Dienstag, 31. Dezember 2013

Dezemberwetter 1963: absolut kein Regen

Da hatte man also vor 50 Jahren nur Temperaturen über Null zu verzeichnen (vgl. WeiachBlog vom 21. November 2013). Der November wollte seinem alten Namen «Wintermonat» nicht gerecht werden. Immerhin wurde es dann wenigstens im Dezember kalt. Und trocken. Der Eintrag Walter Zollingers in seiner Jahreschronik 1963:

«Dezember: Auch die erste Dezemberwoche war noch nicht eigentlich kalt, bis zum 8.12. immer zwischen 0° und +2°. Erst von der zweiten Woche an beginnt das Thermometer unter 0° zu sinken. Aber auch da noch nicht gefährlich tief, meist zwischen -5° und -9° an den Morgen, zwischen -4° und -10° an den Abenden, mittags natürlich immer etwas höher. Der kälteste Morgen war erst der 18.12. mit -13 1/2°. Der Dezember zeichnet sich durch sehr viel Hochnebel- oder Bewölkung aus. Nur selten ist's sonnig, nämlich an 3 ganzen Tagen und 8 Nachmittagen. Regen fällt nie, Schnee nur 3 mal und zwar in ganz minimen Mengen. So darf dieser Monat als "trockenkalt" gewertet werden; in der zweitletzten Woche wehte noch ziemlich viel der Oberwind.»

Unter Oberwind versteht Zollinger hier Wind aus nördlicher Richtung, also die Bise. Und die ist im Dezember in der Regel wirklich kalt.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 8-9. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
[Veröffentlicht am 21. Januar 2014]

Montag, 30. Dezember 2013

Lebensgefährliche Baustelle der Weiacher Kies AG

Vor rund fünfzig Jahren, Anfang Dezember 1963, präsentierte die Firma Haniel den Medienvertretern mit Stolz das neu erstellte Kieswerk Weiach (vgl. WeiachBlog vom 13. Januar 2011). Erstmals in der Schweiz konnte hier der Kiesabbau mit industrieller Präzision erfolgen. Ein Triumph der Technik.

Von den Opfern dieser schnellen Aufbauphase war an den Betriebsführungen wohl höchstens am Rande die Rede.

Bereits im Frühling 1962 erlitt ein Arbeiter bei der Erstellung der Bahnunterführung eine schwere Fussverletzung (vgl. WeiachBlog vom 18. April 2012). 1963 kam es noch weit schlimmer.

Die 1963 in Weiach zu verzeichnenden Verkehrsunfälle verliefen vergleichsweise glimpflich - einmal abgesehen von einem Schädelbruch, den ein Ferienkind am 27. Januar bei der Kollision mit einem Auto erlitt.

Ganz anders sah es bei den Arbeitsunfällen aus. Die Arbeit auf der Kieswerkbaustelle erwies sich als lebensgefährlich, wie man der Jahreschronik 1963 von Walter Zollinger entnehmen kann:

«Dagegen ereigneten sich im Kieswerk bereits zwei recht schwere bedauerliche, tötlich (sic!) verlaufene Unfälle, am 5. Oktober verunglückte ein 19jähriger Hilfsmonteur tödlich und am
25. November der junge, erst gut 15jährige Sohn Werner der Familie Ernst Bersinger, Armenpflegers. (Siehe Einsendungen)
»

Die erwähnten Zeitungsausschnitte sind auf dem vorstehenden Blatt (S. 20) hinten aufgeklebt und enthalten folgende Texte:

Tödlicher Unfall im Kieswerk

«Im Kieswerk Weiach ereignete sich ein tödlicher Arbeitsunfall. Der 19jährige Hilfsmonteur Peter Natter war im Begriff, im Mischer der Kiesaufbereitungsanlage Reparaturen vorzunehmen. Als er in die Maschine eingestiegen war, setzte sich diese plötzlich in Bewegung, weil ein Elektromonteur die Maschinerie der ganzen Anlage eingeschaltet hatte. Beide Beine Natters wurden durch die Mischflügel erfasst, und er verschied auf der Unfallstelle.»

Tödlicher Unfall im Kieswerk Weiach. 15jähriger zwischen Rolle und Förderband erdrückt.

«Am Montagnachmittag war in den Kieswerken Weiach (Zürich) der 15jährige Hilfsarbeiter Werner Bersinger damit beschäftigt, die Rolle eines Förderbandes mit einer Kelle vom Kies zu reinigen. Dabei geriet er aus nicht abgeklärten Gründen zwischen Rolle und Band und erlitt derart schwere Verletzungen, dass er auf dem Platze verstarb. Der Verunglückte wohnte bei seinen Eltern in Weiach.»

Schwere Versäumnisse des Managements

Wenn man solche Zeitungsausschnitte liest, dann stehen einem buchstäblich die Haare zu Berge. Es ist offensichtlich, dass hier der Baustellensicherheit nicht gerade grosser Stellenwert zugemessen wurde.

Denn klar ist: Wenn manuelle Arbeiten an heiklen mechanischen Bauteilen durchzuführen sind, dann muss sichergestellt sein, dass diese nicht laufen oder sich gar «plötzlich» in Betrieb setzen können.

Am Schalttableau sollte ein gut sichtbarer Warnhinweis auf laufende Arbeiten angebracht sein. Wäre dieser vorhanden gewesen, dann hätte der erwähnte Elektromonteur (vgl. Unfall vom 5. Oktober 1963) wohl kaum die ganze Anlage in Betrieb genommen.

Versagt hat hier die Bauleitung. Sie hat es entweder versäumt, klare Regelungen analog den sogenannten «Hot Work Permits» zu erlassen oder - falls es diese gab - deren Anwendung durchzusetzen.

Bei einem im Errichten von bergbautechnischen Anlagen ziemlich erfahrenen Unternehmen wie dem Haniel-Konzern wundern einen solche Versäumnisse. Zumindest aus heutiger Sicht. Ja, man wird den Verdacht nicht ganz los, dass damals im Hinblick auf die baldige Betriebsaufnahme Tempo vor Sicherheit gestellt wurde.

Wären diese Managementfehler nicht passiert, dann würden Bersinger wie Natter möglicherweise noch heute leben.

Quelle

Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 21. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].

Donnerstag, 21. November 2013

Novemberwetter 1963: nie unter null

Dass sich ein November - den man früher gemeinhin «Wintermonat» nannte - als angenehme Angelegenheit präsentiert, ist nicht zu erwarten. Auch vor 50 Jahren nicht.

Richtig winterlich im eigentlichen Sinne war der damalige November nun durchaus nicht, wie man dem Eintrag Walter Zollingers in seiner Jahreschronik 1963 entnehmen kann:

«November: Eigentlich den ganzen Monat über mild; nie Temperaturen unter 0°, die niedrigste am 21.11. abends mit bloss +1°, die höchste am 18.11. mittags mit 15°C. Die ersten paar Novembertage sind ganz angenehm, wohl Hochnebel und bewölkt an den Morgen, aber mittags meist aufgehellt und sogar zeitweise sonnig. Erst ab dem 7.11. kommt Regenwetter, allerdings selten einen ganzen Tag, sondern immer nur während eines Teils desselben; hie und da auch stürmische Winde dazu. Der 16.11. war wirklich ein "scheusslicher Kerl", wie es im Notizheft steht: "Regen, Wind den ganzen Tag, mit wenig Unterbrüchen". Die Regenfälle wiederholen sich auch in der zweiten Monatshälfte, aber vorwiegend nachts; des morgens dann immer neblig, die Nachmittage eher wieder sonnig. Der 20.11. ist wieder ein schlimmer Tag, nachmittags sogar 2 oder 3mal geblitzt mit Donnerrollen und stürmischen Schauern. So zeigte der November also sehr viele Wechsel zwischen nächtlichen oder vormittäglichen Regenfällen und angenehmen Nachmittagen oder Abenden. An "Winterfeuchte" sollte es also dies Jahr nicht mangeln, im Gegensatz zum letzten Vorwinter.»

Milde Temperaturen. Niederschlag nur in Form von Regen. Uns Heutige wundert das wenig. Im 21. Jahrhundert auf rund 400 Metern über Meer so etwas wie Schnee zu sehen, gehört eher zu den selteneren Erlebnissen. Im November sowieso.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 8. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
[Veröffentlicht am 21. Januar 2014]

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Oktoberwetter 1963: Wümmet schneller beendet als früher

Ganz im Stil des Vorgängermonats ist auch der Eintrag zum Oktober vor 50 Jahren in der Zollingerschen Jahreschronik gehalten. Statistisch knapp. Gespickt mit landwirtschaftlichen Informationen:

«Oktober: Ein ziemlich trockener Monat, nur wenigemal Regen oder dann nur für kurze Zeit. Dagegen recht viele Tage mit Hochnebel-bedecktem Himmel und auch hie und da etwas Wind. Ich notierte: 8 sonnige Nachmittage, 5 "wolkig-sonnig", aber auch Nebel gab es an 9 Tagen. Die Herbstarbeiten konnten so ganz gut vor sich gehen; das Obstpflücken war etwa um den 22. herum beendet; zu wümmen gibt's ja leider bei uns nicht mehr viel. Der Rebberg ist bedenklich zusammengeschrumpft.
Höchsttemperaturen morg. 10°, mitt. 16°, abds. 14°
Tiefsttemperaturen morg. 2°, mitt. 6°, abds. 0°
Direkt kalt war's eigentlich nie.
»

Interessant an diesem Artikel: die Aussage, dass die Traubenernte nicht nur wegen des Wetters kleiner ausfällt, sondern auch weil die Rebberge (v.a. die an der Fastnachtsflue) immer kleiner werden. Im Gegensatz zu früheren Zeiten ist man auf den Wein als Getränk auch nicht mehr angewiesen - die Hauswasserversorgung liefert heute bakteriologisch unbedenkliches Trinkwasser direkt ab Hahn.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 8. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
Weiterführender Beitrag
[Veröffentlicht am 21. Januar 2014]

Donnerstag, 26. September 2013

Septemberwetter 1963: Mit dem Herdöpflen vor dem Emd fertig

Dieser Artikel über den September vor 50 Jahren hat einen landwirtschaftlichen Titel. Und das, obwohl der Eintrag Walter Zollingers in seiner Jahreschronik 1963 zu diesem Monat vor allem Wetterspezifika zum Inhalt hat - und weniger die Folgen für die Bauern:

«September: Der diesjährige September ist etwas ausgeglichener als der letztjährige, indem die Unterschiede zwischen Höchst- und Tiefsttemperaturen weniger gross sind; vor allem mittags:

Höchsttemperaturen  morg. 16°, mitt. 22°, abds. 20°
Tiefsttemperaturen morg. 4°, mitt. 14°, abds. 11°.

Dafür zählt er mehr neblige Tage oder Halbtage, nämlich 6 bzw. 14; auch Regen fiel etwas mehr, allerdings fast immer nur nachts (8x) oder am Vormittag (4x), ein einziger ganzer Tag war regnerisch. Nur einen sonnigen Tag gab es, dafür aber recht zahlreiche sonnige Nachmittage (14) und Abende (9). Bedeckt bis bewölkt notierte ich 4 ganze Tage, 3 Vormittage und 4 Nachmittage. Eigentliche Gewitter gab's keine mehr, nur hie und da "in der Ferne" etwas Wetterleuchten oder Donnergrollen. Dagegen wehte ende des Monats, ab 25.9. beständig ein ziemlich heftiger Wind. Am 27.9. um 16 Uhr war ein farbenprächtiger Regenbogen zu sehen. Der Nachbar meint am 20.9.: "Mit dem Härdöpfeln wären wir nun fertig, aber mit dem Emden nicht, so etwas ist mir noch gar nie vorgekommen."»

