Freitag, 31. Juli 2015

Juliwetter 1965: alles zwei Wochen im Rückstand

Auch im Juli 1965 war das wenig vorteilhafte Wetter Gesprächsthema. Im Gegensatz zum Hitzejuli 2015 mit drei extrem heissen und trockenen Wochen präsentierte sich die Lage vor 50 Jahren ziemlich durchzogen. Und vor allem spürten die Landwirte die Auswirkungen der Witterung der Vormonate (vgl. Beitrag zum Mai 1965), wie Walter Zollinger in seiner Jahreschronik berichtet:

«Juli. Am 2.7. schrieb ich: "Der Nachbar zur Linken hat gestern sein letztes Fuder Heu eingebracht, der Nachbar zur Rechten wird morgen fertig mit heuen", während ich letzten Sommer schon am 18.6. berichten konnte, dass die letzten Fuder Heu heimfahren. Also auch da ca. 14 Tage Rückstand gegenüber dem Vorjahr.

Ich zählte für diesen Monat: 7 ganze sonnige Tage, 10 sonnige Vor- oder Nachmittage; bedeckt oder bewölkt waren 6 ganze Tage, 7 Vormittage und 2 Nachmittage, Regen brachten vor allem die Nächte, nämlich 5mal, 1mal vormittags, 2mal nachmittags und einmal den ganzen Tag. Dreimal gab’s Gewitter und 3 Tage bzw. Nachmittage oder am Vormittag wechselten zwischen kurzen Sonnenblicken und raschen Schauern. Winde regierten an 8 Tagen.

Höchsttemperaturen morgens 20°, mittags 27°, abends 25°
Tiefsttemperaturen morgens 9°, mittags 14°, abends 11°
»

Das Eigenzitat bezieht sich auf die Notizhefte Zollingers, in denen er täglich das Wetter und andere Begebenheiten (wie eben die zum letzten Fuder Heu) für spätere Verwendung notierte.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 6-7. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].

Sonntag, 26. Juli 2015

Kein Kindergarten am Kindergartenweg?

Im Kanton Zürich gibt es je einen in Embrach, Hochfelden und Dietikon: einen Kindergartenweg. Und einen vierten in Weiach. Speziell an der Weiacher Ausgabe ist, dass man da seit einiger Zeit keinen Kindergarten mehr findet. Beziehungsweise nur den alten Kindergarten. Denn das neue, mit farbigen Borsten aufgemotzte Gebäude - passenderweise «Kindergarten Farbtupf» genannt - steht auf dem Schulhausareal (Lagebezeichnung auf der Website der Primarschulgemeinde: «neben dem Schulhaus Hofwies in Richtung Roter Platz»).

Der alte Kindergarten wurde 1966 an einem seitlichen Stichsträsschen zur Riemlistrasse gebaut. Walter Zollinger schrieb in seiner 1972 erschienenen Monographie Weiach 1271-1971: «Kindergarten an der Riemlistrasse, ein Geschenk der Weiacher Kies AG». Die seit 1962 unter der Führung des Duisburger Haniel-Konzerns aufgebaute Kiesfirma zeigte sich also sehr spendabel. Denn so ein Gebäude war auch vor bald 50 Jahren nicht gratis zu haben.

Erst seit 1992 bestehender Strassenname

Im Rahmen der Neuorganisation der Weiacher Hausnummerierungen (Übergang vom Gebäudeversicherungs- auf das Polizeinummern-Modell) erhielt diese gerade einmal rund 70 Meter lange Stichstrasse im Jahre 1992 den Namen «Kindergartenweg». Das war damals durchaus passend, denn neben dem Kindergarten selber (Kindergartenweg 2) stand an dieser Sackgasse nur noch die Neuapostolische Kirche (ehemals Kindergartenweg 4).

