noch eher unbekannt (wie gesagt, nähe weiach, zeit vermutlich nov 2010), wir sammeln erst mal postadressen und v.a. email-addis.

anbei schicke ich euch die liste mit dem aktuellen stand. wir sind von der liste des letzten klassentreffens ausgegangen und haben soweit wir konnten korrekturen und ergänzungen angebracht.

es fehlen aber immer noch viele email-adressen und einige postadressen haben vermutlich auch geändert.

ich wär froh, wenn ihr die liste sichten könnt und mir soviele korrekturen und ergänzungen wie möglich angeben könnt.

vielen lieben dank und liebe grüsse

brigitte
»

Aus Datenschutzgründen ist die im Brief erwähnte Excel-Datei hier selbstverständlich nicht angehängt. Wer zum angesprochenen Personenkreis gehört, kann aber Brigitte und Ursi per e-mail wie folgt erreichen (--X-- durch @ ersetzen):

brigitteandrea--X--gmx.ch
ursi--X--haenni-hauser.ch

Zum Schluss hier noch die Lehrerinnen und Lehrer, welche die Jahrgänge 1966-1970 an der Primarschule Weiach unterrichtet haben:
  • Eugen Hauser
  • Ruth Hauser
  • Heidi Haas-Birrer
  • Katrin Deppeler-Fritz
  • Liesbeth Müller
  • Margrith Haas-Trachsel
  • Silvia Eisenring-Schärer
  • Verena Martin
  • Anita Meier-Caflisch

Mittwoch, 17. März 2010

Fahrplan 2011: Wünsche nicht erhört

In den Mitteilungen für die Gemeinde Weiach vom März 2010 wird auf S. 8 zur Einsicht in die öffentliche Auflage des Verbundfahrplanprojekts 2011 aufgefordert.

Vom 15. bis 26. März liegen die ZVV-Akten in der Gemeinderatskanzlei auf. Kommmentare könnten innerhalb dieser Frist schriftlich eingereicht werden, heisst es in den MGW.

Nun denn. Hier ist der vom WeiachBlog.

Dessen Verfasser musste sich zwecks Konsultation nicht vom Bildschirm wegbegeben. Auf der entsprechenden Seite des ZVV kann man die fraglichen Dokumente nämlich auch online konsultieren.

Ergebnis aus Weiacher Sicht: Weder bei der von Thurbo betriebenen Bahnlinie S41 (Winterthur-Bülach-Zurzach-Koblenz-Waldshut), noch bei den Postautolinien 515 und 510 ändert sich etwas. Der Fahrplan 2011 ist der aktuell gültige.

Eine Nullrunde - und trotzdem Glück gehabt

Das ist eine gute Nachricht. Und es ist eine schlechte Nachricht. Je nach Standpunkt halt.

Denn die Begründung für den weitgehenden Verzicht auf Änderungen lautet: «Der Zürcher Verkehrsverbund ZVV muss im Hinblick auf die Sparmassnahmen der Regierung zur Sanierung des Finanzhaushaltes des Kantons Zürich (San10) auf den Grossteil der geplanten Angebotsausbauten für das Fahrplanjahr 2011 verzichten.»

Wenn man berücksichtigt, dass die Eidgenossenschaft mit ihrem Sparprogramm mehr als 10% (160 von 1300) aller mit Bundessubventionen gestützten Regionalverkehrslinien streichen will, dann haben wir ja noch einmal Glück gehabt.

Entweder fahren mehr als 100 Personen pro Tag von Weiach Richtung Bülach bzw. Flughafen. Oder der Kanton ist einfach kulanter.

Was die Gemeindeväter eigentlich wollten

Natürlich ist es auch eine schlechte Nachricht, denn für andere Gemeinden ist längst selbstverständlich, was der Weiacher Gemeinderat für den Fahrplan 2011/2012 fordert:

«Im Rahmen des Fahrplanprojektes 2011 / 2012 sind von Dritten zahlreiche Begehren eingereicht worden. Der Gemeinderat dankt allen Verfassern für die Bereitschaft die Meinung zu äussern. Der Gemeinderat unterstützt die Eingaben und hat der PostAuto Schweiz AG, Region Zürich, zusammenfassend folgende Anträge gestellt:

1. Einführung eines durchgehenden Halbstundentaktes der Linie 515 (Bülach - Kaiserstuhl) ohne Reduktion des Angebotes auf der Linie 510 (Stadel - Flughafen);

2. Als Alternative: Einführung eines neuen Rundkurses mit Kleinbus im Halbstundentakt Stadel - Weiach - Kaiserstuhl - Bachs - Stadel als Zubringer mit alternierenden Anschlüssen auf die Linien 510 / 515 in Stadel;

3. Verlängerung der Kurse, welche heute bis "Weiach-Gemeindehaus" verkehren bis "Weiach alter Bahnhof";

4. Prüfung einer Erweiterung der Linie 535 Stadel - Bachs - Dielsdorf via Weiach, da in Stadel eine Wartezeit von 15 Minuten besteht, die so sinnvoller genutzt werden kann;

5. Aufnahme der durch die Gemeinde individuell bestellten und mit jährlich rund CHF 44'000.- zusätzlich finanzierten Kurse in das Grundangebot des ZVV.

6. Angebot den neuen Halbstundentakt der Linie 515 mit den frei werdenden Mitteln aus der Aufnahme des individuellen Zusatzangebotes ins Grundangebot mitzufinanzieren.
» (MGW, Juli 2009, S. 3)

Angebot: Mittelprächtig

Solche Anliegen hatten es auch schon schwer, als noch kräftig ausgebaut wurde. Denn der ZVV schaut natürlich, wo die Bevölkerung und damit die Fahrgastzahlen wirklich zunehmen. Und es ist halt nicht Weiach, wo letztes Jahr statistisch gesehen jeden Werktag 50 Einwanderer aus Deutschland ihre Zelte neu aufgeschlagen haben - sondern die Stadt Zürich.

Damit bleibt die Gemeinde was sie ist. Eine periurbane Randerscheinung mit mittelprächtigem Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln.

Irgendetwas zwischen Stadt und Land - passend zur Architektur.

Weder Fisch noch Vogel.

Dienstag, 16. März 2010

Gasthof zum Sternen auf alter Ansichtskarte

Am vergangenen 22. Februar wurde im Artikel «Tessiner Gebirgsinfanterie in Weiach» bereits eine mit dem Feldpoststempel der Geb Mitr Kp IV/94 (Gebirgsmitrailleure) versehene Bildpostkarte aus Weiach vorgestellt. Gemäss dem Anbieter wurde sie 1941 nach Quinto abgeschickt.

Zufälligerweise ist nun bereits wieder eine mit Feldpoststempel derselben CP. MITR. MONT. IV/94 gelaufene Ansichtskarte mit Weiacher Motiv auf Ricardo im Angebot. Nach der handschriftlichen Notiz des Absenders wurde die Karte am 23. Oktober 1951 geschrieben (und wohl auch verschickt). «Gruss aus Weiach (Zch.) GASTHOF z. STERNEN», lautet die Aufschrift (zum Vergrössern anklicken):


Für den Adressaten Ernst Flükiger in Biel musste der Soldat die Lage seiner vorübergehenden Stationierung genauer erklären: «Weiach bei Schaffhausen». Auf der gleichen Seite kann man auch den Kartenverlag und die Fotonummer ablesen: «Edition Guggenheim & Co. Zürich Nr. 17065».

Keine Garage und keine Tankstelle mehr

Der Gasthof Sternen samt Saalanbau (im Bild rechts) sieht - bis auf den Anbau ganz rechts im Bild - immer noch fast gleich aus.

Er ist mittlerweile allerdings seit bald zwei Jahrzehnten kein Wirtshaus mehr, was man seit der jüngsten Fassaden-Renovation auch daran erkennt, dass der auf der Karte noch sichtbare Schriftzug nun endgültig verschwunden ist.