Letzteres Zitat passt zur Aussage Zollingers beim Juliwetter (vgl. WeiachBlog vom 26. Juli 2013), wo er bereits fliessende Übergänge zwischen Heuet, Emdet, Härdöpflen, Obsten und Wümmen ausmacht.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 7-8. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
[Veröffentlicht am 21. Januar 2014]

Montag, 26. August 2013

Augustwetter 1963: viel zu feucht für eine gute Ernte

Der Chronik-Eintrag zum August vor 50 Jahren ist ein besonders gutes Beispiel für den stark landwirtschaftlichen Bezug von Zollingers Wetternotizen - was bei der damals noch ausgeprägten bäuerlichen Identität seiner Wohngemeinde Weiach durchaus seine Berechtigung hatte:

«August: Einige recht schwüle, föhnige Tage eröffnen den achten Monat. Bindemäher und Mähdrescher sind wacker in Funktion. Wohl unterbrechen hie und da gewittrige Schauer, meist aber zum Glück nachts, oder doch am späten Nachmittag die Augustschwüle. Sie sind direkt willkommen. So geht's bis gegen mitte August, jetzt folgen (ab 13.8. bis gegn ende Monat) Tage, an denen nach regnerischer Nacht auch tagsüber der Himmel bedeckt oder stark bewölkt bleibt; die Luft ist dadurch beständig feucht. Der 16.8. macht eine Ausnahme, ein heller, sonniger Tag. Nachher folgt wieder dasselbe langweilige, unsichere, tagsüber feuchte, manchmal zeitweilig regnerische Wetter. Es ist bedenklich: bald September und im Feld unten stehen immer noch hunderte von Garben und Puppen, die des feuchten, ungünstigen Wetters wegen nicht eingebracht werden konnten. Die Kerne fangen bereits an, auszuwachsen. Auch für's Reifen von Obst und Trauben oder gar den Tomaten und späten Bohnen ist's äusserst ungünstig. Gerade das Gegenteil des letztjährigen erfreulichen August!»

Für die Bauern und Hobbygärtner war das also ein wenig erfreulicher Zeitabschnitt. Wie wohl der September sich daran anschloss?

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 7. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
[Veröffentlicht am 21. Januar 2014]

Donnerstag, 8. August 2013

Wünsche und Träume eines Unternehmers zum 1. August

Traditionsgemäss wie jedes Jahr hat WeiachBlog auch 2013 den diesjährigen 1. August-Redner um die Abdruckrechte gebeten. Nachdem die Rede im Jahr 2012 kurzfristig ausgefallen war (zu den Gründen vgl. WeiachBlog vom 3. August 2012), war die Suche nun wiederum erfolgreich.

Mit Heinz Eberhard hielt der Verwaltungsratspräsident des für unsere Gemeinde zur Zeit wichtigsten Unternehmens die sechste auf WeiachBlog veröffentlichte Erst-August-Ansprache (für die früheren siehe die Links am Schluss des Beitrags).

[Hinweis: Die Rede wurde auf Schweizerdeutsch gehalten. Dieser Text wurde auf Wunsch des Redners redaktionell bearbeitet. Die nicht kursiv gesetzten Zwischentitel stammen von der Redaktion des WeiachBlog.]

Mit dem Gemeindepräsidenten über die Pässe

«Wenn ich gewusst hätte, was es heisst, in Weiach eine 1. August Rede zu halten, ich hätte kaum zugesagt. Da musst du zuerst mit dem Gemeindepräsidenten am Wochenende davor über das Stilfserjoch im Südtirol. Wohlverstanden, mit dem Rennvelo. Von 900 m im Vinschgau auf 2758 m, 48 Kehren den Berg hinauf, ohne Pause!

Was Sie vielleicht nicht wissen können: ein Eberhard ist ja hart im Nehmen, eben wie ein Eber! Aber gegen einen Paul Willi anzutreten? Der steht einfach vor dem Berg und sagt: «Gopf Paul, da uë Willi!»

Ich darf sagen, mit dem Paul schaffst du auch diese Herausforderung. Er geht voraus, führt, unterstützt, motiviert, treibt an, weist den Weg, schaut zurück ob du mitkommst.

Am Abend waren wir dann in Livigno. Das ist ein zollfreies Gebiet hinter dem Ofenpass, in Italien. Wir waren beeindruckt. Einerseits von der Schönheit dieses Bergdorfes mit intakter Architektur. Aber vor allem, was da los war. Da ging die Post ab. Es hatte so viele Leute, wie an der Zürcher Bahnhofstrasse an einem Weihnachts-Einkaufstag. Und eben – alle waren am Shoppen oder essen. Sozusagen eine Geldmaschine.

Paul entwickelte gleich eine Vision für Weiach – eine zollfreie Zone mit Tankstellen und Shops. Wenn all diejenigen, die über die Grenze nach Deutschland einkaufen gehen, nur bis Weiach müssen. Ist das nicht super? Wundern Sie sich also nicht über einen Antrag.

Was ich auf unserer gemeinsamen Velofahrt noch feststellen konnte: Ihr habt einen guten Gemeindepräsidenten und ihr wisst jetzt auch, warum er nicht hier ist. Er braucht Erholung in den Bergen. Ich soll euch herzliche Grüsse ausrichten.

Und so steh ich jetzt hier und habe die Ehre, zum 1. August zu Euch zu sprechen. In meiner politischen Karriere als Parlamentarier im Grossen Gemeinderat von Kloten habe ich gelernt: Zu Beginn einer guten Rede eines Politikers gehört immer: «Keine Angst, ich rede nicht lange». Es ging dann meist sehr lange. Und da ich kein guter Politiker bin, kann ich euch sagen: Keine Angst, meine Rede geht lange. Und wenn ich dann früher fertig bin, seid ihr sicher alle froh.

Warum stehe ich überhaupt hier? Das habe ich mich natürlich auch gefragt!»

Wie das Kies unter den Boden und die Firma Eberhard nach Weiach kam

«Das geht auf viel früher zurück als die Geburtsstunde unseres heutigen Geburtstagskindes, der Eidgenossenschaft. Vor über 100'000 Jahren wurde es dem Rhein- und Linthgletscher zu eng in ihren Bergtälern. Sie haben sich weit vorgewagt. Als am Ende ihrer Reise vor rund 10'000 bis 12'000 Jahren die Würmeiszeit ihren maximalen Stand erreichte, endete der Rheingletscher vor dem heutigen Rafz und Eglisau, der Linthgletscher erstreckte sich über Bülach hinaus bis fast nach Glattfelden. Im Gepäck hatten die Gletscher gewaltige Fels- und Schuttmengen aus den Alpen ins Mittelland transportiert. Die Warmzeit führte zu einem abrupten Abschmelzen der Eismassen. Durch die Hochwasser wurden die grossen Schuttmengen weiter verfrachtet, zu Kies gerundet und in den Gletschervorfeldern auf dem Molassefels abgelagert. So auch in Weiach.

Wie Sie wissen und gerade an diesen heissen Sommertagen wieder erleben, sind die Gletscher immer noch auf dem Rückzug, um neuen Kies zu holen.

Anfangs der Sechziger-Jahre entdeckten die Gebrüder Aymonod aus Pratteln und Muttenz den schlummernden Schatz im Boden von Weiach. Sie wollten den Kies gewerblich abbauen, scheiterten aber. Der Franz Haniel-Konzern übernahm die Konzession und erstellte 1962 im Hard ein grossangelegtes Kieswerk. Das Werk war die erste Anlage in der Schweiz, mit welcher der Kiesabbau im industriellen Verfahren betrieben wurde. Die Besonderheit der Anlage war, dass von allem Anfang an auf den Bahntransport gesetzt wurde. Und so tragen die Kies- und Aushubwagen auch heute noch den Namen Weiacher in die Schweiz hinaus.

Bis im Frühjahr 2004 war die Weiacher Kies AG eine Tochter der Franz Haniel & Cie. GmbH in Duisburg, Deutschland. Dann wechselte die Konzernsprache von Hochdeutsch auf Französisch. Die Weiacher Kies AG wurde an den Baustoff-Konzern Lafarge mit Sitz in Paris verkauft.

Obwohl die Eberhard’s, Aushübler und Recycler aus Kloten und Oberglatt, schon lange von einem Kieswerk träumten und als einer der besten Aushubkunden mit der Weiacher Kies AG bestens bekannt waren, hatten sie nichts von einem Verkauf geahnt und konnten nicht mietbieten. Das hat auf einer anderen Ebene stattgefunden, eben unter Grosskonzernen. Also hiess es für uns weiter träumen.

Im Februar 2009 erfuhr mein Bruder Hansruedi vom Direktor der Weiacher abends spät an der Bar, dass bei der Lafarge infolge der Finanzkrise die Finanzen im Argen stehen. Die weltweit enormen Zukäufe von Lafarge, wie so üblich mit Fremdkapital finanziert, gingen nicht mehr auf. Es startete ein Milliarden-Desinvestitionsprogramm, das Tafelsilber musste verscherbelt werden. Und dazu zählte auch die Weiacher Kies AG. Eine solche Chance durften wir nicht verpassen. Zum Glück haben wir von unseren Vätern gelernt, die noch so richtig urschweizerisch dachten: Spare in guten Zeiten, damit du hast in schlechten Zeiten.

Und so konnten wir für den Kauf der Weiacher Kies AG ein Angebot einreichen. Dass es nicht günstig war, können Sie sich vorstellen. Die Weiacher Kies AG wirft ja seit Jahren gute Erträge ab, was in den Steuereinnahmen von Weiach zu spüren ist und durch die 5%-Beteiligung der Gemeinde fliesst auch regelmässig eine Dividende in die Gemeindekasse. Der Verkauf musste schnell gehen. Mitte Februar 2009 hatten wir den ersten Kontakt zu den Verkäufern. Am 30. April 2009, also nur 2 ½ Monate später, war das Geld auf dem Konto der Franzosen. Am 2. Mai 2009 durften wir vier Brüder Eberhard mit Stolz vor die Belegschaft der Weiacher Kies AG stehen und uns als die neuen Besitzer vorstellen. Selbstverständlich wurde auch der Gemeinderat von Weiach unmittelbar informiert. Unser Traum vom eigenen Kieswerk ging in Erfüllung.

Wir dürfen sagen: Wir sind glücklich und stolz auf unsere Tochter. Dass dem so ist, durften Sie am letztes Jahr anlässlich des 50-Jahr-Jubiläum der Weiacher Kies mit den Tagen des offenen Kieswerkes und dem Kieswerkspektakel erfahren. Der eine oder andere von euch war sicherlich mit dabei, sei es als Besucher oder Helfer. Dafür nochmals besten Dank. In der Zwischenzeit haben wir uns daran gewöhnt, dass wir mit der Gemeinde Weiach einen verlässlichen Minderheitsaktionär mit an Bord haben und wir wissen das uns gegenüber geschenkte Vertrauen sehr zu schätzen.

So jetzt wisst ihr warum ich hier stehe. Nein, natürlich ist nicht dies der Grund.»

Einfache Verfassungen und komplizierte EU-Verordnungen

«Der wahre Grund ist: wir feiern heute den 722. Geburtstag der Schweiz. Am 1. August 1291 haben die drei Stände Uri, Schwyz und Unterwalden im Bundesbrief Einigkeit beschworen.

314 Worte haben sie dazu gebraucht. Klar, deutlich, einfach. In Gottes Namen, Amen.

Seither ist die Welt etwas komplizierter geworden. Das zeigen alleine die Längen der heutigen Verordnungen.

So hat zum Beispiel ihre Gemeindeordnung der Primarschule über 1670 Wörter.

Die Verfassung des Kantons Zürich zählt über 6600 Wörter:

"Wir, das Volk des Kantons Zürich,
in Verantwortung gegenüber der Schöpfung und im Wissen um die Grenzen menschlicher Macht,
im gemeinsamen Willen, Freiheit, Recht und Menschenwürde zu schützen
und den Kanton Zürich als weltoffenen, wirtschaftlich, kulturell und sozial starken Gliedstaat der Schweizerischen Eidgenossenschaft weiterzuentwickeln"
(...)