Letztere ist von ihrer Glaubensgemeinschaft geschlossen, verkauft und schliesslich abgerissen worden (vgl. WeiachBlog vom 17. Dezember 2006). Auf dem rund 2800 m2 grossen Grundstück steht nun eine Siedlung mit insgesamt 6 Einfamilienhäusern. Die erhielten die Adressen Kindergartenweg 3 bis 8.

Dasselbe Schicksal wie dem neuapostolischen Gotteshaus könnte auch dem alten Kindergarten blühen. Denn der steht nun ebenfalls zum Verkauf. Für eine grössere Überbauung ist das Gelände viel zu klein (rund 862 m2 auf zudem nicht ganz üblichem Grundriss, vgl. gis.zh.ch; Grundstück 104 Weiach). Zudem wurde erst 2004 durch die Schulgemeinde noch eine grössere Investition getätigt: eine Stützmauer für 60'000 Franken.

Dennoch ist es wahrscheinlich, dass ein Käufer angesichts des wohl nicht mehr ganz über alle Zweifel erhabenen baulichen Zustands des Gebäudes oder anderer Raumbedürfnisse zum Entscheid gelangt, das Objekt abreissen und durch einen Neubau ersetzen zu lassen.

Neubenennung angezeigt

Das wäre dann definitiv der Zeitpunkt, ab dem der Strassenname zur rein historischen Reminiszenz verkommt. Vielleicht sollte man sich jetzt ernsthaft Gedanken zu einer Umbenennung machen.

Für die Neu-Weiacher in den sechs vor wenigen Jahren erstellten Einfamilienhäusern wäre das zwar eine grosse Umstellung (man muss schliesslich sämtliche Drucksachen anpassen - und es gibt zumindest eine dort ansässige Firma, die Y&G International Services GmbH). Aber trotzdem: jedesmal erklären zu müssen, dass man am Kindergartenweg ohne Kindergarten ansässig ist, das ist vielleicht auch nicht wirklich spassig.

Den Namen Kindergartenweg könnte man auf die von der Herzogengasse abzweigende, ebenfalls nur rund 60 Meter lange Sackgasse beim Roten Platz übertragen. Die liegt schliesslich direkt unterhalb des neuen Kindergartens. Da wäre der Strassenname nun passend. Und schliesslich gibt es ja auch schon den «Schulweg», als südliche Umfassung des Schulareals.

Vorschlag: Ehre wem Ehre gebührt!

Anstelle der heutigen Bezeichnung «Kindergartenweg» könnte die Gemeinde den Namen «Albert-Meierhofer-Weg» vergeben.

Warum gerade dieser Name? Nun, Albert Meierhofer-Nauer (1887-1967) war lange Jahre Weiacher Gemeindepräsident: von 1941 bis 1966. Er war massgebend daran beteiligt, dass die Weiacher Kies AG im Hard ihre Tätigkeit aufnehmen konnte. Und schon deshalb ist er nicht ganz unschuldig am Bau des Kindergartens von 1966 (vgl. dazu auch den WeiachBlog-Beitrag vom 14. April 2007: Wer war Albert Meierhofer?).

Es wäre daher schön - und auch passend - wenn man diesen trotz aller Tatkraft bescheidenen, aber für die Gemeinde Weiach sehr bedeutenden Mann mit der Benennung einer kleinen Strasse ehren könnte. Affaire à suivre!

Samstag, 25. Juli 2015

weiachergeschichten.ch - Von der Subdomain zur eigenen Domain

Seit genau einem Jahr, dem 25. Juli 2014, ist das gesamte Angebot der «Weiacher Geschichte(n)» unter der eigenen Domain «weiachergeschichten.ch» erreichbar. Parallel dazu war es auch noch ein paar Monate auf dem ab 2009 genutzten Portal «weiachergeschichten.kirche-weiach.ch» verfügbar.