Die Anschrift «Garage» wurde schon längst entfernt und auch die links des Automobils sichtbare Zapfsäule ist dem Fortschritt zum Opfer gefallen. Seit 1957 befindet sich nämlich eine Autowerkstatt samt Tankstelle gleich vis-à-vis auf der anderen Seite der Hauptstrasse.

Abgebrochenes Waschhäuschen

Nach Auskunft der Familie Wagner, ehemalige Wirte zum Sternen, sei der rechts sichtbare Anbau das Waschhäuschen gewesen. Abgebrochen wurde es 1972, als der Kanton die grosse Verbreiterung der Hauptstrasse Nr. 7 anlegte. Der markante Baum links in der Gartenwirtschaft ist eine Kastanie.

Bei der Bodenplatte rechts im Vordergrund dürfte es sich um die Brückenwaage gehandelt haben, deren Ersatz heute beim Depot der Landwirtschaftlichen Genossenschaft steht.

Weitere Artikel

Montag, 15. März 2010

Verschuldungskrise im Unterland

Im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurde die ökonomische und soziale Lage im Zürcher Unterland zusehends prekärer.

Wie der von Caspar Scheuchzer verfassten «Abhandlung über den Zustand der Landwirthschaft, wie selbiger A° 1764 in den 13 Gemeinden der Herrschaft Regensberg beschaffen gewesen» zu entnehmen ist, belief sich der Gesamtwert aller Wiesen, Äcker und Reben in der Landvogtei Regensberg auf 1.3 bis 1.4 Millionen Gulden (fl.), wobei auf diesen Grundstücken «bis 800'000 fl. Schulden hafften». Und das war wohlverstanden nur eine Schätzung. In der benachbarten Obervogtei Neuamt, zu der Weiach gehörte, wird die Situation nicht wesentlich anders gewesen sein.

Auf diesen Schulden wurden natürlich entsprechende Zinssätze verlangt, was sich vor allem in den unteren Schichten verheerend auswirkte: «So wird der Schulden Last vor die kleinen Bauren und Thauner so gross, dass bey dem geringsten Misswachs (...) einen grossen Theil fast unmöglich fällt, die benöthigte Zins aufzubringen», schrieb Scheuchzer (zitiert nach Meier, S. 239). Mit anderen Worten: eine Missernte genügte und der Kleinbauer war zahlungsunfähig.

Hohe Landpreise

Grundbesitz war die ökonomische Hauptbasis der ländlichen Gesellschaft im Unterland - von Gewerbe und Heimarbeit allein konnte kaum einer überleben. Wegen zunehmender Bevölkerungszahl wurde das nicht vermehrbare Gut Boden dadurch immer knapper und teurer. Noch 1764 rechnete Scheuchzer mit Preisen von rund 80 Gulden auf die Jucharte (rund 3600 Quadratmeter, aber unterschiedlich gross je nach Kultur und Gegend).

Meist aber waren landwirtschaftliche Flächen weit teurer: Für ein Mannwerk Wiese (also das was man in einem Tag allein mähen konnte), was im 18. Jahrhundert einer Juchart entsprach, zahlte man selten unter 150 Gulden, für Rebland noch viel mehr.

Das waren für arme Leute unerschwingliche Preise - denn ein kleines Haus kostete auch ein paar hundert Gulden. Und 30 Gulden Jahreslohn waren für ländliche Handwerker schon ein ganz anständiger Verdienst.

Hungerkrise: Verkaufswelle von 1772 bis 1775

Da man mit dem Verlust des Grundbesitzes auch weitere Rechte im Dorf, z.B. auf Holz und Weide verlieren konnte, hielten die Leute eisern an ihrem Land fest und belasteten es auch über den Realwert hinaus, nur um es nicht verkaufen zu müssen:

«Aus den sogenannten Kauf-Gerichtsprotokollen der Gemeinde Weiach, die zur Gerichtsherrschaft Röteln gehörte, ist ersichtlich, wann und wieviel Land verkauft wurde und wann sogenannte "Einsatzungen", also Darlehen, gewährt wurden. In den von der grossen Hungerkrise eingeleiteten 70er Jahren registrierten die Protokolle 355 Landverkäufe im knapp über 100 Haushalte zählenden Dorf. Davon entfielen allein auf die Jahre 1772-1775 über 200 Verkäufe. Insgesamt wurden in diesem Jahrzehnt zwei- bis dreimal mehr Verkäufe getätigt als in den vorhergehenden. Umgekehrt aber wurden relativ wenige Darlehen gewährt, nämlich nur 34, was im Vergleich zu früheren Jahrzehnten eher wenig ist (in den 50er Jahren waren es immerhin noch 56 gewesen!). Die Geldgeber waren also nur bei entsprechend guten Aussichten bereit, Darlehen zu gewähren».

Trotzdem nahm die Bevölkerungszahl von 1759 bis 1790 nur unwesentlich ab: von 573 auf 530.

Quelle
  • Meier, Th.: Handwerk, Hauswerk, Heimarbeit: nichtagrarische Tätigkeiten und Erwerbsformen in einem traditionellen Ackerbaugebiet des 18. Jahrhunderts (Zürcher Unterland). Zürich, 1986 - S. 239-240.

Sonntag, 14. März 2010

Rauchgeschwärzte Balken

Wo rauchgeschwärzte Balken im Dachstock eines alten Hauses angetroffen werden, da hat es gebrannt.

Allerdings plangemäss und über Jahre hinweg. Die schwarze Farbe und das steinharte Holz sind nicht bei einer Brandkatastrophe entstanden, sondern durch eine Feuerstelle.

Das gilt auch für dieses architektonische Detail eines der beiden erhalten gebliebenen Gemeindewaschhäuschen in Weiach. Denn zum Waschen musste man früher kräftig anfeuern - wie sollte das Wasser sonst auch heiss genug werden.


Das Bild zeigt die Unteransicht des Daches des ehemaligen Waschhauses im Bühl, vis-à-vis von Pfarrhaus und Friedhof gelegen.

Samstag, 13. März 2010

Alter der Fahne oder Jahr der Vereinsgründung?

Wenn man auf einer Fahne eine Jahrzahl sieht, dann ist nicht auf Anhieb klar, wofür diese steht. Für das Gründungsjahr oder für das der Anschaffung des edlen Tuches, also für das Jahr der Fahnenweihe?

Diese Frage stellt sich auch bei der in den Weiacher Geschichte(n) Nr. 85 beschriebenen (und von Walter Zollinger erstmals erwähnten) Fahne des Gesangvereins Weiach.


Die Fahne mit der Jahrzahl 1860, die wahrscheinlich aus in Weiach hergestellter Seide gefertigt wurde, trägt einen sechsstrahligen, goldenen Stern im blauen Feld und ist heute Teil der Sammlung des Ortsmuseums.

Eine genaue Durchsicht der Gemeinderats- bzw. Gemeindeversammlungsprotokolle sowie weiterer Akten der Gemeindeverwaltung aus dieser Zeit könnte allenfalls eine Antwort auf die Titelfrage liefern.

Quellen
[Veröffentlicht am 14. März 2010, 23:15]

Freitag, 12. März 2010

Märzwetter 1960: Welche Bauernregel stimmt?

Kalt und gar mit zentimeterdickem Schneefall an einem Samstagmorgen. So hat der März dieses Jahr begonnen. Vor 50 Jahren gab es offenbar am 7./8. März auch so einen Wintereinbruch. Sogar mit Schnee.

Zu diesem Fazit kommt, wer die Aufzeichnungen des Weiacher Primarschullehrer Walter Zollinger für das Jahr 1960 liest:

«Ein paar alte "Bauernregeln" für den Monat März seien vorangestellt! Der geneigte Leser (nach Hebel natürlich) kann dann aus dem Nachfolgenden selber bestimmen, welche davon nun auf den heurigen Märzen zutrifft.