Die Bundesverfassung verfügt schon über 20'000 Wörter, 64 Mal so viel wie der Bundesbrief von 1291:

"Im Namen Gottes des Allmächtigen!

Das Schweizervolk und die Kantone,
in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung,
im Bestreben, den Bund zu erneuern, um Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken,
im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Einheit zu leben,
im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen,
gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen," (...)

Gern zitiert wird die EU-Verordnung zur Einfuhr von Karamelbonbons, die ganze 25'911 Wörter haben soll. Sie war aber glaub ich eine Mär, steht aber trotzdem symbolisch für die heutigen Gesetzgebungen. Was sich zeigt: kein Politiker kann solche Gesetze erläutern, geschweige denn erklären oder verstehen. Unser Alt-Bundesrat Hans-Rudolf Merz hatte schon seine Mühe, als er von der Zollverwaltung zusätzlich sogenannt schweizerische Erläuterungen zum Zolltarif, zum Beispiel für's Bünderfleisch, vor dem Parlament vorlesen sollte.»

Die Stärken der Schweiz

«Warum die Welt komplizierter und auch schneller geworden ist, könnte ich euch jetzt anhand der Geschichte der Eidgenossenschaft erzählen. Ich habe aber gemerkt, dass dies «Wasser in den Rhein getragen» wäre. Weiach wurde ja schon 1271, also 20 Jahre vor der Gründung der Eidgenossenschaft, erstmals urkundlich erwähnt, also kennt ihr die Geschichte bestens und ich lasse sie weg. Ich möchte lieber auf das Heute und in die Zukunft schauen.

Warum steht die Schweiz besser da, als viele Staaten im Umfeld?
Einige unserer Stärken sind:
  • direkte Demokratie
  • ein funktionierender Rechtsstaat
  • die liberale Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die jedoch immer wieder gefährdet ist
  • einigermassen offene Arbeitsmärkte
  • eine moderate Steuerbelastung
  • gutes Bildungswesen
Dies sehe ich übrigens immer wieder bei einem meiner Hobbies, dem Unihockey. Die Finnen schiessen bei der Pisa-Studie bekanntlich immer wieder oben aus. Dasselbe gilt im Unihockey. Sie sind zusammen mit den Schweden an der Weltspitze. Darum holen die Schweizer Unihockey-Clubs immer wieder Verstärkung aus Finnland. So auch die Kloten-Bülach Jets.

Was ich feststellen konnte: Im Anschluss an die Grundausbildung fehlt bei den Finnen eindeutig die Berufslehre, wie wir sie haben. Da kommen oftmals 20–22 Jahre junge Spieler in die Schweiz, die haben keine berufliche Ausbildung. Vielleicht haben sie noch knapp einen weiteren Schulabschluss, vielmals können sie aber nur irgendwelche Gelegenheitsjobs ausweisen und dazu ihr Können im Unihockey.

Daraus ist die Stärke unserer Berufslehren ersichtlich. Sie bildet die Grundlage für gute Ausbildungen, trägt zur tiefen Jugendarbeitslosigkeit bei und bildet die hervorragende Grundlage für eine berufliche Karriere und dadurch auch das Fundament für die Existenz einer Familie. Dem müssen wir sehr sehr Sorge tragen.

Unsere Stärken zu pflegen, ist ein Gebot der politischen und der wirtschaftlichen Vernunft.»

Sieben Wünsche aus der Sicht des Unternehmers

«Darum äussere ich hier noch einige Wünsche und Träume:

1. Die Schweiz bleibt weiterhin das innovativste Land der Welt. Als Beispiel: Es findet endlich die Lösung für die weitere Verwendung der enormen Energie, die noch im Atommüll steckt. Da das Lager in Weiach zum Glück nur als Zwischenlager und nicht als Endlager gebaut wurde, ist der Atommüll eben kein Müll sondern ein wertvoller Rohstoff für die Zukunft, der weiter ausgeschöpft werden kann.

2. Ebenfalls Weltmeister ist die Schweiz in der Kombination von Strasse, Schiene, Luftverkehr; Personentransport, Individualverkehr, Öffentlicher Verkehr und Gütertransport. Es geht nicht mehr um ein Gegeneinander, sondern um ein Miteinander. Leute aus der ganzen Welt kommen und bewundern unsere zukunftsweisenden Systeme ebenso wie die Fabrik, in der die revolutionären Reifen hergestellt werden die keinen Abrolllärm erzeugen und wo die Karosserieteile entwickelt werden, die den Lärm des Fahrtwindes absorbieren.

3. Die lieben Nachbarn aus dem Südbadischen und wir Schweizer haben endlich wieder einen konstruktiven Dialog gefunden und den Wert der gegenseitig guten Beziehungen neu erkannt und schätzen gelernt. Die Fakten des gegenseitigen Nutzens und der zu tragenden Lasten wurden in die Waagschale geworfen und eine für alle zufriedenstellende Lösung gefunden, die den Nutzen der internationalen Erreichbarkeit über den Flughafen Kloten anerkennt, nutzt und schätzt, dies auf beiden Seiten des Rheins.

4. Das duale Bildungssystem der Schweiz konnte weiter gestärkt werden und ist Vorbild für viele weitere Länder. Unsere Lehrlinge sind und bleiben Weltmeister in ihrem Beruf. Wir verfügen dadurch über genügend hochqualifizierte Handwerker, Angestellte und Unternehmer. Aber auch über hervorragende Abgänger an den Universitäten und Hochschulen. Wir kennen keine Jugendarbeitslosigkeit. Wer will, kann etwas erreichen.

5. Das Unternehmertum wird gefördert. Nicht nur an den Schulen, Universitäten und in den Lehrbetrieben, sondern auch von Gesetzes wegen. Es werden nicht ständig neue Regelungen geschaffen, sondern gestrichen und durch Verantwortung, Vertrauen, Experimentieren, Innovieren, Mut und Unternehmertum ersetzt.

6. Das Schweizer Volk hat sämtliche Neidinitiativen wie die 1:12-Initiative, die Mindestlohn-Initiative und die Erbschaftssteuer-Initiative abgeschmettert. Zum Wohl vom Volk, der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber. Die grosse Mehrheit der Unternehmungen waren sich ihrer Verantwortung schon immer bewusst und die wenigen Ausreisser sind auch wieder in der Realität angekommen.

7. Achtung, Respekt, Verantwortung übernehmen und Kritikfähigkeit erlauben es uns Schweizern, einzigartig zu sein, gemeinsam um die beste Lösung zu ringen und unseren Wohlstand über viele weitere Generationen zu wahren.»

Weiach als Akronym - mit einer hintergründigen Bedeutung

«Ganz im Sinne von «WEIACH». Das heisst:
W wie Willen
E wie Einsatz
I wie Innovation
A wie Achtung und Respekt
C wie Chies
H wie Hoffnung und Beständigkeit

Ich danke für das Zuhören und freue mich jetzt auf das gemeinsame Singen.

Da hatte der Schiller im Tell doch gesagt:
Wir sind ein einzig Volk von Brüdern und Schwestern.
Singen aus voller Kehle unsere Nationalhymne.»

Man spürt den Unterschied zu einer Politikerrede. Und erfährt Neues. Darüber wie schnell das Geschäft mit Lafarge zustande kam, beispielsweise. Oder vom langjährigen Traum der Eberhards, eine eigene Kiesgrube zu besitzen. Und so weiter. Besonders gelungen sind der Einstieg und die Ausdeutung des Wortes Weiach am Schluss der Rede.

Diese Ansprache wird wohl die mit Getöse aus der Regionalkonferenz Nördlich Lägern ausgetretenen KLAR!-Leute in ihrer Meinung bestätigen, dass die Firma Eberhard den Standort des Atomabfall-Lagers nur deshalb nach Weiach holen wolle, weil sie grad am passenden Ort Land besitze. Umso mutiger der von Heinz Eberhard als Nr. 1 genannte Wunsch.

Weitere Bundesfeier-Reden
[Veröffentlicht am 22. Januar 2014]

Mittwoch, 31. Juli 2013

Die Männerriege lädt zur Bundesfeier 2013

Nachdem für 2012 noch die Jungspunde des Turnvereins Weiach für die Organisation der Bundesfeier verantwortlich zeichneten, so waren es dieses Jahr die etwas älteren Semester von Turnvater Jahns Jüngern: die Männerriege Weiach.

Im Zürcher Unterländer vom Montag, 29. Juli 2013 (etwas pathetischer Titel: «Tag der hehren Reden und währschaften Würste») waren die hiesigen Aktivitäten angekündigt: «Weiach: 17.30 Uhr Festwirtschaft auf dem Gelände ...» und auf der Website der Gemeinde die offizielle Einladung abgelegt:


Interessanterweise lautet der Eintrag unter den Anlässen auf: «1. Augustfeier / Nationalfeiertag». Zwar formell ebenfalls korrekt. Aber «Bundesfeier» tönt halt eben doch heimeliger.

Und so lautet der Text der Einladung:

Einladung zur Bundesfeier 2013
Erster August 2013 – auf dem Gelände
der Schulanlage Hofwies

Programm
» 17.30 Festwirtschaft der Männerriege
» 18.30 Konzert der Dorfmusik Bachenbülach
» 19.00 Läuten der Glocken
Festansprache von H. Eberhard,
Leiter der Eberhard Unternehmungen
Singen der Landeshymne
Dorfmusik Bachenbülach
» 22.00 Entzünden Höhenfeuer

Es erwartet Sie ein dreifaches Buffet vom Grill, Salate und Kuchen.
Jeder Besucher erhält einen Bon im Wert von acht Franken.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch

Männerriege Weiach

Alles traditionell. Dafür ein grosses Dankschön an die Männerriege.

[Veröffentlicht am 27. Januar 2014]

Freitag, 26. Juli 2013

Juliwetter 1963: stete Wechsel zwischen schön und regnerisch

Der Juli vor 50 Jahren war in Weiach gemäss der Jahreschronik 1963 von Walter Zollinger eine eher unstete Angelegenheit. Er gibt diesem Monat das Prädikat "wechselvoll":

«Juli: Die ersten Julitage sind immer noch durchzogen, d.h. wechselnd zwischen schön und regnerisch am selben Tag. Erst ab dem 6.7. kommt das eigentliche schöne Sommerwetter: sonnige Tage mit Nachmittagstemperaturen zwischen 21° und 25°; allerdings nachts auch etwa ein mächtiger gewittriger Schauer. Vom 10.7. an beginnt wieder der Wechsel zwischen Bewölkung und Aufhellungen, gewittrigen Schauern und Wind.

Ein Beispiel (der 13.7.): "Sehr schöner Morgen, aber nach und nach sich überziehend und nun, gegen mittag bereits bedeckt und um 12 1/4 Uhr tröpfelt es sogar; am Nachmittag wieder besser, eher etwas aufhellend, aber immer noch bewölkt; gegen abend wieder stärker und grauer bewölkt und gegen 20 Uhr plötzlich ein ordentlicher aber kurzer Schauer, eigentlich unerwartet; 20.15 Uhr: eben blitzt und donnert es, nach kurzem Unterbruch beginnt es von neuem zu regnen und jetzt, 22 Uhr, macht es ganz ordentlich herunter." So etwa sahen sehr viele Tage aus, was ich eben mit "wechselvoll" bezeichne.

"Ein herrlicher Sommertag, wie wir dies Jahr noch wenige hatten," ist endlich der 15.7., ausgerechnet der Tag, allwo zu Stadt und Land die Ferien beginnen. Auch die folgenden Tage sind sommerlich und schwül, bringen aber auch dafür in der Nacht etwa ein Gewitter mit Regenschauer, so z.B. am Spätabend des 17.7., des 22.7. und des 25.7.