Landeskirche übernahm Webauftritt der Kirchgemeinde Weiach

Da die Webangebote der Reformierten Kirchgemeinde Weiach seit Jahresbeginn 2015 von der evangelisch-reformierten Landeskirche gehostet und betreut werden, war ein Wechsel auf einen anderen Server unumgänglich. Der Autor hat sich daher bereits im Juli 2014 entschieden, sich den Domainnamen weiachergeschichten.ch zu sichern.

Aus weiachergeschichten.kirche-weiach.ch wurde damit weiachergeschichten.ch - alle anderen Elemente der URL (wie Links zu den einzelnen Beiträgen) haben sich nicht verändert. Denn mein Web-Angebot wird weiterhin vom ehemaligen Weiacher Pfarrer Christian Weber über Wordpress zur Verfügung gestellt. Nur ist es seit einem Jahr auf einem privat finanzierten Serverplatz gehostet. Dafür sei Christian an dieser Stelle wieder einmal herzlich gedankt.

Neuer Ankerplatz

Damit ist nach einer Odyssee über verschiedene Hosting-Plätze ein neuer Ankerplatz erreicht. Und der wird nun hoffentlich auf absehbare Zeit die letzte URL-Veränderung darstellen. Solange Wordpress zur Administrierung verwendet wird, dürfte sich der Aufbau der URL auch nicht mehr ändern. Selbst dann, wenn die Hosting-Plattform gewechselt werden sollte.

Was mit den früheren Plätzen geschah

Rein interessehalber sei hier einmal aufgeführt, was aus den früheren Hosting-Orten geworden ist:
  • geocities.com wurde von Yahoo übernommen und am 26. Oktober 2009 eingestellt. Teile des Angebots des damaligen Webauftritts von Weiacher Geschichte(n) sind unter der privaten Initiative geocities.ws noch abrufbar, namentlich die Artikel bis und mit Nr. 111. WS ist die Toplevel-Domain von Samoa, die hinter geocities.ws stehenden Personen operieren aber von den USA aus.
  • eSnips.com wurde ebenfalls eingestellt. eSnips geriet 2008 in grosse Schwierigkeiten und musste notverkauft werden. Seit spätestens 2013 ist der gesamte Content nicht mehr verfügbar. vgl. http://techcrunch.com/2009/01/05/esnips-a-story-of-hearthache-for-its-founders-investors-employees/
  • scribd.com ist zur Bezahlplattform verkommen. Unter https://de.scribd.com/api-3706933 sind alle vom Autor der Weiacher Geschichte(n) hochgeladenen 144 Dokumente verfügbar. Mit Stand Juni 2015 verbucht Scribd dafür rund 11000 Views, 0 Followers und 13 Likes ;)
[Veröffentlicht am 29. Juli 2015]

Donnerstag, 23. Juli 2015

Das «tiefe Bodenloch» auf dem Leuenchopf

Passend zum Sommerloch wird heute im «Zürcher Unterländer» ein anderes Loch thematisiert. In der Rubrik «Unterland Kurios» beschreibt die Redaktion, welch unterschiedliche Deutungen es im Laufe der Jahre für ein Loch auf dem Weiacher Wörndel, in der Nähe des markanten Leuenchopfs, gegeben hat (vgl. den Artikel «Ein schützenswertes Loch im Boden» vom 23. Juli 2015).

Wo man die Ausgaben 76 und 77 findet

Wieder einmal hat die Namensgleichheit des URL von WeiachBlog (http://weiachergeschichten.blogspot.ch) mit dem zentralen Anlaufpunkt für die Lokalgeschichte (weiachergeschichten.ch) für Verwirrung gesorgt, schreibt doch der ZU:

«Ulrich Brandenberger – er ist der Her­aus­geber des Blogs Weiacher­geschichten.blogspot.ch –, hat sich in den Ausgaben 76 und ­ 77 schon vor Jahren eingehend mit dem Thema befasst und die wesentlichen Informationen dazu zusammengetragen.»