Märzenstaub
bringt Gras und Laub

März nicht zu trocken und nicht zu nass,
füllt den Bauern Kisten und Fass.

Ein feuchter März
ist der Bauern Schmerz.

Soviel Nebel im Märzen,
soviel Wetter im Sommer.

Trockener März, nasser April, kühler Mai
füllt Keller, Scheuren, bringt viel Heu.
»

Von den Bauernregeln zum Witterungsbericht

«Also: die ersten Tage recht regnerisch, sei's in der Nacht oder zu verschiedenen Tageszeiten. Auch der Westwind hilft mit, diese ersten Tage recht unfreundlich zu gestalten; die Temperaturen liegen an den Morgen zwischen +2 und +8°, nachmittags zwischen +5 und +10°.

Der 6.3. ist ein angenehmer Fastnachtsonntag mit sonnigem Nachmittag und ganz aufgehelltem Abend. Dafür bringen die nächsten 2 Tage dann wieder den Winter zurück; es schneit "ganz anständig", wie mein Notizheft meldet. Bis Mitte Monat folgen nun ein paar bessere Tage, meist Nebel oder Hochnebel am Vormittag, aber aufhellend, gar sonnig an den Nachmittagen und Abenden, wohl hie und da auch leichte Bewölkung zwischen hinein; meist Morgentemperaturen zwischen -2 und +2°, nachmittags dann immer wärmer, +5°, +9°, +10°, +14° gar einmal.

Die zweite Monatshälfte hatte nur noch zweimal Morgentemperaturen leicht unter 0° zu verzeichnen, an den Nachmittagen immer gleich ordentlich hohe, meist zwischen 10 und 15°C. Besonders warm für diese Zeit waren die Nachmittage des 25.3. (17°), des 26.3. (19°), des 27.3. (19°) und des 28.3. (20°); es waren wiederum Föhntage. Die Witterung vom 15. bis 29. März: vormittags fast immer Nebel oder Hochnebeldecke, nachmittags fast durchwegs sonnig und mild oder gar war. Einzig die letzten zwei brachten nochmals leichten Regenfall.
»

Man wird sehen, ob für 2010 eine der oben notierten Bauernregeln zutrifft. Am liebsten weder zu trocken noch zu nass. Eine gute Ernte ist ja nicht zu verachten.

Quelle
  • Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1960 - S. 3.
  • vgl. für die vollständige Sammlung: Zollinger, W.: Jahreschroniken Weiach 1952-1967. Originale: Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach [Jahrgang].

Donnerstag, 11. März 2010

Diener zweier Herren: Untervogt und Dorfmeier in Personalunion

«Der bischöfliche Hofrat zu Meersburg gestattet dem zum zürcherischen Untervogt gewählten Jakob Bersinger, das Dorfmeieramt beibehalten zu dürfen. Bersinger muss aber einen Revers ausstellen, "daß nach neü erlangtem vogtsdienst jhme die stelle eines hochfürstl. dorfmayers lediglich aus gnade und besonderm zutrauen beygelassen worden seye". (StAZH C II 6 Nr. 487.3).»

Dieses Regest zu einer am 11. März 1785 - also heute vor 225 Jahren - von der fürstbischöflichen Kanzlei in Meersburg ausgestellten Urkunde zeigt deren Reaktion auf einen Fall von «unfriendly takeover» einer Führungsfigur: Die Zürcher hatten Jakob Bersinger gewählt, obwohl er schon mit dem Fürstbischof von Konstanz in einem Dienstverhältnis als Dorfmeier stand.

Obschon eine solche Personalunion offenbar nicht vorgesehen war, behielt die fürstbischöfliche Verwaltung Bersinger im Amt - jedoch ausdrücklich «ohne Anerkennung einer Rechtspflicht» (wie man das heute wohl nennen würde).

Abgedruckt ist obige Passage im Apparat zur Urkunde Nr. 197 in den Rechtsquellen Neuamt, einem 1996 veröffentlichten Band der Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen (vgl. Quellenangabe unten).

Seilziehen um ein Mitglied der Dorfaristokratie

Im 18. Jahrhundert gehörte mindestens ein Familienzweig der Bersinger zur Dorfaristokratie. Er besass u.a. die Mühle im Oberdorf und nannte 1789 als einziger Weiacher Haushalt ein ganzes Gespann Zugtiere sein Eigen. Mit anderen Worten: das waren wohlhabende Leute - zumal verglichen mit den vielen armen Schluckern, die damals von Weiach aus versuchten, sich durchs Leben zu schlagen.

Diese dörfliche Führungschicht war geradezu dazu prädestiniert, zu Untervögten gewählt zu werden, also den lokalen Stellvertretern der Gnädigen Herren in Zürich. Und wie man im Falle der Bersinger beobachten kann, folgte auf den Vater manchmal gleich dessen Sohn. Fast schon wie richtige Dynastien.

Neben dem zürcherischen Untervogt (dem Obervogt des Neuamts unterstellt und Vertreter der hochgerichtlichen Obrigkeit) gab es zu Weyach auch noch den fürstbischöflich-konstanzischen Dorfmeier, der dem Obervogt von Kaiserstuhl rapportierte (als Vertreter der niedergerichtlichen Obrigkeit).

Zürich und der Fürstbischof: Kein einfaches Verhältnis

Nun konnte es natürlich vorkommen, dass die beiden in Weyach mit Herrschaftsrechten ausgestatteten Staaten, die Stadt Zürich und das Fürstbistum Konstanz, auf die gleiche Person setzten. Üblich war das aber keineswegs, wie man der Formulierung aus Meersburg entnehmen kann.

Denn der fürstbischöflichen Verwaltung war nur allzu klar, dass eine solche Personalunion zu gravierenden Loyalitätsproblemen führen könnte. Wenn man sich das schwierige Verhältnis der beiden Staaten vor Augen hält, wundert man sich tatsächlich, dass so etwas möglich war.

Was die Regelung von Angelegenheiten im Dorf Weiach anbelangte waren sich die beiden Zwangspartner nämlich oft nicht einig - ganz besonders dann nicht, wenn es ans Zahlen ging (vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 106).

Quellen

  • Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen. I. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons Zürich. Neue Folge. Zweiter Teil: Rechte der Landschaft; Erster Band: Das Neuamt; Aarau, 1996. (In den Mitteilungen für die Gemeinde Weiach veröffentlicht wurden die Nr. 176-180, 183-185, 189, 190, 196 und 197 - als Kopie und ohne weiteren Kommentar; Nr. 197: MGW, März 1998 - S. 16).
  • Brandenberger, U.: Disput um die Finanzierung der Kirchturmrenovation. Was die alte Kirche im Oberdorf einem Grossbrand zu verdanken hat. Weiacher Geschichte(n) 106. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, September 2008 – S. 12-15. (Gesamtausgabe S. 421ff)

Mittwoch, 10. März 2010

Rückschein an das Statthalteramt

Am 29. Juni 1939 hat ein (namentlich leider nicht bekannter Einwohner von Weiach) einen eingeschriebenen Brief erhalten und die Annahme desselben per Rückschein bestätigt.

Soweit der Lokalbezug zu diesem so genannten Rückschein, der aktuell auf Ricardo zur Auktion steht:


Wie ist das nun genau mit diesem Rückschein? Schon Meyers Konversationslexikon, Vierte Auflage von 1885-1892 erwähnte ihn in Bd. 14, S. 8:

«Rückschein, eine von dem Empfänger einer Einschreibsendung, einer Paketsendung ohne Wertangabe oder einer Postsendung mit Wertangabe auszustellende Empfangsbescheinigung, die der Absender erhält, wenn er die Bemerkung »Rückschein« (avis de réception) und seinen Namen in der Aufschrift mit angiebt. Sendungen gegen Rückschein müssen vom Absender frankiert sein; für die Beschaffung des Rückschein ist außer dem Porto eine Gebühr von 20 Pf. zu entrichten. Die Weigerung des Empfängers, den Rückschein zu vollziehen, gilt als Annahmeverweigerung der Postsendung. (S. auch Postwertzeichen, S. 323a.)»