Die Kirschenernte, sie gab erfreulich aus, war schon um den 20.7. herum beendet. Auch der Emdet hat natürlich ringsum begonnen, wie auch die Getreideernte. Es gibt ja jetzt, im Zeitalter der Maschinen, sozusagen keinen Unterbruch mehr zwischen Heuet, Emdet, Härdöpflen, Obsten, Wümmen. Alles geht im "Nonstop" zu!!

Der heisseste Tag des Monats war der 24./25.7. mit je 30° am Nachmittag, der "kälteste" Tag der 11.7. mit "nur" 20°.»

Interessant sind die in den Zollingerschen Wetterbeschreibungen häufig auftauchenden, direkten Bezüge zur Landwirtschaft, denen (wie oben) meist auch eine mehr oder weniger technikkritische Note anhaftet.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 6-7. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
[Veröffentlicht am 21. Januar 2014]

Mittwoch, 26. Juni 2013

Juniwetter 1963: Verregnetes und missfärbiges Heu

Nachdem der Mai vor 50 Jahren nicht gerade überzeugte (vgl. WeiachBlog vom 21. Mai 2013), machte der Juni nach Einschätzung von Walter Zollinger in seiner Jahreschronik 1963 eine bessere Figur - zumindest teilweise:

«Juni: Der Heumonat lässt sich gut an; die ganze erste Woche ist angenehm; allerdings nicht gar heiss, aber da noch der Wind mitwirkt, ist's doch zum Trocknen des Futters günstig. Es wird wacker eingebracht. Der kurze regnerische Unterbruch vom 7. und 8. ist sogar willkommen für Gärten, Wiesen und Ackerland. Es war schon ziemlich trocken geworden. Nach dem 8.6. wird's etwas unsicher, da sich hie und da nachmittags, einmal sogar schon um 12.30 Uhr, kurze Gewitter mit Regenschauern einstellen und so die Heuarbeit verzögern. Ganz ungünstig sind die 3 Tage vom 14.-16. Juni, immer düster, zeitweise regnerisch, auch kühl (nur 15°, 16° am Nachmittag).

Der 17. 18. und 19.6. machen wieder eine bessere "Figur"; aber dann ist's wieder aus und es will einfach nicht vorwärts gehen mit dem Heuet. Es ist zwar nicht direkt bös, aber eben doch unsicher, wolkig oder gar bedeckt, meist erst gegen abend etwas sonnig, wenn's zu spät ist zum heuen. Eine rühmliche Ausnahme machen einzig der 26., 27. und 29.6. An diesen Tagen kann wieder zünftig Dürrfutter eingebracht werden.

Schönes Heu gab's diesen Sommer wahrlich nicht, vielmehr verregnetes und missfärbiges. Kein Wunder, dass darum auch bei uns der eine und andere Landwirt zur Heubelüftung überging, wieder andere sich mehr und mehr der Herstellung von Silofutter zugewandt haben. Auch die Herstellung von Trockengras (Heimgarten bei Bülach) kommt ziemlich auf.

Höchsttemperaturen  morg. 22°, mitt. 25°, abds. 23°;
Tiefsttemperaturen morg. 10°, mitt. 14°, abds. 10°.»

Heubelüftung ist natürlich nur dann möglich, wenn genügend günstige Elektrizität zur Verfügung steht und sich der Aufwand für das Nachtrocknen des eingebrachten Futters letztlich auszahlt.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 5-6. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
[Veröffentlicht am 21. Januar 2014]

Dienstag, 21. Mai 2013

Maiwetter 1963: kein Flugwetter für Bienen

Der Mai vor 50 Jahren war wohl angenehmer als der heurige aber auch kein wahrer Wonnemonat, jedenfalls wenn man nach dem entsprechenden Eintrag Walter Zollingers in seiner Jahreschronik 1963 gehen will:

«Mai: Er glänzt nicht mit übermässiger Wärme: Höchsttemperaturen: morg. 15°, mitt. 24°, abds. 20°; Tiefsttemperaturen: morg. 1°, mitt. 9°, abds. 5°.
Immerhin zeigt er im Durchschnitt ziemlich milde, wenn auch vielfach bedeckte, wechselvolle Tage; hie und da auch noch etwas Wind. Ich notierte 9 ganze sonnige Tage, 3 sonnige Vormittage und 6 sonnige Nachmittage. Bedeckt oder trüb waren allenfalls 9 ganze Tage, dazu noch 6 Vormittage und 2 Nachmittage; regnerisch waren ein ganzer Tag, nur je 2 Vormittage, Nachmittage, Abende, dafür 5mal nachts; Nebel gab's nur noch an 2 Morgen. So konnte ich schon am 6.5. melden: "die Birnbäume blühen überall mächtig". Bald darauf folgten schon die ersten Apfelbäume, sodass fast alles zusammenfiel, da ja auch die Kirschbäume etwa seit dem 29.4. ihre Blütenpracht entfaltet haben. Schade ist es nur, dass der zu wenigen Sonnentage wegen die Bienen nicht recht zum Fluge kommen und dadurch die Bestäubung etwas gehindert wird. - Der Heuet hat ebenfalls eingesetzt.»

Mit Blick auf den gerade laufenden Monat unserer Tage kommt einem das sehr bekannt vor. Diejenigen Bienen, die den letzten Winter und die Varroa-Milbe überlebt haben, müssen nun von den Imkern durchgefüttert werden, denn bei diesem Wetter können sie nicht fliegen. Schade um all die Blüten an den Obstbäumen.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 5. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].

Montag, 20. Mai 2013

Kirchenrat macht Standortbestimmung an der Basis

In den Einleitungen zu seinen Jahreschroniken beleuchtete Walter Zollinger jeweils einen Aspekt aus Geschichte und Gegenwart des Dorfes etwas ausführlicher. Welche das waren, findet man im WeiachBlog-Beitrag «Einleitungen zu den Chroniken 1952-1967» (WeiachBlog Nr. 682, 3. Okto­ber 2009).

Für das Jahr 1963 heisst es da: «Fokus auf Kirchenwesen – Kirchenvisitation 1963 durch den Kirchenrat. Zita­te aus den Antworten auf die Fragen des Rates».

Diese Einleitung aus der mittlerweile vor fast einem halben Jahrhundert in die Schreibmaschine getippten Jahreschro­nik 1963 (Abschluss datiert auf den November 1964) wird nachstehend vollumfänglich wiedergegeben (Titel durch WeiachBlog gesetzt):

«Als eines der wichtigsten Ereignisse in unserm Gemeindeleben (wie natürlich auch anderswo im Kanton Zürich) betrachte ich für 1963 die Durchführung der Kirchenvisitation von seiten des zürcherischen Kirchenrates, weshalb ich diese (statt erst unter dem Titel "Kirchenwesen") gleich hier am Anfang meiner Jahreschronik erwähnen und darüber einige Gedanken äussern möchte.

Sie zog sich, nach Angaben des Kirchenpflegepräsidenten, vom 4. September bis 11. Dezember hin und beanspruchte acht Vollsitzungen der Pflege und zwei Sitzungen mit Visitation. Der Kirchenrat legte den Kirchenpflegen in 13 Abschnitten 62 Fragen zur Beantwortung vor. Es sollen aber diese Fragen nicht nur Einsicht in das kirchliche Gemeindeleben vermitteln, sondern vielmehr, wie der Kirchenrat in seiner "Einführung" selber hofft, Anlass zu einer Besinnung über den Auftrag der Kirche, das Wesen ihres Dienstes und den Stand ihres Lebens werden.»

Mit oder ohne Befragung der normalen Mitglieder

«Eine einfache Sache ist eine solche "Visitation", d.h. ein Ueberdenken all' der aufgeworfenen Probleme, nicht. Der Verfasser dieser Chronik erinnert sich noch gut daran, wie er als Kirchenpflegepräsident anlässlich der letzten Visitation vor ca. 25 Jahren, zusammen mit seinen Pflegekollegen und dem damaligen Pfarrer, Herr Albert Kilchsperger, über den dannzumal noch zahlreicheren Fragen grübelte, bis ein Bericht verfasst war, der ein einigermassen richtiges Bild des "kirchlichen Lebens" unserer Gemeinde widerspiegelte. Um auch die übrigen Kirchgenossen (Männer und Frauen) mit dem Gedankengut der Visitation vertraut zu machen, wurden sie ein oder zwei Mal zu öffentlichen Gesprächen darüber in die Kirche eingeladen.

Ich kann es der gegenwärtigen Behörde also lebhaft nachfühlen, wie sie prüfen und erwägen musste, um in der heutigen, in kirchlichen Fragen noch viel problematischeren Zeit ein annähernd wirklichkeitsgetreues Bild geben zu können. Leider wurden aber diesmal m.W. keine öffentlichen Ausspracheabende durchgeführt.»

Staatskirchen sind unabhängiger!

«Beim Durchgehen des von der Kirchenpflege Weiach abgegebenen Berichtes bekommt man den Eindruck, dass jede Frage gründlich überlegt und die Antworten gut überdacht und auch sprachlich und stilistisch sorgfältig redigiert worden sind.

Einige Beispiele! Die Frage über die äussere Gestaltung als Volkskirche wird so beantwortet:
"Als Volkskirche wird sie ihrer missionarischen Aufgabe insofern gerecht, als sie alle nicht anderswo angeschlossenen Menschen umfasst, sie mit dem kirchlichen Unterricht erreicht und ihnen die Möglichkeit zu einem persönlichen Glaubensstil verschafft. Durch ihre Verbindung mit dem Staat ist sie nicht von einzelnen Menschen abhängig, wird sie finanziell gestützt und aller äusserlichen Verwaltungsarbeit enthoben. Anderseits verlangt sie keine persönliche Entscheidung des Gläubigen und droht dadurch in ihrer gesicherten Stellung zu verflachen. Da sie keine kämpfende Kirche mehr ist, treten bei vielen Gliedern die Anzeichen von Sättigung, Gleichgültigkeit, Abstumpfung und Passivität auf (Papierchristen)."»

Obligatorische Kinderlehre wäre gut

«Oder die Frage betr. Sonntagsschule und Kinderlehre: "In unserer Sonntagsschule sehen wir den Grundstein und Vorbereitung auf die spätere kirchliche Unterweisung. Wir sind daran interessiert, möglichst alle Kinder damit zu erfassen, da ihnen hier grosse Werte für später mitgegeben werden können. Das Obligatorium der Kinderlehre bringt die Gefahr der religiösen Ueberfütterung mit sich, ausserdem kann durch den Zwang auch eine grosse Abneigung entstehen; sonst aber beurteilen wir es positiv, da so alle erfasst werden."

Reformiert definiert

«Endlich noch zur Frage: "Was verstehen Sie unter "reformiert"?" Da heisst es: "Darunter verstehen wir jene Kirche, die nicht auf einmal festgesetzten Thesen beharrt, sondern immer wieder versucht, auf die Bibel als das Wort Gottes zu hören, ständig um neues Verstehen ringt und sich in jeder Lage und zu jeder Zeit neu darnach ausrichtet."»

Besucherquoten Gottesdienst: gut

«Vielleicht noch den ungefähren Kirchenbesuch:
an gewöhnlichen Sonntagen  10%   1/4 Männer
Festgottesdienste  30%  1/3 Männer
Familiengottesdienste  50%
Er wird von der Kirchenpflege als "gut" beurteilt.»

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 – S. 1-2. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963]. 