Nachstehend die Originaltitel und Links auf die erwähnten Ausgaben der «Weiacher Geschichte(n)»:

Nr. 76 - Die Helvetier-Hypothese. Wie alt sind die Wallanlagen im Ebnet und auf dem Wörndel? (Teil 1)(erstmals publiziert in: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, März 2006; für das Bodenloch siehe S. 261)

Nr. 77 - «Unbekannte Zeitstellung». Wie alt sind die Wallanlagen im Ebnet und auf dem Wörndel? (Teil 2) (erstmals publiziert in: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, April 2006; für das Bodenloch siehe S. 264)

Keller et. al.: Wer alles schon über das Bodenloch geschrieben hat

In Nr. 76 sind auf S. 261 die Hinweise auf das Bodenloch zu finden, die über die Jahre in die Literatur Eingang gefunden haben:

«Zwischen dem innern und äußern Wall befindet sich ein Loch, das, nach verschiedenen Anzeichen zu schließen, einem verstürzten Gang angehört.» (Keller-Tarnuzzer, K.: Siebenundzwanzigster Jahresbericht der Schweizerischen Gesellschaft für Urgeschichte, 1935 – S. 76. [Fund J. Wegmann – ausführlicherer Bericht – mittelalterlicher Turm?])

«Hier Loch, Wälle und Graben als deutliche Ueberreste eines Refugiums.» (Hedinger, H.: Wanderatlas der Zürcher Jllustrierten Nr. 10A. Zürich Nord-West. Zürich, 1937 – S. 76-77.)

«Ob das Loch, beziehungsweise der Gang im Refugium Wörndel/Weiach demselben Zweck gedient hat, kann erst eine nähere Untersuchung dieser sonderbaren Erscheinung klären.» (Grossmann, H.: Grenzwehr am Zürcher Rhein. In: 17. Jahrheft des Zürcher Unterländer Museumsvereins 1968/69. Oberweningen, 1970.)

In Nr. 77 ist eine Zeichnung aus Georg Hartmanns Skizzenbuch abgebildet. Dort findet man zwischen den beiden Gräben eine wohl mit dem «tiefen Bodenloch» zu identifizierende Struktur, die Hartmann als «Höhle» bezeichnet hat.

Nicht mehr als separates Objekt auf der KGS-Liste

Das Bodenloch war noch in der 2013 erstellten «B-Liste Kantonal» des Kulturgüterschutzes (KGS) mit der ID 102LOCH00001 aufgeführt, wird aber heute nicht mehr als separates Objekt geführt (wie es im Wikipedia-Artikel «Liste der Kulturgüter in Weiach» noch drinsteht), sondern als Ensemble:

KGS-Nummer: 7741 
Gemeinde: Weiach 
Bezeichnung: Stein, befestigte Gebäuderuine und Wörndel / Leuenkopf, Wallanlage 
Koordinate: 676200 268100 
GIS ZH: http://maps.zh.ch?topic=ArchDenkmalZH&x=676200&y=268100&scale=2000 
Objektart: Bau/Archäologie

(vgl. Bundesamt für Bevölkerungsschutz: KGS-Inventar, B-Objekte Kanton Zürich, Stand 1.1.2015)

«Horde» von Zivilschützern?

Alles in allem stellt der ZU-Artikel die Sachlage so dar, wie sie ist. Offensichtliche Schnitzer sind bei schneller Durchsicht keine auszumachen, abgesehen vom eingangs erwähnten URL-Thema und der ungenauen organisatorischen Verortung von «Hans Schüpbach, stellvertretender Chef des Kulturgüterschutzes». Da hätte man erwähnen können, dass er beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz tätig ist.

Völlig deplatziert ist hingegen der gegen Ende des Beitrags gewählte Ausdruck «Horde» für Angehörige des Zivilschutzes. Klar: der Artikel ist in diesem Schlussabschnitt bewusst etwas überdreht formuliert. Aber so geht es nicht, sorry! Das ist eine Beleidigung von Dienstpflichtigen.