Diese Art von Bestätigung gab es nicht nur bei der Deutschen Reichspost. Es gibt sie auch heute noch bei der Schweizerischen Post:

«Rückschein. Ein zusätzlicher Zustellnachweis

Beim Versand von eingeschriebenen Briefen mit Rückschein erhalten Sie eine schriftliche Bestätigung, wann und an wen die Sendung zugestellt wurde.

Bringen Sie den Vermerk «Rückschein» oberhalb der Adresse an und legen Sie einen ausgefüllten Rückschein bei. Rückscheinformulare erhalten Sie in jeder Poststelle. Der Rückschein wird Ihnen nach erfolgter Auslieferung (inkl. Zustellvermerk) per A-Post zugestellt. Die Zusatzleistungen «Eigenhändig» und «Rückschein» können auch kombiniert werden.
»

Dieses Zusatzleistungen zur Dienstleistung «Einschreiben (R)» lässt sich die Post mit Zuschlägen abgelten.

Wer einen bis 500g schweren Brief per Einschreiben (CHF 5.00), mit Rückschein (Zuschlag CHF 3.00) und Eigenhändige Auslieferung verlangt (Zuschlag CHF 6.00) zahlt also zusätzlich zum normalen Porto 14 Franken!

Und trotzdem kann der Empfänger wohl vor Gericht immer noch behaupten, das sich im Briefumschlag befindende Dokument sei gar nicht drin gewesen.

Dienstag, 9. März 2010

Emma Erb-Saller 98-jährig gestorben

Heute nachmittag um 14 Uhr wird auf dem Friedhof Weiach die am 28. Februar verstorbene Emma Erb-Saller beigesetzt.

Emma wurde am 14. Januar 1912 in Volken geboren. Wie ihr Ehemann Albert stammte sie aus einer Bauernfamilie im Zürcher Weinland. Die beiden heirateten 1936 und zogen mitten im Zweiten Weltkrieg nach Weiach, wo Albert seinen Wagner- und Schreiner-Gewerbebetrieb aufbaute.

Am Anfang lief es kriegsbedingt besonders harzig, da die Männer regelmässig in den Militärdienst mussten. Da war es ein Glücksfall, dass Emma ab 1942 noch etwas Landwirtschaft treiben konnte.

Ein arbeitsreiches Leben

Einfach hatte es die Familie aber auch danach nie, wie man schon dem Lebenslauf ihres 2001 verstorbenen Mannes entnehmen kann: «Ferien konnte man sich dazumal sowieso nicht leisten [...]. So arbeitete er 6 Tage in der Werkstatt oder auf dem Felde, galt es doch noch dazu 3 Kühe und Feldarbeit zu besorgen. Am Sonntag wurde dann das Büro gemacht, mit Buchhaltung und Rechnungen schreiben». Ohne eine tatkräftige Ehefrau wäre das alles nicht möglich gewesen. «Mädchen für alles», nannte Emma sich 1986 bescheiden.

Das die Todesanzeige einleitende Gedicht passt deshalb gut zu Emma Erb. Es lautet:

«Wenn meine Kräfte mich verlassen,
die Hände ruhn, die stets geschafft,
trägt still das Leid, ihr meine Lieben,
gönnt mir die ewige Ruh.
»

Langjährige Sigristen

Auch der Ort der Bestattung passt zu Emma und Albert, denn die beiden waren über viele Jahre hinweg als Sigristen der Weiacher Kirche tätig. Zu ihren Aufgaben gehörte auch das Läuten der Glocken - eine Aufgabe die bis 1957 von Hand erledigt werden musste. Als diese Aufgabe einem elektrischen Antrieb übergeben wurde, zeigte sich die Kirchgemeinde knauserig: «So, jetzt gits weniger Lohn», habe der Kirchenpflegepräsident zu Emma und Albert gesagt.

Bleibt zu hoffen, dass man Emma seitens der Kirchenpflege wenigstens heute das ihr gebührende Andenken gewährt.

Quellen

Montag, 8. März 2010

Überraschungsfreier Abschluss der Gemeindewahlen

Nicht einmal drei Stunden brauchte der Tages-Anzeiger gestern von der Bekanntgabe der Resultate des zweiten Wahlgangs der Ausmarchung um das Gemeindepräsidium (um Mittag) bis zur Publikation auf Newsnetz/Tages Anzeiger (14:44 Uhr).

Markus Rohr schrieb einen Kurzbeitrag mit dem Titel «Paul Willi neuer Gemeindepräsident von Weiach»:

«Eigentlich hatte Paul Willi aus beruflichen Gründen aus dem Gemeinderat zurücktreten wollen. Erst kurz vor dem Urnengang vom 31. Januar hatte er es sich anders überlegt, ist dann aber nicht gewählt worden. Daraufhin verzichtete die neu in den Gemeinderat gewählte Elsbeth Zijören zugunsten von Paul Willi und der Kontinuität in der Exekutive auf ihr Amt.

Nunmehr ist Paul Willi im zweiten Wahlgang mit 186 Stimmen in den Gemeinderat und obendrauf mit 172 Stimmen auch ins Präsidium gewählt worden. Die Wahlbeteiligung betrug 37 Prozent.
»

Zijören? Wenn Namen Glückssache sind

Enttäuschend, dass ein Profi-Journalist den Namen der Zurückgetretenen völlig falsch schreibt - korrekt wäre: Ziörjen. So wird man der (beinahe) ersten Frau im Weiacher Gemeinderat nicht gerecht.

Das Resultat an sich entspricht allerdings den Erwartungen, denn neben Paul Willi gab es keinen weiteren offiziellen Kandidaten mehr. Wenn man die Rechtspraxis des kantonalen Gemeindeamts zugrunde legt, dann wäre Willi allerdings gar nicht wählbar gewesen. Denn ein Rücktrittsgrund wie oben erwähnt und von der Zurückgetretenen auch offiziell angegeben, würde einer juristischen Überprüfung kaum standhalten (vgl. den Artikel Erste Gemeinderätin aus Amt gedrängt?)

Unbeschadet dieses Rücktritts, der im Graubereich des Gesetzes über die politischen Rechte liegt, entspricht er aber offensichtlich dem Volkswillen, denn Paul Willi schlägt mit 186 Stimmen sogar das Resultat von Ernst Eberle im ersten Wahlgang (184 Stimmen). Nur bei der Ausmarchung um das Gemeindepräsidium entschieden sich 14 Stimmberechtigte für einen anderen Kandidaten.

Wahltelegram des zweiten Wahlgangs

Heute Montag, 8. März sind die üblichen Kurzberichte im Tages-Anzeiger Unterland zu finden (alle verfasst von Sandra Zrinski):

«Gemeindepräsident. Die Weiacher haben im zweiten Wahlgang den bisherigen Gemeinderat Paul Willi in seinem Amt bestätigt. Zudem wurde er auch zum Präsidenten gewählt. Ursprünglich wollte er keine weitere Amtsperiode mehr anhängen. Die Wahlbeteiligung betrug 37 Prozent.» (TA Unt, 8. März 2010, S. 20)

(vgl. die Kommentare oben)

«Primarschule. Bei einem absoluten Mehr von 99 Stimmen wurden folgende Personen in die Schulpflege gewählt: Ronald Meier (bisher, 201 Stimmen), Marianne Kunz (bisher, 199), Maja Bütler (bisher, 189) und Brigitte Baumgartner-Klose (neu, 175). Als neues Schulpflegemitglied und als Präsident wurde Marco Lobsiger gewählt. Er hat für das Präsidium das absolute Mehr von 98 Stimmen mit 177 Stimmen klar übertroffen. Die Wahlbeteiligung betrug 34 Prozent.» (TA Unt, 8. März 2010, S. 20)

Hier gab es keine Überraschung. Was nicht verwundert, denn die Anzahl Sitze entsprach der Anzahl Kandidaten. Besonders erfreulich ist das klare Resultat von Lobsiger, dem man dank ziviler und militärischer Führungserfahrung den nicht immer einfachen Job offensichtlich zutraut (vgl. dazu WeiachBlog, 3. April 2006: Denkzettel für den Primarschulpräsidenten).