Sonntag, 12. Mai 2013

Abbruch der Waschhäuschen in der Chälen

In den «Schlussbemerkungen» zu seiner Jahreschronik 1963 kam Walter Zollinger auf die Folgen der Moderne für die Weiacher Bausubstanz zu sprechen. Aus seiner Sicht waren das keine erfreulichen Entwicklungen:

«Schade ist's, dass heutzutage dem Verkehr oder der "Bauwut" auch in unsern Bauerndörfern schon das eine oder andere "liebe, alte Hüttchen", als unnütz eingeschätzt, weichen muss. Leider ist das mit dem besten Willen einfach nicht immer aufzuhalten, und manchmal verschwindet etwas so plötzlich, ohne dass man's vorher vernehmen kann. Der Chronist hofft zwar zuversichtlich, den einen oder andern dieser heute noch stehenden "Zeugen aus alter Zeit" retten zu können; aber erzwingen lässt sich's nicht, ausser man kaufe es grad und dazu ermangelt er eben der nötigen Finanzen. Drum habe ich begonnen, solch gefährdete alte Sujets wenigstens noch im Bilde festzuhalten, solange sie noch stehen. Diese Photos werden jeweilen im Text oder auf besonderem Blatt einer Jahreschronik beigegeben. Es sind vor allem die Gemeindewaschhäuschen dem Absterben gewidmet. So sind die beiden an der Kellenstrasse, im Zuge der Errichtung der neuen Wasserleitung und der Kanalisation abgebrochen worden. Das eine, hinter der alten Schmiede gelegene, konnte ich noch vorher knipsen (siehe unten), vom Abbruch des zweiten hörte ich leider zu spät. Es stehen nun nur noch zwei solche: im Bühl gegenüber der Kirche und im Oberdorf zwischen den Häusern Zeindler und Härtsch. Auch die alte "Trotte" an der untersten Rebstrasse läuft Gefahr, umgebaut zu werden, ebenso die "Hafnerhütte" am Bach im Oberdorf. (Bilder davon siehe 1961er-Chronik)»

In der Chronik 1963 folgen diesen Zeilen vier Fotografien. Die erste davon ist nachstehend abgebildet:
Das Waschhäuschen in der unteren Chälen.
Heute befindet sich an dieser Stelle die Einmündung der Riemlistrasse in die Chälenstrasse. Rechts im Bild die Liegenschaft Chälenstrasse 4, eine ehemalige Schmiede. Im Erdgeschoss gibt es noch heute eine Art Werkstatt.

Das an der Fassade links der Türe angebrachte Brett ist wahrscheinlich ein Schwellbrett, mit dem der noch oberirdisch entlang der Chälenstrasse verlaufende Sägebach aufgestaut werden konnte.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 25-26. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].

Samstag, 11. Mai 2013

In memoriam Werner Attinger

Es ist mittlerweile schon sieben Jahre her, dass die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Weiach das 300-jährige Bestehen ihres Gotteshauses feiern konnte. WeiachBlog hat in diesem Zusammenhang mehrere Artikel veröffentlicht, vgl. die Liste unter http://weiachergeschichten.ch/300-jahre-kirche-weiach/. Aus diesen Beiträgen ist letztlich auch die Broschüre mit dem Titel «ein nöüer Kirchenbauw allhier zu Weyach» entstanden, die im Herbst 2006 zum Jubiläumsanlass von Ortsmuseumskommission und Kirchgemeinde gemeinsam herausgegeben wurde.

Unerwarteter Tod

Nun musste ich leider den Mitteilungen für die Gemeinde Weiach entnehmen, dass Werner Attinger, ein wichtiger Wissensträger zur Kirchengeschichte unseres Dorfes, bereits am 24. März verstorben ist (vgl. MGW Mai 2013, Zivilstandsnachrichten, S. 7: «Todesfall: 24. März; Attinger, Werner; Büelstrasse 6» [Kolon und Semikolon von WeiachBlog]).

In derselben Ausgabe der MGW (Mai 2013,  S. 16) hat der Kirchgemeinderat unter dem Titel «Wir gedenken: Werner Attinger» einen kurzen Nachruf publiziert:

«Herr Attinger war während mehr als 20 Jahren, bis in die späten 1990er Jahre, als Sigrist in unserer Kirche tätig. Nachher hat er sich bis zu seinem plötzlichen Tod Ende März hingebungsvoll um die Kirchturmuhr gekümmert. Wir verlieren in Werni Attinger einen äusserst pflichtbewussten und engagierten Menschen. Seiner Familie drücken wir unser herzlichstes Beileid aus und wünschen ihr viel Kraft und Zuversicht für die Zukunft.»

Dankbar erinnere ich mich an die grosse Hilfsbereitschaft von Werni, der mir während dem Zusammenstellen des Materials für die Broschüre und dem Verfassen der vorbereitenden Blogartikel immer wieder wertvolle Hinweise gegeben hat.

In WeiachBlog findet man sein Wirken deshalb an verschiedenen Stellen, so im Beitrag Nr. 45: «Kirchlicher Alleingang definitiv» vom Montag, 19. Dezember 2005, wo eine Wortmeldung Attingers an der Kirchgemeindeversammlung dokumentiert ist.

Wichtige Beiträge zur Kirchengeschichte

Werni ist aber vor allem im Zusammenhang mit der Kirche, beispielsweise in Bezug auf die Glocken erwähnt, wie im Artikel «Aktenzeichen «Glockensprüche 1843» ungelöst» vom Sonntag, 7. Mai 2006  [Nr. 184]: «Werner Attinger, der frühere Weiacher Sigrist und immer noch für die Glocken Verantwortliche, meinte vor ein paar Tagen, diese stammten eindeutig aus dem Jahre 1843. Die Glockensprüche seien aber schwierig zu lesen, da sie gegen den Glockenstuhl gerichtet seien und die Glocken unter Strom stünden (Stundenschlag). Aber er sei sicher, dass diese Gedichtzeilen auf den Glocken drauf seien. Er vermutet, es könnte ein älterer Spitteler sein, habe aber leider dessen Geburtsdaten nicht zur Hand.»

Vor allem aber gab Werni wertvolle Hinweise auf die Baugeschichte der Kirche Weiach, wie man im WeiachBlog-Beitrag «Die Schiessscharte unter der Kanzel» vom Freitag, 8. September 2006  [Nr. 272] nachlesen kann (samt Bildern).

Wir zitieren hier in dankbarer Erinnerung die gesamte Passage der schliesslich im Druck veröffentlichten Fassung aus der Jubiläumsbroschüre «ein nöüer Kirchenbauw allhier zu Weyach»:

«Anlässlich der Restaurierung 1967/68 wurden an der Südostwand der Kirche unter der Kanzel und an der Südwestwand im Bereich des heutigen Elektrokastens nachträglich zugemauerte mit einem Bogen verstärkte Nischen (in einem Fall mit quadratischer Öffnung) gefunden. Werner Attinger, früherer Sigrist der Kirche Weiach, deutet sie als vermauerte Schiessscharten. Von ihnen aus habe man die Feindseite der Friedhofmauern mit Feuer bestreichen können.

Aufgrund dieser Beobachtung schliesst Attinger, dass die heutige Mauer zwischen Kirche und Altem Gemeindehaus nicht von 1706 stammen kann. Sie liegt zu weit im Westen, denn von der südwestlichen Scharte in der Kirchenfassade aus würde man in den heutigen Friedhof schiessen und damit die eigenen Leute treffen. Die Scharten dieser Mauer sind überdies für knieende oder liegende Schützen konzipiert, die Scharten der anderen Mauerabschnitte und der Pfarrscheune jedoch für stehende Schützen.

Auch auf dem ältesten Ortsplänchen von Heinrich Keller (datiert auf die 1820er-Jahre, vgl. S. 10) sowie auf einem 1837/38 erstellten handkolorierten Plan des Kirchenbezirkes, der im Ortsmuseum liegt (vgl. S. 14), ist diese Mauer an anderer Lage eingezeichnet als die heutige positioniert ist.

Roland Böhmer von der Zürcher Denkmalpflege unterstützt Attingers Argumentation. Als Beleg führt er u.a. den Eintrag der Memorabilia Tigurina von 1742 zur Wehrmauer von Schönenberg an: «Die Kirche und das Pfarrhaus sind in zwey Egg der Kirch-Mauer gebauet, daraus man alle vier Seiten der Mauren füglich bestreichen, und sich darinnen im Nothfall wohl defendiren kann». Die Anlage in Schönenberg wurde 1702 ebenfalls von Werdmüller erstellt (vgl. Kasten). Dazu kommt: in Weiach liegt eine ähnliche Bausituation vor.»

Quelle des Zitats
  • Brandenberger, U.: «ein nöüer Kirchenbauw allhier zu Weyach». 300 Jahre Kirche Weiach, 1706 – 2006. Herausgegeben von der Evangelisch-reformierten Kirchge¬meinde Weiach und der Ortsmuseumskommission Weiach. Weiach 2006 – S. 13/14.

Freitag, 10. Mai 2013

Wenn Volkes Stimme Fussgängerstreifen fordert

Unter dem unspektakulären Titel «Fussgängerstreifen» teilt der Gemeinderat im neuesten Gmeindsblettli (Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Mai 2013, S. 5) nichts weniger als eine kleine Revolution mit:

«Aufgrund der Begehung der Stadlerstrasse mit Vertretern der kantonalen Bau- und Volkswirtschaftsdirektion sowie der Kantonspolizei beantragt der Gemeinderat die Planung und Erstellung eines Fussgängerstreifens mit Anpassung der bestehenden „Mittelinsel“ bei der Postautohaltestelle Gemeindehaus. Nach Aussage der kantonalen Amtsstellen können die Kosten für die Nachrüstung aufgrund von veränderten internen Vorschriften durch den Kanton übernommen werden. Die bauliche Ausführung ist im kommenden Jahr vorgesehen».

Die zebrastreifenlose Zeit, die mit dem Beginn der Sanierung der Stadlerstrasse 2009 begonnen hatte, geht also nach rund fünf Jahren zu Ende. Und warum? Weil einige Weiacherinnen und Weiacher hartnäckig und immer wieder einen solchen Streifen gefordert haben. Mit der Begründung, nur so seien die Schulkinder sicher.

Experten finden: es braucht keine Fussgängerstreifen

Wie man dem Beitrag «Zebrastreifen braucht es hier nicht» (WeiachBlog, 22. Januar 2010) entnehmen kann, waren 2009 die Experten des Kantons und der Unfallverhütungsstellen der Meinung, ein Zebrastreifen wirke sich nachgerade kontraproduktiv aus, er gaukle nämlich falsche Sicherheit vor. Der damalige Gemeindepräsident von Weiach glaubte, die Leute würden sich dann schon an die neue Situation gewöhnen.

Da hatte er aber den langen Schnauf einiger Eltern nicht auf der Rechnung. Schon 2009 wurden rund 80 Unterschriften für einen Zebrastreifen bei der Schule gesammelt. Und am 6. Mai 2010 setzte der Tages-Anzeiger Unterland den Titel «Weiacher kämpfen weiter für Zebrastreifen» über einen Artikel zum Thema. Spätestens da war klar, dass dieses Thema nicht so schnell vom Tisch sein würde.

Als der Tages-Anzeiger in der Regionalausgabe «Zürichsee rechtes Ufer» am 30. Dezember 2010 den Beitrag «Der Tüftler und sein Mittel gegen den Tod auf dem Zebrastreifen» veröffentlichte, haute ein Kommentarschreiber der sich «Peter Casutt» nennt, folgende Zeilen in die Tasten:

«Und der gleiche Kanton hebt nun klammheimlich Ein Fussgängerstreifen nach dem Anderen im Norden des Kantons auf (Neerach, Stadel, Weiach) mit der fadenscheinigen Begründung, dass Fussgängerstreifen eh nichts bringen und die Fussgänger gefälligst besser aufpassen sollen. JEKAMI beim Kanton, Jeder Beamte ein kleiner König!»

Das war nur einer von vielen für die Experten und den Kanton nicht sehr schmeichelhaften Kommentaren.

Forderung nach einem Zebra nicht umzubringen

In Weiach war das längst nicht das Ende der Geschichte. Das sah man auf der Website des FORUM Weiach und im Herbst letzten Jahres auch wieder in den Medien.