Dienstag, 7. Juli 2015

Handlanger und Serviertochter im Zürichsee ertrunken

Dass Leichen aus dem Zürichsee gezogen werden, ist ja leider keine Seltenheit. Das kam auch vor 100 Jahren bereits vor, zumal damals auch unter der einheimischen Bevölkerung längst nicht jeder schwimmen konnte.

Dem Umstand, dass im Gegensatz zu heute in früheren Zeiten der Persönlichkeitsschutz in den Gazetten noch nicht so ausgeprägt war, verdanken wir die eine oder andere Zeitungsmeldung. So wie diese hier, die heute vor genau 100 Jahren im «Schaffhauser Intelligenzblatt» erschienen ist:

«Unglücksfälle und Verbrechen. — Zürich. 6. Die Leichen der am vergangenen Samstag auf dem Zürichsee ertrunkenen beiden Personen konnten heute nach langem Suchen gehoben werden. Es handelt sich um eine Josefine Walter, von Bütsch, bei Straßburg, geb. 1884, Serviertochter, und um einen Mann namens Baltisser von Weyach, Handlanger von Beruf. Nähere Angaben fehlen.»

Quelle: Schaffhauser Intelligenzblatt, 7. Juli 1915 (http://archiv.shn.ch/)

Im Jahre 1941 wurde das «Intelligenzblatt» in «Schaffhauser Nachrichten» umbenannt, den Titel, unter dem die Tageszeitung bis heute erscheint. Der Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Nationalbibliothek ist die 2013 abgeschlossene, komplette Digitalisierung aller bisher erschienenen rund 700'000 Zeitungsseiten zu verdanken.

[Veröffentlicht am 27. Juli 2015]

Montag, 6. Juli 2015

1. Augustrede 2014? Nationalrat Schibli nicht erreichbar

In den letzten Jahren ist es quasi Tradition geworden, dass WeiachBlog exlusiv die Rede zum 1. August veröffentlicht hat. Wenn es denn eine gab. 2012 fiel die Rede nämlich ganz aus (zu den Gründen vgl. den Artikel «Die ausgefallene 1. August-Rede» vom 3. August 2012).

Im vorigen Jahr, also 2014, ist die Rede zwar gehalten worden. Sie ist aber leider für diesen Blog bis heute nicht verfügbar.

Ein SVP-Politiker hielt die Ansprache

Wie üblich hat sich WeiachBlog schon Wochen vorher darum bemüht, herauszufinden, wer reden wird. Gemäss Auskunft von Anita Bucher von der für den Anlass verantwortlichen Trachtengruppe Wehntal wurde der letztjährige Redner von der Gemeinde organisiert. Es handelte sich um Nationalrat Ernst Schibli, SVP, aus Otelfingen. Da diese Gemeinde im Wehntal liegt macht das durchaus Sinn: man konnte den Namen des die Feier organisierenden Vereins zum Nennwert nehmen.

Schibli (*1952) war vom 26.11.2001 – 4.12.2011 bereits einmal im Nationalrat. Am 5. Mai 2014 hat er erneut im Rat Einsitz genommen (vgl. den NZZ-Artikel Bodenständiger Parteisoldat). Bekannt wurde Schibli in den Medien vor allem dank seinem Geissbock «Zottel», dem SVP-Maskottchen, das einst von Linksaktivisten aus seinem Stall entführt wurde.

Gemäss Register der Interessenbindungen des Nationalrats ist Schibli Mitglied des Verwaltungsrates der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich, sowie Vorstandsmitglied des Zürcher Bauernverbandes. Weiter ist er im Vorstand des Vereins für produzierende Landwirtschaft (VPL) aktiv.

Eine Rede, die wirklich nur eine Rede bleibt

Und diese Aktivitäten sind nun offenbar derart fordernd, dass trotz mehrmaligen schriftlichen Kontaktversuchen (sowohl über die private, wie die Parlaments-E-mail-Adresse) und trotz mehrfachen Telefonanrufen absolut keine Rückmeldung zu erhalten war.