«Oberstufe. Die bisherige Schulpflegerin Daniela Huber (Stadel) übernimmt das Präsidium der Oberstufenschulpflege. Gewählt wurden zudem Elsbeth Meierhofer (Weiach, bisher, 903 Stimmen), Daniel Haab (Neerach, neu, 813), Hans-Jörg Kast (Neerach, neu, 716) und Regula Meierhofer (Bachs, neu, 715). Das absolute Mehr von 442 verfehlt hat Delia Brasi (Neerach, neu, 344). Alle Gewählten sind parteilos. Die Wahlbeteiligung lag bei 27 Prozent.» (TA Unt, 8. März 2010, S. 20)

Aus Weiacher Sicht ist das gute Resultat von Elsbeth Meierhofer-Marthaler besonders erfreulich. Interessant ist die Wirkung, welche zwei farbige Flyer im Format A5 entfaltet haben. Die Wahlempfehlung der FDP Stadel-Neerach-Weiach-Bachs mit dem nun gewählten, querbeet offiziell parteilosen Fünfer-Ticket nach bewährter Zauberformel (1 Stadlerin, 2 Neeracher, 1 Weiacherin, 1 Bachserin) setzte sich klar gegen das Einzelflugblatt von Delia Brasi durch.

WeiachBlog-Artikel zum Thema Gemeindewahlen 2010

Sonntag, 7. März 2010

Abstimmungsverhalten weder ländlich noch städtisch

Die Überraschung über die Weiacher Resultate hielt sich am heutigen Abstimmungswochenende in Grenzen (zu den Vorlagen vgl. das Abstimmungsbüchlein des Bundes).

«Nur» rund 65% Ja-Stimmen (64.97) gab es zum «Bundesbeschluss zu einem Verfassungsartikel über die Forschung am Menschen». Ähnlich skeptisch waren gegenüber dieser Forschungsvorlage nur noch Gemeinden im Weinland und an der Ostgrenze des Kantons zum Thurgauer Tannzapfenland und im Tössbergland, dem Zürcher Oberländer «Bible Belt». Sonst erreichten die Ja-Mehrheiten teilweise über 80% - wie z.B. an der Goldküste.

Wuchtige Nein zu Tieranwalt und Umwandlungssatz

Immerhin 36.23% Ja-Stimmen wurden für die «Tierschutzanwalt-Initiative» abgegeben. Damit fiel die Weiacher Reaktion nicht ganz so ablehnend aus wie sonst in noch ländlich(er)en Gemeinden.

Noch schlechter kam nur noch die Anpassung des Mindestumwandlungssatzes bei der Beruflichen Vorsorge an. Über drei Viertel der Abstimmenden wollten davon nichts wissen. Nur 24.02% legten ein Ja zu dieser Pensionskassen-Vorlage in die Urne.

Damit ist Weiach für einmal in bester Gesellschaft mit vielen anderen Gemeinwesen quer durch die Schweiz. Genau das also, was man von einer periurbanen Wohngemeinde erwartet, die immer mehr von städtischem Gedankengut geprägt ist - ihren Konservativismus aber noch nicht vergessen hat.

[Veröffentlicht am 8. März 2010, 17:00]

Samstag, 6. März 2010

Der letzte stationierte Kantonspolizist

Zwischen 1911 und 1985 war in Weiach ein Polizeisoldat stationiert. 1985 wurde der Posten Weiach geschlossen und nach Stadel verlegt.

Das nachfolgende Interview mit René Rüegg, dem letzten in Weiach stationierten Kantonspolizisten, wurde von Regula Brandenberger im Februar 1984 geführt und in den Mitteilungen für die Gemeinde Weiach vom März 1984 in der Reihe «Unter uns...» abgedruckt.

«René Rüegg
Kantonspolizist, Weiach


R.B. - Herr Rüegg, Sie sind der Amtsnachfolger von Herrn Schuhmacher. Seit wann sind Sie nun in Weiach?

R.R. - Am 1. April 1984 sind es vier Jahre; ich habe also bereits die Hälfte meiner Stationszeit erreicht.

R.B. - Sie sind Kantonspolizist, also vom Kanton angestellt; Staatsbeamter wie Pfarrer und Lehrer. Wie heisst aber Ihre genaue Gradbezeichnung?

R.R. - Ich bin stationierter Kantonspolizist im Rang eines Detektiv-Korporals; ich gehöre also zur Gattung der nichtuniformierten Polizeibeamten.

R.B. - Was gehört geografisch alles zu Ihrem Einzugsgebiet oder Betreuungsbereich?

R.R. - Das Gebiet umfasst die Gemeinden Bachs, Neerach, Stadel und Weiach mit ca. 4000 Einwohnern. Meine Aufgaben sind in erster Linie kriminalpolizeilicher Art, in zweiter Linie gemeindepolizeilicher Art. Der Standort des Postens ist für das Einzugsgebiet an sich etwas unglücklich; regionale Ueberlegungen waren aber bei der Standortwahl ausschlaggebend: Weiach hat, bis weit hinauf in andern Bezirken, den einzigen Posten direkt an der Grenze.

R.B. - Wie steht es mit Ihrem Lohn? Und mit dem Haus, das Sie bewohnen?

R.R. - Den Lohn erhalte ich vom Kanton, dazu von den Gemeinden Entschädigungen für die Nebenaufgaben. - Das Haus mit Dienstwohnung und Posten gehört der Kant. Liegenschaftenverwaltung; wir bezahlen aber Mietzins, so selbstverständlich wie andere auch.

R.B. - Welche Ausbildung, welche Voraussetzungen braucht es, um Polizeibeamter zu werden?

R.R. - Voraussetzungen, um zu einer Aufnahmeprüfung zugelassen zu werden sind:
  • Schweizerbürger, im Alter zwischen 20 und 30 Jahre
  • abgeschlossene Berufslehre
  • bestandene Militärrekrutenschule
  • guter Leumund
  • charakterliche und körperliche Voraussetzungen
Das Polizeikommando behält sich aber nach der Prüfung die endgültige Auswahl vor. - Ich selbst absolvierte die Polizeirekrutenschule nach abgeschlossenem eidg. Diplom als Förster; dann folgten zwei Jahre Bereitschaftsdienst, anschliessend drei weitere Jahre als Sekretär bei einem Untersuchungrichter.

Von dort weg standen zwei Wege offen: als uniformierter Verkehrspolizist, oder als Kriminalbeamter. Ich habe letzteres vorgezogen.

>R.B. - Wie wird denn ein solcher Posten besetzt? Werden Sie einfach abgeordnet, oder haben Sie auch etwas dazu zu sagen?

R.R. - Man kann sich bewerben um freie Stellen, die im internen Mitteilungsblatt ausgeschrieben sind; das Polizeikommando (Personaldienst) prüft die Bewerbungen und entscheidet gemäss Qualifikationen.

R.B. - Wie steht es mit Ihren Dienstzeiten?

R.R. - Ich bin gleichzeitig in zwei Organisationen eingeteilt:
a) Vorrangig: bezirksinterne, feste Dienstliste,
b) nach Bedarf: kantonale, sicherheitspolizeiliche Dienstliste.
Bei kantonalen Problemen (Katastrophen, Demonstrationen, Be- und Ueberwachungsaufgaben) gehen die Aufgebote des Polizeikommandos vor, sofern die Bereitschaft im Bezirk gewährleistet ist.