Da setzte nämlich der Zürcher Unterländer am 29. September 2012 einen Artikel zu einem Informationsabend der Gemeinde Weiach ins Blatt - daneben einen Kasten mit dem Titel «Zu viele Lastwagen im Dorf!» Und siehe da, die Forderung ist quicklebendig:

«Ein Weiacher forderte am Informationsabend einen Fussgängerstreifen über die Stadlerstrasse. Viele Lastwagen würden durchs Dorf fahren und das Überqueren der Strasse gefährlich machen. Stadel habe auch neue Zebrastreifen erhalten. Gemeindepräsident Paul Willi informierte den Bewohner, dass die Kantonspolizei einen möglichen Fussgängerübergang geprüft und verworfen habe. Die Kantonspolizei hätte argumentiert, dass so auch die Fussgänger in die Verantwortung genommen würden. Würden alle Verkehrsteilnehmer Vorsicht walten lassen, gäbe es weniger Unfälle.»

Ein paar Monate später ist alles ganz anders. Der Gemeinderat selber beantragt beim Kanton einen Fussgängerstreifen unter Einbezug des Designelementes Mittelinsel bei der Bushaltestelle. Und offenbar übernimmt der Kanton nun sogar die Rechnung. Wohlverstanden für etwas, was seine Experten jahrelang für unnötig, ja geradezu gefährlich hielten.

Bleibt nur noch die Frage: Was hat den Kanton zum Einlenken bewogen? Gab Stadel den Ausschlag?

Sonntag, 5. Mai 2013

Zuchthausstrafe für Unangepasste nicht verlängert

Ausgaben für die Gemeindekasse vermeiden. Das ist nicht erst heute das Ziel vieler Gemeinderäte. Das war auch 1817, vor fast 200 Jahren, nicht viel anders. Nur mit dem Unterschied, dass damals die Gemeindefinanzen wirklich arg strapaziert wurden.

Schliesslich war man gerade erst den napoleonischen Grossmachtsträumen entkommen, hatte 1816 wegen eines Vulkanausbruchs am anderen Ende der Welt ein Jahr ohne Sommer und darauf 1817 eine Hungersnot zu bewältigen. Keine gute Zeit.

Da ist es verständlich, dass die Gemeinde Weyach ein - aus heutiger rechtsstaatlicher Perspektive doch eher fragwürdiges - Ansinnen an den Kleinen Rat (heute: Regierungsrat) des Standes Zürich richtete.

Ausschweifender Lebenswandel führt ins Zuchthaus

Ohne Erfolg, wie man dem Protokoll des Kleinen Rates vom 10. Mai 1817 (StAZH MM 1.63 RRB 1817/0508; S. 176-177) entnehmen kann:

«Auf das von dem Herrn Oberamtmann von Regensperg unterm 8ten d. M. empfehlend einbegleitete Bittschreiben der Gemeinde Weyach, daß eine gewiße Verena Ritzmann, ihre Gemeindsbürgerin, welche, wegen ihres ausschweifenden Lebenswandels, sich gegenwärtig schon zum zweyten Mal im Zuchthause befindet, nun aber mit dem 18ten d. M. entlaßen, und in ihre Gemeinde zurückgeschickt werden solle, – noch länger im Zuchthause zurückbehalten werden möchte, – ist dem Herrn Oberamtmann Heß zu Handen der Gemeinde Weyach anzuzeigen, daß die Regierung nicht im Fall ist, eine richterlich ausgesprochene Strafzeit zu verlängern; und da diejenige der Ritzmann mit dem 18ten d. M. zu Ende gehet, so kann dem Begehren, sie noch länger im Zuchthause zu behalten, nicht entsprochen werden. Es muß deßnahen dem E. Stillstand und Gemeindrath zu Weyach überlaßen werden, diese Person unter möglichst strenge Aufsicht zu stellen, und sie auf diese Weise unschädlich zu machen, in so fern dieselbe aber dennoch in ihrem ausschweifenden Lebenswandel fortfahren würde, darüber Klage bey dem dortigen Amtsgericht anhängig zu machen, welchem dann überlaßen bleibt, mit einem Ansuchen um ihre Wiederaufnahme ins Zuchthaus bey der Regierung einzukommen, welches indeßen, wie in allen dergleichen Fällen, nicht anderst, als gegen Bezahlung eines nicht unbedeutenden Tischgeldes geschehen kann.»

Worin diese «Ausschweifungen» genau bestanden haben, könnte man allenfalls den Gerichtsakten und vielleicht sogar dem Stillstandsprotokoll von Weyach entnehmen (sollte letzteres noch vorhanden sein).

Weitere Zuchthaus-Aufenthalte nur gegen Bezahlung

Man darf es dem Kleinen Rat hoch anrechnen, dass er so klar für die Gewaltenteilung einsteht und nicht versucht, sich richterliche Kompetenzen anzueignen. Auch wenn das in diesem Fall bedeutet, dass die Weiacher gar keine Freude am Bescheid aus Zürich gehabt haben dürften.

Eine dritte Einweisung ins Zuchthaus könne zwar auf Anordnung des Amtsgerichts in Regensberg erfolgen, allerdings werde es dann für die Gemeinde Weiach teuer.

Wie die Angelegenheit ausging? Eine Antwort findet man vielleicht in den Archiven.

Quelle

Dienstag, 30. April 2013

Aprilwetter 1963: richtig Frühling erst ab Ende Monat

Im März vor 50 Jahren war Tauwetter angesagt (vgl. WeiachBlog vom 12.3.2013). Nach diesem harten Seegfrörni-Winter hatten die Weiacher etwas genug von der Kälte, wie man den folgenden Zeilen von Walter Zollinger entnehmen kann:

«April: Nun hätte man endlich den milden Frühling erwartet. Statt dessen bringt der April in den ersten 14 Tagen nichts als neblige, trübe Tage, oftmals sogar etwas Regen, feucht-unfreundliches Wetter! Dreimal sogar noch Reif mit Temperaturen von je -1° am Morgen. Die höchste Morgentemperatur liegt bei +8°, meist aber ist es nur zwischen +2° bis +5°. An den Nachmittagen wird's dann unter Föhneinfluss etwas wärmer, bis zu 13 1/2°C. Ab mitte Monat bessert's merklich mit der "Wärme", am Morgen meist +10°, am mittag zwischen +14° und +18°, abends zwischen 9° und 15°. Auch die Witterung hält sich jetzt ordentlich, oftmals föhnigwarme und sogar sonnige Nachmittage; dazwischen einigemal Regen, aber meist erst spätabends, des nachts oder ganz früh am Morgen. Und man ist darüber sogar froh; denn der Wind hatte in der zweiten Monatshälfte Gärten, Wiesen und Ackerland ziemlich ausgetrocknet. Gegen ende Monat "drücken" die Birnspaliere, die Aprikosen- und Pfirsichbäumchen, d.h. sie beginnen zu blühen.»

Also alles in allem gar kein so schlechter April. Da war der diesjährige mit Schnee bis in die Niederungen auch kein besseres Vorbild.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 5. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
[Veröffentlicht am 5. Mai 2013]

Mittwoch, 13. März 2013

Bäuerinnentagung mit vollem Abendprogramm

Wie stark der Gesang aus eigener Kehle im Zürcher Unterland noch vor einem halben Jahrhundert verbreitet war, zeigt ein Eintrag von Walter Zollinger in der Jahreschronik 1963. Unter dem Kapitel «Volkskundliches/Kulturelles» schreibt er:

«13. März: Tagung der Bäuerinnen von Bachs, Neerach, Stadel, Weiach im "Bahnhof"-Saal. Vortrag von Herrn Pfr. Schmutz Zumikon: "Die Frau als Priesterin im Haus". Ein für diesen Tag gebildetes "Frauenchörli" verschönert die Nachmittags-Tagung. Am Abendprogramm wirken die beiden Chöre des Dorfes und die Trachtengruppe mit.»

Das entsprechende Abendprogramm ist aus dem nachstehend abgebildeten, unmittelbar nach der letzten Typoskript-Seite eingehefteten Flugblatt ersichtlich:



Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 23 u. Flugblatt. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
[Veröffentlicht am 5. Mai 2013]

Dienstag, 12. März 2013

Märzwetter 1963: endlich taut's wieder auf

Mit dem Seegfrörni-Monat Februar war es mit dem harten Winter 1962/63 noch nicht vorbei (vgl. WeiachBlog vom 30. Januar und 7. Februar), auch die Wasserversorgung war weiter beeinträchtigt. Kein Wunder bei den arktischen Temperaturen die Anfang März noch herrschten:

«März: Er beginnt gleich mit erklecklicher Kälte, -14° am Morgen, und diese hält nun während der nächsten vier Tage noch an. Erst vom 6.3. ab mildert's: -8°, -6°, -3° und am 9.3. sogar +5°, endlich! Und jetzt bleibt's ständig über 0°, mit Ausnahme des 25.3., allwo das morgendliche Thermometer nochmals auf -5° sank und auf den Wiesen ein ziemlich starker Reif lag. Die Nachmittage zeigen eine Temperatur-Streuung von -2° bis +12°, an den Abenden jeweilen wieder um ein paar Grade weniger.

Anfangs des Monats ist alles noch steinhart gefroren, das Schmelzwasser kann dann nicht eindringen. Ab der zweiten Woche taut's auf, gibt aber einen "Dreck" auf Strassen und Plätzen, dass Gott erbarm.
»

Welche Folgen dieses Schmelzwasser hatte, wird im WeiachBlog-Beitrag vom 11. März illustriert.

«Im grossenganzen zeichnet sich der März durch wechselvolles Wetter aus:

6 sonnige Tage, aber mit Oberwind, deshalb noch kalt, 9 sonnige Nachmittage, Hochnebel an 3 ganzen Tagen und je 2 Vor- und Nachmittagen; neblige Vormittage gab es deren 7. Regen brachte der März an 4 Vormittagen und je 5 Nachmittagen und Abenden, 2x auch nachts. Trübe und bedeckt dazu waren 8 Tage. Ein einzigesmal noch fiel über nacht etwas Schnee (21./22.3.).

Am 21. März auch fing der "Mühlebrunnen" wieder an zu plätschern, nachdem er einen ganzen Monat durch nicht mehr gelaufen war.
»

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 4-5. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
[Veröffentlicht am 13. März 2013]

    Montag, 11. März 2013

    Kantonsstrasse Nr. 7 überschwemmt

    Der harte Winter 1962/63 zeitigte im Frühjahr Folgen, wie man der Jahreschronik 1963 von Walter Zollinger entnehmen kann. Auf S. 9 hat er einen Zeitungsausschnitt eingeklebt, wie bei ihm üblich leider ohne Angabe des Namens der Zeitung. Aber immerhin auf den 11.3.1963 datiert:
     

    Weiter hinten (auf S. 20) erklärt Zollinger, welche Folgen die Schneeschmelze in Weiach hatte:

    «Infolge des plötzlichen Tauwetters anfangs März musste die Strasse von Weiach gegen Glattfelden für den Verkehr kurze Zeit gesperrt werden. Die Fahrbahn war mit Schmelzwasser, Schutt und Lehm überschwemmt, sodass sie durch Feuerwehrleute der anliegenden Gemeinden zuerst wieder frei gelegt werden musste.»

    Quelle
    • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 9 & 20. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
    [Veröffentlicht am 13. März 2013]

    Samstag, 9. März 2013

    Immer noch Schüblig nach gemeinsamer GV

    Die Wurst nach erfolgreich absolviertem Vereinspflichtprogramm. Das war vor 50 Jahren in Weiach eine unbestrittene Tradition, ob nun bei den Gesangsvereinen oder beim Frauenverein. Was 1958 galt (vgl. WeiachBlog vom 5. März 2008), das traf auch fünf Jahre später zu, wie man der Jahreschronik von Walter Zollinger entnehmen kann:

    «Die G.V. der beiden Chöre wurde, wie alljährlich, gemeinsam im Sternensaal, am 9. März abends, durchgeführt. (Programm im Anhang)», steht da unter dem Kapitel Vereine und Genossenschaften.