Er hätte ja auch einfach sagen können, er wolle seine Rede nicht veröffentlicht haben. Eine Rede sei eine Rede und keine Schreibe - und deshalb für den Moment und nicht für die Ewigkeit gedacht. Das wäre für mich überhaupt kein Problem gewesen.

Aber gar keine Reaktion? Das ist für einen in der Öffentlichkeit stehenden, auf nationaler Stufe aktiven Politiker doch eher unüblich. Es sei denn man sei ein Parteisoldat.

Und so schliesst WeiachBlog hiermit nach bald einem Jahr das Dossier «Bundesfeier 2014» und macht sich an die Abklärungen für die diesjährige Rede.

Freitag, 3. Juli 2015

Nachtbus Anno 1965

«Schon in den 60er Jahren gab es eine Nachtverbindung ab Zürich nach Weiach. In Glatt­fel­den bestand Anschluss an den letzten Zug. Diese Buslinie wurde aber mangels genügen­der Auslastung nach kurzem Probebetrieb wieder eingestellt.»

Diese kurze Notiz findet man in der dritten und vierten Auflage der Monographie über die Weiacher Ortsgeschichte (begonnen von Zollinger, weitergeführt von Brandenberger).

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums dieses erstmaligen Nachtbus-Versuchs geht WeiachBlog dessen Geschichte anhand der Jahreschronik 1965 von Walter Zollinger auf den Grund. Dort findet man im Textteil die folgenden Zeilen:

«Da ab dem Maifahrplan 1964 der bisherige an Samstagen verkehrende Spätzug Eglisau-Koblenz aufgehoben wurde, bemühten sich die Ortsbehörden von Kaiserstuhl, Weiach und Zweidlen-Glattfelden, dafür einen Ersatz zu erhalten. Es wurde daher ab 3.7.65. versuchsweise ein Autobus-Spätkurs eingeführt (Fahrplan und Näheres siehe im Anhang). - Allerdings war die Benützung desselben leider so bescheiden, dass die Gemeinderäte obgenannter Gemeinden beschliessen mussten, den Kurs ab Ende 1965 wieder aufzuheben. Kostete doch dieser "Spass" jede der drei Gemeinden etliche hundert Franken.» (G-Ch Weiach 1965, S. 20)

Man lese und staune: Da gab es also einen Spätzug! Leider erwähnt Zollinger nicht, wann der in Eglisau abgefahren ist. Leistungsabbau war bei den SBB also auch damals schon kein Tabu.

Fahrplan und «Kleingedrucktes»

Einzelheiten zu diesem Autobus-Spätkurs sind aus einem der Jahreschronik beigehefteten, separaten Blatt ersichtlich, das der Gemeinderat drucken und verteilen liess:


«Gemeinderat Weiach

Provisorische Einrichtung eines Autospätkurses auf der Strecke Glattfelden-Zweidlen-Weiach-Kaiserstuhl

Fahrplan (Fahrpreis in CHF)
Glattfelden SBB Station ab 00.28,
Glattfelden Post ab 00.35 (-.50)
Glattfelden Aarüti ab 00.38 (-.75)
Glattfelden Zweidlergraben ab 00.40 (-.75)
Glattfelden SBB Station Zweidlen ab 00.44 (1.-)
Weiach Gasthof Sternen ab 00.52 (1.50)
Weiach SBB Station ab 00.54 (1.75)
Kaiserstuhl Rest. Kreuz an 00.56 (1.75)

Allgemeine Bestimmungen

1. Der Autospätkurs verkehrt jeweils nur in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag im Anschluss an Zug 3099, vorläufig nur bis 31. Dezember 1965, um Frequenz und Defizit feststellen zu können. Aufhebung oder Fortbestand wird später rechtzeitig publiziert.