Zu a) (bezirksinterne Dienstliste) ein Beispiel:
Mo, Di: normaler Bürodienst: 07.30-12.00, 14.00 - 18.00
Mi: Frühdienst 04.00 - 12.00
Do, Fr: normaler Bürodienst: 07.30-12.00, 14.00 - 18.00
Sa/So: Tag u. Nachtdienst 06.00 durchgehend - 06.00
davon nachts mind. 4 h auf Patrouille. Dazwischen kann man ev. schlafen, wenn nichts los ist...
So/Mo: Pikettdienst 06.00 - 06.00
In der anschl. Woche dann zwei Freitage. Pro Monat in der Regel ein Dienstwochenende.

R.B. - Es kommt vor, dass während Ihrer "normalen" Bürozeit ein Anruf umgeleitet wird nach Zürich. Weshalb?

R.R. - Da ich Einzelstationierter bin, muss je nach den eingehenden Meldungen ich natürlich ausrücken. Für dringende Fälle bin ich aber immer über Tel. 117, und von dort via Funk erreichbar.

R.B. - Das wären sozusagen Ihre "normalen" Arbeitsgebiete, Aufgabenkreise. Dazu kommen noch vielfältige Sonderaufgaben, beispielsweise im Zusammenhang mit der Seuchenpolizei: Thema Tollwut.

R.R. - Im Rahmen der grossangelegten Tollwut-Impfaktion (präparierte Hühnerköpfe für die Füchse) benötigte man viele tollwutgeimpfte Personen; von den 16 Polizisten im Bezirk war ich der einzige, der geimpft war und somit eingezogen wurde.

R.B. - Wie steht es mit Beförderungen? Mit Weiterbildungsmöglichkeiten?

R.R. - Beförderungen: Sie erfolgen nach einem genauen Schema. Ausschlaggebend ist das Dienstalter, wobei man innert einer Anzahl Jahren befördert werden kann. Bei guter Qualifikation wird man in den ersten Jahren befördert, bei schlechten Leistungen erst gegen Ende der Laufzeit.

Aufstiegsmöglichkeiten bestehen, wenn man sich (zur nötigen Diensterfahrung) noch in internen und öffentlichen Kursen das zusätzliche Wissen aneignet. Für Einzelstationierte auf Aussenposten ist dies aber sozusagen unmöglich, da die Dienstzeiten unweigerlich kollidieren müssen mit landläufigen Kurszeiten.

R.B. - In Gesprächen geschieht es ab und zu, dass Grenzwache, Zoll, Militär und Polizei in einem Atemzug genannt werden. Besteht hier ein Zusammenhang?

R.R. - Nein, ein direkter Zusammenhang besteht nicht. Alle Zoll- und Grenzbeamten sind Angestellte des Bundes; sie werden auch vom Bund ausgebildet. Gegenseitig wird nur Amts- und Rechtshilfe geleistet. Zudem: 10% der Mannschaft im Auszug muss für die HePo
[Heerespolizei] zur Verfügung stehen.

R.B. - Wie steht es mit Ihrer Freizeit, mit den Ferien?

R.R. - Da der Wohnort zugleich der Arbeitsort ist, bin ich eigentlich immer erreichbar; auch meine Frau muss oft zur Verfügung stehen als Bindeglied zwischen der Bevölkerung, dem einzelnen Bürger und mir: Auf Aussenposten bleibt also für die Freizeit viel weniger Spielraum als in der Stadt. Wir haben unsere 4 Wochen Ferien, dazu einige Ruhetage als Kompensation für Ueberzeit. Umd die freien Tage richtig geniessen zu können, fahren wir deshalb vielfach weg.

R.B. - Dass die Grenzen in Bezug auf abendliche Freizeitgestaltung relativ eng gesetzt sind, ist aus den bisherigen Antworten klar ersichtlich. Wie steht es denn mit der Uebernahme von zusätzlichen Aemtern, von Behördentätigkeit?

R.R. - Sofern es den Dienstbetrieb nicht berührt, wird es begrüsst und gestattet, ist aber von einer Bewilligung abhängig. Auch wenn die Ehefrau sich einem Nebenverdienst widmen will, braucht sie dazu eine Bewilligung vom Polizeikommando.

R.B. - Von Amtes wegen sind Sie gezwungen, sich ständig mit Negativem zu befassen. Ist das nicht sehr belastend?

R.R. - Sicher! Aber das gehört eben zum Beruf, zu unseren Pflichten. Das macht aber auch die Arbeit spannend und interessant, diese ständige Ungewissheit dessen, was auf uns zukommt.

R.B. - Es scheint, dass bei Ihrem Beruf die negativen Seiten überwiegen und ein nicht sonderlich attraktives Bild hinterlassen:
- strenge, straffe, militärische Organisation
- wenig, und "schwierige" Freizeit
- ständige Beschäftigung mit Negativem
- Stationswechselzwang: Problem des Verwurzelns
Was zählt denn noch zu den positiven Seiten?

R.R. - Erstens, wie schon erwähnt: keine Gefahr der Routine, das ständige Leben in Ungewissheit. Dazu (allerdings selbstverständlich im Rahmen der Gesetze und Dienstvorschriften) die relativ selbständige Arbeit, der persönliche Ermessensspielraum. Zweitens ergeben sich oft aus primär negativen Vorfällen später positive Beziehungen.

R.B. - Nun noch eine Frage an Ihre Frau! Was empfinden Sie, Frau Rüegg, als besonders belastend am Beruf Ihres Mannes?

A.R. - Sicher einmal die lange Dienstzeit; anstatt 44 Std / Woche können daraus ohne weiteres 60-70 Std werden! Unter Umständen kann zur Belastung werden, dass der Posten in der eigenen Wohnung ist. Ferner sind Stress-Situationen wie die Zürcher Demonstrationen auch für die Familie ein Stress (-- 8 Wochenenden hintereinander!) Die grösste Belastung, aber auch die wichtigste Aufgabe für die Polizisten-Ehefrau ist der gelobte Amtseid, die Schweigepflicht des Gatten: er darf nichts sagen, muss sozusagen alles selber verarbeiten und sie soll ihm dabei helfen, ihn unterstützen.

R.B. - Herr Rüegg, welches Ziel sehen Sie für sich in der nächsten Zukunft?

R.R. - Meinen Beruf nach bestem Wissen und Gewissen zu erfüllen, weiterhin einen guten Kontakt zu pflegen mit der Bevölkerung und in der Dorfgemeinschaft mitzumachen, soweit es der Dienst erlaubt.

Anschliessend noch einige Auszüge aus der Statistik 1981:
Verhaftungen 25
Anzeigen gegen Leib u. Leben 2
Anzeigen gegen das Vermögen 86
Meldungen für Verwaltungen 188
Verzeigungen 134
Leumunds-/Führungsberichte 60
Verwaltungs/Gerichtspol. Aufträge 285
Nachtdienste 43
Verkehrsunfälle 43

Weiach, 21. Februar 1984
R. Brandenberger
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Quelle

  • Brandenberger, R.: Unter uns... René Rüegg, Kantonspolizist, Weiach. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, März 1984 – S. 28-31.

Freitag, 5. März 2010

Unter uns... Dörfliche Amtsträger im Interview

Heute vor 70 Jahren wurde die ehemalige Weiacherin Regula Brandenberger in Zürich geboren. Leider lebt sie mittlerweile mit hochgradiger Demenz im Pflegeheim im Rotacher, Dietlikon.

In der Stadt Zürich aufgewachsen, kam sie nach Lehrerstellen in Henggart, auf der Stralegg (Gemeinde Fischenthal) und weiteren Orten über Embrach und Kloten nach Eglisau. 1975 zog sie mit ihrem Mann und den zwei Kindern nach Weiach.