    Hier das erwähnte Programm:



    Darin ist auch - blauviolett auf weiss - der Beweis für die Wurst-Tradition zu finden: «Nach den Vereinsgeschäften wird das obligate Schübligbankett bei gemütlichem Beisammensein abgehalten.»

    Quellen
    • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 17 & Anhang. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
    • Schüblig-Essen nach der Generalversammlung. WeiachBlog Nr. 593, 5. März 2008 
    [Veröffentlicht am 13. März 2013]

    Freitag, 1. März 2013

    Lichtbildervortrag zum Strassenverkehrsgesetz

    Dorfchronist Walter Zollinger war nicht gerade ein Freund der automobilen Moderne. Er hat die überhand nehmende Motorisierung in seinen Jahreschroniken ab 1952 immer wieder thematisiert.

    Verkehr gab regelmässig zu reden

    Besonders an «verkehrsreichen Sonntagnachmittagen» werde das Bänklein um die direkt an der Hauptstrasse Basel-Winterthur gelegene grosse Linde beim Gasthof Sternen «vom heutigen Jungvolk belagert» mit dem Ziel «ja alle vorüber¬sausenden Motorwagenarten mit „Kennermiene“ kritisieren zu können!» (Chronik 1955, Einleitung)

    Verkehr führt zu vermehrten Komplikationen auch auf dem Gebiet von Weiach: «Dass der motorisierte Strassenverkehr auch "auf dem Lande" ständig zunimmt, beweisen die ebenfalls von Jahr zu Jahr zahlreicher werdenden Verkehrsunfälle.»  (Chronik 1957)

    Die Haltung des Chronisten kommt vor allem in häufigen Einträgen wie diesem zum Ausdruck: «Ich habe ferner in meinem Notizheft vor allem den ersten Aprilsonntag, den Palmsonntag, den 24. April, den ersten Maisonntag, den Pfingstmontag, den 16. Juni (Tour de suisse) und den letzten Oktobersonntag mit dem Prädikat "arger Motorverkehr" ausgezeichnet.»  (Chronik 1960)

    Polizeidirektion als Wanderprediger

    Vor 50 Jahren war man beim Gemeinderat schliesslich der Ansicht, etwas Weiterbildung könne nicht schaden. Zumal es eine neue Rechtsgrundlage gab: das eidgenössische Strassenverkehrsgesetz (SVG) vom 19. Dezember 1958 war mit dem Gros der Artikel seit dem 1. Januar 1963 in Kraft:

    «Der stetig wachsende Strassenverkehr erfordert es, dass auch auf der Landschaft draussen den Verkehrsproblemen vermehrte Aufmerksamkeit geschenkt wird. Deshalb lud der Gemeinderat auf den 1.3. in den "Sternen" zu einem Lichtbildervortrag ein über: "Das neue Strassenverkehrsgesetz", Ref. Herr Schweizer v. d. kant. Polizeidirektion.» (Chronik 1963)

    Quelle
    • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 20. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
    [Veröffentlicht am 10. Mai 2013]

    Mittwoch, 13. Februar 2013

    Februarwetter 1963: die Wasserversorgung streikt

    Anfang Februar vor einem halben Jahrhundert herrschte im Kanton Zürich kältebedingter Ausnahmezustand. Die «Seegfrörni» war das Ereignis des Monats, an das man sich noch Jahre später gern erinnert hat.

    Es war zwar nicht derart kalt, dass der Rhein zufror, aber die Weiacher hatten doch mit Problemen zu kämpfen, wie Walter Zollinger in seiner Jahreschronik über das Jahr 1963 schreibt:

    «Februar: Er übernimmt vom Vorgänger die Kälte und hält sie noch eine ganze Woche lang durch, immer zwischen - 11° und -20° liegend. An den Nachmittagen wohl etwas höher, auf -7° ansteigend, abends wieder mehr "anziehend". Auch weht beständig der leidige Oberwind; vormittags meist Hochnebel, die Nachmittage dann wieder aufgehellt, vielfach sogar sonnig.

    Unser "Mühlebrunnen" hat seine Tätigkeit eingestellt, was seit 40 Jahren noch nie vorgekommen ist. Aber auch die Hauswasserversorgung spukt; bald kommt Wasser, bald keines; man ist nie sicher. Schlimm, wenn man nun auch keines draussen am Brunnen holen kann! Es muss offenbar irgendwo durch Kälte eine Rohrleitung gesprungen sein, man sucht fieberhaft nach dieser Stelle.»

    Ausflug an den Zürisee

    «Die "Seegfrörni" vom Zürichsee wirkt sich ebenfalls bis hieher aus: am 5.2. reisten die Oberschüler und am 7.2. die Unterschüler sowie ein Car voll Erwachsener an den See, um diese Seltenheit zu bestaunen (Bilder und Zeitungsausschnitte im Anhang).



    Ab der zweiten Februarwoche bessert's endlich mit der Kälte, am 8.2. morgens nur noch -4 1/2°, nachher meist so um die -5° bis -1° an den Morgen, einmal sogar noch ansteigend auf +3°, auf 0° [unleserlich]. Erst gegen Ende des Monats kommt nochmals ein Kälteeinbruch mit -12°, -12°, -7°, -11°. Bedeckt mit Hochnebel oder sonstwie trübe waren 11 ganze und 3 halbe Tage; sonnig konnte ich verzeichnen 4 ganze Tage, einen Vormittag und 7 Nachmittage. Neblige Morgen gab es 3, Regen einmal an einem Abend. Aber auch Schnee brachte der Horner nochmals, nämlich viermal. Unterm 19.2. notierte ich:

    "Der Winter ist ein harter Mann, kernfest und auf die Dauer! ....."

    Dieser Vers von Matthias Claudius liegt augenscheinlich vor unsern Fenstern. Es hat mindestens 25 cm tiefen Schnee herabgeworfen; die staatlichen und kommunalen Pfadschlitten fahren schon am frühen Morgen und während des Vormittags grad nochmals. Schön ist sie, diese bäumige Winterlandschaft!»

    Kältesumme entscheidend

    Warum eine «Seegfrörni» auf dem Zürichsee oder gar dem Bodensee eine vergleichsweise seltene Angelegenheit ist, erklärt der Studierendenverein der Umweltwissenschaften an der ETH Zürich auf seiner Website metheo.ethz.ch.

    Damit der Zürichsee zufriert braucht es eine Kältesumme von 300 (so genannter  NDD-Wert, für negative degree days). Ab Herbst werden negative Tagesmittelwerte summiert. Addiert werden nur die negativen Mittelwerte, die positiven blendet man aus.

    Beim Pfäffikersee ist es bereits ab einem NDD-Wert von 90 soweit, beim Greifensee ab dem Wert 150. Bei Flüssen dauert es noch etliches länger.

    Quellen
    • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 3-4. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].
    • Seegfrörni: Wann gefrieren die Zürcher Seen? http://www.metheo.ethz.ch/seegfrorni.html (Letzter Aufruf am 13. März 2013)
    [Veröffentlicht am 13. März 2013]

    Samstag, 9. Februar 2013

    Schauspiel-Import aus der Nachbargemeinde? Nein!

    Der «Dramatische Verein» der Nachbargemeinde Stadel ist schon weit über hundert Jahre alt, wie man seiner Chronik entnehmen kann. Seine Aufführungen ziehen Publikum von weit her an. Auch aus Weiach.
     
    Wie man einem Zeitungsinserat entnehmen kann, das Walter Zollinger in seine Jahreschronik 1963 geklebt hat, war es aber die Konkurrenz von weiter südlich, der «Dramatische Verein Niederglatt» (auch er über hundertjährig), die einem Gastspiel nördlich des Neeracherrieds nicht abgeneigt war (zum Vergrössern klicken):
     
     
    Die Verantwortlichen der Dorfmusik hatten damit eine Sorge weniger (immerhin muss man so ein Theaterstück aufwendig vorbereiten) und gleich auch ein Argument mehr für einen Besuch ihrer Abendunterhaltung am Samstag 9. und des Sonntagsnachmittags-Anlasses am 10. Februar 1963.
     
    Kleines Detail am Rande: Dass bei der Freinacht am Samstag nur Erwachsene zugelassen waren, wäre noch nachvollziehbar. Wirklich bemerkenswert ist der Hinweis für den Sonntagnachmittag: «Jugendliche unter 15 Jahren haben keinen Zutritt!». War etwa das Theaterstück nicht ganz jugendfrei? Man muss es fast annehmen, denn auch am Samstagnachmittag wurde in der Kindervorstellung nur das Konzert gegeben und dann ein (nicht näher bezeichneter) Film gezeigt.
     
    Quelle
    • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - zw. S. 17 u. 18. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963]. 
    [Veröffentlicht am 13. März 2013]

    Mittwoch, 30. Januar 2013

    Januarwetter 1963: sogar die Laufbrunnen froren ein

    Vor 50 Jahren wurde Mitteleuropa von einer Kältewelle überrollt. Besonders in der zweiten Monatshälfte wurde es sehr winterlich - mit sibirischen Temperaturen, wie Walter Zollinger in seiner Jahreschronik 1963 schreibt:

    «Januar: Eine sauber-weisse Landschaft begrüsst uns am Neujahrsmorgen. Ist's wohl ein gutes Omen für die Witterung des ganzen Monats? - Schon am zweiten Tag aber wirds leicht regnerisch und der Schnee weicht wieder. Dafür bringen im Laufe des Monats verschiedene andere Tage neuen z.T. sogar reichlichen Schneefall, nämlich der 5. 8. 11. 12. 19. 27. und 30. Januar. So ist der ganze Monat, wie er's am ersten Tag anzeigte, für unsere Kinder wieder einmal ein richtiger Bringer von Winterfreuden.

    Das erste Monatsdrittel ist nicht übermässig kalt, immer so zwischen -2° und +2°C; aber gegen die Monatsmitte wird es kälter: -8°, -12°, am 14. morgens sogar -23°! Jetzt heisst's heizen und aufpassen, dass die Wasserleitungen nicht einfrieren. Die Kälte nimmt nach dem 15.1. nur wenig ab, die Morgen zeigen immer noch so um -10° bis-12°C, vom 20.1. an sogar wieder -16°, -18°, -19° und auch tagsüber hält sich die Kälte immer erheblich unter 0°, durchschnittlich bei -7°. Die Dorfbrunnen überziehen sich einer nach dem andern mit einer dicken Eiskruste und fangen an langsamer und langsamer zu fliessen, bis die meisten überhaupt zu "streiken" beginnen. Bei unserm "Mühlebrunnen" musste ich vom 20.1. an die Eiskruste jeden Morgen mit einem Beil einschlagen, damit es den Trog nicht etwa versprenge. Er stammt nämlich aus dem Jahre 1790 (siehe 1952-er Chronik) und da wär's doch schade um ihn.

    Im übrigen gab es neben ziemlich vielen Tagen mit trübem, nebligem Wetter, oder doch mit kompakter Hochnebeldecke, auch einige recht sonnige Nachmittage oder Abende, dazu vier ganze sonnige Tage. Allerdings blieb es trotzdem auch an diesen recht kalt; der Oberwind beherrschte das Feld. Also, der Jänner hat seine Sache fachgerecht gemacht, er soll ja beileibe nicht warm sein, denn: "Januar warm --- dass Gott erbarm!
    »

    Die Kälte führte übrigens zu einem der seltenen Fälle in denen grosse Seen im Schweizer Mittelland zufrieren - sie war die Voraussetzung für die Seegfrörni 1963 auf dem Zürichsee.

    Quelle
    • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 3. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963].

    Dienstag, 15. Januar 2013

    Vier scharfe Schüsse in der Küche

    Gestern und vorgestern standen in diesem Blog zwei Nachrichten im Fokus, die 1902 vom Berner «Intelligenzblatt» veröffentlicht wurden. Die sich im Untertitel «Tagesanzeiger für die Stadt und den Kanton Bern» nennende Zeitung existierte bis 1919.