2. Die Billete sind im Autokurs zu lösen. Die gewöhnlichen einfachen und Retour-Billete der SBB sind auf dem Autokurs gültig. Auf SBB-Abonnements ist ein Zuschlag von 1.- zu entrichten.

3. Der Autokurs befördert auch Reisende auf dem Rückweg nach Zweidlen und Glattfelden. Retourfahrten ab Kaiserstuhl u. Weiach sind jedoch dem Chauffeur, Herrn Fritz Hürzeler, Glattfelden rechtzeitig anzumelden.

Weiach, den 23. Juni 1965   Der Gemeinderat»

Man kann sich denken, wie es bei diesem Versuchsbetrieb am Ende des Jahres mit dem Defizit aussah. Dieses dürfte nicht gerade klein, die Nachfrage nicht überwältigend gewesen sein. Nachdem die SBB ihren Spätzug gestrichen hatten, war dies nun auch mit dem Autospätkurs der Gemeinden Glattfelden, Weiach und Kaiserstuhl nicht anders.

Lange Zeit danach verliess der letzte Zug, der noch Anschluss bis zur Station Weiach-Kaiserstuhl hatte, Zürich kurz nach 21 Uhr. Man konnte also keinen Kino- oder Theaterbesuch in der Stadt wagen, ohne danach auf ein Taxi oder die eigene Motorisierung angewiesen zu sein.

Mit der Gründung des Zürcher Ver­kehrsverbundes kam Weiach dann endlich wieder zu einer Spätver­bindung: Zürich HB ab 23:37 Uhr.

Erst seit dem 15. Dezember 2002 gibt es am Wochenende Spezialkurse für Nachtschwärmer. Seit damals gibt es das Nachtnetz (vgl. ZVV-Website für den aktuellen Netzplan)



Dem Ausschnitt aus diesem Nachtnetzplan ist zu entnehmen, dass man ab Zürich zuerst mit der SN5 (S-Bahn) nach Oberglatt fahren und dort auf den Nachtbus N51 umsteigen muss. Der fährt aber nicht jede Stunde gleich. In der Nähe der Bezirkshauptorts verzweigt sich die Linie (einmal Richtung Wehntal, einmal Richtung Neerach, Stadel, Weiach, Kaiserstuhl und Bachs). Es lohnt sich also, den Fahrplan zu konsultieren.

Quellen
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 20 u. 44. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].
  • Brandenberger, U.: Weiach. Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes. Vierte, überarbeitete Auflage von Walter Zollingers «Weiach. 1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach». Online-Ausgabe August 2014 - S. 51

[Veröffentlicht am 29. Juli 2015]

Mittwoch, 1. Juli 2015

Als Zeitungsverträgerin vor 50 Jahren begonnen

Hildia Maag war in Weiach während Jahrzehnten eine Person, um die man sozusagen nicht herumkam. Als Gemeindeweibelin verteilte sie von 1970 bis 2005 im Dorf alles, was es an offiziellen Unterlagen eben so zu verteilen gab.

Ihr Vater, genannt «Finken-Edi», hatte sich sogar noch als Ausrufer offizieller Nachrichten betätigt. Daher der Übername «Heepene» (für die Mutter) und die Verkleinerungsform für die Tochter: «Heepeli» (für den anderen Übernamen siehe unten).

Ihre Ortskenntnisse machte Hildia sich bereits etwas früher zu Nutzen, wie Walter Zollinger in seiner Jahreschronik 1965 schreibt:

«Ab 1. Juli werden die beiden Tageszeitungen "Der Zürichbieter" und "Der Zürcher Unterländer" von Frau Hilde Maag-Meierhofer (Finkenhilde genannt) vertragen; vorher hatte dies während Jahrzehnten Frau Bianchi-Spitznagel besorgt. Diese bringt nun nur noch den "Tagesanzeiger" im Dorf herum.»

Auch Maag war danach jahrelang als Zeitungsverträgerin tätig.

Quellen
[Veröffentlicht am 29. Juli 2015]