Aktive Beteiligung

Dort beteiligte sie sich aktiv am Leben im Dorf. Sie war unter anderem langjähriges Mitglied der evangelisch-reformierten Kirchenpflege, des Frauenvereins und der Ortsmuseumskommission. Später wurde sie Mitglied der reformierten Kirchensynode, dem Kantonsparlament der Zürcher Kirche.

1983/84 betätigte sie sich auch einmal journalistisch und zwar für die 1982 gegründeten «Mitteilungen für die Gemeinde Weiach» in der sie fünf Interviews mit dem Serientitel «Unter uns...» veröffentlichte. Befragt wurden Personen des öffentlichen Interesses mit Lokalbezug. So der damalige Gemeindepräsident, dessen Vorgänger im Amt, der Pfarrer, die Hauspflegerin und der in Weiach stationierte Kantonspolizist.

In den nächsten Tagen wird das eine oder andere Interview im Volltext auf WeiachBlog online gestellt. Denn sie erinnern nicht nur an Regula, sondern geben auch Einblick in die Zeit vor etwas mehr als 25 Jahren.

Literatur

  • Brandenberger, R.: Unter uns... Mauro Lenisa, Gemeindepräsident. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Juni 1983 – S. 29-32.
  • Brandenberger, R.: Unter uns... Ernst Baumgartner-Brennwald, alt Gemeindepräsident. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, August 1983 – S. 9-12.
  • Brandenberger, R.: Unter uns... Pfarrer Thomas Koelliker. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, September 1983 – S. 16-19.
  • Brandenberger, R.: Unter uns... Hauspflege. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, November 1983 – S. 19-20.
  • Brandenberger, R.: Unter uns... René Rüegg, Kantonspolizist, Weiach. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, März 1984 – S. 28-31.

Donnerstag, 4. März 2010

Wieviel Öl wächst im Gemeindewald pro Jahr?

Bekanntlich ist Weiach kein Öl-Scheichtum - und Gas hat man vor ein paar Jahren leider auch nicht in ausbeutungswürdiger Form gefunden (vgl. WeiachBlog, 26. Dezember 2005).

Trotzdem haben wir unsere Ölquelle sozusagen vor der Haustüre. Denn fast die Hälfte der Fläche unserer Gemeinde (49.1%) ist mit Wald bestockt. Also rund 4.7 Quadratkilometer oder umgerechnet 473 Hektaren.

Die Gemeinde als grösster Waldbesitzer

Die grössten Einzelparzellen gehören der politischen Gemeinde Weiach. Wenn man sie auf dem über Internet verfügbaren GIS des Kantons (gis.zh.ch) vermisst, dann kommt man auf folgende Flächen:

Hardwald nördlich der Bahnlinie: 33.8 ha
Hardwald südlich der Bahnlinie: 9.5 ha
Sanzenbergwald: 82.5 ha

Der Wald an der Fürstenhalde (früher im Besitz des Fürstbischofs von Konstanz) ist da noch gar nicht eingerechnet.

Jahreszuwachs in Festmetern

Wir nehmen für die obgenannten drei Parzellen nun einen durchschnittlichen Jahreszuwachs pro Hektare von rund 10 Kubikmetern Holz an (variierte von 1995 bis 2006 in der Schweiz zwischen 4.9 m3/ha auf der Alpensüdseite und 12.6 m3/ha im Mittelland; vgl. Seite Holzzuwachs des Bundesamts für Umwelt BAFU).

Weiter gehen wir davon aus, dass 1 Festmeter (ein Kubikmeter grosser Holzwürfel) etwa 1.4 Raummeter ergibt (auch als Ster bezeichnet), denn Holz für's Cheminée wird in Spälten zu Holzbeigen aufgeschichtet und in dieser Form verkauft oder versteigert.

Der Jahreszuwachs beträgt somit rund 14 Ster pro Hektare Wald. Würde man dies nun alles zu Brennholz verarbeiten, so ergäben sich ungefähr 1750 Ster Holz. Umgesetzt in eine zwei Meter hohe Holzbeige mit 1 Meter langen Spälten wäre diese 875 m lang.

Brennwert vs. Heizwert

Ein Ster Holz hat einen Heizwert, der rund 10% unter dem Brennwert liegt und je nach Holzart zwischen 100 und 200 Litern Heizöl entspricht. Nehmen wir auch da ein Mittel von 150 Litern pro Ster an (Tanne 125, Fichte 130, Buche 180; vgl. diese Seite über Holz-Brennwerte). Dieser Mittelwert wird bei der durchschnittlichen Zusammensetzung des Zürcher Waldes (41% Rottanne, 21% Buche, 12% Weisstanne, 7% Föhre, 6% Esche) ziemlich genau erreicht (vgl. Faltblatt "Unser Wald").

Umrechnung von Raummeter Holz in Heizöl-Äquivalente

Eine Verrechnung der jährlich nachwachsenden Ster mit diesem durchschnittlichen Heizwert ergibt rund 265'000 Liter Heizöl, allein von den 3 grossen Gemeindeparzellen. Umgerechnet auf die gesamte Waldfläche (ungeachtet der Eigentumsverhältnisse) ergäbe das rund 1 Million Liter Heizöl!

Angenommen ein Einwohner der Gemeinde verbrauche jährlich rund 500 Liter Heizöl zum Heizen (man geht etwa von 1500-2000 Litern für einen Vierpersonenhaushalt in einem durchschnittlich isolierten Einfamilienhaus aus), so würde die Hälfte unseres Jahreszuwachses für's Heizen eingesetzt werden müssen. Bauholz gäbe es also auch noch genügend.

Frühere Artikel

Mittwoch, 3. März 2010

Neeracher gefährden Zauberformel der Oberstufe

«Zauberformel der Schulpflege könnte geknackt werden». Diese Überschrift eines Tages-Anzeiger-Artikels von Sandra Zrinski müsste jeden Weiacher aufschrecken. Denn was am nächsten Wochenende droht ist, dass wir in der Schulpflege nicht mehr vertreten sind.

Wie kommt das? Der Grund ist einfach: «Gleich drei Neeracher wollen in die Sek-Schulpflege». Gemäss den ungeschriebenen Regeln der Oberstufenschulgemeinde stellt jede Gemeinde je ein Mitglied - ausser Neerach, dem aufgrund der Bevölkerungszahl zwei Sitze «gehören». Dass nun drei statt zwei Neeracher zur Wahl antreten stört dieses Gleichgewicht.

Bachserin mit Weiacher Hintergrund

Zrinski weiter: «Von den Bisherigen treten lediglich Elsbeth Meierhofer aus Weiach und Daniela Huber aus Stadel nochmals an. Huber kandidiert auch für das Präsidium. Neu ins Rennen steigt die Bachserin Regula Meierhofer, welche früher 13 Jahre in Weiach wohnte, aber nicht etwa mit Elsbeth Meierhofer verwandt ist. Regula Meierhofer ist Mutter von zwei Kindern und in einem Teilzeitpensum als Assistentin einer Geschäftsleitung tätig. Sie hat an einem früheren Wohnort im Aargau auf Freiwilligenbasis in einer Jugendherberge mitgearbeitet. «Bereits dort habe ich gemerkt, dass ich einen guten Draht zu Jugendlichen habe. Zudem war dieses Engagement sehr interessant», sagt Meierhofer. Sie betrachtet Bildung als eine wichtige Ressource. «Damit diese gefördert werden kann, muss vieles zusammenstimmen. Dafür möchte ich als Schulpflegerin sorgen.»».

Wählt keine Neeracher!

Aus Weiacher Sicht ist deshalb klar, dass wir unsere Kandidatin, Elsbeth Meierhofer (bisher), sowie diejenigen von Stadel und Bachs mit möglichst vielen Stimmen unterstützen müssen. Sie laufen sonst Gefahr, von einem der neu antretenden Neeracher Kandidaten aus dem Amt gedrängt zu werden. Und weil wir nicht wissen, wer in Neerach wie viele Stimmen erhält, sollte man in Bachs, Stadel, Schüpfheim, Raat, Windlach und Weiach überhaupt keine Neeracher Namen auf den Wahlzettel schreiben.