    Als dritter Beitrag mit Bezug zu Weiach steht heute eine Notiz vom Donnerstag, 27. Januar 1910 im Fokus (vgl. S. 3), die unter der Rubrik «Unglücksfälle und Verbrechen» zu finden ist:

    «Zürich, 26. ds. Gestern stürzte in Zürich V ein Polier samt einer Ladung Holz infolge Bruches eines Seiles auf die Straße hinunter und war sofort tot.

    In Weiach gab ein 27jähriger Schlosser in der Küche vier scharfe Schüsse auf seine Frau ab. Diese konnte sich ins Freie flüchten. Der Mann wurde verhaftet. Er scheint im Rausch geschossen zu haben.
    »

    Die Abkürzung «ds.» steht für «diess», gemeint ist der laufende Monat. In diesem Fall also der Januar. Ob der Polier im Zürcher Industriequartier vom Holz getroffen wurde? Als bequemen Aufzug hat er die Holzlieferung hoffentlich nicht missbrauchen wollen.

    Wie mit dem Metallarbeiter aus Weiach weiter verfahren wurde, ist mir derzeit nicht bekannt. Ohne einen Gerichtsprozess und eine Haftstrafe dürfte er nicht davongekommen sein. Weitere Informationen müssten der regionalen Presse entnommen werden.

    Montag, 14. Januar 2013

    Obstsegen von über 10'000 Bäumen

    Im gestrigen Beitrag war die Rede von abhanden gekommenem Geld, das unter den Kartoffeln gefunden wurde - eine der fünf Fundstellen des Namens Weiach in den jüngeren Ausgaben des Berner «Intelligenzblattes».

    Heute nun die zweite Fundstelle aus demselben Jahr. Sie datiert vom Freitag, 7. November 1902. Auf S. 2 findet man den folgenden Text:

    «Obstsegen. Einem Landwirt in Weiach (Zürich), der besonders auf edles Obst hält und sehr viele Edelobstbäume besitzt, wurden für den Gesamtertrag 3000 Fr. geboten. Er schlug nicht los, sondern verlangte 4000 Fr. Die obstreiche Gemeinde Weiach, die, wie kaum eine andere gute Sorten zählt, besaß schon im Jahre 1882 über 10,000 Obstbäume.»

    Ist das nicht unglaublich? Auf weniger als 5 Quadratkilometern (von den 964 Hektar Gemeindefläche ist nämlich gut die Hälfte von Wald bestockt) fand man statistisch auf jeder Hektare 20 Obstbäume. Weil es ja auch noch viel Ackerland gab, war damit die Dichte an Obstbäumen in den Bungerten (Baumgärten) um das Dorf herum noch wesentlich höher.

    Und heute? Welch kümmerliche Reste sind von der ganzen Pracht übrig geblieben? Wieviele Bäume sind rücksichtslos der Rationalisierung der Landwirtschaft und der Bauwut geopfert worden? Was für ein Verlust an genetischer Vielfalt ist da zu beklagen, zählte man doch im Weiach des 19. Jahrhunderts Dutzende verschiedener Sorten.

    Die oben erwähnten 4000 Franken für den Gesamtertrag wären heute mit einem Erlös von rund 143'000 Franken zu veranschlagen (vgl. die Rechenbeispiele bei Swisstoval im Artikel von gestern).

    Nur: Mit Papiergeld, das je länger je weniger Wertgehalt hat, sollte man das landwirtschaftliche Erbe nicht messen. Es ist unbezahlbar wertvoll.

    Sonntag, 13. Januar 2013

    Barschaft und Kassenbüchlein unter den Kartoffeln

    Wo ältere Menschen grosse Geldsummen zur Verfügung haben, da finden sich unweigerlich Erbschleicher und andere zwielichtige Gestalten ein. Die berüchtigten Enkeltrick-Betrüger sind nur eine der bekannteren Spielarten.

    Dass ein Betreuungsverhältnis auch früher schon zu zumindest heiklen Situationen führen konnte, zeigt der folgende Artikel aus dem Jahre 1902:

    «Aargau. Eine schlimme Geschichte ist im Bezirk Laufenburg allgemeiner Gesprächsstoff. Eine Witwe S.H. von Kaisten war seit längerer Zeit Magd bei einem älteren, von seiner Frau geschiedenen Mann in Weiach (Zürich). Jüngst starb dieser, und die Angehörigen vermißten eine bedeutende Summe Geldes in seiner Verlassenschaft. Frau H. wurde deshalb in Weiach eingesteckt und gestand, das Fehlende (mit Einwilligung des Meisters) entwendet und ihrer Tochter in Kaisten zur Aufbewahrung übergeben zu haben. Mittwoch, den 19. März, wurde nun bei den hochbetagten, ledigen Tanten der Tochter, wo sie das Hauswesen führt, Haussuchung gehalten. Trotz beständiger Ableugnung des Besitzes fand man im Keller teils in Barschaft, teils in Kassenbüchlein 7000 Fr. unter den Kartoffeln versteckt. Natürlich wurde nun auch die Tochter in Laufenburg in Verwahrung genommen. Die beiden alten Tanten, deren Bruder jüngst gestorben, wußten gar nichts von dem verborgenen Schatze und waren höchst bestürzt, als sie ihre bisher durchaus unbescholtene und brave Nichte, welche zudem verlobt war, in einen so schiefen Handel verwickelt sahen. In wie weit Mutter und Tochter schuldbar sind, wird die Untersuchung zeigen.»

    Diese Story findet man im Berner «Intelligenzblatt» vom Mittwoch, 26. März 1902 auf Seite 2. Diese Bezeichnung ist im Sinne des englischen Intelligence zu verstehen, also als Nachrichtenblatt (vgl. u.a. den Wikipedia-Artikel Intelligenzblatt).

    Die Publikation war nach Einschätzung der Universitätsbibliothek Bern «lange Zeit die wichtigste Berner Tageszeitung». Die UB Bern hat die vollständigen Jahrgänge scannen lassen und macht sie unter intelligenzblatt.unibe.ch online zugänglich. Über die dort angebotene Suchmaschine findet man in insgesamt fünf Ausgaben den Ortsnamen Weiach.

    Und um wie viel Geld ging es bei diesen 7000 Franken? Der spätere Nobelpreisträger Albert Einstein verdiente im Jahr 1909 als Mitarbeiter des Eidgenössischen Patentamts 4500 Franken. Der speziell zur Homogenisierung von Geldwertangaben geschaffene Historische Lohnindex (HLI) gibt für diese Summe umgerechnet auf das Jahr 2009 einen Wert von 161'508 Franken an.

    Unter den Kartoffeln lag also nach heutigen Geldwerten gerechnet rund eine Viertelmillion!

    Mehr zum Historischen Lohnindex und der Umrechnung von Einsteins Lohn unter http://www.swistoval.hist-web.unibe.ch

    Hilfsmittel
    • Christian Pfister, Roman Studer: Swistoval. The Swiss Historical Monetary Value Converter. Historisches Institut der Universität Bern. http://www.swistoval.hist-web.unibe.ch (Zugriff am 13.01.2013)

    Donnerstag, 3. Januar 2013

    Was im März 1785 alles zum Wirtshaus zu Weyach gehörte

    Im alten Stadtstaat Zürich gab es im 18. Jahrhundert wöchentlich erscheinende Publikationen, in denen neben amtlichen Verlautbarungen auch private Anzeigen veröffentlicht wurden, so das «Hoch-Obrigkeitlich bewilligte Donnstags-Blatt» (vgl. Bild)


    In der Rubrik «Es wird zum Verkauf angetragen» der Ausgaben No.  XIII  vom 31. Merz 1785  [Nr. 10] und der No. XIV vom 7. Aprill 1785  [Nr. 30] wurde folgendes Inserat abgedruckt:

    «Ein Tafernen-Wirthshaus zu Weyach, bestehend in 3 Stuben, 5 Kammern mit 4 Bettern, 2 Schüttenen, Freyheit zu backen, zu wirthen, zu mezgen, zum Schrepfen und Aderlassen, ein gewölbter Keller mit 100 Saum Faß, alle mit Eisen gebunden, auch eine Trotten, 100 Saum Träst zu behalten, item eine Scheuer samt einem Gast-Stall, ein Haus-Stall, Waschhaus, s. v. Schweinstall, ferner ein Krautgarten, samt 2 dabey ligenden Baumgärten mit vielen Bäumen, ungefehr 3 Vierling groß, 7 Juchart Acker in allen 3 Zelgen, 5 Vierling gute Wisen, eine halbe Juchart Reben nahe bey dem Haus, ein Vierling Farb. Reben, eine Juchart Bauholz, 4 Juchart Holz und Boden, und ein grosser Platz vor dem Haus, Bau zusammen zu schorren

    Umfassende Konzession

    Unter einer Taferen oder Taverne verstand man zu dieser Zeit eine auch als ehaftes Wirtshaus bezeichnete Gaststätte, die - im Fall von Weiach als einzige - staatlich konzessioniert war und daher exklusiv das Recht auf umfassende Dienstleistungen für Gäste besass (vgl. auch den Wikipedia-Artikel Tafernwirtschaft).

    Was im Fall der 1785 in Weyach zum Kauf angebotene Taferen alles zu den Rechten gehörte, wird im Inserat anschaulich beschrieben: der Wirt durfte eine Bäckerei, eine Metzgerei, eine Baderei (Schröpfen und Aderlassen) betreiben sowie Gäste über Nacht unterbringen. Für die Pferde, das Fortbewegungsmittel des Gastes, gab es einen eigens dafür vorgesehenen Stall (heute wäre das eine Tiefgarage).

    Mit der eigenen Trotte konnte der Wirt auch selber Traubensaft pressen und daraus Wein keltern. Der Keller fasst immerhin Fässer mit einem Gesamtvolumen von 15'000 Litern (1 Saum = 150 Liter), wofür seine eigenen Reben kaum ausreichten.

    Der dazugehörende Umschwung (Krautgarten und zwei Baumgärten, ca. 2700 Quadratmeter) waren aber für die Selbstversorgung gut geeignet und die rund zweieinhalb Hektaren Ackerland, eine halbe Hektare Wiesen und anderthalb Hektaren Wald auch nicht zu verachten.

    Was ist ein Vierling? Vorsicht mit Flächenmassen!

    Eine Jucharte unterteilte sich in 4 Vierlinge oder 16 Quärtli (vgl. Artikel Juchart im Historischen Lexikon der Schweiz). Der Einfachheit halber wird bei obigen Berechnungen davon ausgegangen, dass 1 Jucharte rund 36 Aren entspricht, ein Vierling wäre demnach etwa 9 Aren gross.

    Zu beachten ist aber, dass eine Juchart je nach Bodennutzung (Äcker, Wiesen, Wald oder Rebgelände) durchaus unterschiedlich gross sein konnte. So waren Waldjucharten eher grösser, Rebjucharten hingegen kleiner. Der Grund für diesen Unterschied: mit dem Begriff der Jucharte wurde der Zeitbedarf für die Bewirtschaftung gemessen (vgl. unten Weiterführende Artikel).

    Wo stand die ehafte Taverne damals?

    Aufgrund eines in den 1820er-Jahren gezeichneten Plänchens (vgl. WeiachBlog Nr. 944) darf man annehmen, dass das Wirtshaus damals auf dem Platz der heutigen Liegenschaft Oberdorfstrasse 7 stand - an der Verzweigung von Oberdorfstrasse und Winkelstrasse, d.h. am Nordende des alten Hauptplatzes im Dorfzentrum. Das Südende besteht aus der Gabelung Oberdorfstrasse - Alte Poststrasse (ehemals Zürcherstrasse genannt, die über die Bergstrasse nach Stadel Richtung Zürich führte).

    Weiterführende Artikel