Natürlich kann man argumentieren, es sei ja wohl egal, ob nun 2, 3 oder gar 5 Neeracher die Mitglieder der fünfköpfigen Oberstufenschulpflege stellen. Rein fachlich kann das ja zutreffen. Die Verankerung in den Gemeinden ist aber mindestens so wichtig.

Für Weiach, Bachs oder Stadel wäre es ein weiterer Verlust an Bürgernähe, wenn wir kein in der Gemeinde wohnendes Mitglied der Oberstufenschulpflege mehr hätten.

Mindestens ein Behördenmitglied sollte in der Gemeinde wohnen

Für die Zukunft ist deshalb anzustreben, dass pro Gemeinde ein Wahlkreis eingeführt wird. Weiter soll diesen Wahlkreisen eine fixe Anzahl Sitze nach der bisher ungeschriebenen Zauberformel zugeteilt werden. Alles andere gefährdet das Gleichgewicht.

Quelle

Dienstag, 2. März 2010

Bäckerei und Handlung Stüssi

«Wer weiss mehr?», habe ich am 22. Februar in einem Artikel zu dieser Postkarte gefragt:


Unklar war vor allem, was es mit dem auf der Karte oben rechts abgebildeten Gebäude auf sich hat. «engel613», ein(e) Ricardo-Verkäufer(in) von Rorschacherberg im Kanton St. Gallen, hat mir gestern mit einem Kaufangebot den entscheidenden Tipp geliefert.

Im Verlage der Bäckerei

Und zwar für diese ungelaufene Postkarte, ebenfalls mit einem «Gruss aus Weiach» (zum Vergrössern anklicken):


Darauf sind die abgebildeten Häuser genau bezeichnet: oben die «Bäckerei und Handlung Stüssi» und unten die «Wirtschaft z. Post». Womit wir der Lösung einen gewaltigen Sprung näher kommen.

Die beiden Bilder zeigen dasselbe Gebäude, einmal im Winter (obere Postkarte, mit davor stehender Personengruppe), einmal im Sommer (untere Postkarte, mit Personen auf dem Bänkli). Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass beide Karten aus dem «Verlag von Stüssi Handlung» stammen, wie dies auf der unteren Karte vermerkt ist. Letztere ist ja schon eine Art versteckte Werbepostkarte.

Das war vielleicht auch nötig, denn damals gab es noch lokale Konkurrenz. In der Monographie «Weiach - Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes» wird erwähnt, dass «in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg gar drei Bäckereien vorhanden waren (Funk, Griesser, Stüssi)» (4. Auflage Online-Ausgabe Dezember 2009, S. 61).

Das Haus gibt es heute nicht mehr

Die Bäckerei Griesser war im Büel an der Luppenstrasse zu finden, die Bäckerei Funk in der alten Mühle im Oberdorf. Fragt sich nur noch, wo sich damals die Bäckerei Stüssi befand.

WeiachBlog hat bei Hanni Rutschmann (Alte Post-Strasse) und Paul Willi senior (Büechlihaustrasse) nachgefragt und Folgendes erfahren:

Das abgebildete Gebäude, in dem die Bäckerei und Handlung Stüssi einst tätig war, beherbergte später den Laden von Frau Glutz, der von der heuer 99-jährigen Mina Moser immer wieder erwähnt wird. Das Haus gibt es allerdings heute nicht mehr.

Es wurde in den 70er-Jahren abgerissen. An seiner Stelle steht gemäss Gebäudenummernkonkordanz seit 1979 das Mehrfamilienhaus Bergstrasse 8 von Erna und Robert Siegenthaler-Balsiger.

Quellen
  • Tessiner Gebirgsinfanterie in Weiach. In: WeiachBlog, 22. Februar 2010 (Nr. 774)
  • Gebäudenummernkonkordanz der Gemeinde Weiach: 1812–1895–1955–1992. Elektronisches Spreadsheet, Version 1.0. Weiach, September 2002.

Montag, 1. März 2010

Als Kleriker noch Leibeigene tauschten

Heute am 1. März vor genau 600 Jahren wurde auf Pergament eine Transaktion zwischen zwei regionalen Kirchenfürsten besiegelt, die heute mehr oder weniger unter das Kapitel Sklaverei fallen würde.

Der auf die entsprechende Urkunde bezugnehmende Eintrag Nr. 5597 im Band 4 der Urkundenregesten des Staatsarchivs des Kantons Zürich lautet wie folgt:

«5597 St. Blasien 1. März 1410

Johans, Abt von St. Blesÿ, verurkundet, dass er mit dem Bischof Albrecht von Costentz seine Leibeigene Mechthild von Wyach, Frau des Heintz Meigers, mit ihren Kindern gegen Gret …erin (Name unlesbar), Frau des Clewi Kesslers von Rekon
[Rekingen AG], mit ihren Kindern tauscht.

Der Abt siegelt.

StAZ C V 6 Schachtel 2.32. Original, Pergament. Vom Siegel nur noch Schlitz vorhanden.
» [Nachtrag vom 20.7.2016. Neue Signatur des Originals: StAZH C V 6.2, Nr. 32]

Wohnhaft in der Chälen?

Mechthild und ihre Kinder wechselten also ihren Status von der Leibeigenen des Klosters St. Blasien zu einer des Fürstbischofs von Konstanz. Ob die Betroffenen einen Unterschied feststellten ist nicht bekannt. Und auch der genaue Grund für diese Transaktion ist noch nicht geklärt.

Möglich wäre es, dass das bebaute Grundstück und/oder der Ehemann von Mechthild bereits dem Bischof gehörten. Jedenfalls macht es Sinn anzunehmen, dass Bischof Albrecht und der Abt Johann von St. Blasien mit diesem Tausch eine Interessenentflechtung anstrebten.

Gesichert ist es jedenfalls, dass ein Heintz Meiger in Kellen (Heinz Meier in der Chälen) am 1. April 1437 als Zeuge an einer Gerichtsverhandlung anwesend war. (StAZH C V 7 Schachtel 2 Nr. 51.)

Und der Wohnort Chälen (vgl. den Begriff «Kelnhof») deutet darauf hin, dass Meier tatsächlich ein Eigenmann eines geistlichen Stifts gewesen sein könnte.

Leibeigene haben mehr Rechte als Sklaven

Der Begriff «Leibeigener» wurde übrigens im deutschen Sprachraum erst später (um 1500) gebräuchlich. Vor 600 Jahren wurden persönlich Abhängige in der Deutschschweiz noch häufiger als «Eigenleute» bezeichnet. Dabei handelt es sich um mehr oder weniger fix zu einem Hof gehörige Arbeitskräfte, die man aber im Gegensatz zu heute auch separat (und nicht nur als Teil einer Firma) verkaufen konnte.

Eigenleute stellten für ihre Herren also einen Vermögenswert dar, welcher auf ihrer Arbeitskraft (zu leistende Frondienste) und ihrem Steuerertrag (zu entrichtende Steuer) beruhte und nicht primär auf ihrer Person selbst. Bei einem Hofverkauf wechselten die ihn bewirtschaftenden Eigenleute zum neuen Eigentümer.

Eigenleute waren also keine Sache (wie Sklaven). Sie waren wirtschaftlich von ihrem Herrn abhängig, hatten jedoch eine eigene Rechtspersönlichkeit - wenn auch mit eingeschränkten Rechten was die Erbfähigkeit, das Recht zu heiraten und die Personenfreizügigkeit betrifft. Schon im 14. Jahrhundert durften sie sich selber vor Gericht vertreten, waren also gerichtsfähig.

Im Gegensatz zur Sklaverei waren die vom Leibeigenen zu leistenden Dienste begrenzt. Leibeigene durften auch Privateigentum besitzen - dies ebenfalls im Gegensatz zu Sklaven.

Quellen